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Jüdische Presse · 1930-07-25 · 30 (25.7.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
30 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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־»*&)?*$'’ ז* povoleob rladlt poft 1 tol#ir*fot * Bratiitavt &%. 41I7MU-2*. Zaiiaugeo vom Varlaiar?•r»*110«n ]anroal expddl* par!,©dlttxr V. b. b. AP ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. fögdiQktloii e. Admiaistrailont Wien, JÜ.,Ltopo!ü&• SKise 86, 1. Stiege, 1. Stock.—Tel. R 45-4*94. ,Tasbecboilomakeh Bratislava, Postfach 14U, Bnsbeint Jeden Freitag. — Redaktionstcbiusi: Mittwoch Mittag. AboDiacinetitsprtlie 1 Otnijlhrlgi Für Oesterreich S 16 fscbedioiiowakei tschech. K. 80, Elnzelnniniiier öst. Or. 50, das übrige Ässlxnd 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien für Oesterreich: Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei! ,Jüdlsche Presse״, Bratislava, Postspk.-AmtPrag Konto Nr. 53386 Nr. 30 Wien-Bratislava, 25. Juli 1930 »כיח וינא־םחגסם־י־נ כט תמוז תר״״ 16. Jahrg. H Gedenket der Schlafenden in Hebron!“ Zum ersten Jahrzeit der Aw-Märtyrer in Erez JisroeL Von Redakteur S. Schachnowitz, Frankfurt a. M. Wenn wir dieses Jahr, am 9. Aw, da unsere natio־ nale Trauer den Höchstpunkt erreicht, vom Schmerze zu Boden gedrückt, unseren Tränenschlauch, Kinoth ge־־ nannt, aufmachen, da wird sich den alten Klageliedern ein neues anreihen. Ein Jahr alt, und neue Tränen werden fließen, neuer Schmerz wird brennen aus Wunden, die noch nicht vernarbt sind, die in einem Jahre nicht vernarben konnten, weil so viele Hände inzwischen darin herumgewühlt, Salz auf sie gestreut haben. Ein Jahr rundet sich, seit man unsere Besten und Edelsten in Jerusalem, Hebron und Safed niedergemetzelt hat. Was ist in diesem Jahre geschehen, ttm die schweren Verbrechen zu ahnden? Was haben die Behörden und Verwaltungen in Jerusalem und London zur Austrock־ nung der Sümpfe, aus welchpn sich solche Seuche ent־ wickeln konnte, getan? Was haben die Araber getan, die besseren Vertreter der arabischen Nation, tim eine Atmo־ Sphäre zu entgiften, in der Rowdys und Huligans ihr Mordwerk unter der Decke eines nationalen Heldentums ausiiben können? Was haben schließlich wir selber getan, wir, die nationalen Juden, und wir, die rein religiösen Judentum zu beweisen, daß wir dem Winke der G־ttes־ waltung, der immer in solchen Schickungen liegt, ver# stehend folgen wollen? Es ziemt sich, daß wir am ersten Jahrzeitstage dieses jüngsten nationalen Unglücks uns klare Rechenschaft über all diese Dinge ablegen. I. Man hat in den letzten Tagen drei Araber, deren bestialische Untaten ganz besonders hervorstachen, hin־■ gerichtet*. Andere zum Tode Verurteilte wurden zu Dutzenden zu Gefängnisstrafen begnadigt. Die Gerichte arbeiteten emsig und arbeiten, noch. Vielen Arabern wurden mildernde Umstände zugcbilligt, vielen Juden die 'Annahme der ״Notwehr“ versagt. Ein Jude gehört zu den zum Tode Verurteilten, ohne daß ihm bis jetzt die Gnade der Strafverwandlung■ geworden ist. All diese Dinge sind nicht so sehr von Belang. Wir haben nicht nach dem Kopfe der Mörder geschrien, und hätten es sehr gerne gesehen, wenn von jüdischer Seite zu der Frage der Vollstreckung oder Aufhebung des Todes־ urteiles gar k e in e Stellung genommen worden wäre. Palästinensische Zeitungen