Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 15 (15.4.1932)
- Date
- 1932-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrg, ״Per Saldo ein Abgang tob 2124.“ Das Defizit der Wiener jüdischen Bevölkerung im Jahre 1931. ־־־ Katastrophen- Ziffern aus dem Verwaltungsbericht der Israel. Kultusgemeinde Wien für das Jahr 1931. Im Jahre 193t*.hat die Zahl der Geb urte u 1064־ (1222), die Zahl׳ der iE i n t r i 11 e in das Judentum, bzw. der Rücktritte 296 (286) betragen. Aus dein J u d e n t u m sind 749 (742) Personen ■a u s g c t r c t e n. An ,Sterbe f ii 11 e n haben sich 2753 (2598) ereignet, ■so׳'daß per Saldo ein Abgang von 2124 (1832) resultiert. Von den 2735 Todesfällen entfallen 42 (54) auf ■Totgeburten. 1344 (1556) auf männliche und 1276 (1187) auf ׳'weibliche Personen., An Todesursachen erscheinen in 545 (475)!Fällen Erkrankungen des^.Herzens;JinJ 483 (400) Fällen Erkrankungen des Blittös und ‘*seiner Bahnen; in 385 (424) Fällen krebsartige'Erkrankungen; in; 549 (536) Fällen Erkrankungen der Atmungsörgane; Tuberkulose ist in 164 (164) Fällen die Todesursache; im Jahre 1931-haben 114 (85) Personen, davon 60• mannliehe und 54 weibliche Personen, durch Selbstmord geendet Den! Älter nach sind die meisten - Todesfälle, und zwar: 583 (576) zwischen dem 70. und SO. Lebensjah 1־e, 432 (405) zwischen dem 65. uud;7p;v .r35.l (505) zwischen dem 60. und 65• Lebensjahre zu״ yke.rzciclmen;. voii, 266 (222) im Alter von iibeh SO JaJiren Verstorbenen waren 105 (97) männlichen und 16t (125) weihliehen Geschlechtes. Von den 2735 (2597) Sterbcfällen entfielen 2590 (2436) auf ׳Ortsansässige, 145 (161) auf Ortsfremde; in Spitälern und Anstalten sind 1591 (1589) imd .in ihrer Wohnung'11441008) ׳) Personen verstorben. Unter den 1064% (1244) G, e b 11 r t e n des Jahres1951 ׳ hat die Zahl der männlichen 544 (607) und die der Weiblichen■ 520 (607) betragen. Von "den 1214) 1064־) Gebürten entfielen 1024 (1149) auf Ortsansässige und 40 (65) auf Ortsfremde, und von diesen 1010 (1116) auf ׳Entbindungen in Anstalten'und 54 (98)׳ auf solche, in ’ der Wohnung. ■■...■ / ,.' Gegenüber den ,1144 (1244) ,im Jahre 1931 im :Wdrkiingsbereidhe der Kultusgemeinde Wien vorgenominellen Trauungen verzeichnet die Statistik 320 (324) in diesem Jahre vor dem Rabbinatc vollzogene rituelle 'E׳:h'etiennunge11. Von diesen־ sind•85 (117) im I. bis 10. Jahre• der Ehe erfolgt, 3 (2) nach mehr als 30jähri- 'ger Ehe. ־'•■׳'■' '; Von den 749 (742) im Jahre 193t aus dem J h d e nt uin e Aus g־ e t r e t enon waren 362 (369) männlichen und 387 (373) weiblichen Geschlechtes. 467 (4*19) waren ledigen Standes. Die Höchstzahl׳ der Avis-;trifte... verzeichnet die Altersgruppe zwischen , dem 30. .nijid 40. Lebensjahre mit 191 (202). Unter ׳ den 296 (286) dm Jahre 1931 i p s . J u d e 11111 m e i n g c 11־ e t e n e 11 heute als lästig erscheinen; läßt. Wohl die wenigsten Lesen• des Verwaltungsberiqlites der Kultusgemeinde Vverden •auch dieser nicht zu unterschätzenden Begleiterscheinung genügende Beachtung schenken und noch weniger wird man im allgemeinen ׳bedenken, um wieviel ärmer die kommende; Generation nicht nur an Zahl, sondern auch an Eindrücken und Illusionen sein wird, die zum Leben nun einmal unbedingt notwendig sind. Man stellt sich’s viel zu wenig lebhaft vor, daß die Menschen von morgen .kein Geburtshaus haben, denkt man ja auch nur kaum daran, ob sie je eine Erinnerüng an ein .Elternhaus: an ein jüdisches ElternJiaus mit seinem Segen, und seiner Weihe in ihr Leben mit hinausnehmen werden. Das jüdische Wien ist auf den langsame n, aber sicheren Aussterbeetat gesetzt. Es ist dies aber, wie ein äußerst lehrreiches Buch (Ernst Kahn, .Dea• internationale Geburtenstreik, Frankfurt •a. M. 193.0) aufzeigt, nicht nur aus'wirtschaftlichen;Gründen. Kahn; meint .jtv bei; Besprechung des allge- Ineinen rGeburterirückgahgesv der ״sich ׳'''im"' Wiener Judentum nur eben ganz besonders kraß zeigt, daß es von jeher der breiten Masse des Volkes schlecht gegangen sei. ״Wohnungsnot“, sagt er, ״gibt es mindestens ebensolange wie Großstädte, und Arbeitslosdgkeit ist stets die ■Begleiterscheinung der regelmäßig wiedorkekrenden Krisen ,gewesen.