Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 42 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630244-2630285--3130-2635084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 42 JÜDISCHE PRESSE Seite, 269 m Herzen ר׳ז6ס Könige ühd Fürsten lenkt, daß. er den. tschechoslowakischen Staat stärke und seine Bestrebungen mit vollem Erfolg kröne, bis die Zeit der Huld herannaht, in der auch die Tochter Israels Gnade iindet vor Ihm und Zion erlöst wird in unseren Tagefi, Amen! J e r 11 s a 1 e m, den 4. Cheschwan 5689. Der baldigen g-ttlichen Hilfe entgegenharrend Jos ei C h a j 1 m Sounenfeld. Das Jubiläumsfest der tschechoslowakisclien Republik in der orthodoxjüdischen Konfession. (Fortsetzung '1aus der Festnummer.) Bis zum Redaktionsschluß sind bei uns folgende Nachrichten über Veranstaltungen, Feiern, Sitzungen, Versammlungen, Stiftungen und Fonds eingelangt: Beim Landespräsidenten. L a n d e s p r ä s i d e n t D r. D r 0 •b n y gab . Sonntag, den 28. Oktober anläßlich des ■Staatsjtfbiläums zu Ehren des Tages einen Tee, ׳zu dem eine Anzahl hervorragender Beamten und Würdenträger in Staat und Gesellschaft eingeladen waren. Als Re- Präsentanten unserer Konfession waren die Herren 0 ׳b e r r’a bfe i n e r Schreiber aus Preßburg und Ofeerrafefeiner Weber aus Piestany zugegen. Die Festnummer der ״Jüdischen Presse“. Die Festnummer der ״Jüdischen Press e“ fand im ganzen. Lande großen Beifall Der reiche und gediegene Inhalt dieser Nummer-und im besonderen die eigens für die ״Jüdische Presse“ geschriebenen Artikel der ־Minister Benes und N 0 ,v a 1k, des Prager Bürgermeisters Dr. Stul’a, des Handels- Kammerpräsidenten M a r t i n e c, sowie die Kundgsbungen der Herren Rafeb ine r, die nur ׳in den seltensten Fällen in der Presse das Wort ergreifen, nicht minder aber auch die vertvollen historisehen Aufsätze erstrangiger Fachgelehrter, verleihen der :Festnummer, e'ine dauernde Be'deutüng. In den weitesten, «für die Gesamtheiitsprofeleme interes-- sierten Kreisen des In- und Auslandes erregten der Festgr.uß. Ra.fe.fei C h a j i m S 0 n n e n f e 1׳ d s. שליט״א und die tiefschürfenden Artikel der Agudaführer t)r. P. Kohn und Jacob Rosenheim ׳berechtigtes Aufsehen. Die zahlreichen und wohlgelungenen Illustrationen, namentlich die Bildnisse der rabbinischen Autoritäten, die auf dem Gebiete der Tschechoslowakei für das gesamte Judentum gewirkt haben, verleihen der Nummer den Charakter einer ' Festschrift, die man in jeder jüdischen Familie auch später gern zur Hand nehmen wird. Solange der kleine Vorrat reicht, wird •die Festnummer in ■der T •s c h e c >h oisfowaik e i. gegen Vorein־ Sendung •von tsdh. K 6 und im A!u* *s ■lande von ö. S 2 per Exemplar!portofrei ,ziugeisandt. Bratislava: 'Harmonische Freudenstimmung, die durch keinen Mißton beeinträchtigt wird, beherrscht die ganze Stadt. Flaggenschmuck an allen Häusern und am Abend tausende •und abertausende Beleuchtungskörper überall, wo das Auge sich nur hinwendet. •Die Stadt Preßburg gleicht einem in allen׳ Farben schillernden, strahlenden Lichtmeer. •Neugierde und der innere Drang, mitznjubeln, treibt fast die ■gesamte Bevölkerung auf die Straße hinaus, wo an diesem Sabbatausgang deutlicher als Reden und Berichte zu erzählen Filiale: Graz, Bismarckplatz Nr. 5 Die große Mode Velour-Chiffon imprlme, Velour-Chiffon fa?onne in kolossaler Auswahl zu fabelhaft billigen Preisen. — Ferner: Crepe Fahle, Crepe Flesch, Crepe Satin, Crepe Georgette in den neuesten Modefarben. Crepe de Chine, alle Farben . . S 13.50, 9.80, 7.80 Crepe Georgette, alle Farben . . S 13.80, 11.