taten es, und sie taten es auf eigene Kosten und Gefahr. Viele prominente Juden Bn Palästina und Europa setzten sich für die Annullie־ rung der Todesstrafe ein. Auch das erachten wir für falsch. Es ist nicht unseres Amtes, in die englische Gerichtsbarkeit hineinzureden. Hält sie eine Ausführung der Todesstrafe im Interesse der Sicherheit für die Zu־ kunft für notwendig, so ist es ihre Sache, dies zu ver־ antworten; fühlt sich die Verwaltung stark genug, Gnade üben zu dürfen und dennoch für Sicherheit des Lebens und Eigentums in der Zukunft einzustehen, so sei ihr dieses Kraftgefühl und die menschliche Geste zu gönnen. AVir wissen uns: frei von Rachegefühlen, die ״schöne Geste“ der Fürbitte für unsere Mörder wirkt lächerlich. Denn schließlich waren die Mordbrenner in Jerusalem, Hebron und Safed ja nur Exekutive einer Politik, die von Hintermännern in ganz anderen sozialen und geistigen Schichten geleitet wird, waren die Gift־ pflanzen aus einem Sumpfboden herausgewachsen, der von anderen Händen treulich gehütet und gepflegt wird. Kommen sie um den Kopf, so wird die Bewegung darum nicht kopflos. Darum erscheint uns weit wichtiger als die Kleinarbeit der Gerichte, die von London und Jerusalem aus geleitete Aktion zur Erforschung der Hintergründe der Schrecken, zur Unschädlichmachung des Pulver.vorrates, für den die Lunte einer an sich harm־ losen Chaluzim־Demonstration genügt hatte, daß er explosiv sich entlädt und so unsäglichen Jammer an? richtet. II. So fragen wir: Was haben die Behörden und Ver־ waltungen in London und Jerusalem im Laufe des Jahres zur Liquidierung des Blutvergießens vom August, zur Erforschung des Herdes und seiner Austrocknung getan? Es kam kurz nach den Unruhen die sogenannte Sh‘aw־K0fnmission nach Palästina und brachte in einer * Untersuchungsarbeit von vielen langen Wochen nicht viel mehr an den Tag, als was man immer schon wußte. Eine Spannung zwischen beiden Nationen herrschte schon seit dein Balfour־Mandat. Die Dinge spitzten sich in der Folge zu aus Anlaß des Klagemauerstreites und ־ er.־ reichten den Siedepunkt in den Tagen des Züricher Kongresses und mit der Bildung der Jewish Agency. Die hohen Tone in Zürich fanden in Palästina ihr Echo in Halleluja־Liedcrn an der Mauer, just am Trauertage um die Zerstörung. War damit vielleicht der Anlaß der Entladungen gegeben, so lagen doch die Ursachen tiefer, und nicht zuletzt lagen sie an der Passivität oder der ״Aktivität am falschen Platze“ der Regiervingsorgane und des englischen Militärs. Man hatte die historisch berechtigten Ansprüche der Juden auf die Klagemauer odpr wenigstens auf die Gebetsstätte vor der Mauer nicht gerade abgelehnt, aber sie auch nicht genügend geschützt. Durch jenen nicht wieder gutzumachenden Gewaltakt am Versöhnungstage und durch die still־ schweigende Duldung der arabischen Bauarbeiten an der Mauer wurde der Mut kler Araber zu immer neuen Provokationen gestärkt. Die direkte Schuld englischer Beamten und Militärs war erwiesen, die Wühlarbeit der Groß־Muftis und Effendis׳ klargestellt, die Bemühungen jüdischer Führer, auch der gemäßigten Zionisten aus der Leitung, noch im letzten Augenblick Versöhnung und Beruhigung herzustellen, ohne bei den Arabern Gegen־ liebe und bei Luke, der den Hochkommissar vertrat, Unterstützung zu finden, wurden festgcstellt. Dennoch fiel der Bericht der Shaw־Kommission nicht zu