Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 2 (10.1.1936)
- Date
- 1936-01-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 2 Dritte Kenessio Gedaulo in Jerusalem Die Tagung des Waad Hapoel in London. Der G e s c h ä f t s a u s s c h u ß der Agudas- Jisroel-Weltorganisatio 11 trat atn 1. Jänner zu einer Plenarsitzung in London zusammen, die aus ]England, Deutschland, Frankreich, Holland, Beigien, Polen, Litauen und Oesterreich gut besucht war. Der wichtigste Beschluß ist die Einberufung der Kenessio Gedaulo nach Jerusalem auf An* fang 5691. Präsident Jacob R o s e n h e i m, Rabbi I. AI. Lew! n, Dr. Salomon Ehrmann und Dr. Isaac Breuer werden alle 111 Betracht kommenden Länder der Diaspora besuchen, um für eine möglichst reiche Be- Schickung der Kenessio Gedaulo in Jerusalem zu sorgen, damit sie eine machtvolle Demonstration für den religiösen Unterbau des jüdischen nationalen Lebens werde. I. M. L e w i n erklärte, die Agudah könne sich in Zukunft nie und nimmer damit zufrieden geben, daß ihr nur sechs Prozent der Palästina-Zertifikate zur Verfügung gestellt werden. Es wurde beschlossen, Schritte zu machen, um eine gerechte Verteilung der Zertifikate zu sichern. Die Verhandlungen waren im übrigen hauptsächlieh dem Ausbau der Tätigkeit des Kereil Hajistihutv und der Aufbringung größerer Geldmittel für die Weiterentwicklung der palästinensischen Tätigkeit gewidmet. Im Übrigen erstreckten sich die Verhandlungen auf allgemeine Organisationsfragen, die Neuregeiung der Verwaltung und Propaganda für den Keren Hathora und Beth Jakob, Aufgaben der Rußland-Hilfe sowie Auswanderung und S i e d! u n g s f r a g e n. In der dem geplanten Legislative Council geltenden Beratung bekräftigte Präsident Jacob Rosenheim die vom Leiter der Agudah in Jerusalem, Rabbi M. Blau, gegenüber dem High Commissioner abgegebene Erklärung, daß das traditionell-religiöse Judentum den jetzigen Zeitpunkt als nicht opportun für Errichtung eines Legislative Council erachtet. * Anläßlich der Tagung der Zentralexekutive der Weltorganisation der Agudas Jisroel in London veranstaltete die Agudas Jisroel Organisation Englands zu Ehren der ausländischen Delegierten einen Empfang. Den Vorsitz führte der politische Ehrensekretär dev Welt- Organisation, H. A, Goodma n. Der Präsident der Organisation, Jacob R o s e n h e i m, sprach zunächst Worte I der Huldigung für England, das den Schwachen und Unterdrückten Gastfreundschaft gewähre, und fuhr dann fort; Es ist die Aufgabe der Agudo, die gesamte Judenheit der heiligen Tradition unserer Vorfahren wiederzugewinnen. Die bedeutsamste und wichtigste Aufgabe unserer Zeit, der Aufbau v 0 n Erez Jisroel, kann nur durch Hingabe an unsere Tradition richtig bewältigt werden. Darum haben wir einen Weltkongreß für das nächste jüdische Jahr in das Heilige Land einberufen. Der Präsident des Board of Deputies of British Jews, Neville Laski, erklärte: ״Ich bin Jude genug, um zu erkennen, wie sehr wir alle in der Schuld der agudistischen Bewegung stehen. Wenn manchmal die Agudo als intransigent hingestellt wird, dann denke ich immer an die große geistige Leistung dieser Bewegung.“ Neville Laski wies sodann auf die drei Millionen Juden in Rußland hin, die dem religiösen Judentum verlorengegangen sind, und sagte weiter: ״Es ist gut für Palästina, daß die Agudo- Bewegung erstarkt, denn ihre Arbeit dort ist durchaus gesund und sie hat Anspruch auf eine angemessene Quote von Zertifikaten.