Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 2 (1901) Heft VIII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2642950-2642960-2642962--0784-2643716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
174 sind leicht und künstlerisch äusgefiihrt. Einzelne Spuren zeigen, dass die Schnitzerei ursprünglich viel breiter und grösser war, und dass dieselbe höchst wahrscheinlich die ganze Fläche der Wand an beiden Seiten der Lade eingenommen hat. Die Vergoldung der Schnitzerei, welche an einigen Stellen poliert, an anderen Stellen matt ist, hat sich noch ziemlich gut erhalten. Dieselbe muss einst diesen ganzen Teil des Gotteshauses sehr verschönert haben. Die Lade gehört, soviel wir erfahren konnten, zu dem ältesten Inventar der Synagoge. Nach der Zerstörung der Synagoge während des Aufruhrs der Kosaken (1648) blieb dieselbe lange Jahre leer und geschlossen. Erst nach der Rückkehr eines Teiles der Bewohner nach der Niederwerfung des Aufstandes und dem Zuzuge der «luden aus der Nachbarschaft, was um das Jahr 1690 stattfand, wurde die Synagoge wieder in Ordnung gebracht und die Lade restauriert, wobei man einige Teile, welche intakt geblieben waren, benutzte. Der untere Teil ist zweifellos alt und gerade diesen gebrauchte der unbekannte Künstler als Muster zu ihrer Renovierung und endgiiltigen Vervollständigung. Wenn auch die alte Synagoge in Pohrebyszcze kein grösseres Interesse in architektonischer Hinsicht erwecken kann, so birgt sie dennoch in Ermangelung jeglicher besonderen Ornamentik andererseits so viel wirklich künstlerisch schön ausgeführtes Inventar, dass dieselbe schon aus diesem Grunde geeignet sein wird, die Aufmerk־ samkeit desjenigen Forschers auf sich zu lenken, der sich für die Uberbleibsel des Landes aus jener entlegenen Epoche interessiert, umsomehr, da dieselben die Arbeit eines heimischen Künstlers sind. Unter den hauptsächlichsten Gegenständen dieser Art sind daselbst zwei wunderschöne Messing-Armleuchter zu erwähnen, welche sich ebenso durch ihre originelle Form als durch die durchaus künstlerische Vollendung auszeichnen. Der eine davon hat die Form eines Quadrates, flach, 14 armig, (Fig. 16); er hat 2,75 m Höhe, 1,44 m Breite und steht im Innern der Synagoge auf einer kleinen Estrade. (Plan Buchst.F.). Wenn wir die Komposition des Leuchters, sowie seine so reich ornamentierten Formen gründlich betrachten, so ist es schwer, dieses Werk unter irgend einer der bekannten Stylarten zu rubrizieren. Zwar erinnert seine Form und der grösste Teil der Ornamente an die Renaissance, andererseits aber greifen die Form der Löwen und ein paar kleine Verzierungen auf den romanischen Styl zurück. Es ist augenscheinlich, dass sich der Künstler in seiner Arbeit an keinen Styl gehalten hat, dass er vielmehr seiner augenblicklichen Eingebung nachging und sich nur an die geschnitzten Verzierungen anlehnte, welche die Holzlade schmücken. Dessenungeachtet muss man gestehen, dass der Leuchter einen besonderen Charakter hat, das Auge erfreut und dass man einen ähnlichen Armleuchter von derartigen Formen und solcher Vollendung selten antreffen dürfte. Dasselbe müssen wir auch von dem zweiten Armleuchter, ebenfalls aus Messing, sagen (Fig. 15), der unstreitig das Werk desselben Künstlers ist. Dieser Armleuchter von 2,63 m Höhe und 1,5 m Breite im Sockel ist acht- oder vielmehr neunarmig. Obgleich von der mittleren Säule acht Arme auslaufen, vier von jeder Seite, so kann der neunte Arm, der an der Säule an einem Häkchen befestigt ist, sich frei von einer zur andern Seite bewegen. Dieser Armleuchter ist durch seine Form und schöne Ornamentik viel erhabener als der vorhin ge־