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Jüdische Presse · 1936-01-10 · 2 (10.1.1936) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
22 (1936)
Issue
2 (10.1.1936)
Date
1936-01-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 2 MODISCHE PRESSE Wird der Völkerbund eingreifen? ״T i m e s" bringen einen Bericht aus Genf, wonach in maßgebenden Völkerbundkreisen angenommen ,wird, daß der Völkerbund entweder direkt oder durch diplomatische Kanäle, die durch Paris und London gehen, bei dei deutschen Regierung Vorstellungen hinsichtlich der Lage derjenigen Juden und Nichtjuden erheben wird, die infolge der Politik der nationalsozialistischen Regierung Deutschland verlassen müssen. Der Völkerbund werde verlangen, daß den Emigranten erlaubt wird, vier Fünftel ihres Verm ögens mit sich zu nehmen. Nürnberger Gesetze werden ausgestellt. In einer Sitzung der Nürnberger Ratsherren erklärte Oberbürgermeister Liebei: Julius Streicher hat in unermüdlicher Arbeit in eineinhalb Jahrzehnten durch seinen rücksichtslosen Kampf gegen das Judentum die Voraussetzungen für die Erlassung der Nürnberger Gesetze geschaffen. Im Hinblick auf die unlösbare Verbindung dieser Gesetze mit dem Namen unserer Stadt hat der Reichsminister des Innern, Pg. Dr. Frick, meiner Bitte entsprochen und mir die Originalhandschriften ־d’er Nürnberger Gesetze durch das Reichsarchiv als Leihgabe für die Stadt Nürnberg übermitteln lassen. Sie werden für die Oeffentlichkeit im großen Rathaussaal zur Schau gestellt werd e n. Der Export von Koscherfleisch aus Dänemark nach / Deutschland. Wie der Kopenhagener Oberrabbiner Dr. Friediger mitteilt, gehört zu den Vorschlägen, an denen die dänische Regierung bei ihren gegenwärtigen Verhandlungen über den Abschluß eines neuen deutsch-dänischen Handels- Vertrages festhält, auch die Vereinbarung einer bestimmten Ausfuhrquote für Koscher fleisch aus• Dänemark nach Deutschland. Ungeachtet der auf die Devisenlage zurückzuführenden zeitweiligen Ein- Stellung der Lieferung von Koscherfleisch an jüdische Fleischer in Deutschland sei Vorsorge dafür getroffen worden, daß wenigstens die jüdischen öffentlichen Einrichtungen in Deutschland, wie Krankenhäuser, Altersheime usw., mit Koscherfleisch und -Geflügel von Dänemark aus beliefert werden können. Amerikas Hilfsmaßnahmen für Juden in Europa. Das Joint Distribution Committee hat für Samstag, den 8. Dezember, 150 jüdisch-amerikanische Führer zu einer außerordentlichen Tagung nach Chikago gebeten, bei der über besondere Maßnahmen angesichts der schweren Notlage großer Teile der europäischen Judenheit gesprochen werden soll. Der Ehrenpräsident des Joint, Felix M. Warburg, und der Präsident Paul Baerwald stellen in einer Erklärung fest, daß ״Probleme von so schwerer und tragischer Bedeutung, die die Juden in der ganzen Welt berühren, so schnell und in so vielen Ländern aufgetaucht sind, daß das Joint Distribution Committee das Bedürfnis hatte, den Rat vieler Männer zur!Behandlung dieser Probleme zu hören“. In einem gleichzeitig veröffentlichten Bericht wird mitgeteilt, daß diese Organisation vom Frühjahr 1933 bis September 1935 1,654.500 Dollar für Hilfszwecke in Mittel- und Osteuropa ausgegeben hat. Aus Zagreb Dieser Tage fand die ordentliche Generalver- Sammlung der Ze.ire Agu d׳a• s J i s r o e 1, Zagreb, statt. Die damit verbundenen Neuwahlen bestätigten die alte Vorstandschaft in ihrem Amte, deren Präsident Herr Dr. Milan Engelsrath, Vizepräsident Leopold Schwabenitz und Herrmann Adler, Schriftführer Lusi Rothstein und Rafael Fellheim׳er, Kassiere