“ Der sephardische Oberrabbiner Dr. M. G a s t e r betonte die Notwendigkeit, die Kenntnis der jüdischen Geschichte zu verbreiten, aus der zu sehen sei, wie in der Vergangenheit Zeiten der Not durch die messianische Hoffnung überwunden wurden. Weitere Ansprachen hielten M. Mül l e r - Paris, I. M. L e wi n - Warschau, Dr. I. ßreue r und Rabb. W. S. Jacobson- Kopenhagen. Agudistische Delegiertentagung in Frankfurt. Die deutsche Landesorganisation der Agudas Jisroel hielt in der!Samson Raphael Hirsch-Schule ihren dies jährigen Delegiertentag ab. Dr. Isaac Ereucr referierte über ״Das Wesen des Agudismus“, der Leiter der Palästina-Zentrale, Dr. S. Ehrmann, über die Erez-Jisroel- Arbeit der Organisation. Dr. Ehrmann setzte die Stellungnähme der Aguda zum Plan des Legislative Couneil, für den man die Zeit noch nicht für reif ansehe, auseinander. Von den Zertifikaten sind praktisch der Aguda bisher etwa 10 Prozent aller Zertifikate gegeben worden, die genaue Zahl hänge stets von der Zahl ihrer Hachschara-Teilnehmer ab. Im Frühjahr werde eine eigene Jugend- Alijah zum Landbesitz des Keren Hajischuw elnsetzen. Aus det» Hände dee IteeUeißuuf (Siehe auch ״Von Woche zu Woche".) Von unserem Korrespondenten. Wie in den vergangenen Jahren wurden auch heuer die Chanukatage von allen agudistischen Gruppen , des Landes reichlich zur Veranstaltung von Feiern und geselligen Zusammenkünften aller Art verwendet. Hervorzuheben ist die Feier, die im Rahmen der Beth- Jakob-Schule in Jerusalem veranstaltet wurde. Ueber diese Schule ist bereits berichtet worden, daß sie sich wunderbar entwickelt und die steigende Schülerinnenzahl die Leitung dazu gezwungen hat, mitten im Schuljahr zwei neue Klassen zu eröffnen. Besonderen Eindruck machte auch die gutgelungene und sehr zahlreich besuchte Feier der agudistischen Jugendorganisation in der Altstadt von Jerusalem ״Chan och 1 a n a a r“. Im Zusammenhang mit der Einrichtung eines britischen Pavillons auf der bevorstehenden Levante -Messe veranstaltete die britisch-palästinensische Handelskammer eine Konferenz, an der führende Persönlichkeiten des palästinensischen Wirtschaftslebens teilnahmen. Bei dieser Konferenz wurden zahlreiche Referate gehalten, die von der Gesamtbevölkerung mit großem Interesse aufgenommen wurden. Der Generaldirektor der Braclaysbank erklärte unter anderem: ״Allen Zweiflern sei gesagt, daß. Geldinvestitionen in Palästina unbedingt früchtetragend sein müssen, wofür auch die bisherige Beteiligung englischen Kapitals an dem Aufbau von Palästina zeugt.“ Im ganzen Lände gibt sich allgemeine Genugtuung ob dör Wiederernennung Sir Arthur Wauchop es zum High Commissioner von Palästina, auf weitere fünf Jahre kund. Oberrabbiner Duschinsky und die Aguda-Zentrale sandten dem High Commissioner Begrüßungsschreiben. Jerusalem, rhe ält est.e Stadt des Heiligen Landes, ist in den letzten Jahren von Tel-Aviv überflügelt worden, die als erste rein jüdische Stadt, die sie bis heute geblieben ist, gewiß einen starken Anziehungspunkt bedeutet. Nicht kann dies aber an der Tatsache ändern, daß Jerusalem der Mittelpunkt des Landes geblieben ist, der eine magnetische Kraft nicht nur auf die herkommenden Touristen, sondern auch auf die jüdischen Einwanderer ausübt. Wie es scheint, geht Jerusalem in seinem äußeren und inneren Aufbau einer neuen Blüte entgegen. Das Straßennetz soll jetzt bedeutend erweitert und nach modernen Grundsätzen ausgebaut werden. Fachmänner aus Wien sind daran, hygienisch und praktisch erstklassige Bäder einzurichten. Menachem Glikman-Porusch. Der Legislative Council Das am 22. Dezember unter Nr. 35/45 veräffentlichte amtliche Kommunique über das Regierungsprojekt, betreffend den Legislative Council für. Palästina, hat folgenden Wortlaut: Der High Commissioner hat gestern die Herren Ragheb Bey Nashashibi, Dschemal al Hussein» Jizchak Bey al Budiri, Abdul Latif Bey Slah, Jakub Dschunün, Jäkub Farradsch und Alfred Rokh empfangen, um ihnen eine Mitteilung, betreffend den Vorschlag, einen Legislative Council in Palästina zu schaffen, zu übergeben, und heute