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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1919-01-01 · 1-2 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
21 (1919)
Issue
1-2 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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Eine jüdische Huldigung in Polen im 18. jahrh. Mitgeteilt von Dr. N. M. Gelber. Der französische Ingenieur Jean-Claude Pingeron, der in der Festung zu Zamfosc in den Jahren 1760—-1763 beschäftigt war, berichtet in einem Briefe*) vom 19. September 1763 über folgendes Judenfest, Beim Fürsten Czartorys'ki fand in Zamosc eine Feier statt. Um 3 Uhr nachmittag zeigte sich eine große Judenmenge vor dem Gitter des Palais: an ihrer Spitze kernen ein jüdischer Reiter mit einer großen Puppe in der Hand, ein anderer Jude „türkisch gekleidet" mit einem Schwert in der Hand und noch 6 Juden unter Musikbegleitung mit einem Kuchen an. Der Syndicus der Juden tragt in der Hand ein Silberbecken und Trinkgefäße, fünf andere Juden tragen Silbertassen gefüllt mit Zucker, Cafe und Zitronen. Dieses Gefolge wird von zahlreichen Juden und Jüdinnen begleitet. Als sie in der Mitte des Schloßhofes waren, stieg der erste Jude •vom Pferde ab und begann mit seiner Puppe zu tanzen, wobei er nach dem Takte der „jüdischen Musik'/ unglaubliche Sprünge machte. Der Türke tanzte hernach allein und dann auch mit seinem Freunde. Nach kurzer Zeit trat ein Sprecher vor und begann eine hebräische Ansprache (d/iscours hebreu), worauf die Judenmenge unter großem Geschrei und Händeklatschen antwortete. Hierauf sang man ein Lied. Nach dem Absingen tanzten sie jüdische, polnische „Kosaktänze" und „majouques". Später ging man ins Palais um die Geschenke zu überreichen, wobei man eine zweite Ansprache (polnisch, lateinisch und deutsch) hielt. Nach Ueberreichung der Geschenke zog man sich zurück. Nach Pingeron soll es sich um eine jüdische religiöse Zeremonie handeln, was ja unmöglich ist. Es kann höchstens eine Huldigung sein, nun ist die Frage ob sie alt und nur lokal sei. Wer weiß hierüber Auskunft zu erteilen? *) Dieser Brief wurde von Salomon Reinach: Un Episode de la Vie des Juifs Polonais' aux XVIII siecle. Paris 1891, veröffentlicht. Notiz: Ueber die „Golemsage und die Sage von der lebenden Statue" ist jetzt eine Studie von K. Müller in den Mitteilungen der Schles. Ges. für Volkskunde, Jahrgang 1918, erschienen. Jüdische Stoffe verarbeitet auch Fr. Kamuert in dem Aufsatz: „Turm und Tisch der Madonna" (dass. 1917). Die Zusammenstellung von hebr. goral („Los") und Gral ist nicht neu.

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