-, 9.80 Crepe Satin, alle Farben . . ׳. . . S 19.—, 16.— Crepe Lavable, alle Farben . . . S 13.50 Toile de Soie, alle Farben . . S 6.80 Japan-Pongis, alle Farben . . . . S 2.90 Ia Schnürlsamt . ..S 3.50 Seidenfutter-Brokate . . . . . S 4.90, 3.80 Ia Kleidersamt, alle Modefarben . S 11.80, 9.50 Feinster Velour-Chiffon, in allen Farben, 100 cm . .; ..... S 19.— Velour-Chilfon imprime, hertl:che Dessins . . . . . . . . S 28.— vermögen der Beweis dafür. erbracht wird, daß es dem tschechoslowakischen Staat •in den wenigen zehn Jahren vollkommen gelungen ist, nicht nur Ordnung im äußeren Bilde der im Handumdrehen zur Großstadt etnporgewachsenen Hauptstadt der Slowakei, sondern auch Einklang und gutes Einvernehmen unter allen Klassen und Schichten der von Haus aus heterogenen, aber .,gleichermaßen heimatsbewußten Bevölkerung zu erhalten. Die Juden in )Preßburg, wie in allen' Orten des Landes, haben in diesen zehn Jahren an •der Herbeiführung dieses schönen Verwaltungsresultates redlich mitgearbeitet: sie empfinden deshalb die größte Genugtuung über das herrliche Fest, das die ganze Bevölkerung des Landes feiert. . •Innerhalb der 0 r t h 0 d 0׳ x e n ,Gemein ■d e werden die Feierlichkeiten mit einer Festsitzung •der Gemeinderepräsentanz eröffnet, bei welcher Gemeindepräses Herr David Krauß in einer herzlichen, Festrede die •Bedeutung des Tages würdigt. •Auf seinen Vorschlag wird die Errichtung •einer 1M a s a r y •k - S t i f t u n g von tsch. K 50.000 zur P r ä m i e ■n v e r t e i l u n g a n •hervorragende Schüler der Preßfeurger Jeschiwa einstimmig beschlossen und ein Huldigungstelegramm an den Präsidenten Masaryk abgesandt. Zur gleichen •Zeit finden an allen Schulen der Gemeinde Festlichkeiten für ■die orthodox-jüdische Schuljungend •statt, bei denen Festansprachen gehalten •und : entsprechende *Lieder und Gedichte vorgetragen werden. Den Höhepunkt der Feier bildete der• Festg-11 e sd i e n s t “im ■großen •Geme'in'deiempel. •Der Tempel war aus diesem Anlässe vornehm und geschmackvoll •geschmückt. Eine Gruppe wghlinstruierter ■Ordner aus den Reihen, der jüngeren Gemeindemitglieder sorgte in tadelloser Weise für eine mustergültige Ordnung, trotzdem ,der Tempel dicht gefüllt war von Preßburger und auswärtigen• Festteilnehmern. Die •Ehrenplätze nahmen die Vertreter .der Landes•:, Stadt-,. Polizei- und Militärbehörden und die Gemeindeleitung ein. Nach ■dem ״Ma Towu“ und ״Se’u Scheorim“, vorgetragen von Oberkantor Ster-n• und seinem Chor, und einigen!Psalmen, von der ganzen Gemeinde gebetet, ■bestieg Sne. Ehrw. Herr Oberrabbiner •S c!h r e •i :b e r •die Kanzel. Die Festrede beschäftigte sich mit den Gedanken, die durch den Anlaß der Feier gegeben sind; sie war aber •in Aufbau ׳und Vortragsweise, *in der überzeugenden■ Wärme des Ausdrucks und dem .vornehmen. Pathos der Diktion von überwältigendem Eindruck auf die ganze Festversammlung. So oft der Redner den Namen ■des Präsidenten iMasäryk ■erwähnte, erscholl der Tempel — p'rogrammwidrig — von, spontanen Jechi- Rufen der Gemeinde. •Diese Kundgebung, zu der jung und alt von der allgemeinen Stimmung im G-tteshause ■hingerissen wurde, ist der ■deutlichste!Beweis für •die Popularität. der sich, das Staatsoberhaupt in den jüdischen Gassen Preßburgs erfreut. An •die Predigt schloß sich das von den