Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 4 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 100 — Die Handschrift, die keinerlei Schreibvermerk enthält, stammt nach Zunz (im Katalog von Schnorr von Carolsfeld) wahrscheinlich von einem westdeutschen Schreiber des 14. Jahrhunderts. Diese Angabe wird auch durch die Zeichnung bestätigt. Enthält doch das am 8. August 1331 vollendete Machsor der Nürnberger Stadtbibliothek ebenfalls eine Portalzeichnung, deren Säulen von einem Elefanten und einem Tiger getragen werden1). Interessanter ist aber die Tatsache, dass die Elefanten der Dresdener Handschrift durchaus den Elefantendarstellungen entsprechen, welche als Säulenträger die Kathedrale zu Altamura zieren und aus der Zeit Friedrichs IL stammen. Dem Illustrator der Handschrift muss also dieses Motiv aus Süditalien auf allerdings nicht mehr nachweisbarem Wege zugeführt worden sein2). Die Handschrift der Leipziger Universitätsbibliothek 1102 (inriö 2 Bde., 1?9 und 225 Blatt Perg.) ist längst als einer der wertvollsten illustrierten hebräischen Codices bekannt. Einzelbilder aus ihr haben bereits J. H. von Hefn er-Alteneck, Trachten u. s. w. IL Tafel 120 E u. Tafel 125 (daraus bei Kohut, Gesch. der deutschen Juden, nach S. 412) und Eduard Heyck, deutsche Geschichte II, 1906, S. 146 veröffentlicht. Die Handschrift, die ebenfalls keinerlei Schreibervermerk enthält, ist in Siidwestdeutschland in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts^geschrieben3), Bruck veröffentlicht aus dieser Handschrift die folgenden Illustrationen, bei deren Beschreibung ich ihm folge: Illustration 2. Blatt 19b Ttf auf blauem Felde mit Blumen und Blattranken, die in Farbe und Form auf persische Vorbilder hinweisen; oben Löwe und Affe, rechts und links ein bunter geflügelter Drache. Illustration 3. Blatt 31b x. Blaues oblonges Feld mit weissen Linien in breiter Goldlinieneinfassung; oben auf der Umrahmung ein roter Hase, der von einem roten Hunde gejagt wird; "in der Mitte der oberen Bandlinie ein blauer nach oben gebogener Nagel, an dem eine goldene Wage herabhängt, unter deren linker Schale ein grüner Drache mit roten Flügeln gemalt ist, dem unter der rechten Schale ein roter Greif mit gelbgrünen Flügeln entspricht. In den Ecken befinden sich Medaillons: links oben in silbernem *) Kaufmann in M ü 11 e r u. von Schlosser die Haggadah von Serajewo S. 269. 2) E. Bertaux, L'art dans l'Italie meridionale S. 649. Aehnliche Darstellungen am Bischofsstuhl in der Kathedrale zu Canosa (ca. 1080) das. S. 446, am Kirchenportal von San Giovanni zu Brindisi, das. S. 469, von San Nicola zu Bari, das. Tafel 21 und in der Kathedrale zu Sessa das. Tafel 28. 3) Zuletzt von Porges in Ztschr. f. h. Bibliographie XI 18—21 beschrieben.