Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 21 (1935)
- Issue
- 38 (27.9.1935)
- Date
- 1935-09-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ifovttiötÄ v^pläö16 twtoii&tfr tmn pm * *fctegiraifw r Bfatlfrtave fi». 4l51$-m*20 V.b.& Zeltürtgen v»m Verleger versendet Jonmal expMtö pm!,Mitetif 3ÜDI8CH6 nncfififi X&1EN. BRATISLAVA *!?.SEPTEMBER 19 3S .. אלול תרצ״ה b‘3.. Stt Jahrgang / Nummer 3B Redaktion und Administration: Wien, H., Malzgasse 12 a, Telephon A-46-0-15; Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 381 / Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementpreise: Ganzjährig: für Oesterreich S 16,: Tschechoslowakei Kö 80, Jugoslawien Dinar 150, da« Übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer öst. Gr* 40. Zahlungen f. ״Jüdische Presse“, Wien, auf folgende Post* .Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.058, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 190.409, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr. 122.619. ORGnn für Die 1nT6Ressen Des 0RTH0D0Hen juDervrums Wosch Haschonoh 5096 (תרצ ו);.Die Engel des Dienstes oersammeln sich vor G-ll und fragen Ihn: .Wann isl Rösch Haschonoh?‘ Anhoorlel G-ll: Mich fraget ihr? Ich und ihr. mir mol len das Bes Din auf Erden befragen}”‘ Einen dreifachen Namen trägt das Fest, in dessen Kreis wir jetzt treten. Es ist für uns יום הזכדון ״der Tag der Erinnerung“! Erinnerung: das Wort läßt uns aufhorchen,׳ läßt uns den Blick, werfen auf uns, die Zeit, in der wir leben, den Raum, in dem wir atmen. Was wir da sehen? Wir sehen ein jüdisches Volk, blutend aus tausend Wunden! Wir sehen hin nach Rußland, wo der Jude leidet um seines Glaubens willen, sehen hin nach Deutschland,• wo er duldet um seiner R a s s e . willen, sehen. fast überall jene Mächte geschäftig am Werk, die den Kampf gegen Israel auf ihre Fahne geschrieben! Wir sehen die Wirtschaft der Welt in tausend Schwierigkeiten und unser •Volk als Opfer dieser Schwierigkeiten. Wir sehen das jüdische׳ Volk selber zerspalten in :.Parteien und, Parteiungen, sehen es selbst •im ״Lände, wo die Schechinb ruht“ •und ■wo': es ein Eigenleben entfalten könnte, unter׳ den Zuckungen des Kampfes aller gegen alle, sehen in den Gemeinden die ״Richtungen“ gegeneinander zu Felde ziehen und finden nirgends eine ׳״Hütte des Friedens“! Wir erleben den ganzen Fluch der ״Zurechtweisungen“, wie vor Jahrtausenden die Thora sie geweissagt... und ״wenn ihr nicht hören werdet“ ist noch jetzt das Kennzeichen der Zeit! Wir hören nicht, wir begreifen nicht, obgleich die Stimme so deutlich und eindeutig ruft! Alle diese Üeberlegungen löst der ״Tag der Erinnerung“ in uns1 aus und wird so für uns zum יום תרועה zum ״T a g d e r Erschütterungen“! Wir sind erschüttert und stehen ratlos vor unserem Schicksal, ratlos und verzweifelt, weil wir ״Kinder sind, die aller g־ttlichen Erziehung gegenüber verschlossen bleiben“! ״Wir sind wie das Vieh und vergessen“ — es scheint wenigstens, als ob wir es vergäßen —, vergessen alles, was mit uns geschehen ist, warum es mit uns geschah!. Auch das Vieh fühlt den Stock des Treibers, es sieht die Hand, die” ihn .hält, aber es ahnt nicht das Warum und Wozu; ״ynd dennoch reagiert es unbewußt und instinktiv! Ja, wir sind nicht einmal so weit; wir reagieren nicht einmal unbewußt! Und dabei: ״was der Mensch dem Tier voraus hat: ״ אדם יש לו נשמה —! איןder Mensch hat eine Seele“ — und die sollte uns erleben lassen das Geschehen u m uns als ein Geschehen i n uns! Denn sie heißt ja: היים, die ewig wache, heißt ja: יהירה die von G-ttes Hauch durchglühte einzigartige, heißt ja: רוח die von G-ttes G e i s t entfachte! So sollte unsere Seele aufwachen aus ihrer Erstarrung, aus ihrer Verschlafenheit, sie sollte die Stimme G-ttes hören und in Furcht und Ehrfurcht erzittern. Sehen wir uns an, so wie wir sind, dann muß über uns kommen die große Erschütterung, dann müssen wir in ungeschminkter Selbstkenntnis in den Ruf ausbrechen: ״In Wahrheit, wir haben gesündigt!“ Die Zeit hätte uns schmieden sollen in ihrer Glut, hämmern in ihrer Schwere und ■wir — wir blieben die alten, Menschen ohne Seele, Menschen ohne Gewissen! Es gibt aber einen Weg ins Weite, einen Weg, der zur Höhe führt. ״Heil dem Menschen, dem die Kraft wird aus dir! In ihren^ Herzen sind gebahnte Pfade. Ihnen erblüht ein Quell, da sie wandeln im Tale des Weinens: in Segnungen hüllte sich der Er-; zieher!