Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 22 (1936)
- Issue
- 2 (10.1.1936)
- Date
- 1936-01-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Sövinove vyplatnä povolenfe ti&dii post & It&legtaiov f BrÄtlslaye Öi. 4i5t2-lH-20 V. b. b Zeitungen vom Verleger versehövt Journal expedie par redffcnr 0ÜDI8CH6 PR6S96 WIEN. BRA TiSLA VA « 10. JÄNNER m6 ט*ו.טבת תרצ״ו $$* Jahrgang / Nummer 2 Redaktion und Administration: Wien, II., MaLz* gasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnenientpreise: Ganzjährig: Ihr Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kd 80, Jugoslawien Dinar 150, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr. 40. Zahlungen f. ״Jüdische Fresse“, Wien, auf folgende Post- Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIH, 4117, Berlin Nr. 122.619. 0RGnn für Die irvreRessen Des 0RTH0D0Hen juoermims Orthodoxe Organisation in Erez Jisroel Von Rabbiner Josef A d I e r, Schäßburg. Als im Jahre 1869 auf Betreiben der neologen Judenführer in Ungarn der seinerzeitige Kultusminister Baron Eötvös den Judenkongreß einberufen hatte, da besaß die orthodoxe Judenheit Ungarns noch eine entscheidende Majorität im Lande. Dieser dazumal allbekannten Tatsache entsprechend, hätte die Orthodoxie die sichere, auschlaggebende Mehrheit in den Kongreßberatungen erlangen müssen. Jeder Wahrheit und Gerechtigkeit ins Gesicht schlagend, wurde aber die große Majorität der Orthodoxen durch schlaue Machinationen und rücksichtslose Gewalttätigkeiten vor und während der Wahlen zu einer Minorität herabgedrückt, die ihren Willen in den Kongreß Verhandlungen in keinem Punkte durchsetzen konnte. Sie mußte, um ihre religiösen Ueber- Zeugungen und Ueberlieferungen zu erhalten, aus dem Kongreß ausscheiden und, das Odium des Austrittes — einer ״Trennung", wie ihn die anderen nannten — auf sich nehmend, die erste selbständig organisierte Orthodoxie bilden. Sieben Jahre nachher gelang es den Vorkämpfern der gesetzestreuen Juden in Deutschland, die sich dort wirklich in verschwindender Minorität befunden hatten, das Austrittsgesetz zu erringen, auf dessen Basis die blühenden, kulturell hochstehenden orthodoxen Gemeinden entstanden sind, die sehr viel zur Förderung und Verbreitung religiösen Geistes und positiven Glaubens, , zur Einschränkung und Hemmung des Umsichgreifens atheistischer Denkungsart, politischer Extremität, wissenschaftlicher Zügellosigkeit und sittlicher Entartung beigetragen haben. In anderen Ländern Europas wurde das ungarische Beispiel nicht nachgeahmt, und zwar aus folgenden natürlichen Ursachen: In England gab es keine neimenswerten Reform bestrebungen, weil die allgemeine konservative Einstellung der Landesbevölkerung einen linksgerichteten jüdischen Radikalismus von vornherein unmöglich gemacht hatte. In Frankreich und Italien war wahre Religiosität schon so sehr aus dem jüdischen Volksbewußtsein geschwunden, daß dort kein Bedürfnis und kein Boden für orthodoxe Bestrebungen anzutreffen war. In Rußland und Polen hingegen, wo fünf Millionen Juden wohnten, waren, die orthodoxen Massen in solch erdrückendem Maße in Theorie und Praxis im jüdischen Alltagsleben verwurzelt, daß alle Stürme der Irreligiosität, die in den Westländern durch die jüdischen Gemeinden rasten, in Rußland und Polen keine umstürzenden Aenderungen im Gemeindeleben auszulösen vermochten. Nur in Deutschland also, wo die Wiege und Hochbürg der jüdischen Reform stand und die orthodox gesinnten Juden nur eine schwache Minorität waren, und in Ungarn, wohin die hochgehenden Wellen des Reformgeistes aus Deutschland hinübergespült wurden und die große Mehrheit der orthodoxen Juden gewaltsam zu einer Minderheit herabgedrückt worden ist, organisierten sich diese, festgefügt im Zeichen der Erhaltung der Thora und des Religionsgesetzes für die Gegenwart und alle Zukunft. Und so wurde der Umstand des Minoritätengefühles der ungarischen und deutschen jüdischen Orthodoxie für sie ein Born der Gesundung und Neugeburt. Das Minderheitbewußtsein spornte sie zu äußerster Kraftentfaltung, zur Anwendung weitestgehender Vorsichtsmaßregeln, zum möglichst vollkommensten Ausbau der eigenen Stellungen an. Die zentrale Organisation wurde gar bald als unerläßliche Kraftquelle erkaimt und als oberstes Prinzip hingestellt, dem sich alles