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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1910-01-01 · 1 (1910) · p. Seite 170

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
13 (1910)
Issue
1 (1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 170 (sequence 194)
Language
German
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- 170 - Aug. Wünsche, Aus Israels Lehrhallen. V. Band. Leipzig 1910. Ed. Pfeiffer. M. 8,40. Das vorliegende Werk des bewährten Midraschübersetzers bietet ausgezeichnete Uebertragungen des Midrasch Samuel, der Neuen Pesikta und des Midrasch Tadsche mit kurzen Einleitungen und lehrreichen, aus der Fülle weiten und gründlichen Wissens geschöpften Anmerkungen. Auch für die Volkskunde fällt so manches dabei ab. Die alte irrige Vorstellung von der Herzlosigkeit der Eabeneltern wird (X, 33,47) erörtert und mit talmudischen Zitaten belegt, die sich auf Bibelsteilen stützen. Von der „Macht des Gesanges" im altjüd. Schrifttum handelt die Fußnote I, 159. Einen Beitrag zur vergleichenden Gnomologie bringt I, 127. Die siderischen Einflüsse zur Zeit der Sonnenwenden werden Ii, 27 berührt. Von der Neuen Pesikta sagt Wünsche mit Recht: „Manche Stücke könnten heute noch von Predigern in ihre Reden eingeflochten werden und würden sicher ihre Wirkung nicht verfehlen'k. Daß gilt besonders für den Teil über das Schabuotfest. Nach Gebühr wird auch auf die textkritischen Beobachtungen (Wechsel der Gottesnamen in der Bibelj im Midrasch Tadsche II, 126 besonders hingewiesen. So reiht sich dieser Band würdig an die bisher erschienenen (Bd. 1 u. 2, Kleine Midraschim zur späteren legendär. Literatur des A. T.; Bd. 3, Kl. Midr. zur jiid. Eschatologie u. Apokalyptik; Bd. 4, Kl. M. z. jüd. Ethik, Buchstabenu. Zahlen-Symbolik). Wir erhoffen uns noch manche wertvolle Fortsetzung. R. Ludwig Speidels Schriften. Berlin 1910, Meyer u. Jessen, Bd. I. Persönlichkeiten. Bd. IL Wiener Frauen und anderes Wienerische. — Verlag, Drucker Titel- und Einbandzeichner, alles hat sich hier vereint, um dem Altmeister des Wiener Feuilletons ein würdiges Denkmai zu setzen. Für diese „Mitteilungen" von Belang ist die eindringende Aufmerksamkeit, die Speidel dem Judentum zuwendet, und die seiner Feder wiederholt Urteile über jüdisches Wesen einflößt. „Zum AllerseeJentage" (II, 221) besucht er das Grab eines jüdischen Freundes. Er klagt: „Es ist, als ob Oesterreich stets das Reich bleiben sollte, in welchem die Sonne nicht aufgeht. Aller massenhaft angehäufte Haß und Neid scheint sich gegenwärtig wieder das Judentum entladen zu sollen. Und doch, die Hand aufs Herz! — wie viele von uns müßten das beste Stück ihres Selbst hinwegwerfen, wenn sie vergessen wollten, was sie, sei es in der Religion, sei es in der Wissenschaft oder im Leben den Juden verdanken. Die Juden haben uns einen Gott geschenkt, sie haben uns eine religiöse Entwicklungsgeschichte der Welt überliefert, sie haben uns eine Moral gegeben. Sie haben uns ein Buch in die Hand gedrückt, „Das Buch1' schlechtweg, aus dem wir durch eine denkwürdige Verkettung der Umstände Deutsch lernen. Ihnen verdanken wrir auch einen philosophischen Gott, den Gott Spinozas. Den Winkelreformen der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber haben die Juden große Systeme geliefert und zugleich die aufopferungsvollen Männer gestellt, welche die neuen Lehren in die Wirklichkeit einzuführen trachten und durch die Tat und den Widerstand, den ihre Tat hervorruft, die künftigen Geschicke der Völker bestimmen helfen." Wo Speidel von Heines Memoiren spricht (I, 179;, bezeichnet er es als „eine lockende Aufgabe, den Einfluß des jüdischen Geistes auf die moderne Bildungsgeschichte des deutschen Volkes zu schildern". Spinoza, die Familie Mendelssohn, Meyerbeer, Heine u. a. müßten da zur Geltung kommen. Sp. selbst hat im ersten Band mit feinen und erfrischend lebendigen Charakteristiken Moses Mendelssohns, Heines und Börnes diese von ihm gestellte Aufgabe zu lösen einen meisterhaften Anfang gemacht. Die folgenden Bände werden ohne Zweifel manche willkommene Fortsetzung bieten. R. Inhaltsverzeichnis zn den Heften XVII—XXXVI. Sachen: Amsterdam (Ueber die erste Ansiedelung in A.) XVII, 1. Amulette (Alphabet) XIX, 105. XX, 137. Anekdotensammiung (Hebr. A. aus d. XVIII. Jahrh.) XXVII, 120. Arnstein (Die Familie) XXXV, Anhang. Aus dem jüd. Leben in Oberungarn XXXVI 125 Austerlitz'(Notizen üb. A.) XXXII, 121. Bardon XXXI, 94. Beiträge (Kleine B. zur jüd. Kuiturgesch.) XVH, 14. Bergbau XXXII, 125.

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