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Jüdische Presse · 1923-07-20 · 29 (20.7.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
29 (20.7.1923)
Date
1923-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 29 JÜDISCHE PRESSE Seite 205 Nj rUDT^UTirM CDCöraCSQfiS®030300000009 Ä vnJKl wn 1 1* IM• 03CQ0Q0Q 03 0□ 0□ 0□ 020□ 8□ 0a ®ie Woche Genf. Der lettländische!Delegierte beim Völkerbund hat die Dekleration vom Schutte der nationalen Minderheiten in Lettland unterzeichnet. Moskau. Die Zentralexekutive der Dritten Internationale hat beschlossen, das Kommissariat für nationale Angelegen« heiten zu liquidieren. Warschau. Auf Verlangen einer Deputation des Rabbiner-Verbandes in Polen wird die Prozesstevision des seinerzeit von den Polen erschossenen Rabbiner Schapiras aus Plozk im September 1. J. stattfinden. Jerusalem. Im Monat Mal sind 951 Personen nach Palästina eingejvandert; 400 Personen sind aus Palästina nach Amerika und anderen Ländern ausgewandert. Jerusalem. Unter der Leitung des Redakteurs M. Schwarz vomHaarez wurde für die palästinensische Presse ein Korrespondenzbureau gegründet. Die Mitteilungen des Korrespondenzbureaus erscheinen in hebräischer, englischer und arabischer Sprache. Kowel. Dreissig Schüler der Jeschiwah in Kowel, die seinerzeit aus Sowjetrussland nach Polen geflüchtet sind, um hier ihren Studien nachzugehen, wurden plötzlich in strengen Gewahrsam gebracht und sollen, nachdem ihnen die seinerzeit erteilten Aufenthaltsbewilligungen abgenommen wurden, über die Grenze geschafft werden. Die Ursache dieser dra-, konischen Massregel ist unbekannt. Warschau. Die Ausweisung der ganzen jüdischen Gemeinde in Orzechow wurde durch die polnische Regierung aufgehoben. Die ganzo Gemeinde wollte nach der Ausweisung nach Russland zurückkehren, wurde aber von der russischen Grenzwache nicht über die Grenze gelassen. Als jedoch die Einstellung der Ausweisung eintraf, erklärte der Kommandant ־ der polnischen Grenzwache, die Juden aus Orzechow seien aus der Bürgerliste gestrichen und deshalb könne er sie nicht mehr nach Polen hineinlassen. Die wandernde jüdische Gemeinde ist nun in einem Dorfe an der Grenze zwischen Polen und Russland liegen geblieben. Jerusalem. Der berühmte indische Dichter und Philosoph Rabindranath Tagore ist in Haifa eingetroffen. Tagore soll in Jerusalem eine Reihe von Vorträgen halten. Wien. Der bekanete Schriftsteller Felix Salten wird sich nach Palästina begeben. Mit ihm zusammen soll auch Gerhardt Hauptmann die Reise antreten. New York. Der Orden Bnei Brith stellte 350,000 Dollar für die Gründung einer Gartenstadt in Erez Jisroel zur Verfügung.; , . Paris. Der berühmte Bakteriologe Dr. Alexander Marmorek ist nach einer kurzen Krankheit in Paris verschieden. Dr. Marmorek gehörte zu den intimsten Freunden •und «raten Anhängern Dr. Hcrzls. Seit einigen Jahren zog sich Dr. Märmorek von der zionistischen Bewegung, deren neueste Ent- Wicklung er nicht milverantworten wollte, zurück. - Wien. Diese Woche verschied plötzlich Professor Doklor Wilhelm Jerusalem, ordentlicher Professor an der Universität in Wien. Prof. Jerusalem, dessen philosophische Werke in alle Weltsprachen übersetzt wurden, war mit dem positiven Judenlum eng verbunden und bekundete dies bei jeder möglichen Gelegenheit. _ New York. Einige jüdische Philantrqphen, an deren Spitze Nathan Strauss steht, unternahmen eine Aktion, die ■die Vernachlässigung der jüdischen Erziehung in'Amerika Heuern soll. Es wurde das Programm einer grossen PropäyamJatäligkeit aufgestellt, die zum Ziele dem Besuch jüdischer ־!chuien und besonders des Cheders durch die jüdischen \inder hat. ■ Triest Mit dem Dampfer ״Vienna“ sind am 29. Juni 35 Emigranten nach Palästina gereist. Insgesamt betrug die Zahl der im Monat Juni nach PaUUt'na gewanderten 111 Emi-;ranten.; Triest. Am 25 Juni langte in Triest der' erste Zug der ibor 100 Auswanderer, zum grössten Teile Juden, die nach \merika' reisten, mitbracble. Der Commitato Itäfiano di Vsistenza agli Emigrant Ebrüi empfingen die Emigranten und :eleititen sie in das Auswanderrrteim, von wo aus sie' ihre leise antreten werden. Vom Tage. Massenversammlung der Wiener Misrachi. Die 1 AYr. M.