Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- Heft 7 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sondernummer für die Kongreßwahlen. Organ der sozialdemokratischen Poale Zion Österreichs Erscheint zweimal monatlich Redaktion tifld Administratiört: Wien, 11., Blumauergasse 1/HI Postscheckkonto Nr* 38*042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . , „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Oroschen Nr. 7. Wien, 21. Juni 1929. 6. Jahrgang. An alle Wähler zum Zionistenkongreß! Der: XVI. Zionistenkongreß wird über das Schicksal <der zionistischen Idee und Bewegung; zu entscheiden haben. Die Erweiterung der Jewish Agertcy, die zweifellos durchgeführt werden wird, macht es zur (Unbedingten Pflicht, die zionistische Organisation, das 'Aufbauwerk in Palästina, zu festigen. Die Tragsäule Jdes Aufbauwerkes sind die A r b ,e ij!t e r s j e d 1 u njgpen, ist die jüdische Ärb'eiterschaft des La in'des: Ohne die Arb'dtersiedlungten gäbe , es in1.Palästina •keine tausende jüdischer Arbeiter, in der Landwirtschaft, lohne Ch'aluzim, ohne jüdische Arbeiterschaft Igäbe es keine Möglichkeit der Verwirklichung;des Zionfettius. Die letzten Kongresse sollen uns als Beweis diesen, daß sich innerhalb der zionistischen Weltbewegung geschlossene Gruppen bilden, die sich' gegen die Arbeiterschaft und ihr .Werk wenden. Die arbeiterfleSndlieWen Gruppen in der zionistischen Weltbewegung bedeuten eine ernste Gefährdung des Zionismus. Der, XV. Kongreß hat die Illusion zerstört, als ob die evrsch'iedenen sogenannten linken Gruppen des bürgerlichen Zionismus berufen und befähigt wären, für die Arbeiterschaft einzutreten. Es gilt deshalb für uns, für alle Gruppen' und alle Zionisten: r tWenn ihr euch' zum Zionismus bekennt, müßt ihr, euch zur jüdischen Arbeiterschaft in Palästina bekennen! iWer. sich1 zur jüdischen1 Arbeiterschaft in Palästina bekennt, wählt zum Zionistenkongjreß nur Vertreter, die sich! hinter, die jüdische Arbeiterschaft rrr Palästina stellen. Stimmet deshalb nur für die Liste: „Gruppen des arbeitenden Erez Israel (Poale-Zion Hitachduth)." Jüdisch-sozialdemokratische Arbeiterorganisation-Poale Zion. Zionistische-Ar-beitspartei Hitachduth. Jüdische sozialistische Arbeiterjugendi.; Brith' Gordonia. . Histädruth1 Hechaluz. Blau-Weiß. Aelterenbünd*. Histädruth Haschomer-Hazair. Pfadfinderbund Brith Hamischmar. Wanderbund Blau-Weiß. Hazofeh'-Haowed. Listenführer: David Ben-Gurion, Generalsekretär der Allg. Jüdischen Arbeiterorganisation (Histädruth Haowditn Haiwrim haklalith in Palästina), Theodor Herzl Zur 25. iWiederkehr, seines Todestages. Von jedem Heroenkult weit entfernt, sich der Grenzen1 der Macht der Persönlichkeit wohl bewußt, wird auch' der Anhänger einer sozialen und realistischen Geschichtsauffassung die Wichtigkeit der Funktion schöpferischer Führernaturen innerhalb des geschichtlichen Geschehens anerkennen müssen, pewiß, die Tat des Einzelnen in1 der Geschichte ist objektiv befugt, ihre Wirkung an bestimmte vorgegebene Voraussetzungen1 geknüpft: ohne die moderne wirtschaftliche und« verkehrsteehnische Entwicklung, die die Zollsehranken! zwischen den einzelnen deutschen Staaten sinnlos gemacht hat, das Einh'ei'tsbewußtsein der Deutschen aller Stämme geweckt oder verstärkt hat, wäre das Einigungswerk Bismarcks ünmöglichogewesen, ohne die Industrialisierung Oesterreichs Viktor Ädlers Tat, das Werk' von Hainfeld nicht geschichtliche Wirklichkeit geworden. Doch1 hat es eben dieser politischen Genies bedurft, die das objektiv Notwendige und Mögliche erkannten', und zu einer politischen Konzeption gestalteten; die groß genug war, itim 'den Willem und die Opferfreudigkeit breiter;'Massen zu wecken!. Auch' Theodor Herzl — dessen krankes Herz vor nunmehr 25 Jahren in Edlach zu schlagen aufgehört hat — schuf den politischen Zionismus nicht im luftleeren Raum. Ihm, bei. seiner Konzeption des „Judenstaates" kaum bekannt, war im Osten schon mehr als ein Jahrzehnt vor seinem Auftreten eine