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Jüdische Presse · 1929-07-12 · 28 (12.7.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
28 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Novtoovf vfpiatne povolenC rladlt post י telegrafo* ▼ Bratlslave ite. 41572-111*20. Zeittmgen vom Verleger versendet. Journal exp6di• par l'edltear ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS »;{?,edaktlon n. Adrainlitrctlon 1 Wien, II., Leopolds• gaaie 16, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 45-4-94.?achechoilowakei: Bratislava, Postfach 140, irachelnt jede» Freitag. — Redaktlonaschluss: Mittwoch Mittag. Abonnementspreisei Ganzjährig 1 Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei ischecb. K. 70, Einzelnummer öst. Or. 40, dai übrige Aail&nd & Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse“, Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-13614; Deutschland: Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 1S0409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ״Jüdische Presse“, Biatislava, Postspk,־AmtPrag Konto Nr.53386 Mp. 28 | Wien-Bratislava! 12. Juli 1929 ,כיה וינדדפרעסבורג ד, תטו; תיפ״ט 15. Jahrg. Für die Knechte der Freiheit! Offener Brief an den Vorsitzenden des G. A., Herrn Rabbiner Dr. Pinchas Kohn. Herr Präsident!! So manches haben Sie vollbracht, was sonst keinem gelingen wollte. Sie sind nach Wien sckommen und haben versprengte Glieder aneinanderzukitten, um ein Papier zu sammeln verstanden. Sie waren in Polen und haben ein schwer ׳bearbeitbares Feld zu düngen vermocht. Warum sind Sie nicht weitergegangen, weshalb haben Sie nicht den Zibrucz überschritten? Ein großes Reich •könnten Sie — erobern!! Warum haben Sie nicht auch Rußland aufgesucht? Dort lebt ein Volk in Not. und religiöse, seelische Not ist’s. die es ieidet. Unsere Brüder ׳und Schwestern meine ich, die unter der Last des rücksichtslosen Gewissenszwanges zusammenzubrechen drohen. Es sind unsere Brüder, die jahrhundertelang unter Aufopferung ׳und Hingabe ihres ganzen Seins der Lehre G-ttes Liebe und Treue zu bewahren wußten. Den rüdesten Hassern ha'ben sie getrotzt, allen Versuchungen widerstanden, in heldenmütiger Todesverachtung den zaristisehen Schergen die Stirn geboten. Zu einer Zeit, als den Juden •in fast allen Ländern der Zerstreuung •bereits gewisse Freiheiten gewährt worden waren, •mußten sie, die russischen Brüder, noch immer unter dem Drucke eines verkrachten Systems schmachten. Nachdem sie nun ■den Leidenskelch ,bis zur Neige geleert, durch alle Foltern der zaristischen ■Hölle gegangen waren, nachdem sie die wilden Kosakenhorden überwunden, ihren Widersacher auf dem Throne zu Petersburg überlebt haben, ist ihnen in Moskau eit! •neuer Feind erstanden. Ein •Feind, der links steht, ein Bedrücker ,der es a׳u׳f שריפתנשמה ונוף ל/י-ים*) absieht, auf den Raab der Seelen loszieht. Dort, wo das marxistische Expeiment zur restlosen Durchführung gelangt ist, jenes Land, in welchem der weltbegliiCkemde sozialistische Gedanke exakt geworden, ist!zum Jammertalc unserer dort lebenden Volksgenossen geworden. ׳In jenem Reiche, in dem die Idee der!Freiheit konkrete Form angenommen hat, wird idem uralten