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Jüdische Presse · 1932-10-14 · 41 (14.10.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
41 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Noviftov« vtfplaltte povoteite fiadit polt « telegtafov v Bratislava 2is. 41572*iII2״Ö. Zeitungen vom Verleger versend«. Journal e*p<5die pif l’tdltetir. V.b,b. 0Htuu»nm •w wterkbskm des orthodoxem Judentums i־ ' v i 1 Redaktion u. Administration: Wien, II., Malzgasse Nr. 12 a. — Tel. A-48-4-15. Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer öst. Gr. 40. 'ZaRiuagett auf Konto «Jüdische Presse*, Wien für Oester reich! PostsparkasienkontoNf.D-93614; Deutschlands Post* scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawiens Postspk.*Amt Zagreb Nr. 40217: Polen! Poslspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn!■ Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schweiz s Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei s.JÜ* dlsche Presse*, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 41 , Wien-Bratislava, 14. Oktober 1932 כיי וינא־פרעסבו־מ י״וי תשרי תו־צ׳ג׳ 18. Jahrg. Die nächste Ausgabe der ,Jüdischen Presse* erscheint am ♦ Oktober Hütte des Friedens. I. Das Sukkosfest dient in erster Reihe zur Erinnerung an die Wiistenwanderung. 40 Jahre in der schrekkensvollen, furchtbaren Wüstenei nach Jahrhunderten der Versklavung in Aegypten. Wunderbar war der Schutz, den uns G-tt in dieser Wüste angedeihen ließ. Und daher ist nicht so sehr Pcssach, also das Fest der Erlösung aus Mizraim, die ״Zeit unserer Freude“, sondern Sukkos. Es ist schwerer, den Sieg zu behalten, als zu siegen. So war es in der unmittelbaren Zeitenfolge nach der Erlösung aus Aegypten. Die spätere jüdische Geschichte hat dies dann tausendfach bestätigt. Die Erlösung aus Aegypten blieb e i n m a lig, hingegen wiederholte sich die Wüstenwanderung seither unzählige Male iti der jüdisehen Geschichte. Die hochentwickelte Zivilisation, deren wir uns in den letzten Jahrhunderten gepriesen haben, scheint nicht so #wurzelfest zu sein, wie wir es geglaubt haben. Hinter der hochentwickelten technischen Kultur lauert die Bestie im Menschen, die gereizt und aufgcstachclt ebenso furchtbar wütet, wie vor Jahrtausenden, besonders wenn diese Bestie gegen Juden losgelassen wird. In solchen aufgeregten Zeiten war es das Sukkosfest, das uns immer mit dem Gefühl des G-tlvertrauens und der Sicherheit erfüllte, indem es uns von Jahr zu Jahr an die erste Wüstenwanderung erinnert, die über alle Schrecknisse doch in das gelobte Land geführt hat. II. Durch den exzessiven Judenhaß in Mittel- und Osteuropa ist nun die Judenfrage in ihrer vollen- Breite wieder aufgerollt worden. In der jüdischen und nichtjiidisehen Oeffentlichkeit wird in Zeitungen, ja sogar in Büchern, über die Judenfrage diskutiert. Auch unsere innere jüdische Haltung wird plötzlich unter dem Gesichtspunkt beurteilt, daß draußen Feinde gegen uns stürmen. Das Judentum verträgt es aber nicht, so von außen her beurteilt zu werden. Wir tragen unsere ewige jüdische Wahrheit i n u n s. Am Sinaitag erhielten wir, umhüllt von den wunderbaren Wolken G-ttes, die Lehre, die uns die innere Kraft geben soll, alle Feindschaften der Völker zu überdauern. Der Jude, der noch heute an dieser Lehre festhält, der Jude, dessen Lebenswandel durch die Thora bestimmt wird, genießt noch heute diesen schirmenden Schutz G-ttes. Und daher soll für uns das Sukkosfest nicht nur die - Sicherheit vor feindlichem Eingriff gewähren, sondern den Prüfstein bilden,* ob wir noch dieses Schutzes würdig sind, ob wir noch den Sinaiweg gehen. Auch diese Wahrheit wirkt sich furchtbar in unseren Tagen aus. Jene Juden, die von positivem Judentum