orthodoxen ■Zentralstellen eigeiis für .diesen^Ta-g vorgeschriebene F e s t g e b e t ■an, das der Oberrab’biner vor dem Thoraschrank laut rezitierte. ׳Hierauf sang, der Oberkantor mit Chorbegleitung das- Vaterlandsgebet vor, ausklingend in• die Akkorde der Nationalhymne. Damit nahm der feierliche G־ttesdienst sein Ende in gehobener Stimmung. Von dort begab sich ein großer Teil der Gemeinde und der Festgäste nach dem Bauplatz, wo der Grundstein zu einem neuen jüdischen Spital, das anstatt des seit mehr als zweihundert Jahren bestehenden bisherigen Bratislavaer orthodox-jüdischen Krankenhauses auf Initiative der Chewra Kadischa errichtet werden soll. Herr Oberrabbiner Simon Hirschle-r (Modra) hielt, ankniipfend an die patriotische Feier, die sich im Tempel abgespielt hatte, eine glänzende Festrede, in ■der er die Bedeutung der organisierten Krankenpflege vom religiösen, humanitären und sozialen ■Gesichtspunkte in jüdischer (Beleuchtung mit Belegen aus •Bibel und Talmud ausgezeichnet darlegte. Zuvor hatte bereits Herr Chefarzt Dr. Marlon namens des Vorbereitungs- und Baukomitees die erschienenen Vertreter der Behörden, Gemeinden ■und Vereine in slowakischer Sprache begrüßt.!Diese wurden dann einzelwcis zu Hammerschlägen• auf den Grundstein vorgerufen, wobei einzelne, wie zum!Beispiel in besonders eindrucksvoller Weise •der evangelische!Pf arrer ׳Räcz und der Bürger- ־meister Ludwig ihren Hammerschlag im •Rahmen von Ansprachen mit guten■ :Wünschen begleiteten. Es wurden der Reihe nach folgende Herren vorgerufen: Prof. B r i diik in Vertretung der •Universität, Zupan Bellai •für das Landesamt, Dr. ■S a nd tner ■für die Polizeidirektion, Oberst 1K 0 s t a für das Militärkommando, Vizebürgermeister Ludwig für die Stadt!Bratislava,!Pfarrer ■Räcz für die evangelische Kirchengemeitide, ■Dr. Viktor Stein für den neologischen Gemeindebund. Dr. P 0 rzsolt, für die iBratslavaer Neologengemenide. Oberrabbiner Herzog aus Stupava für die orth.-jüdische Konfession, Prim. Dr. Roth für den Slov. Vibor, Josef Fische r für den Krankenhausverein.. Isidor E n g e l für die orth. Chewra Kadischa, David Krauß für den Vorstand der orth. Gemeinde und Heinr. •Stahl er für den Ausschuß der orthodoxen Gemeinde. Vor. ,Beginn and zum Schluß der Feier sang Herr Stern,!Oberkantor ■der orth. Gemeinde, das Vaterlandsgebet und patriotische Lieder. Erhebend gestaltete sich, 3 Uhr nachmittags, die patriotische Feier in der Jeschiwa. .1Der Tempel der Jeschiwa war mit Laub- und den tschechoslowakischen 1Nationalfarben schön geschmückt. Die gesamte Schülerschaft war versammelt, an ihrer Spitze der ehrwürdige Leiter und die Dozenten■ der Jeschiwa. Vorsteher und_ Deputationen der Jesohiwainstitutionen und zahlreiche Gäste von hier ■und auswärts füllten• ■das •Bethaus bis auf den letzten!Platz. Ein, eigener Chor •unter Leitung des Vorbeters Herrn Leop. Fettmaiin trug ־ meisterhaft •das ״Se’u Scheorim“ vor. Sne. ־'Ehrw. ,Herr Ober r a b 1b i n e r Schreiber verrichtete vor offenem Thoraschrank ein Festgebet, worauf!Herr Fettmann ■das Vaterlandsgebet und das Pis’chu ■li“ mit seinem gutgeschulten Chor in ausgezeichneter Weise sang. Alle Anwesenden waren1 von der eindrucksvollen Feier hingerissen. Bunajska Streda: Am 28. Oktober, 9 Uihr vormittags, veranstaltete das schön dekorierte ßethaus ״Adas J i s r 0 e 1“ eine wöhlgelungene 'patriotische Feier, mit einem ■reichen Programm. Dieses •bestand aus Gebeten, vorzüglich