Volke der Freiheit das Grab geschaufelt, dem völligen Ruin entgegengetrieben. Unschuldige Menschen, die sonst nichts verbrochen haben, als daß sie •ihre Kinder im Geiste geheiligter Uebcrlieferung erziehen wollen, werden in den Kerker getan. Jüdische Sendboten eines ausgearteten 1Freiheitsideales sind׳ es. die mit fanatischem Eifer und ׳konsequenter •Beharrlichkeit!das Vernichtungswerk vollführen. Verirrte Söhne unseres Stammes, welche die Last der Tora.h von sich werfen, um das Joch eines neuen Kultes um sojeichter tragen zu können, führen unausgesetzt einen regelrechten Feldzug gegen jüdische Regung. l1׳ri Namen einer mißverstandenen, mißbrauchte n Idee bespitzeln sie ■jüdische Behausungen, auf daß kein Buch aufgeschlagen werde, •in idem ׳namenlos Betrübte Trost, Er- -bauung suchen, auf daß kein! gebrochener Mann im Gebet sein ,Leid ׳vor Gott ausschütte. Jüdische Häuser werden belauert, auf •daß kein Kind befähigt werde, am Grabe seiner Teuersten den ׳letzten Gruß, •das Kadischgebet, verrichten ׳zu können. Sie sind •zu Sklaven (der ׳Freiheit geworden! Beklemmende Schmerzenstöne dringen täglich von den in bitterer Qual Preisgegebenen an unser Ohr. Gebrochenen Herzens und blutender Seele vernehmen wir Weh rufe der Verzweiflung, ohne •den bodenlos Elenden zu Hilfe zu eilen. In tiefer, aber unfruchtbarer Ergriffenheit sehen wir ■dem Trauerspiele zu, wie ein׳ Teil unseres Volkes in Todeszuckungen sich windet,י hinsiecht, allmäh־ iich uns verlorengeht. Die jüdische Welt stellt regungslos da und .wird täglich abgestumpfter. Nichts wurde bisher unternommen, um der drohenden Gefahr entgegenzuwirken, das Verhängnis aufzuhalten. Wir wissen von der jüdischen Geschichte, daß so oft •in irgend einem Land Juden Unrecht widerfuhr, •ihre Stammesgenossen des gesamten Erdenrundes sich ■zusammenrafften, um — insoferne es im Bereiche ihrer Möglichkeiten lag — den in Gefahr Schwebenden ,beizusp'ringcn. Alle Hebel wurden •in Bewegung gesetzt, nichts unversucht gelassen, was geeignet schien, dem Uebel entgegenzutreten. Und da schneidet man kunstgerecht und' mit kühler Planmäßigkeit ein gesundes Organ : unseres Volkskörpers ab und nichts geschieht, um dem Zerstörungswerk Einhalt zu gebieten. Vor unseren Augen vollzieht sich ein Abbröckelungsprozeß, ohne •daß der gewiß in Mitleidenschaft gezogene Organismus eine Bexve-; *) Siehe Sinhedrim 52 a. gung der Gegenwehr ausführt. Wird etwa nicht die ganze Körperkonstitution darunter leiden, ■wenn ein Glied amputiert wird?. Der Hinweis auf 1di׳e Haltung der anderen betroffenen Religionsgemeinschaft ist keinesfalls geeignet, uns ■zu entschuldigen. Schon deshalb ■nicht, weil ■jener die Erwartung ,iibrigbleibt. daß bei Wiederkehr besserer Zustände ■ihr ,Bekenutuis als mächtige StaatsrcHgiön in i'hre alten Rechte treten wird. Wir hingegen •können eine ähnliche Zuversicht uelu hegen, in solchen Hoffnungen ׳uns nicht wiegen. Jeden Augenblick, den wir ׳untätig verstreichen lassen, begeben wir eine schwere, nie wieder gutziimachende Unterlassungssünde. Jeden •Moment des Schweigens übertreten wir das Gebot des לא תעמיד על ר□ רעך Die Seele כי הדם הוא הנפש ~־ — des russischen Bruders befindet sich in entsetzlicher