Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 25 (20.6.1848)
- Date
- 1848-06-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ISS. Hannover. Hannover. So hatte» denn auch unsere Stande den allgemein anerkannten Grundsatz des freien Deutschlands, wie nämlich politische Rechte vom religiösem Glaubenöbekenntniß fernerhin nicht abhängig seien, anerkannt, und zwar anerkannt gegen die Einwendung dreier unserer Minister, Stnve an deren Spitze. Daß das Princip der völligen Emancipation somit in unsere Gesetzgebung ausgenommen, unterliegt keinem Zweifel mehr, wohl aber, ob dieses Princip schon setzt im Lande, in der Bevölkerung sich Geltung und Boden verschaffen wird. Und das möchten wir allerdings sehr bezweifeln Der Uebcrgang vom Alten znm Neuen war zu jählings und unerwartet. traf die Gemnther zu rasch und zu wenig vorbereitet, als daß mit einem Zanberschlage längst eingewurzelte, mit der Muttermilch gleichsam eingesogene Vorurtheile hinwegzubanuen wären. Allein die Zeit, so wie der mächtige Ati-fschwung der jetzt herrschenden Ideen wird gewiß nach und nach das Seim'ge zur völligen Ausgleichung beitragen und dann erst beginnt die wahre Aera der Emancipation. Aber auch von mrserer, der jüdischen Seite, läßt r-s sich nicht verkennen daß auch wir nicht de» richtigen, uns in dieser Beziehung zukommcndcn Standpunkt einnehmen. Die irren ganz gewaltig, die da meinen, Anfgeben des jüdisch Religiösen sei erste und unerläßliche Bedingung einer wahren Emancipation. man könne sich jetzt nicht genüg beeilen , um das Ceremoniell gänzlich von sich abzuwerfen , eine durchgängige Verschmelzung herbeizufuhren. Aber gerade darin liegt ein gewaltiger Verstoß, dcr von der andern Seite sehr wohl gemerkt, und uns wahrhaft nicht zu unserm Vortheil angerechuet wird. Es ist nämlich ein wesentlicher Unterschied zwischen Gleichberechtigung zweier verschiedener, vielleicht sogar entgegengesetzter Elemente und gänzlicher Verschmelzung beider, gleichsam Aüfgehen des Einen in das Andere. Für Gleichberechtigung aller Confessionen haben wir von jeher gestrebt, sie ist mns jetzt geworden, Aüfgehen derselben in einander ist ein Unding, das Streben nach demselben bringt -entschieden den entgegengesetzten Eindruck hervor. Unsere Religion hindert uns nicht, uns dem freien Bürgerthume mit Herz und Seele, mit Kraft und Vermögen anzuschlirßen, wo das Vaterland fordert, hat das Iuventhum nie geweigert, nie gezögert. Aber deshalb ist es stets Judenthum geblieben, muß es bleiben, wird als solches, als politisch freies, gleichberechtigtes Judenthum sich immer noch die Anerkennung aller anderen Confessionen zu bewahren und erhalten wissen; es aufgeben, es mit ver herrschenden Kirche verschmelzen wollen, das ist es, wogegen des Volkes Gefühl sich erheben, was es nie zugeben wird und kau», was in der Rückwirkung sogar auf die politische Emancipation nachtheilig influirt. Leien wir nach wie vor Juden, treu unserer eigenkhumlicben Religion anhängig, und man wird uns ungestört in unserer besonder« religiösen Auffaffungsweise die Rechte der Menschen, die Rechte der Staatsbürger nicht mißgönnen, wiro mit gleicher Liebe den Bruder umfasicn. Mähren. Wie sehr unseres Oberrabbiners Wirken für die politische Entwickelung unserer jüdischen Zustände überhaupt Anerkennung gesunden, wie lehr besonders seine „Ansprache an meine christlichen Brüder" ihre Wirkung nicht verfehlt, geht daraus hervor, daß selbiger bei kürzlich stattgefundener Wahl mit einer fast einstimmigen Majorität zum Abgeordneten für Brünn erwählt worden, woselbst er gewiß ein reger Vertheidiger der Rechte seines Volkes, wie seines jetzigen Vaterlandes zum Heil und Segen Aller sein wird. England London. Das Oberhaus hat demnach wirklich , wie gleich anfangs befürchtet wurde, die Emancipationsbill mit ziemlicher Majorität verworfen. Daraus indeß schließen wollen, es herrsche selbst in jenem hoch aristokratischen Kreise irgend eine Antipathie gegen die Juden, ist nicht minder falsch, als etwa diese Entscheidung überhaupt für eine Kundgebung des englischen Nanonalwillens halten zu wollen. Strenges Festhalten an dem wirklichen oder scheinbar dafür gehaltenen