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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1926-01-01 · Heft 1 · p. Seite 551

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
29 (1926)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
Seite 551 (sequence 7)
Language
German
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M ENORAH IV. JAHRGANG OKTOBER 1926 NUMMER 10 SONDERHEFT: BEITRÄGE ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE DER BÖSE BLICK Nacht jüdischen Quellen von Dr. Adolf Löwinger Seligmann und Elworthy haben in ihren umfangreichen Werken das ganze bis heute über den bösen Blick bekannte Material zusammengetragen und mußten daher auch den Talmud und die Midraschim in Betracht ziehen. Trotzdem lohnt es der Mühe, diesen Stoff zu sammein und zu überblicken, weil wir so zu Ergebnissen gelangen, die bei anderen Völkern, selbst bei denen, die wie Ägypten, Babylonien und Assyrien mit dem alten Judentum in näherer Berührung standen, und deren Aberglaube auch jüdische Kreise infizierte, sich bisher nicht nachweisen ließen und einen neuen Beweis dafür liefern, daß das alte Judentum dem Eindringen des Aberglaubens seiner Umgebung, soweit es beim Stande der Kultur jener Zeit möglich war, Widerstand leistete. Der böse Blick findet sich hier noch nicht in dem Sinne, wie wir ihn heute im allgemeinen im Volksglauben antreffen. Einen Jettatore kennt die Tradition nicht, es gibt weder berüchtigte Männer noch Frauen, die wegen ihres bösen Blickes zu fürchten wären. Selbst R. Jochanan war es nicht. Nur die übertriebene Sorge der Mutter um ihr Kind wollte ihn dazu stempeln. Auch die Überlieferung, daß die Gelehrten mit ihrem Blicke töten konnten, aber nur, wo sie es wollten und wo sie es für nötig hielten, bedarf besonderer Beachtung. Vorsichtsmaßregeln gegen den bösen Blick werden mehrfach erwähnt, weil er gefürchtet wurde. Aber für Heilmittel hat man darum nicht gesorgt, weil man den bösen Blick als Zauberei betrachtete, die nur durch Zauberei unschädlich gemacht oder geheilt werden könne, und dies war den Juden streng verboten. Eine Krankheit durfte man nur „besprechen" und dies galt für den bösen Blick ebenso wie für jede andere Krankheit. Die heilige Schrift kennt das böse Auge, aber nicht den bösen Blick, obwohl es über jeden Zweifel erhaben ist, daß der Aberglaube schon in jenem grauen Altertum allgemein bekannt und verbreitet war. Sowohl das Deuteronomium als auch die Proverbien sprechen vom bösen Auge, aber dort hat es stets die Bedeutung von Geiz, Engherzigkeit, Neid, Mißgunst. „Dein Auge wird böse sein auf deinen dürftigen Bruder und du wirst ihm nicht geben4'; „Der verweichlichtste und verzärteltste Mann wird ein böses Auge haben gegen seinen Bruder, sein Weib und Kinder, die ihm übrig bleiben, und wird ihnen nicht geben vom Fleische seiner Kinder, das er verzehrt" und dasselbe gilt von der verweichlichten und

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