Bedrängnis. Wie ist unsere diesbezügliche Passivität mit linserem vou aller Weit gerühmten Argwut-Stolz in Einklang zu bringen? Wo ist unser Solidaritätsgefiihl. unser so bewunder t-es Zu s a in men geh ö r i g k e i t sb e wu ßtsein? Wird unser Gewissen jemals Ruhe finden können; wenn w׳ir die bittere Gewißheit ׳haben, daß wir einem ,Schauspiel ruhig zusahen, das ■in ■unserer an tragischen Episoden und Ereignissen reichen Geschichte ■beispiellos -dastellt. Ich finde es daher ■höchst seltsam, daß in der ׳nun vorliegenden Tagesordnung der kommenden Knessiah gdolah dieser Frage gar. keine Erwähnung getan ■wird. ׳Im Programm der ersten Knessiah hat das russische Problem ׳einen •ziemlich ׳breiten Raum eineiiornmen. Nathan Birnbaum ׳hielt ein Referat, ■das erschlitternde Wirkung auslöste. ׳Eine Debatte wurde abgeführt, Beschlüsse gefaßt, die allerdings nicht realisiert wurden, wie es das ׳Los ׳vieler damals angenommenen Eut- Schließungen war: nicht in die Tat umgesetzt zu werden, ich erlaube mir demnach die Frage, ob in der Zwischenzeit die Judenfrage ׳in Rußland minder •brennend geworden isr. ob die ,Lage mittlerweile eine :Besserung erfahren ׳hat? Wer ist berufener, sich jener von den Ketten der Freiheit Umschlungenen anzunehmen, als eine religiöse Interessen vertretende Körperschaft? Setzen Sie, Herr Präsident, die russische Seelennot wieder auf di׳e Tagesordnung. Fassen Sie Beschlüsse und bringen Sie ׳diese zur Ausführung. •Hic Rhcdus. h׳ic salta! Mit treu jüdischem Gruße II. Juli 1929. Ahron Jerucheni. Der Kolel in Jerusalem. Als genauer Kenner der Verhältnisse des Kolel in Jerusalem, muß ich auf den unqualifizierbaren Angriff auf denselben in der Preßburger ״Jüdischen Volkszeitung“ erklären, daß dieser Angriff jeder Grundlage entbehrt. Es ist selbstredend, daß in fernem Lande Menschen, die durch viele Jahrzehnte für eharitative Zwecke verbunden waren, diese Gemeinschaft um so weniger auflösen können, als die von außen kommenden Zuwendungen an diese gemeinsame Institution gesandt werden. ש ומזי כשי (תחת השנחח הרב ח ישעי פורמט שיפשוהר) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) Ueberall erhältlich(' ־'<lllllllllllllllllllilllllllllllll!lllllllllllllllllllll!llllllllllllllllllllli!lllll!lllllll!!llllllll!llllll!llllllllllllllllll!l!lillllll!llllll>1' % Die aus der Slowakei stammenden Gelder werden nur für Landsleute verwendet, was um so leichter durchs zuführen ist, als s I o w a k i s c h e Juden i n P a־־ lästinä samt und sonders sich als t s c h e־ c h o s I o w,a kisehe Staatsbürger ein trag e n ließen und dies auch bis heute geblieben sind. Die Pamphlete, die in zahllosen Exemplaren gegen die Kolelverwaltung verbreitet wurden, gehen von uns verantwortlichen Leuten aus, die an den Kolel gar keinen Anspruch zu stellen haben und glauben, durch dieses Vors gehen im Trüben fischen zu können. Die Person des ehrwürdigen überrabhiners Schreiber steht wohl zu hoch, um einer Verteidigung zu bedürfen. Was die versteckten Denunziatiönchen betrifft, ist es wohl unnötig, die absolute Loyalität der slowakischen orthodoxen Judenschaft zu dokumentieren. Daß die ״J. V.