-Z.“ berichtet unter obigem Titel1• in ihrer ,Jr. 1580 vom 13. Juli 1923 wie folgt: ,,Eine iberatis zahlreich versammelte Gemeinde der Wiener :horatreuen Juden begriisste gestern im Saale des Hole! Jontincntal das Oberhaupt des RabbinarkoHegiums' tiir Jalästina, Oberrabbiner Colonel Jakob Meir, der in Be- Leitung des Mitgliedes der Misrachi-Exekutive. Rabbiner 1. L. Fischnianu. auf der Durchreise nach Karlsbad hier linen Vortrag hielt. Vom Rabbiner Salomo.n •Friedmann ,legrüsst. ergriff Oberrabbiner Dr. Chajes das Wort zu olgender Ansprache: Obwohl unsere Jertjsälemer Gäste :ifrige Orthodoxen sind, sind sic auch Zionisten. Mit :rossem Bedauern müssen wir sagen ,.obwohl־‘, denn leider ribt es viele Rabbiner, die vor der Zusammenarbeit mit len Zionisten zuriickschrecken. Wiehe der Generation, die solche Führer hat! Es muss ein neues Geschlecht •heranvachsen. das religiös und national gleichzeitig sein wird, jesegnet seien die, die für diese Zukunft kämpfen und. :•esegnet ihre Arbeit. Stürmisch begrüsst führte;daun Jberrabbiner Colonel Jakob Meir aus, er stehe als jüdi-;eher Vorsteher der Aufbauenden in Erez Israel da. Gute Menschen sind nur die, die ihren Mitmenschen gegenüber jutes tun und Gott verehren. Beides tun die MisYäfctiiscen. Zionismus und und religiöser Gedanke vereinigen sich in hnen. Ismacl ist auch ein Sohn Abrahams. Aufgabe der Misrachi ist es, aus Isinael Isaak zu machen: den nicht- *eligiösen Zionisten den Geist der jüdischen. Religion einsuflössen. Die Lage der Juden ist nicht nur in Osteuropa, :andern neuerdings auch in Persien sehr schlecht."Auch!1 Palästina muss das Judentum hart für seine' Existenz itämpfcn. Aber die ullerwichligste Bedingung ist dort ge- :eben: die hebräische Sprache. Un Schulchan Arijcli ist cs!entlieh ausgesprochen, dass die heilige Sprache durchaus aicht durch den weltlichen Gebrauch entheiligt werde. Mit liier Kraft muss jeder Jude für den Wiederaufbau Erez sraels arbeiten. Nach minutenlangem Beifall spricht als uiuiger nichfchebräischer Redner Rabbiner .1. L. Fischna na (Jerusalem). Wie die Kundschafter Moses’ .seinerzeit.;0 haben sich auch in der letzten Zeit Juden gefunden. die die. Sünde begangen habet.1, Schlechtes üljqr lAaljistiPä zu wählen. Demgegenüber können wir ■aik- •ößtelieetedoüu־‘ sagen, dass wir solche Arbeiter draussen haben, wie wir sie eben haben.“ Mit Freude wollen wir nun auf Grund dieses Berichtes feststellen, dass die von Oberrabbiner ' Jakob Meir gestellte Aufgabe der Misrachi mit einem gewailtigen Schritt der Erfüllung näher gekommen ist. Denn wie aus dem Berioht zu entnehmen ist, ist Oberrabbiner Dr. Chajes selbst unter die Misrachistcn gegangen. Er verdammte wohl noch die Arbeit der orthodoxen Rabbiner, die vor der Zusammenarbeit mit den Zionisten zurückschrecken, aber er ging dann von dieser mehr negativen Misrachi-Arbeit zur positiven über. Es muss ein neues Geschlecht heranwachsen, ״ das religiös und national gleichzeitig sein wird. Gesegnet seien die, die fiir diese Zukunft kämpfen und gesegnet ihre Arbeit. Mit Freude geben wir uns der Hoffnung hin, dass nun Oberrabbiner Chajes diese positive Seite seines neuen Progratmncs auch verwirklichen wird. Wir hoffen, dass er seine bibelkritisehen