nichts mehr an sich haben, sind ganz wehrlos jenen Angriffen ausgesetzt, welche gegen sie als Juden geführt werden. Sie sind von einer jüdischen Mutter. geboren, ohne daß sie über diesen Zusammenhang hinaus mitdem lebendigen Judentum verknüpft wären. Plötzlich bekommen sie moralische und physische Fausthiebe, ohne daß ihre Seele gewappnet, ohne daß ihr Körper gestählt wäre durch jüdische Erlebnisse, durch jüdische Lehren, durch jüdisehe Lebensinhalte. III.; Des Sukkosfest symbolisiert das große Wunder der Wüste. Int heiligen Lande selbst hat dieses Fest einen neuen Sinn hinzubekommen. Es wurde als Fest des Einsammelns nach Einbringung aller Feldfrüchte gefeiert. Da schützte uns die Sukkoh mit ihren flüchtigen Wänden und fliegenden Dach vor Uebermut im Genüsse, vor Herzlosigkeit im Verbrauche. Auch da war sie eine Hütte des Friedens, des Ausgleiches zwischen Reichtum und Armut. Und eine ״Zeit der Freude“ war dieses Fest für reich wie für arm, denn der jüdische Besitzende wurde durch die Moral der Thora erzogen, sich seines Wohltüns zu freuen, wobei sich auch der Anne mit dem ״Nehmen“ freuen Der Zusammenbruch der Wirtschaft in allen Kulturländern und die Vernichtung־ der Erwerbsmög'lichkeiteu hat eine allgemeine Not zur Folge, wie man sie seit Menschengedenken nicht .kannte. Am härtesten sind die Juden davon •betroffen, deren Elend ׳diurc.li den wahnwitzig überhitzten Judenhaß noch gesteigert •wird. Der einzelne ist dagegen hilflos. Ein Zusammenschluß aller soll helfen. Von dieser Erwägung geleitet, wurde vom Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde die Bildung eines Verbandes der österreichischen Kultusgemeinden angeregt. Die •Beschäftigung mit Fragen religiösen Charakters• soll wöhl *ins dem Tätigkeitsbereich^ des Verbundes ausgeschaltet werden. Dieser Vorschlag erinnert an die im Jahre I909 geplante Gründung eines Gemeiudebundes im-alten Oesterreich. Auch damals war nach Angabe •und!Meinung der Proponenten, die Behandlung religiöser Angelegenheiten ausgeschieden. Ist so etwas für den jüdisch-religiös lebenden Menschen an sich schon schwer denkbar, da ja das Leben eines wirklichen Juden in allen seinen Teilen mit den Thoravorschriften dicht verästelt ist, mußten überdies viele ausgesprochene Progra.inmpuukte des danvaligeu Entwurfs sofort ■den lautesten Widerspruch herausfordern. Es konnte doch nicht zweifelhaft sein, daß z. B. ״die Ausbildung, Bestimmung der Qualifikation der Rabbiner, Religionälehrer und Schächter“ als eine Frage von größter religiöser Tragweite zu bezeichnen ist, deren Erledigung die Orthodoxie niemals einer Gesellschaft von Reformjuden anvertrauen kann. Selbstverständlich setzten die Orthodoxen diesen Bestrebungen {len energischesten Widerstand entgegen, ln einer Eingabe an das ehemalige k. k. Kultusministerium legten sie entschiedenen Einspraieh gegen die Zulassung des Gemeindebundes ein. ln einem von. Wolf Pappenheim mit großem Fleiß 'und vollendeter Sachkenntnis nusgenrbeiteten Bericht, der aus der gesamten Literatur vo.u der ältesten bis zur neuesten Zeit Belege für den. Standpunkt der Orthodoxen brachte, begründete er. die Eingabe und überzeugte die Regierung, so daß der Entwurf des Gemeinclebuncles seine wohlverdiente Ruhe im Archiv des österreichischen Ministeriums fand. Auch der jetzt geplante Gemeindebund soll das religiöse Gebiet unberührt lassen. Er soll mir Abwehr zum Zweck haben. Zur Abwehr, zur «Verteidigung kann eine Vereinigung v o n F all zu F a 11 erfolgen. F׳ür die konnte, da an ihm nur eine brüderliche Pflicht erfüllt wurde. Auch diese Bedeutung des Festes ist bis zum heutigen Tag lebendig geblieben im jüdischen Volk. Am Eingang des Winters, der an die Armen in einer Zeit der Not und