Josef Z e ,111 i n und Mendel Herskovic, Bibliothekar Simon G ii n s und Aussehußmitglieder Abraham M o z e s und Dr. Gostl sind. Die Jeschiwo in Mir, eine der größten — wenn nicht , die größte — Jeschiwos der Welt, in der an die 500 Bachurim aus aller Welt Tag und Nacht dem Thorastudium obliegen, leidet, wie alle anderen Institutionen, unter den Folgen der Wirtschaftliehen Krise. E? hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man viel Worte über die Bedeutung dieser litauischen Jeschiwo verlieren, die bis heute schon ein ungezähltes Heer von Thoraheroen ausgebildet hat. Auf der Durchreise hält sich augenblicklich der Seteejtär der Mürer Jeschiwo, Herr Rabbiner Aron Schatzkes, in Wien aut Wir halten es für sicher, daß heia jüdisches Hera' ungerührt und heiae jüdische Ha»d geschlossen bleiben werden, wenn der Ruf an sie ergehen derWeit jeschiwo in Hi r au. •h ei f ep. Seite 3 KRITI B EjTRACHiTU Misrachi... An der Spit2e der palästinensischen Frauen Organisation des Misrachi steht seit einiger Zeit Frau Anita Müller-Cohen. Der charakteristische Doppelname dieser Führerin, die als Geruschoh einen Cohen — u. zw., weil sie sonst kein Rabbiner getraut hätte, mit aller Heimlichkeit im Auslande — geheiratet hat, offenbart Wieder einmal das charakteristische Doppelgesicht des ״religiösen“ Misrachi, ein Doppelgesicht, das charakteristisch, aber ohne Charakter ist. Oder soll diese Nichtrespektierung einer Scheidung von Mann und Frau eine Demonstration dafür sein, daß der Misrachi Scheidungen überhaupt nicht liebt und darum gemeinsame Sache mit G'ttesleugnern macht? Zahlen mit ״klinge"nder Münze Bei Rischon-le-Zion wird die erste Rasierklingenfabrik im heiligen Lande errichtet. Die zionistische Presse, die sich über diesen ökonomischen Fortschritt freut, teilt in diesem Zusammenhang eine Reihe von handelsstatistischen Zahlen mit, denen wir eine anscheinend übersehene beifügen wollen. Bekanntlich übertreten sowohl der passive als auch der aktive Teilnehmer einer Rasur den betreffenden ״Law" fünffach. Wenn man nun bedenkt, wievielmal die neuen Besitzer der neuen Fabrik gegen diesen ״Law“ verstoßen, so erhält man eine wahrhaft astronomische Zahl, die in keiner Statistik über die Entwicklung des zionistischen Aufbaues fehlen sollte. Sabbathruhe durch Sabbathentheiligung In einem auch von anderen zionistischen Blättern übernommenen Artikel der palästinensischen Zeitschrift ״T 1 a m i m“ wird es beklagt, daß die. Orthodoxen immer wieder an die Heiligkeit des Schabbos mahnen müssen. Und dabei sei doch dieser Ruhetag eine ״gerechte und gute Institution, eine national-gesellsehaftliehe Angelegenheit, und wer ihn nicht halte, untergrabe damit seine körperlichen Kräfte", schon gar nicht davon zu reden, daß ״den Kindern ein gemeinsam mit den Eltern zu verbringender Ferientag geraubt wird". ״i 111״׳׳ ALFA Franzbranntwein bei Schnupfen, Husten und Erkältungen Allerdings ״hat die religiöse Hülle (!) des Schabbos vielen den Weg zu seiner Heiligung versperrt", und darum sollte, wie — nicht einmal besonders Vorsichtig — aüge•‘ deutet wird, der Schabbos seines religiösenCharakters entkleidet und als ״nationales und soziales Gut“ erhalten werden. Der gute Mann irrt: die Schichten, an die er sich wendet, könnten sich auch mit einem von der Religion losgelösten Schabbos nicht befreunden, weil er nun einmal doch nicht des störenden Beigeschmacks entbehren würde, trotz allem eines der obersten Gebote der Thora darzustellen. ״Der siebente Tag gehört Haschern, deinem G-tt!" heißt es. Um nur ja nicht einen