Jugendarbeiten, die durchaus nicht danach angetan sind, das neue Geschlecht religiös zu erziehen; aus der Welt schaffen wird. Aber noch mehr als die Rcvozierimg dieser Bücher interessiert uns die Umgestaltung des von Oberrabbiner Chajes gegründeten und geleiteten Wiener Pädagogiums, wo bisher der hebräische Sprachunterricht den verschiedenen Dozenten die gewünschte Gelegenheit bot, die wissensdurstige Jugend beiderlei Geschlechtes •mit den Errungenschaften der Bibclkritik vertraut zu machen. Wie w'rJen glaubenstreue Eltern aufatmen, wenn In dieser Anstalt aus Ihren Kindern nicht Apiknrsim. sondern jenes neue Geschlecht hervorgehen wird, das nun nach dem Ideal des obersten Leiters dieser Anstalt, gleichzeitig religiös und national sein wird. Wenn nun jahraus, jahrein Lehrer und Lehrerinnen solchen, gleichzeitig religiösen und nationaleen, Geistes aus dem Wiener Pädagogium hervorgehen werden, so ist zu hoffen, dass auch das Ideal von Oberrabbiner Colonel Jakob Meir: Den nichtreligiösen Zionisten — Ismael — den Geist der jüdischen Religion einzuflössen, also wie der Oberrabbin־1«׳ Jakob Meir prägnant gesagt hat: Aus Ismael Isaak zu machen, rascher in Erfüllung gehen wird — als es nach den heutigen Verhältnissen zu hoffen ist. Wenn erst das neue Geschlecht in diesem, gleichzeitig: religiösen und nationalem, Geiste erzogen und nach Erez Israel kommen wird, werden wir dem Scliechejonu von Rabbiner f. L. Fischmann, der bereits heute mit den religiösen Verhältnissen in Palästina sehr zufrieden ist, beipflichten können. Deut$cft8$tweicft. Wien. (A. J. P. B.) Colonell Oberrabbiner Jakob Meir aus Jerusalem besuchte auf seiner Durchreise in Wien das Zentralbureau der Agudas Jisroel. Zu Ehren des Gastes wurden einige Mitglieder des Geschäftsausschusses und der Landeszentrale zu einer Sitzung eingeladen. Die Sitzung dauerte eine längere Zeit. Wie aus offiziellen Kreisen mitgeteilt wird, beschäftigte sich diese Konferenz hauptsächlich mit der Frage der Annäherung zwischen Agudas Jisroel und Misrachi. Oberrabbiner Jakob Meir hat sich bereit erklärt, die eventuelle Vermittlung zu übernehmen,, wobei er bitten möchte, dass über die Vergangenheit, wo sicherlich manche Fehler geschehen sind, nicht gesprochen werden soll, es bestehe doch die Hoffnung, dass diese Fehler gutgemacht werden können, sobald es zu Verhandlungen kommen wird. j Seitens der Agudas Jisroel wurde Herrn Ober-, rabbiner Meir für seinen guten Willen gedankt und die parlamentarische Notwendigkeit dargestellt, dass erst der von der Kenessio Gedaulo neugewählte G.־A. sich mit dieser äusserst wichtigen Frage genau und SCHIFFE DER WELT! , 4 I Fl UALEN.C . I I WIEN/IV. ARGENTINIERSm.Ofc. j I <50SSING / STEFAN KLEE p iß. ״ SRA3E/. m % AUSKÜNFTE WERDEN STETS GERNE ERTEILT. 1 ‘/ß, י .is allseitig befassen wird. Offizielle Gegenanträge wurden seitens der Agudas Jisroel nicht gestellt, da das Mandat der gegenwärtigen G. A. durch die Einberufung der Kenessio Gedaulo abgelaufen ist. Es wurde jedoch seitens einiger Mitglieder des G. A. die Aufmerksamkeit Oberrabbiner Meirs auf den Umstand gelenkt, dass im Falle einer Annäherung als erste Bedingung volle Absage und Loslösung der Misrachi von der zionistischen Organisation gestellt werden wird. Es sei eine Verständigung mit Misrachi solange nicht möglich, solange dieselbe die areligiöse zionistische Organisation in allen Sammlungen unterstützt, die dazu verwendet werden, um Institutionen, die gegen das jüdische Religionsgesetz und gegen die Thora gerichtei sind, zu subventionieren. Zum Beispiel: Der Keren Hajessod, in welchen auch Gelder der orthodoxen Juden nur dank der Propaganda der Misrachi einfliessen, ferner die Gelder, die den Chinuch in Erez ,Jisroel unterstützen, der bekanntlich ein Geschlecht von Ungläubigen erzieht. Colonell Rabbi Jakob Meir gab die Richtigkeit dieser Anschauungen zu und versprach, längere Zeit in Europa zu verbleiben, um, wenn die Not- Wendigkeit sich erweisen sollte, die wichtigsten Aufgaben selbst zu lösen. Oberrabbiner Jakob Meir gab seiner Zufriedenheit ob der Besprechungen : während seines Besuches kund und empfahl sich freundlichst von allen Mitgliedern des G. A. * Die ״Wr. M.