Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Reihe. Erster Jahrgang (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Herr Prof. E. Kirschner bemerkt zu vorstehenden Melodien: Die Prüfung auf die Verwandtschaft mit anderen Volksmelodien ist bei unseren Gesängen deshalb ausserordentlich erschwert, weil die Aufnahme einer gangbaren Volksmelodie sich sehr selten so erhalten hat, wie sie übernommen worden ist. Da sind so lange Aenderungen vorgenommen worden, was ja infolge der fast nur mündlichen Tradition sehr erklärlich und natürlich ist, bis von der Urmelodie nur herzlich wenig mehr übrig geblieben ist. Sehr lehrreich in Hinsicht auf solche Veränderungen, die man auch, wie in dem folgenden Beispiele, mit dem bekannten musikalischen Ausdruck Variation bezeichnen könnte, ist die Melodie des Ma'oz zur, welche ich mir erlaubt habe in No. III zu verzeichnen. Vom musikalischen Standpunkt lässt sich ihre Abstammung von dem bekannten «p^ «p^ j>^x direkt nachweisen. Mein Vater, in Beuthen, an der polnischen Grenze, wohnend, sang diesen na nyö mit der aufgezeichneten Melodie, die wohl aus Polen herübei genommen worden ist. Die traurige, gedrückte Lage unsrer Glaubensgenossen im Osten machte aus dem textlichen Jubelhymnus unter Verwendung des Niguns ein musikalisches Klagelied. Und dieser wiederum, die Melodie, hat sein Vorbild in dem mittelalterlichen Volkslied: „Die Frau zu Weissenburg." No. II. vnp h*>22m eine Melodie, wie sie in Beuthen gesungen wurde. Hingegen halte ich den Beuthner rn'^yDn für sehr jung. Wenn ich nicht sehr irre, hörte diese Melodie mein Vater von einem herumreisenden ^n, der darauf -^d sang. Der Anfang erinnert lebhaft an den bekannten Eakocsi-Marsch. Melodie VII gewinnt durch den sie durchziehenden frischen Bhythmus. Weitaus charakteristischer als VI ist No. V. Diese Melodie macht auch einen sehr altertümlichen Eindruck. Schliesslich erblicke ich in dem *(m ,-p I A. eine sehr schöne, empfindungsreiche Weise, bei der mir nur das zweite <pm rv als ein fremdes aufgepfropftes Element erscheint. Durch seinen lebhafteren Bhythmus wirkt aber auch dieser Teil als gelungener Contrast zu der getragenen Anfangsmelodie recht gut. Meinem Gefühl nach ist der 2/4 Takt hier mehr am Platze.