gesungen von einem zwanziggliedrigen Chor unter Leitung des Herrn Simon Deutsch, patriotischen׳ slowakischen Liedern, vorgetragen׳ vom ■Kinderohor und dem offiziellen Jubiläumsgebet, rezitiert von Herrn Rabbiner Anschel K a t z. Nach dem G-ttesdienst wurde, eine Fe־st Sitzung des Bethauses abgehalten. Modra: Sonntag, den 28.!Oktober, 3 Uhr nachmittags, fand in unserer Synagoge in Anwesenheit ■der ganzen1 Gemeinde und zahlreicher christlicher ׳Mitbürger eine Feier statt. Herr Oberrab bi ner Hirschler erörterte in seiner schönen Festrede die!Bedeutung •des Staatswahles ■und die Pflicht der ׳Staatstreue •vom religiösen Standpunkt, S. WII.UIKIM ■■:B®--WIEW--BBH TiTUCHLÄlBEN 8 Fesseln und nach der Gleichberechtigung mit den übrigen Staatsbürgern ward allmählich zu einer öffentlich erhobenen Forderung ,in Wort und Schrift. Und solches tat jene Generation •mit vollem Rechte. Nur das haben wir zu bedauern, daß gar viele aus jenem Gesehlechte •die Gleichberechtigung, oder wie man allgemein zu sagen pflegt, die Emanzipation zu hoch schätzten. Sie' waren bereit für das Linsengericht der׳ Emanzipation cas Erstgeburtsrecht Israels, •die heiligsten *Traditionen der Väter preiszugeben. In dem Irrwahn nämlich, als würde die Emanzipation das!Preisgeben der jüdischen Lebensweise fordern, oder als würde •das Preisgeben der jüdischen Lebensweise die Erfüllung des Wunsches nach Gleichberechtigung beschleunigen, •kehrten sie den Rücken jenem heiligen G-^tesengel ■der jüdischen Lebensführung, ׳der sie auf allen ihren •Wanderungen durch die jammerreichen Wüsteneien •der vergangenen Naohtjahrhunderte, des bitteren Galuth Schutz und Schirm war, den1 Balsam des Trostes ׳und der Heilung ihnen dargereicht hatte. Dieselben wähnten in arger Verblendung, daß d^s heilige Thoragesetz bloß in Zeiten des Druckes berechtigt sei, für Zeiten der Milde aber Yfl antiquiert wäre. Noch mehr aber war es zu beklagen, daß auch viele von denjenigen, die eigentlich berufen wären, das Volk vor den Irrtiimern zu bewahren, ebenfalls von jenem Irrwahne ergriffen worden sind -und das Volk noch bestärkten in seinem Irrtume. Jene falsche Hirten waren •der Ansicht, aß mn berechtigt sei, ja, daß es gewissermaßen eine Mizwah sei, ■zugunsten ■materieller und egoistischer Bestrebungen des Volkes, ׳viele talmudische und biblische Gebote gänzlich abzuschaffen, oder wenigstens teilweise umzuändern. Und ■die früher erwähnte Braun- Schweiger Synode war es, ׳in der der Abfall von jüdischen Gesetzen wahre Orgien gefeiert und seinen Höhepunkt erreicht hat. Dort traten ■25 sich Rabbiner nennende Männer zusammen, um den Abfall •der Massen nunmehr in öffentlieber Versammlung zu sanktionieren. Nicht bloß der Talmuä wurde für nicht mehr verbindlich erklärt, sondern jene Männer vermaßen sich sogar, viele der in der Heiligen •Schrift ausdrücklich ungeordneten Ge- und Verbote, wie zum Beispiel die ’Speisegesetze, das Eheverbot zwischen Juden und Nichtjuden, das Werkverbot am Sabbat usw, zu abrogieren. Aber die Gesetzestreuen ermannten sich, um diesem Unwesen Einhalt zu gebieten. Zwei edle •Männer in Amsterdam, R. Akiba Lehren und sein Genosse Prinz richteten Aufforderungen an die Rabbinen des ״:In- und Auslandes, um vor Augen aller Welt zu erklären, daß staubgeborene Meschen, auch, dann, wenn sie ׳zu feierliehen Versammlungen zusammentreten, keineswegs berechtigt sind, über g-tt liehe Gesetze zu richten, und wenn solche in •verblendeter Selbstüberhebung