unseren Gunsten aus. Er erhebt nicht die erwartete Anklage gegen die Mörder und ihre Hintermänner und ist kein eindeutiges Bekenntnis zum Balfour־Mandat. Es wirkt schon beinahe grotesk, daß eine Untersuchungskommis־ sion, die wir herbeigerufen haben, in weiter Ueber־ schreitung ihrer Kompetenzen sich in der Hauptsache gegen den Kläger richtet und in dessen Schwächung, eine Gewähr für die Besserung des Angeklagten zu schaffen sucht. Die direkte Folge dieser Untersuchung ist die Ent־ Sendung des Sonderexperten Simpson nach Palästina, eines aufrechten, klugen Kolonialbeamten, dem aber politische Opportunität mehr bedeutet als politische Moral, wirtschaftliche Notwendigkeit und die Boden־ beschaffenheit des Landes mehr gelten, als historische, von G־tt verbriefte und versiegelte und von Großbritannien nach dem Weltkriege, in richtiger Erfassung einer' be־ deutsamen weltgeschichtlichen Situation, von neuem be־ stätigten Rechte eines durch die Geschichte heimatlos gemachten Volkes auf die Heimat seinem Geschichte. ״Nicht dev Mqrder ist schuld, sondern der Ermordete“ könnte die letzte Tragödie in Palästina überschrieben werden. Noch J^t die Mission Simpsons nicht recht im Gange und schon wird als erstes Anzeichen für den neuen Kurs die jüdische Einwanderung in Palästina unter־ bunden. Neue Proteste, neue Schmerzausbrüche, und der englische Kolonialminister beklagt sich in Genf, wo man die Dinge im Ganzen nicht anders sieht als in London, über ״die überreizten Nerven des jüdischen Volkes“. Sonst haben wir nicht gehört, daß England irgendwie auf die Protestkundgebungen der letzten Wochen und Tage in Wort oder Tat reagiert hätte. III. Und die Araber? Auch sie sind zurzeit in einer heftigen Protest־ Orth.כשר sowie diverse Käsesorten in feinster Qualität, streng verläßlich, liefert Sfaufffer & Sühne, Käsefabriken Sopran - Ungarn Vertretung: ( Ludwig Sc hi sc ha» Wien 61» PraterstraBe SO Stimmung befangen wegen der Hinrichtung der drei von Hunderten der arabischen Mörder und Plünderer. Das kennzeichnet die Lage genau. In der letzten Tra־ gödie Palästinas ist zweierlei zu beachten, das sie von allen Tragödien unseres Goluslebens besonders aus־ zeichnet: die Solidarität der arabischen Welt gegen uns und das Spiel mit vertauschten Rollen. Die gesamte islami־ tische Welt, vom Jordan bis zum Hindus und Ganges, vom Kaukasus bis zu Nordafrika, stellt sich als eine ge־ schlossene Phalanx gegen uns, und darin liegt der Schwer־ punkt der Gefahr. Als die Pogrome, einmal und noch einmal und ein drittes Mal, im zaristischen und Nach־ kriegsrußland und in der Ukraine wüteten, da waren es Huligans, die es taten. Die gebildeten Schichten fast aller politischen Parteien verabscheuten die Untaten, saheh darin den Ausfluß bestialischer Leidenschaft, die zu zähmen Aufgabe des Staates und der Gesellschaft sei. In Rumänien legen alle Parteien, mit Ausnahme dör Cuza* Gruppe, Wert darauf, von den Pogromhetzern abzurücken. In Palästina identifizierten und identifizieren sich die oberen Schichten, die Intellektuellen und die politischen Führer, die geistlichen und die weltlichen Instanzen, alle־ samt mit den Mordbrennern und Messerhelden. Den Raubmördern in Hebron, die erwiesenermaßen nur des־ wegen mit Vorliebe die amerikanischen Jünger sich als Opfer aussuchten, weil sie in deren Taschen amerikanische Dollars vermuteten, wird nachträglich