Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 10 (1933)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1933)
- Date
- 1933-01-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Organ der Vereinigten zionistisch sozialistischen arbeMerorganisatlonPoale Zlon-HMächdofh in Österreich Redaktion und Administration: Wien II., Blumaueftjassö I — Postscheckkonto Nr/17.878 T^chechpsl. Redaktion: Bfünn, KoliätÖ I9, Tef. 35;äl98, Postscheckkonto ßrünii Nr. 100.145 Bezugspreis: ganzjährig S 12—, halbjährig S 6-— 10. Jahrgang }? * Einzelne Nummer 30 Groschen Wien, 4. JänneM933 Nr, I Anselm Relss (Warschau): Im August 1932 sind 25 Jahre vergangen, seit .der Weltverband „Poale Zion" gegründet würde. Der Zeitabschnitt ist sicher-nicht ausreichend für ein endgültiges Urteil bezüglich der Erfolge oder Mißerfolge unserer Bewegung auf dem Weg zur Realisierung ihres Zieles. Große Volksbewegungen (und die unsere ist ohne Zweifel eine solche) haben ständig eine ganze Reihe von Aufgaben zu erfüllen und brauchen viel Zeit dazu. Noch -mehr gilt diese Regel, wenn es sich um eine Bewegung mit so vielen und komplizierten Aufgaben handelt, wie sie der jüdische Sozialismus vor sich hat;, wie sie der jüdischen Arbeiterklasse gestellt sind. Wenn wir auch unsere Wirkung nicht überschätzen, ja bei aller Unzufriedenheit mit dem, was wir bis heute erreichen konnten, können wir doch mit aller Bestimmtheit feststellen, daß unsere bisherige'Arbeit nicht umsonst gewesen ist, daß in der Geschichte des jüdischen Sozialismus und des. Kampfes der jüdischen Arbeiterklasse um ihr Recht nicht, wenig Kapitel zu finden sind, die von . dem Kampf und der Arbeit, unserer Bewegung, erfüllt ^iwUf*~ \ Poale r Ziori-Parteien that es schon lange vor der Gründung des Weltverbandes Poale Zion gegeb<v Sie waren aber eine von der anderen »isoliert, mit vielfach noch verschiedenen Vorstellungen über die Aufgaben und die Rolle der Partei im -jüdischen Leben und in der internationalen Arbeiterbewegung. Und ohne feste und einheitliche Richtlinien für ihre Arbeit. Das Zusammentreffen im Haag, im Zusammenhang mit dem achten Zionistenkongreß, bei welchem sich die Führer verschiedener Länder fanden, die kaum noch wußten, welche großen Aufgäben vor ihnen standen, war fast, eine Zufälligkeit. Was sie zusammenführte, war mehr das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Wille,, einen gemeinsamen Weg zu finden, als eine b e w u ß t e i d e o 1 o g ische Erkenntnis. Zusammen kamen verschiedene Welten, — auseinander ging aber schon eine geschlossene Gemeinschaft mit einer einheitlichen ideologischen Einstellung, mit einheitlichem Aktionsprogramm und klarem Ziel. Der. allweltliche jüdisch-sozialistische Arbeiterverband Poale Zion war geschaffen,. dessen erste Führer und Sekretäre Ber Borochow und S. Kaplansky waren. Unser Weg in all diesen Jahren war nicht leicht, Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten häuften sich bei unserer Arbeit und mehr als einmal sah es aus, als würden wir dem Sturm der Gegner nicht standhalten können. Trotz aller Absplitterungen, die im Prozeß der Kristalisierung der Bewegung kamen, trotz Uganda und Territorialismus, welsche unsere Bewegung in mehrere Lager geteilt haben, trotz S, S., und dem Kampf mit dem Bundismus in den verschiedenen Variationen, trotz der Pogrome in Palästina und einer schreck-- liehen Gewaltherrschaft in einer Anzahl von Ländern wo unsere Bewegung am Stärksten konzentriert ist, sind wir zu einer Kraft geworden, von deren politischen Entscheidungen breite Schichten des jüdischen Volkes abhängig sind. Man glaubte — und noch heute gibt es Menschen, die. es glauben —, daß man uns verschreien könne. „National listen" nannten uns - die Einen, „nationale Verräter" die Anderen, und waren sicher, daß sie dadurch die Kraftquellen unserer Bewegung, die mit dem Leben der jüdischen Arbeiterschaft Und der Jugend verbunden sind, unterbinden würden. Die erste Gruppe der jüdischen Arbeiter, die wir in die zionistische Bewegung hineingebracht haben, wo sie fast mit Jubel aufgenommen wurde, war die erste Zeit „Liebkind" der Bewegung. Aber mit der »wachsenden Erkenntnis der besonderen Interessen 'der. jüdischen Arbeiterschaft innerhalb . -des Zionismus und ' besonders, /als»der : Zio- .'