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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1912-01-01 · 1 (1912) · p. Seite 1

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
15 (1912)
Issue
1 (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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Ältjüdisches Gemeindeleben. Von Dr. M. Grunwalcl. Als ich vor etwa zwölf Jahren damit umging, unserm Museum für jüdische Volkskunde in Hamburg ein Gesamtarchiv der deutschen Juden anzugliedern, wie es jetzt in Berlin besteht, wurde mir von Herrn E. Oppenheim in Hamburg eine größere Anzahl von Akten aus dem Nachlaß des einstigen Warburger Rabbiners Samuel Josef Steg1) überwiesen, aus denen ich in verschiedenen Heften unserer „Mitteilungen" einzelnes veröffentlicht habe. 1) Ueber ihn s. „Der Israelit" 1878 S. 1269. Als seine Frau wird Sehewa, eine Tochter des hessischen Rabbiners Hirsch Wassertrilling (vgl. Jahrb. d. jüd.-lit. Ges. VI 160) und dessen Frau Mirjam (aus der Farn. Kirchhan, vgl. Monatsschr. 1901 S. 567, Stammbaum im Bes. d. Hn. L. Rabb. Dr. Lewinsky in Hildesheim), bezeichnet. Von seinen drei Söhnen hieß einer Mannes, ein anderer Sarauel. (i?rdl. Hinweise der HH L.-Rabb. Dr. Lewinsky, Bez.-Rabb. Löwenstein, Pred. Weiler). Aus der Trauerrede, die einer seiner Schüler Seckel b. (Rabb.) Me'ir (oder Stelsingen?) am 25.-,Elul 5567 (1807) in P h (Pekelsheim?) auf ihn gehalten hat (s. unten, vgl. auch Lachme toda p. 25), ergibt sich, daß er das Paderborner Bezirksrabbinat 33 Jahre lang bekleidet hat. In dem „Verordnungsbuche der Stadt Paderbornscher Judenschaft v. 1811" (im Archiv der Synagogengemeinde Paderborn) findet sich in der Tat Sam. Stegs Unterschrift seit 5536 (1776/7). Nach ihm wird seit etwa 5541 als Distriktsrabbiner David Schulmann und, nachdem dieser von der preußischen Regierung als Oberrabbiner abgesetzt worden war, der bisherige Konsistorialrat R. Mendel Steinhardt 5574 zum Rabbiner mit seinem Sitz in Paderborn ernannt. Als Kantoren, Lehrer usw. werden erwähnt: Sender Berlin (wohl Alexander Rechenmeister aus Berlin s. unten) 5545, Abraham Krotoschin 5552, Moses Geibach 5553 und Lehrer Meyer. Ueber Sam. Steg berichtet jene Trauerrede, daß er, während seiner Amtsdauer in Warburg, jedesI einzelnen in seinem Distrikt sich angenommen habe. Besonders ehrte, z. Tl. ernährte er, gastfrei wie er überhaupt war, Thorabeflissene. Uebermenschliche Demut zeigte er im Ertragen seiner außergewöhnlichen Leiden. Gerade im Gebet, bei den Worten: n» anpo D»mn yzv, wurde er plötzlich dahingerafft. Seine Wohltätigkeit war allgemein bekannt. Er fastete selbst als Greis die ganzen zehn Bußtage, auch den Tag vor Rosch haschana. Noch am letzten Sabbateingang vor seinem Tode, alser, schwerkrank, nicht mehr Kidduschwein zu sich nehmen konnte, entschuldigte er sich bei dem Redner, er habe in der Woche vor Schwäche nicht vortragen können. Den Sabbat wollte er es nachholen, allein seine Kräfte verließen ihn und er mußte sein Lager aufsuchen. Doch am Tage vor seinem Tode lernte er noch mit seinen Söhnen. — Sollte der], französ. Minister Steeg dieser Familie entstammen? Eoch jetzt ist sie in Warburg vertreten. Mitteilungen z. jüd. Volkskunde 1912, t. 1

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