“ Wenn wir die Zeit als Zucht, unser. Erleben als Erziehung begreifen lernen! Wenn uns der ״Tag der Erinnerung“ nicht nur ein ״Tag der Erschütterung“ ist, sondern seinen tiefen Sinn aufdeckt als ein Anf ang, als ״ ראש השנהTag der Erneuerung“! Wenn wir neue Menschen, werden, ״wenn der E n a u s c h in uns ganz schwindet, wenn wir wieder , Söhne Adams werden“, wie der Urvater der Menschheit von unserer Sünde wissen und sie bekennen! Neue Menschen mit neuem Geiste mit wacher Seele, feinfühli^em/Herzen, laiischendeimöhr und offenem Auge! Ob ראש השנה diesen Sinn bekommt, das liegt nicht bei G-tt! Wenn die Engel des Dienstes G-tt fragen: ״Wann ist Rosch Haschonoh?“ So wird ihnen die Antwort: ״Fraget die Menschen!“ Ob der ״Tag der Erinnerung“ mehr ist als ein ״Tag der Erschütterung“, ob er zu einem ״Tag der Erneuerung und Verjüngung“ wird — die Menschen geben darauf׳ die Antwort, sie allein! Ob ihr Ohr nur erreicht de^r’pn -Ruf der Erinnerung und nur der שברים תריעה Ruf der Erschütterung oder ob auch der י גדולה i^pnRüf der Erneuerung aufrüttelnd ihre Herzen durchdröhnt — das liegt bei ihnen, ganz allein bei ihnen! Das ist eine Frage,' die allein ihr freier Wille beantwortet! , Und der פרט dieses Jahres — ה׳חרצ׳ו — er legt sich ihnen förmlich als Schicksalsfrage auf• die Lippen: Wollt ihr? Sprechen wir das Wort nur aus, um uns so die Jahreszahl gut einzuprägen, dann ist es nicht mehr als ein leeres Wortspiel, hören wir aber aus ihm die Frage, die Forderung des neuen Jahres, dann kann es von entscheidender Bedeutung werden, dann kann es die Wendung bringen! Es bringt die Frage des neuen Jahres, an den älter und schließlich alt werdenden Menschen: Willst du, willst du endlich? Willst du dich herausschälen aus der Umklammerung des Tages, willst du dich herauslösen aus der Verschlingung der äußeren Lebensverhältnisse, die dein Verhalten geformt haben, statt daß dein Verhalten diese Verhältnisse gestaltet hätte! Willst du endlich Herr deiner Zeit werden, statt wie bisher ihr Diener? Willst du endlich ein neues Jahr beginnen, ein neues Leben anfangen? Du stehst betend vor G-tt, willst du endlich G-tt in dein Leben tragen? Du hörst das Schaufoi’, willst du ■es endlich mehr sein lassen als eine Reihe von Tönen, die in dein Ohr hinein-, aber an deinem Herzen'Vorbeigehen? Du willst G-tt erinnern an den ברית אברהם und an die?שקדח יצח willst du endlich Abrahams Bereit* schaft und Isaaks G-ttvertrauen in deinem Leben wirksam werden lassen?! An jeden einzelnen kommen Fragen, Fragen, die hineinleuchten in sein Inneres und aus ihm herausholen wollen Streben und Bereitschaft, anders, besser zu werden und die Gesamtheit der Fragen verbindet sich dann zu jener einen großen, an alle gerichteten Frage: ה׳חרצו Wollt ihr? רצונו של אדם זהו בבורו Des Menschen Wille ge: staltet seine Ehre: unser Wollen zeuge dafür, daß Israel, von aller Welt diffamiert, in seiner Ehre gekränkt und beschnitten, ein Volk von hoher Ehre ist! Rabb. Wolf S. Jacobson Wieder ist ein Jahr entschwunden, ohne Jisroel die ersehnte Ruhe gebracht: , zu haben.. Innne^ ärger' WiEdi un&eii&iLagejj. nahezu auf dein ganzen Erdenrund. Wir erkennen es wohl dankbar an, daß die zivi־־ lisierten Völker uns mehr oder weniger unsere Bürgerrechte in Ruhe genießen lassen. Aber das, was in einzelnen Ländern unsere Glaubensgenossen ertragen müssen, senkt sich wie Blei auf das Gemüt der ganzen Judenheit, da unsere zweitausend־־ jährige Leidensgeschichte uns dahin ge־־ bracht hat, für die Leiden unserer Glaus benss und Stammesgenossen in den weites sten Entfernungen warmes Mitgefühl zu empfinden. Daß die endlose Wanderschaft auch den ungeplagten Rest der Judenheit materiell belastet und daß das Gefühl, nicht genug für diese Unglücklichen leisten zu können, geradezu erdrückend äüf uns wirkt, ist eine traurige Nebenerscheinung. Vielleicht könnten wir uns doch zu der Er־־ kennthis auf raffen, daß nur die Rückkehr■; zur jüdischen Religion, die restlose Uebüng des angestammten Gsttess und Menschen־־ ‘ dienstes uns würdig machen kann, ein; menschenwürdiges Leben zu führen und; unter den anderen Völkern als Gleiche^ unter Gleichen zu leben. Der ' wichtigste Punkt in unserem Dasdn ist die r el i־ giöse Erziehung unserer Kin* der. Wenn wir der unser volles Augen* merk widmen und aus unseren Kindern \ Musterjüden und demzufolge auch Muster־־ menschen machen, würde es uns doch ge־> fingen, den fjaß, der uns jetzt vielseitig entgegengebracht wird, niederzukämpfen und in Ruhe auf den großen Tag zu warten, da ,G־־tt sein Volk wieder in sein jüdisches Erez Jisroel zurückführen wird במהרה בימינו אמז לשנה טובה תבתבו ותחתמו Wolf Jillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllik 1 25 1 _ VJ A H R E | 1 die gute, weltbekannte Oth mar Schiff - Perücke Telephon U-43-CM6 mir Wien I, Kärntnerring 6 EllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHLh 1 25 I 1 JAHRE! | IlinilllllllllllllllllllllllllllllllllllUlllllllll^