Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 4 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 123 — der Profet, zu ihm: .,also wohl als du nit" Macht „hast, aus zu trinken alle wasser in mehr, also sollst du nit" Macht „haben zu schädigen ihm an sein leib noch Dit an einem fi&n seine glider, auf keinerlei manier fun der ganze weit, hat ihm einer gegeben ein bös aug, soll es ihm nix schaden, nit bei tag nit bei nacht, also wohl als die kinder" Josefs, des Gerechten „hat kein bös aug können schaden, also soll dir auch nit schaden, und eer men neun kann zählen, soll dich" Gott „heilen und zu dieser stund sollst du weren frisch und gesund, das sei wahr in Gotts namen. Amen, amen, amen selah selah sela. 53) n7/Dp Gegen böses Auge: Nimm ein ,.schwalben" und leg ihn unter seine Schultern, während der Kranke schläft. Während des Ausnehmens des Nestes darf ihn kein Mensch anrufen. 54) ty'Dp Oder: Nimm einen Menschenknochen, wickele ihn in einen Fetzen und lege dies ins Wasser. Davon trinke der Patient täglich 2 oder 3 mal. 55) Gegen böses Auge bei einem Kinde: Nimm 1 „Mandelkern11 und lege 3 weisse Steine hinein, die sich im Magen eines schwarzen Hahns finden. Die Steine ähneln dem „Hagel", tue noch etwas „Quecksilber" hinein, schliesse das Loch mit neuem Wachs und hänge es dem Kranken um den Hals.*) 56) N'^p Oder: Schneide den After einer weissen Henne „rund" und sprich dabei: ich schneide dies für das Kind N. N. und hänge ihm dies um. 57) Y^ttp Gegen böses Auge: Nimm den Knochen eines toten Menschen, gib ihn in ein Tuch und weiche es in Wasser. Gib es dem Kranken zu trinken 3 Tage nacheinander, jeden Tag 3 mal abends, morgens und mittags, prob. 58) ""ttp Zauber zu brechen, auch gegen das böse Auge. Nimm ein wenig „Quecksilber" und weisse Steine, die sich im Magen eines schwarzen Hahnes finden (einer Henne bei weiblichen Patienten) und ein wenig Salz und lege es in eine (lyi1? ^JSN) „wälsche Nuss", schliesse das Loch mit Wachs, hülle die Nuss in ein Lederbeutelchen und hänge es dem Kranken an den Hals. 59) i/A)p Räuchere den Kranken mit „Rosmarein" oder „Muskat-Weihrauch" oder irgend einem Färbmittel in der Farbe der Kleider von Männern und Frauen, die gerade bei dem Kranken zugegen sind. 60) V'Dp Gegen Verhexung bei Mensch und Vieh. Nimm „Fünffingerkraut, schwarzen Kümmel" und Holz, das auf dem Wasser schwimmt, verbrenne dies zu Staub. Einem Erwachsenen gib davon 2 „Quinten" in heissem Branntwein, einem Kinde 1 Messerspitze voll, einem Pferde gib es in Essig, einem Rind in „halber lot warig" (Latwerg) oder „saft". 61) K"öp Gegen einen Zauberer. Räuchere mit der Wurzel von „Liebstöckel" das ganze Haus aus. Auch gut gegen böse Geister. *) Vgl. Sturmhoefel, Die Kurfürstin Anna von Sachsen. S. 191 handelt von zwei Brusttüchern mit Straussenhäuten gefüttert, „um guter Dauung willen auf dem Magen", die Elisabeth von der Pfalz für ihren Vater, den Kurfürsten von Sachsen, gemacht hat. Der Straussenmagen verträgt alles. Also muss sich diese Eigenschaft durch ein Stück Straussenbalg auch auf eines Kurfürsten Magen übertragen, wenn man ihn damit deckt und wärmt. Ähnlich sollen jene Steine gegen den Hagel, den Hexenzauber, schützen.