Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1917)
- Issue
- 1-2 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Biographisches über Benjamin Wolf Ehrenkranz«1) Von Dr. Moses Fried, Stockholm. I. Der jüdisch-deutsche und hebräische Volksdichter und Sänger Benjamin Wolf Ehrenkranz, genannt Wö 1wel Zbaraz er, wurde im Jahre 18262j in Zbaraz (Ostgalizien) geboren. Sein Vater Moses war Schächter und wurde allgemein Moschke Schochet genannt. Von ihm hatte der Dichter das heitere Temperament und djen stets schlagfertigen Witz geerbt. Wie der ,alte Ehrenknanz über alles, was ihm widerfuhr, und mochte es noch so traurig sein, seine Scherze machte, möge folgendes Beispiel zeigen. In der Ausübung seines Berufes mußte er sich öfters auch nach den nahegelegenen Dörfern begeben. Einmal wurde er auf dem Rückwege :aus einem Dorfe von einem Bauern überfallen und gesdhlagen. Zu Hause angelangt, sprach er hastig die Worte: „Ein Bauer hat mich schlagen wollen" und fiel, von dem ausgestandenen Schrecken und den Schlägen erschöpft, ohnmächtig hin. Als er dann wieder zu sich gekommen war, fragte ihn seine Frau: „Woher weißt du denn, daß d<er Bauer dich schlagen wollte?" „Gewiß, weiß ich es," sagte er, „denn er hat auch wirklich geschlagen." Moschke Sc hauchet, der den Talmud eifrig studierte und die religiösen Vorschriften genau beobachtete, war kein Fanatiker. Er war ein frommer Mann mit gesundem Mensdhenverstand. Früh erkannte er die trefflichen Anlagen seines „Wölwel", der schon als zehnjähriger Knabe ein für sein Alter ungewöhnliches Maß von biblischem und talmudischem Wissen besaß und ein ausgezeichnetes Gedächtnis verriet. Seine älteren drei Söhne — zwei wählten später den Beruf ihres Vaters und der dritte wurde Privatlehfer für Hebräisch — wurden von ihrem jün- *) Diese Arbeit bietet eine willkommene Ergänzung der vortrefflichen Skizze übenj'denselben Gegenstand aus der Feder Prof. Dr. Weißbergs, die gleichfalls, wie unten bemerkt, in diesen Mitteilungen erschienen ist. 2) Auf seinem Grabstein, dessen Inschrift weiter unten abgedruckt ist, heißt es: Geboren 1826, gestorben den 2. Juni 1883. Mein Landsmann, Herr Moses Feuerstein, Matrikelführer in Zbaraz, dem ich einige Angaben über Ehrenkranz verdanke, bezeichnet 1823 als Geburtsjahr des Dichters. Herr Prof. Dr. Meir Weißberg gibt in seiner Schrift „Wölwel Zbarazer", Separatabdruck aus den Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde, Leipzig 1909 (S. 5-6), 1819 als Ehrenkranz' Geburts- und 1884 als Todesjahr an, und nach Jewish Encyclopedia soll er 1812 geboren und 1882 gestorben sein. Mitteilungen z. jüd. Volkskunde 1917, 1—2. 1