morgen empfing ׳Seine Exzellenz zu demselben Zweck die Herren Dr. Chaim Weizmann, David Ben Gurion, M. Shertok, Ben Zwi, Abraham Elmaleh und Rabbi Blau. Es wurde» einige Fragen gestellt und es wurde zuni Ausdruck gebracht, daß einige dieser Fragen zum Gegenstand besonderer Mitteilungen an die Regierung gemacht werden würden. Die bei den einzelnen 'Empfängen Anwesenden haben Zeit zum Studium der Einzelheiten des Projekts erbeten, womit Se. Exzellenz sich gern einverstanden erklärte. * Kenneth Williams, der Herausgeber der dem Kolonienministerium nahestehenden ״Great Britain and the East“, erklärt in der ״Yorkshire Post“: Es besteht wenig Zweifel darüber, daß, wenn der Plan des Legislative Council for Palestine nicht von allen interessierten Parteien zurückgewiesen wird, er jetzt zur Verwirklichung gel an g t. Die Partei des Jerusalemer Bürgermeisters Doktor Khaldi hat sich in einer Entschließung für die Bet e i 1 i g u n g an dem geplanten Legislative Council ausgesprochen. Die arabische Verteidigungspartei hingegen will die Antwort des Großmufti ab'warten. In der Tageszeitung ״F e 1 e s t i n“, dem Organ des früheren Bürgermeisters von Jerusalem und Führers der palästinensisch-arabischen Verteidigungspartei, Ragheb Bey N ashashibi, wird an die Araber Palästinas der Appell gerichtet, der Einführung des Legislative Council zuzustimmen. Vor cler Legalisierung der ״Illegalen“? Eine hebräische Tageszeitung will aus guter Quelle erfahren haben, daß die Regierung in kurzer Zeit ein Gesetz erlassen wird, wonach alle bis zum 31. August 1935 in Palästina illegal Eingewand e r t. e n, auch diejenigen, die sich jetzt noch in Haft befinden, Straferlaß erhalten und im Lande bleib e n dürfen. Jeder von ihnen wird eine Einwand erungsgebühr in Höhe von einem Pfund nebst einer kleinen Geldbuße zu zahlen haben. Eine Natuvalisievung dieser Illegalen wird aber erst nach einer Frist von zwei Jahren möglich sein. rhciUI II vas WO eite zu Wo cli c 0 Ohne vorherige Verständigung mit den jüdischen VertretüngskÖrperschaften haben die Jerusalemer Rahbiner Rabbi Zwi P es ach Frank als Nachfolget "von.Rabbi Rook zum Oberrabbiner gewählt. Die jüdischen Institutionen weigern sich jedoch, Rabbi Frank als Oberrabbiner anzuerkennen. Die Gercr Chassidim haben Rabbi Zemba eingeladen, als ihr geistlicher Führer nach Palästina zu kommen. O Wie vom Einwanderungsamt der Regierung mitgeteilt wird, sind während des Monats November 1985 4212 Juden als Einwanderer nach Palästina gekommen, davon 562 als Kapitalisten. 0 In Warschau sind Abordnungen jüdischer Gemeinden aus zahlreichen Städten eingetroffen, um bei den Zentralbehörden Schutz vor den verschärften Verfolgungen und dem Boykotterror z u er b i 11 e n. O Die Palästina-Regierung hat am 1. Jänner die Wiederwahl Meir Dizengoffs zum B ü r g e rmeist er von Tel-Aviv bestätigt. O Die Repräsentantenversammlung der J ü d fsehen Gemeinde Berlin beschloß, vom Rabbinat Vorschläge zu erbitten, wie man bei dem jetzt herrschenden Mangel an Ko s ch e r f leis ch, ■der einem Notstand gleichkommt, sich hinsichtlich der Kranken und Schwache n, die auf Fleischnahrung nicht verzichten können, im Sinne der Religionsgesetze zu verhalten habe. O Der neugewählte Obe rr abbin er von Tel- Aviv, A. M. Amiel, trat am 5. Jänner die Ueberfahrt. nach Palästina an. O Die nationalsozialistische Regier u n g hat eine neue Ausf ührungsbestimmung zu den Nürnberger Gesetzen erlassen, die vorschreibt, daß arische Mädchen, die als Sekretärinnen, Stenotypistinneu wie überhaupt als Bürokräfte bei Juden tätig sind, ihre Posten sofort verlassen müssen. O Die Klagemauer wurde am 1. Jänner v e ru nr einig t. Die Polizei forscht nach dem Täter. O Die J. T. A. meldet: Es verlautet, daß die zuständigen Völkerbundkreise