einfügen sollte, wodurch ein wohltätig sich auswirkender Zug der Einheitlichkeit alle orthodoxen Gemeindeinstitutionen wie ein roter Lebensfaden durchzieht und das ganze Schul-, Kaschrus- und Wohltätigkeitswesen samt allen ihnen dienenden Institutionen und Personen im Geiste echt jüdischer Verantwortungspflicht erfaßt. Innerhalb dieser Organisation hat sich ein feines Gefühl und tiefes Verständnis für die Zentralisierung, für den Blick auf die Totalität, für die notgedrungene Einreihung und Unterordnung aller Einzelbestrebungen und Extrameinungen unter dem Erfordernis des Gesamtheitinteresses ausgebildet. Das hiezu unerläßliche große Maß der Selbstbescheidung und Zurückstellung jedes egoistischen Dranges, wurde ein Bewußtsein des Minderheitszustandes und der sich daraus naturgemäß ergebenden Gefahren. Nur die bitterbösen Erfahrungen, die Ungarns und Deutschlands orthodoxe Juden in den Jahrzehnte hindurch mit dem Einsatz aller Fähigkeiten und mit dem Aufgebot aller materiellen und geistigen Hilfsmittel leidenschaftlich und zäh geführten Bruderkämpfen gesammelt hatten, gab ihren Führern und Gefolgen die notwendige Perspektive, das nötige Verständnis und die erforderliche Einsicht, alle Privatansichten und Sonderauffassungen in den Hintergrund zu schieben und alles Denken und Wollen unter den einen gemeinsamen Nenner: einheitliche, stramme Organisation zu bringen. Darum ist das Gebäude der ungarischen und deutschen Orthodoxie so fest gezimmert, daß es den mächtigen Anstürmen des Weltkrieges und des darauffolgenden Weltfriedens nicht zum Opfer fiel, sondern aus dem Weltenbrande noch gefestigter hervorging und seine Existenz, die ehedem nur auf das Territorium zweier Länder beschränkt war, nunmehr auf das Gebiet noch anderer fünf Länder sich ausdehnte. Die Gesetzgebungen von Erez- Jisroel, Rumänien, Jugoslawien und der Tschechoslowakei haben in den letzten zwei Dezennien die Selbständigkeit und autonome Unabhängigkeit der orthodox organisierten jüdischen Gemeinden anerkannt und das ihnen gesetzmäßig zukommende, mit allen anderen Konfessionen sie gleichstellende Recht jpridischer Personen gewährleistet. Auch der österreichische Staat hat für das Burgenland die Autonomie der orthodcxen jüdischen Kultusgemeinden bestätigt und es ist nur eine Frage der Zeit, daß dieses Prinzip lcgischerweise auch bei der Beurteilung dieser Frage in den altösterreicihischen Provinzen, der imteilbaren Wahrheit und der einheitlichen Gerechtigkeit entsprechend, seine Anwendung f i n d e t. Aber nicht nur die Staaten haben sich vermehrt, deren Legislativen ׳ die ״ ־Unabhängigkeit der einheitlich organisierten Judenheit anerkannten und zusicherten, sondern auch die Zahlen der einzelnen Gemeinden in den verschiedenen Ländern stieg'eri progressiv. Sowohl in Ungarn als auch in Rumänien und in der Tschechoslowakei hat sich in den letzten Jahren gar manche neue orthodoxe Gemeinde gebildet, viele alte nichtorthodoxe Gemeinden haben sich in die orthodoxe Organisation aufnehmen, lassen, denn die dem orthodoxen Prinzipe innewohnende Wahrheit besitzt Werbekraft, ohne Anwendung aller Kunstgriffe und Agitationskniffe der modernen Propagandatechnik. Nur in einem Lande, das unserem Herzen am nächsten liegt, in Erez Jisroel, hat die Idee der strammen, zentralen Organisation der selbständigen Orthodoxie noch nicht jenes Niveau erklommen, auf dem wir sie sehen möchten und auf dem sie stehen müßte, damit die Verhältnisse dort gesunden und die Thora dort zu ihrem Rechte gelange und zur Beherrscherin des jüdisehen Lebens werde. Und dieser Mangel, der sich so sehr fühlbar machte in der Vergangenheit und in noch vielfach höherer Potenz in der heutigen Zeit, ist nicht etwa dem Umstande zuzuschreiben, daß das glaubenstreue Element an Zahl zu klein sei. Selbst in Tel-Aviv findet man in allen Gassen Bote-Midroschim, in denen zu allen Tages- und zum Teile auch Nachtzeiten Männer in Gruppen geteilt über die Gemoro oder andere heilige Bücher gebeugt sitzen, um aus ihnen Mut und Kraft und Ausdauer zum jüdischen Leben zu schöpfen. Aber es sind Brüder aus Rußland, Litauen und Polen —1- Juden, die zu Hause nicht das Los der gesetzestreuen Minoritäten erlebt und durchkostet haben, Juden, die es nicht nötig hatten, sich erst zu organisieren, um ihre Thora und Traditionen zu