Erwerbslosigkeit so unlösbare Probleme stellt, soll das Fest für uns eine Mahnung sein, aus unserem Ueberfluß mit Freude zu geben, so daß der Empfangende sich auch noch unserer Gabe freuen könne. Wir sind alle auf den Schutz der Sukkoh angewiesen, gestalten wir aber unsere Sukkoh zum Schutz für andere, — so ist sie eine Hütte des Friedens. L. L. L. Dauer aber ist ein negatives Programm nicht ausreichend, um eine Körperschaft lebendig zu erhalten. Zu diesem Zweck muß sie positive Fragen *des jüdischen Lebens in ihren Wirkungskreis einbeziehen. Daß diese, sie mögen heißen wie sie wollen, immer religiösen Gharakter haben müssen, ist klar, ebenso wie es klar ist. in welchem Geiste das herrschende Reformjudentum au die Lösung religiös-jüdischer Probleme herantreten wird. LJ lleute liegen die Verhältnisse für die Orthodoxen noch wesentlich ungünstiger als vor 23 Jahren. Damäli.: vertrat der mächtige Stock der gülizischen Gemeinden den altreligiösen• Standpunkt. Heute befindet sich der größte' Teil der jüdischen Bevölkerung der. ׳Bundesrepublik in Wien, gehört der Reformeinheitsgemeinde Wien an. Die jaiilenschaft des übrigen Oesterreich ist daneben eine verschwindende Minderheit, die sich kaum zur Geltung bringen kann. ' Ein Gemeindebund wäre daher neben der Einheitsgemeinde ein neues diktatorisches Instrument zur Knebelung der Orthodoxen, zu dessen Zustandekommen oder Erhaltung diese nie die Hand bieten werden.!Die Verschiedenheit der Weltanschauung, die Uiigleichbeit!in der Auffassung und Beurteilung •von lebenswichtigen Fragen müssen in einem einheitlichen Körper die Quelle von Streit!und Befehdung bilden. •Eine solche Uneinigkeit im Innern müßte clie Schlagkraft des V׳erband es nach außen schwer beeinträchtigen. Auf dem Geist der Einheitsgemeinde aufgebaut, kann eine Vereinigung der Gemeinden, ein Gemeindeverband, nicht wirklich leistungsfähig sein, soll eine wirkliche, festgefügte, nach■ außen kräftige Organisation, wie sie erstrebenswert wäre, möglich werden. Man gebe den Glaubenstreuen eine angcmessene Selbständigkeit für ihre Angelegenheiten. Die Einheitsgemeinde wird an ihrer Ehrwürdigkeit uiiid an ihrem Ansehen keine Einbuße erleiden, wenn sie der orthodoxen Minderheit das Recht und die Möglichkeit gibt, i׳hre religiösen Angelegenheiten selbständig, unabhängig und frei 'sich selbst einztirichten, ans/.ugestalten •und zu verwalten. Die glaubenstreue Juden- Schaft in ihrer heißen .Liebe für ihr altes Judentum-muß ilire Kraft f r e i entfalten können. Dann wird •eine fiiedliehe und wahrhaft einige Gemeinde von Brüdern diö unerschütterliche feste Unterlage für eine sichere Schutzwehr gegen alle Feinde bilden. Lebensversicherung*״ R U 5"8 M I V Gesellschaft ■Ol W 11י I A Gegründet 1882 Versicherungsbestand Ende 1931. •־...2775 Prämien- und Zinseneinnahmen im Jahre 1931 . . . . ... . 182 Garantiemittel Ende 1931 .... 472 Auszahlungen an Versicherte im Jahre 1931 .. 43 Am Ende des Jahres 1931 waren bei der Gesellschaft 836.664 Personen versichert. Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Spanten, Italien, Tschechoslowakische Republik, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Aegypten und Kleinasien. Millionen Schilling Millionen Schilling Millionen . Schilling Millionen Schilling # ־*»''*’ז׳, Um trotz der; Devisensperre die Verbindung mit dem Auslande aufreentzuerhalten, nabe ich nunmehr ein großes Lager fertiger Perücken aller Nuancen vorbereitet, um den durch Wien reisenden Damen eine individuell dem Gesicht entsprechend modellierte Perücke schon i innerhalb sechs Stunden liefern zu können Besitzer der weltbekannten Perücken-Kunstwerkftätte Wien I, Kärntnerring 6 Gemeindebund?

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