die nationale Gloriole aufgesetzt. Sie sind ״Nationalheroen und Mär־ tyrer ihres Volkes“. Und dieser Haß gegen die Juden wird bis in die Moscheen von Indien und Marokko ge־ tragen, wo für die armen arabischen Waisenkinder in Palästina gejastet und gebetet wird. Wie sich die Moham־ medaner aller Welt, ohne Rücksicht auf Grenze und Weltteil, auf Glaubensnuance und politische Einstellung, im Judenhaß finden, ist ein Phänomen der Zeitgeschichte. Zum zweiten sind die vertauschten Rollen ein Charakteristikum dieses Trauerspieles. Schon bei der Vernehmung vor der Untersuchungskommission gebärde־ ten sich die arabischen Führer als die Ankläger, die, statt sich zu verteidigen, Klagen zu erheben hätten. Eine arabische ־ Delegation ging nach London. Die Herren wurden nicht dahin zitiert, um sich für Massenverbrechen, deren intellektuelle Urheber sie, sind, zu rechtfertigen, sondern sie gingen hin, um anzuklagen, zu protestieren, Vorschläge zur Vernichtung der jüdischen Siedlung und Kultur zu machen. Und da die Briten ihnen nicht gleich zu Willen standen, sie Avohl mit allen Ehren empfingen, aber nicht gleich alle ihre Zumutungen akzeptierten,, warfen sie ihnen die Akten vor die Füße und brachen die Verhandlungen ab, um beleidigt nach Hause zurückzu־ kehren. Wir haben nicht gehört, daß ein englischer Minister von den ״überreizten Nerven der Araber“ ge־ sprochen hätte, aber man hörte wohl, daß man nicht würde umhin können, ״einige berechtigte Wünsche der Araber“ zu erfüllen. Die Spekulation der Palästina־ Araber auf die indischen Mohammedaner, in einer Zeit, da England im dortigen Islam den einzigen Stützpunkt gegen die aufsässigen Hindus hat,;war nicht schlecht. Auch die englische Politik ist nur die Kunst des Mög־ liehen. Wir haben das alles in etwas breiter Form in Erinnerung gerufen, um darzutun, Avie wenig Avir auf Hilfe von außen rechnen können. Nicht die Gerichte und nicht die Behörden werden den Ausgleich bringen. Von London kommt die letzte Hilfe nicht und das Arabertum schlägt in die ihm vom Brith Schalom dargebotene Bruderhand nicht ein. Die Hilfe kommt von uns selbst im Ver־ trauen auf G־tt, ״der sein Volk nicht verläßt und sein Erbteil nicht ausliefert“. So bleibt im Brennpunkt des Geschehens die Frage: IV. Was haben wir selber getan und was wollen wir tun, um aus den Schäden zu lernen und dem schmerz־ liehen, aber sehr deutlichen Winke der Vorsehung zu folgen? Man hat viel kostbare Zeit und Kraft in nutzlosen Protesten vertan. Aber in ernsten zionistischen Blättern las man nach den Unglückstagen auch folgendes: ״Die Antwort des jüdischen Volkes Avird sein: Auf jeden ge־ töteten Juden tausend neue Eimvanderer, für jedes zer־ störte jüdische Haus, eine neue Kolonie!“ Diese ange־ kündigte Antwort sind die Zionisten schuldig geblieben, was gewiß nicht ihre Schuld ist. Man kann nicht Armeen aus dem Boden stampfen. Man kann keine Massen־ Wanderung organisieren, wenn die Tore gesperrt sind, man kann auch keine Kolonien aus der Erde zaubern. Wissen gnädige Frau bereits vom Räumungsverkauf in | ßThTWifBl" a 1/T/H7 Perücken, Scheiteln, Trans- ״ ■ ״ formation etc. der bekannten W,en 1י Karntnerrmg 6 Verlangen gnädige Frau Gratis- Kupstq>erkstätte (gegenüber Hotel Bristol) Katalog und Preisliste So lange der Vorrat reicht. 20% Rab att vom Originalpreis.

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