retten. Und weil sie von Haus aus nicht an. die Zentralisierung aller Kräfte, an die Zusammenfassung aller Energien, an die Vereinheitlichung aller Be- Strebungen gewöhnt waren, fehlt ihnen der richtige Sinn für die orthodoxe Organisation. Sie sehen in ihr nur ein Joch, das zu tragen sie nicht gewöhnt waren und nicht gewillt sind und können nicht deren unermeßlich große, wohltätige Bedeutung erfassen, weil ihnen die notwendige Erfahrung, die historische Einstellung fehlt. Agudas jisroel macht seit Jahren krampfhafte Anstrengungen, um in den seelisch und geistig ihr nahestehenden Kreisen das Bewußtsein und das Verständnis für die derzeit einzig mögliche Rettung aus der im Heiligen Lande herrschenden Zerfahrenheit, für den einzig gehbaren Ausweg aus der Säkularisierung des Judentums in Erez Jisroel, in Form einer starken, umfassenden orthodoxen Organisation, zu wecken. Es ist ihr bis nun noch nicht gelungen, das Aufklärungswerk mit dem gewünschten Erfolg zu krönen. Und darin liegt der ganze Jammer, der unhaltbare Zustand, die unregulierbare Verworrenheit der' paläst inensischen jüdischen Verhältnisse, die am sinnfälligsten, geradezu in symbolischer Eindeutigkeit in 4er großen Vor lästigen Verfärbungen schützt O DO L-Zahn pasta Ihre Zähne, ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen l Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 aschkenasischen Synagoge Tel-Avivs mit architektonischer Plastizität dargestelt ist. Da steht sie mit ihrem grandiosen Tempel ohne Gitter und also schon durch dieses Faktum den Eindruck einer nichtgesetzestreuen Synagoge erweckend. Und an den Seiten dieses Zentraltempels sind mehrere Bethäuser verschiedener Größe angebracht, in denen Stunden hindurch ein Minjan das andere ablöst, morgens und abends Schiurim, gelernt, am Schabbos Mussarvorträge, antik geformte Droschos gehalten werden. Diese Seitenhallen sind aber eben nur Nebenräume, die vom gigantischen Hauptgebäude überschattet werden und nicht zur Geltung kommen können, weil sie eben zerteilt und zergliedert sind und ״in ihrem Nichts durchbohrenden Gefühle“ zur Bedeutungslosigkeit zusammensinken, angesichts der mächtig sich spreizenden, alles in ihren Machtkreis ziehenden Haupthalle. So oft ich diese Synagogenräume betrat, drängte sich mir. unwillkürlich die vergleichende Betrachtung dieses Tempels mit den herrschenden allgemeinen Zuständen in Erez Jisroel auf. So wie hier alles echt jüdische, das sich in die Seitenflügel flüchten mußte, von den Stein- und Betonriesen des Hauptteües erdrückt wird, so werden auch im allgemeinen Leben die Zehntausende, in die verschiedenen Bote Midroschim eingepferchten gesetzestreuen Juden, die ohne Zusammenhalt, ohne Einheit, ohne organisatorische Verbundenheit, zerstreut und zerklüftet, zur Untätigkeit und Energielosigkeit, zur Abgestumpjftheit und Lethargie verurteilt, durch die machtvollkommene, technisch tadellos ausgebaute Organisation unserer Brüder zur linken. Hand. Es ist zu wünschen und zu erwarten, daß die im nächsten Jahre s. G. w. in Jeruscholajim stattfindende Kenessio Gedaulo mit ihrem hinreißenden Elan, mit ihrem überwältigenden Machtzauber, durch die unberechenbare, tiefschürfende Wirkung der g-ttlichen Herrlichkeit, die in jener das wahre, unverfälschte Abbüd der jüdischen Gemeinschaft . darstellenden Versammlung ruhen wird, die alten Vorurteile gegen eine einheitliche, zusammenfassende, alle zersplitterten Kräfte einigende stramme Organisation der palästinensischen orthodoxen Judenheit im Sturme niederrennen und unter der Aegide von Agudas Jisroel mit der Moezas Gedaule Hathora an der Spitze die Konstituante der Orthodoxie in Erez Jisroel schaffen wird. Wauchope bleibt High Commissioner von Palästina Das englische Kolonienministerium gibt bekannt, daß König Georg von England die Amt sd a u e r des gegenwärtigen High Commissioner und Chefkommandeurs von Palästina und Transjordanien, General Sir Arthur Wauchope, die am 20. November 1936 enden sollte, für weitere fünf Jahre verlänge rt hat. I 25 I § JAHRE! i 5<111111111111l1|111111111111111111111111111111111111r Othmar Telephon U43־»(K>6 die gute, weltbekannte Schiff-Perücke nur Wien I, Kärntnerring 6 Jll|llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll.»l& 1 25 E | JAHRE! j ^+/.++:6/.::.^ 99999999999999999