•£■.■.< : ■ schea Ässensiedlung ist nichts anderes als JBih natürlicher Prozeß, der durch unsefe, Wirtschaftslage verursacht wird. Er jöadht es den Massen unmöglich an "iht^jfv Ernährüngsqüellen . zu bleiben, Hür^lerte, Tausende in Polen, Rußland, Rumänien, Littauen, Lettland und P. K. R. ^s'uehen n eue Erwerbsmöglichkeiten. Die ganze Jugend befindet sich im Sta-;diüni;.der Arbeitsuche. Sie findet keine Arbeit, auch wenn es keine ArbeIi,s 1 osigkeit gibt, weil ganze .Wirtschaftszweige, und gerade die wichtigsten, für jüdische Arbeiter unzugänglich sind. Und die noch; offenen Arbeitsstellen sind so überfüllt, das ken'ui. neue arbeitssuchende-Härid dort Platz. findet. Das einstige Sicherheitsventil, — . große Emigrationsmöglich- Massen wurde,, als^di'ej'lnt"eressengegeri: Sätze in der palästinensischen Wirklichkeit, sich natürlicher^ Weise-;verschärften, begann auclL innerhalb, des .^bürgerlichen Zionismus die A b fe e hr;. v o n d e r j ü d i s c~lre n. A r:b-e'%ttä&ÜXL ä f t und vom Hechaluz, ,die:>sogär-ibei gewissen Kreisen /sich-« bis: zum Plan; steigerte, innerhalb;der zionistischen .Orga-" alsatj on eine * ge^ohl ossene und" gu t " organisierte Anti - Arbeiterfront zu schaffen. . Der „Bund" mit allen seinen Richtun.- gen, die mehr oder weniger assimilatorisch waren, .haben jahrelang den Untergang unserer Bewegung vorausgesagt, deren Ziel sie als eine unerreichbare Illusion hineinstellten. Dem Bund scheint es nicht wichtig zu sein, daß er nicht in der Lage war. eine AntwortV zu geben auf die schreienden Tages- - fragen der jüdischen Arbeiterschaft! Daß er durch die Wirklichkeit des jüdischen Lebens mit der Zeit gezwungen -war, ganze Teile unserer Theorie und Praxis zu übernehmen! Daß die palästinensische Wirklichkeit auf eine so klare und unzweideutige Art die Verwirklichung des Zionismus nicht nur theoretisch bewiesen hat. Er bleibt aber bei seinen Prophezeiungen, obwohl das jüdische Leben sie täglich Lügen strafen. Die Prozesse innerhalb des jüdischen Lebens entwickeln sich wie die wirt-. schaftliche Entwicklung unserer Zeit mit einer ungeheuren Schnelligkeit. Die gewaltige Industrialisierung, die Rationalisierung der Wirtschaft sind nicht ohne Einfluß auf das jüdische Leben geblieben. Es konnte auch nicht anders sein. All' das, was wir in den Gründungsjahren unserer Bewegung theoretisch festgestellt haben, was unser unvergeßlicher Führer und Lehrer Chawer B. Borochow mit solcher Schärfe herauskristallisiert hat, hat sich viel schneller und viel grausamer verwirklicht, als wir wünschten oder voraussehen konnten. Der Kampf um den Arbeitsplatz hat schon lange auferehört für uns nur ein Problem der Arbeitslosigkeit zu sein, die auf einem kleineren oder größeren Teil der Erde herrscht, oder nur die Wirkung der allgemeinen Krise. Er ist vor allem ein chronisches Leiden des jüdischen Wirtschaftskörners, dessen Heilune: eine ganze, snezielle Therapie erfordert, die in erster Linie unserer Wirklichkeit anerenaßt sein muß. Der Untereraner des .itidisermn Städtchens in den Ländern der jtidikeiten ist nicht mehr . vorhanden. Die: Tore aller Emigrationsländer sind verschlossen. Der Kämpf um den Arbeitsplatz .ist zur - brennendsten Frage "der. jüdischen Massen geworden, deren einzige^ Lösung eine breite Massenkolonisation in Erez-Israel'ist. ■ Wir-haben in den 25 Jahren viel von der >Wirklichkeit gelernt. Vor allem haben - wir den , W e r t der r e al.e n T a t> kennen -gelernt, - die einzig und allein: über;:die Zukunft unserer. Bestre- ■hmgenentscheiden wird; Diese Erlfe&Lnisv die, hei uns ^ni^ro^r- Masse die Z. S. Bewegung förderte,-mit der wir uns im Jahre 1925 vereinigten, hat uns iioch enger mit dem realen Aufbauwerk verbünden! Ihr verdankt unsere Bewegung auch ihre Lebensenergien, durch die ständig neue Elemente um sie gruppiert und dabei dochdie Grundlinien bewahrt werden* die diktiert sind von den Lebensinteressen der. jüdischen Arbeiterklassen und. des Sozialismus. Darum-erinnern wir uns mit Stolz .te' Vereinigung von 1925 und jener, welche wir dieses, Jahr in Danzig durchgeführt haben. Beide* sowohl die Vereinigung t mit der. Z. S., wie die mit der Hitachduth sind Ausdruck desselben Prozeß ses, werden diktiert von denselben Ge.