Bewegung entstanden, die sich die jüdische Kolonisation in! Palästina zum Ziele gesetzt hat, und auch im Westen kämen zionistische Gedankengänge sporadisch in der jüdischen Publizistik auf> und wurden nach und nach .gesellschaftsbildend. Es war also kein neues Wort, "keine neue Idee, die Herzl aussprach1, als er unter dem Eindruck des im Anschluß an die Dreifußr affäre in Frankreich wütenden Antisemitismus seinen „Judenstaat" in die Welt hinaussandte, die These vom nationalen Charakter der Judenfrage prägte, deren Lösung nur durch Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina möglich1 sei. Es war „nur" eine Umgestaltung, eine Umformung der zionistischen Bewegung und Idee, die Theodor Herzl vollbracht hat, und doch1 war es eine Tat, die den Zionismus, ideologisch und organisatorisch erst so recht auf jene Stufe seiner Entwicklung-gebracht hat, die der Größe der ihm immanenten Idee entspricht- Denn' das ist . ja der hoffnungslose Eindruck, den man bei Betrachtung des vorherzischen Zionismus nicht los wird: die Disproportionalität zwischen dem Ziele, das er sich gesetzt hat und den Mitteln, von welchen er annahm, daß sie zur Realisierung des zionistischen Ideals genügten'. Hier waren Menschen von einer Idee erfüllt, deren Größe sie selbst nicht ahnten. Man mißverstehe uns nicht: unvergänglich' erscheint auch uns das Verdienst jener Männer der ersten Alijahl, mögen sich» auch heute die Früchte ihrer Arbeit aus sozialen Gründern vielfach' als Hindernisse der Entwicklung] des Palästinaaufbaues erweisen. Und doch war es blanke Utopie zu glauben, daß der Zionismus als unpolitische Kolonisationsbewegung möglich sei, daß" sozusagen neben dem weltpolitischen Geschehen unserer Zeit, unbeeinflußt von den Kräften, die das politische Weltbild Europas gestalten, das große Werk der Errichtung eines jüdischen Gemeinwesens in' Palästina möglich sei. Das ist nun wie wir glauben Herzls ureigenste Tat, seine spezifische Erkenntnis und Leistung, die Tat, die uns berechtigt, ihn in die Reihe derer einzugliedern, die in der Geschichte des Judentums eine umstürzende Richtungsänderung herbeigeführt haben: er hat das nationale Ideal des jüdi schen Volkes, dessen Realisierung die jüdischen Massen Jahrhunderte hindurch nur von der Wirksamkeit transzedenter Kräfte erhoffen zu dürfen glaubten und das ihnen nunmehr so klein erschien, daß sie es sozusagen durch blojße interne „Vereinstätigkeit" verwirklichen zu können glaubten, in den weltpolitischen: Zusammenhäng gestellt, er hat es. aus der stickigen Luft der ostjüdischen Gassen und der westjüdischen Veremszirkel herausgerissen,und der rauhen " Luft des europäisch-politischen Lebens ausgesetzt. „Die Judenfrage ist eine nationale Frage und um sie zu lösen, müssen wir sie vor allem zu einer politischen Weltfrage machen1, die im Rate der Kulturvölker zu regeln sein wird" — in diesen Worten ist das Zentrale des Zionismus Herzlscher Prägung am .markantesten zum Ausdruck gebracht. Allerdings kann sich hier auch die Kritik zu Worte melden: Der Historiker wird auf die Tatsache hinweisen, daß Herzl sein Prinzip zu dem den Zionismus ausschließlich beherrschenden gemacht hat, daß der Charter das einzige Ziel der zionistischen Arbeit der Herzischen Epoche war. Demgegenüber haben wir festzustellen, daß sich" noch1 niemals ein-neues Prinzip, sei es in der Wissenschaft, sei es im gesellschaftlichen Leben, durchgesetzt hat; ohne daß es mit unbedingter Einseitigkeit vertreten worden wäre. Insbesondere der an der dialektischem 'Geschfchts-: betrachtung geschulte Marxist wird die Entwicklung^ geschiente des Zionismus zu deuten verstehen und Ist abzutrennen und als Stimmzettel zu verwenden. Liste des arbeitenden Erez Israel (Poale-Zion, Hitachduth). Stimmzettel für den XVI. Zionistenkongreß. 1. David Ben Gurion 2. Gerschon Chanoch. 3. Dr. Martha Hof mann 4. Dr. Emil Gaster Jeder Freund des arbeitenden Palästina stimmt am 25. Juni für die Liste der Gruppen des arbeitenden Erez Israel (Poale Zion, Hitachduth)