solchen Anschein zu erwecken, wird man auch auf einen ״sozialen" und ״nationalen" Schabbos verzichten. Es wird also auch weiterhin lediglich den religiösen Schabbos der Orthodoxen geben, was vom Standpunkt der ״Tlanim" aus wohl bedauerlich sein mag, aber trotzdem unabänderlich ist. 11mm Chanukah-Feier der Agtidas-Jisroel-Jugendgruppe. Am vergangenen Mozze Schabbos veranstaltete die Agudas-Jisroel-Judendgruppe im Hotel Post eine äußerst gelungene Chanukah-Feier. Der Abend wurde durch Gesangsvorträge eines Pirche-Chors eingeleitet, worauf ebenfalls ein Pirche-Mitglied die er-׳ schienenen Gäste begrüßte. Diese Darbietungen der Jüngsten fanden beim Publikum großen Anklang und zeigten auch, in welchem Maße die Pirche Agudas Jisroel die Fähigkeiten ihrer Mitglieder weckt und fördert. Starken Beifall erntete Oberkantor Taube, der mit seiner schönen, klaren Stimme das Publikum begeisterte. Auch der kleine Schwarz gefiel sehr gut. Für Heiterkeit sorgten die Herren Kive Traub und Sämek in der Humoreske ״Reb Zemachs Pamoße“. Den Höhepunkt des Abends bildete ohne Zweifel die Aufführung des historisehen Stückes ״D an i e 1“, das schon durch die von Herrn Elieser S c h e e r entworfenen herrlichen Dekorationen sensationell wirkte.!. Scha. Lerngemeinschaft ״Mekor Chajim“, Wien, II., Große Schiffgasse 1 Schiurplan vom 16. bis 21. Tewes 5696 Schabbos 11 Uhr vorm. Rabb. Salomon Baumgarten: Sidrohvortrag, Dinim. Sonntag y.!6 Uhr abends Rabb. Dr. J. .Pollak: Vortrag über jüdische Kindererziehung (Fortsetzung). Montag 8 bis 9 Uhr abends Rabb. Salomon Baumgarten: Sefer Hachinuch. Dienstag 8 bis 9 Uhr abends Sekretär Moritz Spitzer: Erklärung und Tlebersetzung der Tefiloh. Mittwoch 8 bis 9 Uhr ahends: Rabb. Moses Blech: Ejn .Taakow. Donnerstag 8 bis 9 Uhr abends: Mischnajos, Chumisch Raschi. Außerdem findet täglich von 14 7 bis 148 Uhr abends ein Schiur Gemoroh Ohulin, geleitet von Herrn Salomon Schreiber, statt. Agudas-Jisroel-Mädchengruppe Wien״. Schabbos Parschas Wajechi spricht Frau Enestine Bondi um 1/oll Uhr vormittags im Lokal der ״Wienea" über die Sidro. — Herr Dr. Artur Bogner beginnt am Mittwoch, den 15. Jänner 1936, von 8 bis 9 Uhr abends, im Lokal der A.-J.-Mädchengruppe, II., Malzgasse 16, eine Vortragsreihe über ״Jüdische Geschichte": Die spanische Epoche. 1m2En3EE₪SM33m Tagung der AgudasfJisroelsJugendorganisafion Fortsetzung des vorwöchigen Berichtes. In der Nachmittagssitzung erstattete Herr Lipe Honig, Koäice, sein Organisationsreferat. Er führte u. a. aus: Der Aguda-Gedanke muß in die breitesten Schichten der traditionellen Judenheit getragen werden, Dies ist aber nur möglich, wenn eine einheitliche Organisation dasteht, die von einer verantwortungsvollen Leitung geführt wird. Dieser Leitung sollte auch eine anerkannte Persönlichkeit angehören, die das Vertrauen aller Kreise genießt, die die eventuell bei der Arbeit auftauchenden Meinungsverschiedenheiten!durch verständnisvolles Eingreifen auf friedlichem Wege aus der Welt schaffen sollte. Im Namen des Rabbinats und der orthodoxen Gemeinde begrüßte nun der greise Dajan, Reb Dowid Neuw i r t h, die Delegiertenversammlung. Sodann verlas der Vorsitzende die eingelaufenen Begrüßungsschreiben und -telegramme, unter anderen vom Präsidenten der Welt- Organisation der Agudas Jisroel, Herrn Jacob Rosenheim, von den ehrw. Herren Oberrabbinern Ungär-Nitra, Freygurany, Lau-Preäov, Tigermann-N. Zämky, Broda-Myjava, Hager-Vulchovce, Straßer-sala, Schili-Fezinok, Rubin- Michalovce und Weiß-äahy, weiters von den Aguda- Führern Rabbiner Hirschhorn-Jaworzno, Dr. Isaac Breuer, Dr. Ehrmann, beide Frankfurt am Main, Friedmann-Warschau, H. A. Goodmann-London, Rabbiner W. S. Jacobson-Kopenhagen und A, M. Kroograd- Warschau. Ferner begrüßten die/ Delegiertenversammlung die Aguda?