“ Dagegen findet ׳,Kahn im Unglauben .uncl;Rational i!s111,11 ׳ s die tieferliegenden Ursachen, zu denen noch die W i r ts c ha ft l i c h e E in anzi pa t i o n der ■Frau kommt. Und diese tieferjicgcnden Ursachen sind es auch, die, richtig erkannt, den Weg zur Abhilfe weisen. Abhilfe aber wäre das dringendste Gebot weiterschauender jüdischer Politik, wenn nicht auch für die Wiener Judcnscliaft ein Zustand eintreten soll, wie es der ist, den JKah.11 in dem Kapitol ״Die deutschen Juden in der ,Auflösung" schildert. In Deutschland ist ja hach Kahns Feststellungen ״bei den Juden die Entwicklung so weit fortgeschritten, daß auch eine Umkehr von den ׳heutigen Gewohnheiten eine Arterhaltung — wenn überhaupt — nur auf einer außerordentlich verringerten Zahl wahrscheinlich macht“.; Man wird , sich aber vergebens anstrengen, wollte man in den übrigen Kapiteln des Verwaltungsberichtes der Wiener Judengemeinde auch nur eine leise Sp 11 r davon finden, daß hier die Rechte Kenntnis ,voll;dem. •..hätte, was die Linke tut. Jedes Amt kümmert siöh nur uni sein Ressort, Fürsorge und Schiildcpartenlent ziehen aus. den Erfahrungen der Bevölkei'iingsstatistik nicht die notwendigen Lehren und so fehlt auch der leitende Gedanke, der die Ressorts nicht nur im biidgetären, sondern auch im teleologischen Sinne ln entsprechende Relation zueinander brächte. Denn sonst würde nicht ein absolut gewiß ■■achtunggebietender, sollst •aber unverhältnismäßig hoher Teil aller Ausgaben der Gemeinde den Fürsorgezwecken gewidmet, Während für den Aufbau dm Interesse einer gesunden Bevölkcrtingspölitik, der .,sich ,in döni• Aufwendungen für •Scluilzwecke dokumentieren; müßte — Verhältnis.‘- mäßig־ — viel zu wenig.־übrig bleibt. Bei aller Auerkeuiuing, die gerade von. religiöser Seite selbstvevstündlich der Bedeutung des Gemilus Chassodim für das Leben der jüdischen Gemeinschaft gezollt werden muß, ist doch nicht zu übersehen, daß Gemilus Ghassodim nicht nur Lebenden und, wie es gar. oft der Fall ist, Toten gegenüber zu üben Pflicht jedes Juden und ׳P 'e r s o neu haben tuW angehört; von 143 (127) bereits - früher. dem Juden- ״-T1, ״ . den Eingetretenen, bzw. Rückgetretejaen■ waren 99 (94) männlichen und 192 (197) weihliehen Geschlechtes. t . ,Wie alljährlich, .erregen auch heuer an diesem . Yb 1־,wal t u n g s b e r i c h t e der Wiener Judengemeinde am meisten die Ziffern über die Bevölkerungsbewegung unsere Aufmerksamkeit. Sogar dann, wenn man die elierne Gesetzmäßigkeit der Statistik zu ,leugnen und , Relationen vöräüszusetzen geneigt wäre, ׳ die die Wissenschaft der Statistik nicht einmal ahnt, wird man .׳,in .den ständig wiederkehrenden Verlustziffern der . Wiener; Kultusgemeinde sehr viel finden,; was die Auf- ,mexksamkeit jedes Juden erregen sollte. Schon die an und für sich belanglos, ja in hygienischer Hinsieht sogar als Vorteil erscheinende Tatsache, daß׳ die wenigen; aijzu welligen Geburten überwiegend in Anstalten and nicht in Privathäus.ern erfolgen, wird äußerst bedeutsam, wenn maii sie im Zusammenhang mit den übrigen Ursachen des /Gehurtenrückganges 'betrachtet. Denn;dann findet mau,, auch da,■ wo schon Geburten stattfapdeii, noch dieselbe.״Grundhaltung,־ die allen ^Wdcht auf ,Vierifuugüngen" und JRreüden, der riiit ,Rücksicht auf Kinder׳,erforderlich würde,׳ der Frau von. ’ *י’:• ife •׳ Vevgleichsdtfgyd) düs fJahres ) 1930sind ״ in .'Klamr . . “ ..‘ÄlÄvBMgefUit:1'*'• ׳•*'•"*•י•׳ Gegründet' 1885 Telephon A-42-0-5S S.&G. PISK Wien, XX., Nordwestbaiinstraße 71 ׳ brln g I die unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinats der ADAS JISRQEL (SCHIFFSCHÜL) garantiert verlaßliehe KOSCHERMILCH כשר während des ganzen Jahres und speziell, für PESSACH DDD unter Anwendung aller rituellen Vorschriften seit mehreren Jahren in sämtlichen Bezirken Wiens, in' ge- ־schlossenen Kannen und Flaschen zum Verkauf. Jedes Gefäß ist mit cler Marke (Plombe) der Adas Jisroel (Schiffsfhul) versehen. Die Aufsicht bezieht׳ sich nur auf den Vertrieb in den geschlossenen, mit der Plombe versehenen Gefäßen. Für. den Einzelver'schleiß nach Eröffnung des Gefäßes über- ,nimmt das Rabbinat keine Verantwortung. Wenn daher die Kunden auf verläßliche, einwandfreie Koschermilch' reflektieren, empfehlen wir. unsere Bezugsquellen, in welchen diese unsere Milch zum Ausschank gelangt. WIEN ׳im 1 ׳• Nissan 5692 WIEN, am April!932 weltbekanntenPerUckenwerlcstätte wmm ו! Karntnerring 6 4514451