Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 2 (12.1.1849)
- Date
- 1849-01-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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»HH IS indischen Synode für nächstes Frühjahr, erläßt abermals eine Ansprache an die Gemeinden, um sie zur zahlreichen Beschickung jener Versammlung zu veranlassen. Und zwar ist jene Ansprache nicht etwa an die resp. Reform-Vereine oder an die denselben zugethanen Gemeinden gerichtet, vielmehr ist derselbe speciel an die orthodoxen Gemeinden gerichtet, um auch sie zur Teilnahme aufznfordcrn. Bekanntlich war in jener Versammlung im October die Frage daselbst ausgestellt und nach'allen Seiten ventilirt worden, ob nämlich jene zu berufende Synode mehr eine solche, sämmtlicher der religiösen Reform ungehörigen Gesellschaften, oder ob alle Gemeinden, spcciell die orthodoxen, bei derselben vertreten sein sollten, und entschied sich die Versammlung nach langen lebhaften Debatten für die zweite von uns angeführte Ansicht. In diesem Sinne nun ist die Ansprache an sämmtliche Gemeinden, religiöse Gesellschaften und Vereine erlassen. Offen zu gestehen, ist es uns schwer zu entscheiden, ob wir hier mehr die Befangenheit oder Selbsttäuschung dcS Commitees, 10 wie jener Versammlung überhaupt anzuklagen haben. So viel steht jedenfalls fest, jene Herren müssen dem wahren Indenthnmc so sehr entrückt, müßten seinen Bedürfnissen, seiner Geschichte bereits sosehr entfremdet sein, daß sie sich ans gänzlich unbekannten Boden zu bewegen scheinen. Sollte es anders zu denken möglich sein, daß nur ein orthodoxer, überhaupt nur ein rabbinis.her, talmudisch r, oder kurzweg Jude, sich durch ähnliche glatte Worte täuschen lassen sollte? Haben die Erfahrungen der jüngsten Jahre jene Männer noch nicht hinlänglich belehrt, daß eine solche unnatürliche Vereinigung nicht mehr möglich, daß das orthodoxe Iudenthum das Bnndniß mit ihnen weder will noch darf, eben so wenig geneigt und befugt sei, bei religiösen Interessen sich durch politische und sociale Rücksichten bestimmen zu lassen? Kein der positiven Richtung ungehöriger '7^' darf jener Synode, die im wahrsten Sinne des Worts eine oW 55,ist, beiwohnen, viel weniger noch sich an derselben als Mitglied betheiligen, keine Gemeinde, die dem Indenthnme nicht gänzlich Valet sagen will, darf Dcpntirte zu einem Zwecke schicken, der kein anoerer ist, als Umwandlung der Synagoge in das Schatten-Phantom der deutschjüdischen NationaUKirche. Und sie sind vorsichtig geimg, um sich nicht täusche« z« lasse«, jene Gemeinden, jene Positiven. Eine Synode mag gerne zusammentreren, das erlaubt das Associations-Recht, sie mag Beschlüsse fassen, so weite, so viele sie immer will, dafür gilt jetzt Glaubens- und Gewissens- Freiheit für jeden; für uns indeß ist ihre Bedeutung minus Null. Wir kämpfen nicht, wir protestiren nicht, wir ignoriren nur; wir nehmen auch für uns die vollkommenste Gewissens-Freiheit in Anspruch, sie gebietet uns von vorn herein jeden Bescheid solcher Synode als gänzlich unstatthaft, als für uns gänzlich verwerflich anzusehen. Hamburg. Auch für uns ist das Jahr 18!8 nicht obne Nutzen vorubergegangen. Anck' wir Halen eine konsiitnirende Versammlung erfochten. Der ehrwürdige Senat und die löbliche Bürgerschaft sind nicht ferner unsere allerhöchsten Behörden, die unsere Angelegenheiten ordnen und regeln, jeder Hamburger hat nun ein Recht an der Theilnahme. an der Gesetzgebung, und so sehen wir in unserer Konstituante eine wahre volköthümliche Versammlung. Alle Stände, Konfessionen sind darin vertreten. Auch unsere Tempelherren sind Mitglieder derselben. Auch sie wollten, wie jene des Mittelalters, an dem allgemeinen Kampfe Theil nehmen. So wie damals, gilt cs jetzt aus nngeweihnen Händen das Heiligste zn entreißen, doch soll diesmal nicht ein Grab als Preis dem Sieger zn Theil werden, sondern das göttliche Recht, die Freiheit, der belebende Hauch der ganzen Schöpfung ist des Kämpfers Ziel. Was Wunder, daß jene Männer, welche nur für das Heilige strebten, und trachten, und ihr ganzes Leben diesem weihcten, auch jetzt nicht fern sein zu müssen glaubten, wo das Heiligste der ganzen Menschheit verhandelt wird. Sie traten als Wahlmänncr, als Kandidaten auf, doch nicht als Prediger-Kandidaten, sondern als Redner, und erhielten nach kurzer Werbung ihre Anstellung. Und so sehen wir Männer, die sonst den Weinberg des Herrn zu pflanzen hatten, setzt ans dem Gebreteker Erdenbewohner thätig und kraftvoll wirken Schade nur, daß hier nicht so leicht Lorbeeren zn erhaschen sind und die Anerkennung mit Müde zn erlangen. Diese Erfahrung machte leider der sonst so wortfcrtige Kanzelredner S. diese Tage mehrere Male. Sein eifriges Streben für das Wohl der Menschheit fand