-Z.“ gibt in ihrer Nr. 1591 vom 18. d. M. Aeusserungen von Oberrabbiner Jakob Meir in bezug auf Agudas Jisroel wider, die für Eingeweihte etwas unglaublich klingen. Oberrabbiner Jakob Meir besucht aus eiaener Initiative das Zentralbureau der Aguda. Er konferiert mit den W ener Führern der Aguda V/.3 Stunden. Er!macht Anstrengungen, um ®ine friedliche Atmosphäre zu schaffen. Beim Abschied äussert er seine Zufriedenheit über die Aussprache. Nach all dem, die mit ״Tob“ gefertigte Giftmischerei in der ״M.-Z.“. Da vom Oberrabbiner Jakob Meir so eine arge Zweideutigkeit nicht vorausgesetzt werden kann, ist es empfehlenswert, die Aeusserungen in der ״M.-Z.“ mit grösster Vorsicht zu gemessen, Wien. Wir erhalten von offizieller Seite die Mitteilung, dass an den sogenannten geheimen Verharidlungen mit der Misrachi nichts wahr ist. Wir kpnhtep nur bisher feststellen, dass der amerikanische Rabbinerverband Delegierte sowohl nach Karlsbad als auch nach Wien schickt, um die Frage anzuschnpiden. Jedenfalls gibt sich ein Teil der Misrachi- Presse alle Mühe von vornherein jede Verhandlung unmöglich zu machen. Wien. Die Österreichische Ländesorganisation gibt hiedurch bekannt, dass Gastkarten, welche für y\güdisten (Mitglieder der Kenessio Gedaulo) für die ganze Tagung ........., . . K 100.000 für einzelne Tagungen. 30.000 ״ Nichtmitglieder. 150.000 ״ beziehungsweise. 50.000 kosten, wöchentäglich zwischen 9 bis 12 Uhr vormittags, in unserem Bureau II. Malzgasse 12 a, erstanden werden können.!. Wir machen darauf aufmerksam, dass die nummerierten Plätze von unserem Bureau nach der Reihenfolge der Anmeldung vergeben werden und nur eine bestimmte Anzahl von Sitzplätzen vorhanden ist. ־ Für die Eröffnungs- und Schlussitzung beträgt der Preis für Mitglieder.K 40.000 für Nichtmitglieder .. 70.000 W. Pappenheim. Tägliche Ausgabe der ״Jüdischen Presse“. Während der Kenessio Gedaulo erscheint die ,jüdische Presse“ täglich. Die Kenessio-Ausgabe kostet 20.000 Kronen. Die Jahresabonnenten (auch die neu sich anmeldenden) erhalten die tägliche Zeitung gratis.! Am 13. Juli (.ער״ח אב) verschied im 69. Lebensjahre Herr Hermann Grünwald. Vor einigen Jahren kam er aus seiner Heimatsgemeinde Miava, wo er in geachteter Position lebte, nijeh Wien. Trotz mannigfaltiger Schicksalsschläge hat er nie $pin i'esles Gottesvertrauen verloren. Sein bescheidenes, zuvorkommendes Wesen wird ihm bei seinen vielen Freunden ein ehrendes Anleihen bewahren. Die Lewaje war noch knapp vor שבח. Wien. (A. J. P. B.) In Baden bei Wien, wo zirka 100 orthodoxe Familien ihren ständigen Wohnsitz haben, gab es bis nun kein rituelles Bad. Trotz den Bemühungen des dortigen Oberrabbiner hat die Badener Kultusgemekide es nicht für notwendig gefunden, für ein solches Bad zu sorgen. Seit einer gewissen Zeit sind in die Kultusgemeinde orthodoxe Juden und Mitglieder der Agudas Isroel gewählt worden und diesen ist es endlich gelungen, diesen Mangel zu beheben. : (jn-osse Summen — Bankier Julius Feingold spendete 250 Mil- : lionen Kronen — wurden gesammelt und dadurch der Bau des Bades ermöglicht. Konkurrenzlose Reisepepäclcs-Versiolierunfl übernimmt kulantest ״Anker“, 1. Bez., Hoher Markt 10

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