- - setzen der jüdischen Wirklichkeit und müssen darum zu denselben Zielen führen; n deren Namen unser Weltverband^ seit einem Vierteljahrhundert einen schweren Kampf führt. - - Wir haben inzwischen die Mauern der Feindschaft zerstört, die die Assimilation sich bemühte zwischen der . Poale Zion, den jüdischen Massen und der internationalen Arbeiterklasse aufzustellen. Mit unserem nicht unwesentlichen Anteil wurde das bisherige Aufbauwerk durchgeführt, da-s, die Theorie, des.- „Utopismus" des zionistischen Gedankens endgültig begraben hat. Nicht minder klein ist unser Anteil an der Erstarkung des sozialistischen Bewußtseins > in der ganzen Welt. - ' - - J. Wir sind weit davon 'entfernt," mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Aber die bisherigen Erfolge; haben unsere Überzeugung- und unseren Glauben : andie RJcbtigkeit imseres.--Wßges 'gestärkt^ den" wir" seit' 22d Jahren gehenr Die*neue- Epoche, die uns vor noch größere- Auf- gaben stellt, findet die Bewegung * bereit, den entscheidenden Kampf für ihre; Lösung zu kämpfen. Mit erneuten vereinigten Kräften wollen wir diesen Wik len realisieren. .; Neue Arbeiter ins Land! Jerusalem, 27. Dezemiber (J. T. Ä.). Die Allgemeine Jüdische Arbeiterf0die.rutiomi Palästinas (Histadrath Haowdim) trifft Vorbereitungen zur Aufnahme dier neuen Einwanderer, die auf Grund1 der für das laufende, im März 1933 endende Halbjahr erteilten Zertifikate nach Palästina kommen. Für die Neuanköminv linge werden geeignete 'Unterkuiiftsräunie vorbereitet, Werkzeuge beschafft, Handwerkslehrkurse, auch Kurse für. Hebräisch, eingerichtet. Qualifizierte Arbeiter wurden von der Histadruth mit diesen Aufgaben betraut. . Eine Regierung, die aktiv ist Englands Uber schaß in Palästina: 1 Million Pfund. Jerusalem, 27. Dezember (J. T. A.). lion Pfund verfügt. Gleichzeitig gibft Offiziell wird mitgeteilt, daß die Paläs- „Official Gazette" bekannt, daß mit Antina-Regierung gegenwärtig im Schatzfang Januar 1933 der Einfuhrzoll auf amt über einen Überschuß von einer Mil- AVeizen und Mehl erhöht wird. Brith Trompeldor von $. A -Männern trainiert? Berlin, 29. Dezember (J. T, A.). Der Berliner „Vorwärts" bringt in seiner Morgenausgabe vom Mittwoch den 28. Dezember unter, der Überschrift „Juda, erwache! SA. macht alles — selbst für Zion!", die folgende Notiz: „Der jüdisch-zionistische Wehrverband „Brith Trump cldor" hat eine Anzahlehemaliger deutscher Offiziere als Instrukteure eingestellt. Unter ihnen befinden sich, nach den Mitteilungen des Berliner „Politischen Pressedienstes", Offiziere, die bisher der SA. als Unterführer angehört haben. Der „Brith Tnimpeldor" ist ein m Palästina bestehiendier jüdiseh-natioiialis bischer Wehrverband, der die jüdisch© Jugend Palästinas gegen die Araber „ertüchtigt' ',In Deutschland haben die jetzt im „Trumpeldor" instruierenden SA.-Offiziere ihre Nazijünglinge gegen die Juden gedJrillt. Deutschland, erwache — Juda verrecke!; Jetzt lehren dieselben SA.-Leute in JeruV salem den Schlachtruf; „Juda, erwache Bombenwurf in Palästina. Jerusalem, 26, Dez, (ITA.) Am 22. Dezemh. abends wurde von unbekannter Hand in das Haus des jüdischen Kolonisten Jacoby in der Kolonie Nahalel eine. Bombe geworfen, durchdie große Zerstörungen angerichtet wurden, Jacoby erlitt am Kopf und an den HMnden schwere Verletzungen, auch sein neunjähriger Sohn wurde schwer verletzt. Beide wurden in bedenklichem Zustand in das Hospital nach Haifa Uberführt. Die Jerusalemer Polizeiverwaitung entsandte einen Sonderbeauftragten nach Naha|e! zur Füh* rung der Untersuchung, Dr., Chaim Arlgso* roff, Leiter der Exekutive der Jewish Agenr cy in Palästina, besuchte den High Commiasioner Sir Arthur Vauchope, den er auf die Notwendigkeit verstärkter SchutzmaOn.ahraej hinwies. Der High Comraissloner erklärt«,-w sei persönlich an der AwfklärMng der 'Ange-. legenheit stark interessiert.