Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 30 (1927)
- Issue
- 1 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JIDDISCHE THEATER IN NEW YORK 15 der Beifall nicht enden und auch die jüdische Presse Englands suchte an dem schwergeprüften Manne zu sühnen, was er vor 20 Jahren in London hatte erfahren müssen. Vor wenigen Monaten meldeten die Zeitungen seinen Tod. Heute steht auf der Höhe künstlerischer Vollendung das New Yorker „Jiddish Art Theatre", von Moritz Schwartz geleitet, zu dessen Ensemble ein Ben Ami, zu dessen Repertoire Andrejew, Anski, Asch, Gorki, Hauptmann, Hirschbein, Ibsen, Shaw, Shakespeare und Pinski gehören. In Wien vertraten diesen Kunstzweig mit Erfolg Deutsch1) und Weinberg, mit Kräften wie die Graf und Melzer, in Warschau spielt die Truppe Kaminski's, in Lemberg die Gimpels. Die Melzers in Krakau hat ihre Vorstellungen eingestellt. In Leningrad ist soeben unter der Leitung Kügels (Achrons und Mogulescos) ein jiddisches Theater eröffnet worden, das die Regierung mit 30.000 Rubel subventioniert. Auch Charkow, Minsk und Budapest besitzen jiddische Bühnen. Alle diese Männer und Frauen des Jiddischen Theaters vollbringen in ihrem Kreise eine Kulturmission. „Das Leben selbst", sagt Jakob A. Riis („Wie die andere Seite lebt") „ist hier nur von geringem Werte gegenüber den geringsten Bankrechnungen... Wie oft sah ich diese polnischen und russischen Juden bis zur Erschöpfung arbeiten von früh bis 11 Uhr abends, um nur einen bescheidenen Sparpfennig zu erringen... In keinem anderen Orte bietet das Leben einen so brutal materialistischen Anblick. Aber Nacht für Nacht sah ich wieder in beiden Theatern Männer, Frauen und Kinder gerade aus jenen Werkstätten. Ich erzählte dies meinem Freunde, dem Kassier. ,Sehen Sie, wie man uns mißversteht4, antwortete er. ,Eine kurze Berechnung kann beweisen, daß sie im Verhältnisse zu ihrem Einkommen für die Kunst viel mehr leisten als jene ,noblen' Familien, die mit der Förderung der Metropolitan-Oper renommieren ...' Und dem Apostaten, der mit nonchalanter Gleichgültigkeit in das Theater geht, um sich 'mal 'ne jüdische Vorstellung anzusehen, wird weich und wehe ums Herz und bald schleicht er beklommen nach Hause. Denn was dort auf der Bühne verspottet wird, ist der innere Feind des Judentums, der „Nur noch"- oder „Auch"-Jude, was aber dort verherrlicht wird, ist der edle, schöne Geist des unausrottbaren, unvertilgbaren, echten Judentums." L) Jetzt in Buenos Ayres, in Wien gegenwärtig Streng und Podzamcze.