-Jisroel-Weltorganisation, die Palästina- Zentrale der A. J., Frankfurt am Main, die Jugend- und Landesorganisationen von Böhmen-Mähren-Schlesien, Belgien, Deutschland, England. Oesterreich, Polen und Rumänien, schließlich der ״Chug Chasäm Sofer“ bei der P. A. J. in Erez Jisroel und der ״Tiferes Bachurim" vpn Ungarn. Hierauf sprach Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Unsdorfer -Luöenec über Chinuch-Fragen, wobei er hervorhob, daß es besondere Aufgabe ist, die Jugend kleiner Ortschaften, wo die notwendigen Erziehungs- Institutionen nicht vorhanden sind, zu erfassen und sie dem richtigen Weg der Thora zuzuführen. Den Schluß der zweiten Sitzung bildete die Begrüßung des Herrn Goldfinger namens der Freäover Jugendgruppe. Die dritte Sitzung am Mittwoch abend eröffoete Herr David Liseauer-Michalovce mit seinem inhaltsreichen Erez־» Jisroel -Referat. Der Redner sprach über die agudistische Erez-Jisroel-Arbeit im all’ gemeinen und über die Rolle, die diese im Gesamt- Programm der Agudas Jisroel einnimmti Zur praktischen Seite führte er aus, daß Agudas Jisroel in erster Reihe ihr Augenmerk auf die Erhaltung und Erweiterung der religiösen Erziehungsanstalten in Erez Jisroel richten muß, denn nur eine im Geiste der Thora und im Sinne der Agudas Jisroel erzogene religiöse Jugend kann die Zukunft der A. J. und ihr erfolgreiches Durchdringen im täglichen Leben Erez Jisroels sichern. Wenn dies gewährleistet ist, so ist der nächste, nicht minder wichtige Punkt die kolonisatorische Tätigkeit in Erez Jisroel, denn diese sollte der im genannten Sinne erzogenen Jugend behilf lieh sein, das Gelernte und die erworbene Weltanschauung im praktischen Leben zu verwirklichen. So- .dann sprach Herr J. L. *Schreiber- Bratislava über das Thema ״H’schlomoh azmis". Er behandelte die Aufgaben des einzelnen Agudisten in bezug auf die auch für die gesamte Organisation so wichtige Selbsterziehung, die er als Voraussetzung jeder agudistischen Betätigung, respektive als die erste und wichtigste Aguda-Arbeit bezeichnete. (Andauernder Beifall.) Herr David Tür kl, Wien, setzte sich in seinem Referat ״Organisation und Presse‘ mit dem Begriff Organisation auseinander. Agudas Jisroel als Organisation ist ein ״Mekabei" und ein ״Masehpia". Im Vordergrund jeder organisatorischen Arbeit steht die Presse. Was ist selbstverständlicher, als daß alle Gruppen und Mitglieder der Agudas Jisroel die ״Jüdische Presse" durch Mitarbeit und materiell unterstützen? Es folgte der Bericht der Chinuch-Kommission, über deren Antrag beschlossen wurde: Die Schaffung einer Chinuch-Zentrale, die in jeder Gruppe einen ״Menahel R u c h ni“ einsetzen soll mit der Aufgabe, für eine agudistisch-jüdische Erziehung der Jugend zu sorgen- Ein ״Keren Hachinuch" soll an* gelegt werden, der es ermöglichet!?011, eine Erziehungs»ג Stätte zu schaffen, wo begabte junge Menschen im; wahren T/horageiste ־ erzogen pnd zu Kämpfern der Thora herangebUdet werden. Weiters sollen ,bei d$r?entrale eine B ü oh er beschaffungssteile und eine Bibliothek agudistischer Schriften errichtet werden. In de!־ darauffolgenden regen Debatte sprach über EihladUhg de? Vorsitzende» Herr Schubse Bcb.üjfeld» Wien, über die Agudas-Jisroel-Weitorga»is»tjQh und die einzelnen Landesorganisationen, über die bevor-

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