wegen der Besetzung des Oberkommissariats für die deutschen Flüchtlinge an Stelle des zurückgetretenen Amerikaners James G. Macdonald mit dem hervorragenden Staatsmann und Wirtschaf tspolitiker Sir Arthur Salt er verhandeln. (?) O Die britische ■Neujahrs-Ehrenliste enthält auch Auszeichnungen einer Reihe von Jude n. O Präsident R 0 o s e v eit verlas am 8. Jänner in der Sitzung des Kongresses der U. S. A. eine Botschuft, die eine deutliche Spitze gegen Japan, Italien und insbesondere Hitler-Deutschland trug. O Im Dorfe W ola, Kreis Kiel ce, wurde die F amilie des jüdischen Kaufmanns H er s ch F10r e n z, bestehend aus seiner Frau und seinen vier Kindem im Alter von 8 bis 17 Jahren, von Unbekannten in grauenvoller Weise abgeschlachtet. O Im Aufträge der Anglo-Palestine Bank wurden Verhandlungen mit der griechischen Nationalbank in Athen über den Abschluß eines griechisch-palästine nsis c hen Transferabkommens auf genommen. Mit Hilfe dieses Abkommens soll griechischen Juden, die sich in Palästina niederlassen wollen, die Mitnähme ihres Vermögens ermöglicht %oerden. O Aus Amman wird gemeldet, daß in der letzten Sitzung des Gesetzgebenden Rate s Transj o r danie n s der Antrag gestellt worden sei, Juden die Niederlassung in Transj0rdanien zu g e st■ a t.t e n. ® A r a b e r aus dem Dorfe Mahlul haben An- Sprüche auf den Boden des König-Georg-Jubiläum siv aide s erhoben, dessen Pflanzung vor kurzem unter Beteiligung des High Commissioner feierlich &egönnen wurde. O Der palästinensische Import hat in den letzten Monaten einen Rückgang zu verzeichnen, der zu einem bedeutenden Teil direkt oder indirekt auf die Sanktionen gegen Italien zurückgeführt wird. O Die Entwicklung deq• H a n de[ls b e zie hnngen der Tschechoslowakei zu Palästina hat zur Folge gehabt, daß das bisherige Vizekonsulat in Tel-Aviv zum Konsulat erhoben wurde. O Die Gestapo hat in den letzten Tagen bei verschiedenen großen jüdischen Modeh ä user n in B erlin Einsicht in die Kundenkonten genommen, um festzustellen, wer heute noch in jüdischen Häusern kauft. Ein Gesetz, das dieses Vorgehen auch nur hn entferntesten rechtfertigt, gibt es auch heute noch nicht in Deutschland. O 111 Anwesenheit des G o uv er ne u r s der italienisch-ägäischen Inseln fand (Me feierliche Einweihung des neuen Gebäudes für das R abbin e rseminar in Rhodos statt, dessen Leiter Dr. Pacifiel ist. Am Schluß der Feier spendete der Gouverneur 10,000 Lire für die Bibliothek des Rabbinerseminars. O Auf Anordmmg des Berliner Polizei- Präsidenten ist das Vermögen von 300.000 Mark einer wohltätigen jüdischen Stiftung ohne Angäbe des Grundes b e 8 chla g n ahmt worden, O Dieser Tage wurde beschlossen, daß sich die Tschechoslowakei an der VII. Levante- Messe in T e 1 - jl v iv, welche vom 80, April bis zum 80, Mai d. J. statt findet, offiziell beteiligen wird. 0 Arabischen Pressemeldungen zufolge, plant die Palästina-Regierung eine V e r Stärkung der Landespolizei, Erhöhung der Gagen der Polizei- Offiziere und die Schaffung einer besonderen Grenzpolizeiabteilung, O Entgegen aller Erxoartung ist in der Neujahrsausgabe der ״Qfficial Gazette“ die Verlautbarung der Quote für praktizierende ausländische Aerzte, denen im Verlauf des Jahres 1986 die Niederlassung in Palästina erlaubt werden sollte, nicht erschienen. In informierten Kreisen nimmt man an, daß die Regierung sieh entschlossen habe, die Einführung des einschränkenden Quotengesetzes überhaupt fallen zu lassen. •Der bulgarische Innenminister peröf{entlieht eine Mitteilung, daß die Regierung die beiden antisemitischen Organisationen ,Jfarödw Zaschtita“ und ״Nationalistische!Aga״ aufgelöst hat. H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Telephon R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. ׳ e