dennoch sich erkühnen, solches zu unternehmen, ihrem Beschlüsse gar keine Autorität innewohnt. Und auch unser Rabbi Joel Unger hat ein flammendes Gutachten gegen diese Synode veröffentlicht. Dasselbe wurde im Thorat Hakenaoth und später in seiner nach seinem Tode veröffentlichten Respohsen- Sammlung שו״ח abgedruckt. R. Joel Ungar begnügt ■sich nicht mit der einfachen Verurteilung jener Reformbestrebungen, sondern behandelt die hauptsächlichen ׳Punkte mit weitläufigem wissenschaftlichem Apparate. •Mit klassischer Gelehrsamkeit!zertrümmert er •die Scheinbeweise, n$£׳.denen •man aus. dem Talmud selber die!Berechtigung jener Abrogationen und Reformen nachweisen wollte. Empört fragt er die Mitglieder jener Synode, wer sie zu Richtern über die Gesetze ■des lebendigen G-ttes eingesetzt hat. W:ahrhaft rührend ist es zu lesen, wie er die 25 Mitglieder der Braunschweiger Synode beschwört, von ihrem Abfalle •zu lassen und anstatt das Volk in ■seinen Irrtümmern zu bestärken, dasselbe von den Irrwegen zu entfernen und zu dem einzigen wahren Heilesborn!Israels, zu der Thora zurückzuführen ..' Meine Herren! Wir wären schon am Ende unseres Vertrages. Aber vor dem Schlüsse will ich Ihnen noch eine!Idee von R. Joel Ungar mitteilen. die nicht nur sein scharfes Denken •in religionsphilosoirtiischen Themen, worin er Meister war, bezeugt, sondern auch die ganze Kühnheit seines Gedankenfluges beweist, ־Wie auch das Tiefsittliche ■seines ganzen Wesens ins schönste Licht stellt. Seit jeher bildet die ■Frage ein Hauptproblem der jüdischen religionsphilosophisohen Literatur, weshalb ,in den ׳Grundschriften!Israels, in חנ״ך •der Unsterblichkeitslehre der menschlichen Seele ■kein derartig großer Raum eingeräumt wird und ,kein solch großes Gewicht beigelegt zu sein scheint, wie in den Religionsurkunäen anderer Konfessionen, in denen sie der Ausgangspunkt und Hebel aller sonstigen Lehren ist, während sie ln •der jüdischen Bibel nur angedeutet, höchstens erwähnt wird. Alle ■unsere hervorragenden religionsphilosophischen Autoren, wie zum Beispiel Maimonides, Aben Esra, •R. Juda Halevi u. a. versuchen, schon die!Beantwortung dieser Frage.'1‘) Es ist jetzt nicht am Orte, hierüber weitläufig zu sprechen. Ich will diesmal bloß die von meinem Großvater in dessen midrasch-lexikalischem Werke zur Thora ״Damessek Elieser“ mitgeteiite Meinung R. Joel ,in bezug auf •dieses!Problem ■ihnen ׳mitteilen. 1(!F0rts׳etzun׳g folgt.) *) Diese Frage behandelt auch S. R.!Hirsch ausffü'hrlieh in seinen ״Jüdischen Anmerkungen zu •den Bemerkungen eines!Protestanten über die Konfession ׳der 22 bremisehen Pastoren.“ Oldenburg 1841. (Zu (bedauern ist, daß diese treffliche :Schrift in keiner neuen Ausgabe ■dem IPublikum zugänglich gemacht wird ׳und auch in!die Ges. Schriften ■desselben nicht ausgenommen ׳wurde.) — Siehe auch die hebräische Predigtsammlung ׳meines Großvaters R. ׳S.!Safer ׳s. A.!Mileoih Ketores, 2׳ מלאה קטרח. Au!sg.Fal. 50!u׳.f., wo •14 Beantwortungen dieser Frage mitgeteilt :sind. Auch Damesze'k Elise,r דמשק אליעזר •desleben Ve1<f. zu iII'I. B;: M.!Fol, 48 11. f, — Siehe auch Jäl'hut Qzofer von R. Josef Sofer s. A. Sohn und würdiger Amtsnachfolger!desselben, in welchem trefflichen Werke 1111., iFof. 119 11. f. 22!Gründe verschiedener Autoren (für den besprochenen Umstand angeführt werden. — Vgl. auch Dr. A. Schmiedel, Studien über jüdische, insbesondere jitdiisch-arabische Re'Kgiansn Philosophie, S. 155 und 156.