“, sich riieht schämt, eine nach ihrem eigenen Zus geständnis nur für eharitative Zwecke bestimmte Instis tution demolieren zu wollen, ist charakteristisch. Wolf Pappe 11 heim. Reflexionen. Von Rabbiner Pli. Fischer in Sarasoatak. I. . in Nr. 25 d. w. Blattes unterzog Herr Josua Kaiser aus Duna-Szerdahely in einem unter der Ueberschrift ״Trennungsorthodoxie“ erschienenen Artikel meinen in der Pessach-Nummer dieses Blattes klargelegten Standpunkt einer in äußerst konziliantem Tone gehaltenen sachlichen Kritik. Vorläufig will icli nur auf zwei Punkte aufmerksam machen. Herr Kaiser will durch ■unrichtige Interpretierung einer Stelle in S. R. Hirschs Ges. ■Schriften den ׳Beweis erbringen, daß meine erwähnten Ausführungen sich im Widerspruch zur jüdischen gemeindepolitischen Auffassung S. R. Hirschs befinden, indem nach seiner Auffassung S. R. Hirsch sich mit dem orthodoxen Charakter aller Gemeindeaiistalten und Funktionäre keinesfalls zufriedengibt, sondern eine Ausscheidung sämtlicher nicht strengreligiös lebender Mitglieder als Vorbedingung einer orthodoxen Gemeinde betrachtet. Diesem gegenüber sei mir gestattet, auf folgende Stelle eines an die orthodoxe Durchfiilirungskommission (heute: Zentral'kommissioii) in Budapest mit d. ׳D. 12/6 81. gerichteten Schreibens von S. R. Hirsch, welches in Nummer 10 ■d. Jg. 1908 im Magyar'Zsicko in ganzem Wortlaute abgedruckt worden ist, hinzuweisen: ״Dieses*) O r g a 11 i s a t i 0 n s s t a 1111 hat ausdrücklich nicht d i.e Bildung• von. Ge- 111 e i 11 d e •n von durchaus e i 1111 e i 11 i c h e r o r t h 0doxer Richtung ihrer Mitglieder in Ges i 11 n■. u 11 g u 11 d Lebenswandel zur V 0 r a u sse;t zu ti g, es setzt vielmehr seinen Stolz und seinen Vorzug darin, daß religiöse Richtung and Wandel aller G e m e i 11 d e a n g ehörigen vor jedem g e m e i!1 d e 1 i c h e 11 .Einblick geschützt bleiben, spricht somit der Bildung von Gemeinden das Wort, welche die extremsten Gegensätze, den gewissenhaftesten ירא שמי□ וחסיד sowie den ausgesprochensten אפיקירס ופישע in sich vereinigt, und glaubt der Sicherstellung der Gem e i 11 d e i n s t i! 1111 i 0 n e n g egen den E i n f 111 ß selbst der extremsten neologen Richtung du r c 11 dii e B e s t i m m u 11g genügt zu haben, d a ß der Vorstand und jeder Funktionär durch einen dem Sinne des דין widersprechenden Antrag sein Amt e i 11 b ii ß t.“ Und S. R. H. זצ״ל erklärt sich in diesem Briefe durchaus einverstanden mit diesem Standpunkte, nur wünscht er noch, auf ש׳׳ע חו׳׳מ fußend, daß die orth. Kanzlei nicht, wie es damals bezüglich Papa geschehen *) Nämlich das ungarlündische orthodoxe Landes־ Organisationsstatut. Was bietet die führende Weltfirma Othmar Schiff, Wien, I., Kärntnerring Nr. 6 in Damenperiicken I - I. Modernste und individuelle Ausführung־! II. Tadellosen« mustergültigen Sit* - IH. Nur erste Qualität in ffaterial und Arbeit su mäßigen Preisen (gegenüber dem Hotel Bristol - Tel. (1-41*3-62) Die Firma Othmar Schiit legt aller- Die Firma Othmar Schiit legt aller־ größten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen * . Setzen Sie sich_ daher, bevor Sie eine Perücke kaufen in Ihrem ureigensten Interesse mit der Firma Othmar Schill in Verbindung! J

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