Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 3 (1847)
- Issue
- 43 (26.10.1847)
- Date
- 1847-10-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2625941-2626146-2626190--1148-2628751- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Papa. ES war ein Wetter von Azur und Gold, ein breiter Sonnenstrahl spiegelte sich in den entfernten Ebenen, als ich am 1. Oct. durch Körmend (ein recht niedliches Städtchen, Eisenburger Comitat) von meiner Reise auS Italien nach meiner Vaterstadt zurückkehrte; ich verweilte zu Körmend einen ganzen Tag, um Augenzeuge einer Feierlichkeit zu sein, die in den Annalen dieses Jahrhunderts roth angeschrieben stehen wird. Unser innigst geliebter Prinz, S. K. Hoheit Erzherzog Stephan bereisten als k. k. Statthalter, das sich dadurch glücklich fühlende Ungarland, und auch dem kleinen Körmend hatte Fortuna huldvoll gelächelt, da der hohe Fürst hier durch einen halben Tag im Palais Sr. furstl. Durch!. Philipp Bathyany zu verweilen geruhten. Sr. fürstl. Durch!, ließen alles mit höchster Urbanität zum Empfange des hohen Gastes vorbcreiten. mit verschwenderischer Schöpferkraft und mannigfaltigster Anmuth entwickelte sich allenthalben in den weiten Räumen, eine fürstliche Eleganz mit allen Verschwendungen der großartigsten Pracht; ein seltener Farbenjchimmer von Gold, Silber und Edelsteinen zitterte über den ganzen Hofraum, der Reflex der reichen Gewänder Ungarns hoher Magnaten, die die weilen Hallen füllten. Die redlichste Freude las man deutlich auf tausenden Gesichtern, rausende Herzen, die man vor Freude Hüpfen hörte, machten sick bei dem Anblicke des sebnlichst Erwarteten in einem forttönendett Lebehoch Luft, und als der hohe Fürstensohn sah, welche Fülle der Liebe für ihn diese Busen bergen, und wie sie ihm mit überfließenden Augen entgegen traten, lohnte er sie mit einer fröhlichen, lächelnden Miene. Sein Inneres stand in Harmonie mit der schönen Welt die Ihn umgab, die sanfte Glorie, die um seine reine schuldlose Stirne strahlte, verbreitere allenthalben Licht; es war ein Moment, wo alle die ihn umgaben, der Adel, der Bürger, der Jüngling und der Greis mit einem Lächeln des Glückes einen Lonnenblick in die Zukunft thaten, da ihnen der so geliebte Fürst großartiges Vertrauen eingeflöst, und alle fröhlichen Zeiten entgegen sehen läßt. Sr. K. H. goruheten, wie an allen Orten auch zu Körmend Deputationen zu empfangen, die der dortigen Israeliten, welche unter der Leitung der Herren C. K. und A. M. einrrat, sprach Sr. K. Hoheit in ungarischer Sprache an. Der Fehler war, daß sich diese Herrn, von dem Verfasser der Rede, die wirklich tadellos war', nicht auch die ungarische Aussprache geben ließen, und daß sie diese wenigen Zeilen, ihrem leider sehr treulosen Gedächtnisse nicht besser einbläueten. Sr. K. Hoheit geruhten, alS er den Angstschweiß dieser beiden Herrell wahrnahm, huldreichst zu bemerken : »Wie ich sehe, haben Sie es Noch gar nicht weit in der ungarischen Sprache gebracht," und ließen sich herab dieEonversation in deutscher Sprache fortzusetzen, und welche Schande, auch da konnten sie nicht antworten. Hätte euer orthodoxer Rabbiner, wenn ihr Aufgeklärten, wie geziemend ihn an die Spitze eurer Deputation gestellt hättet, wie euer aufgeklärter gebildeter Herr G. gesagt: »Es freut uns Ihnen Eure Wohlgeboren in unsere Mitte zu haben." was zwar Herr A. M. znm Glücke schnell verbesserte, und titulirte S. K. Hoheit »Eure Hochwürden"; dieses hätte wahrlich der orthodoxe Rabbiner alles nicht sagen können. Giebt eS nicht in eurer Gemeinde noch Männer die Wissen haben? Habt ihr nicht Männer die Erfahrung haben? einen A. H., L. P., S. R. Diese hättet ihr zu Rathe ziehen sollen, und ihr wäret nicht das Stichblalt des Witzes für ganz Ungarn. Herr C. K. und A. M. wollten aber allein den Ruhm davon tragen, gönnen wir es ihnen und geben wir der Welt hiermit die Versicherung, daß diese beiden großen Geister mit vereinten Kräften arbeiteten, und nur diesen beiden Herren müssen wir unsere Bewunderung Betreff des Arrangement zugestehen. Der Beweggrund, warum ich diesen Gegenstand in einem öffentlichen Zeitungsblatte besprochen ist, damit nicht eine ganze Gemeinde, wegen der schrecklichen Ignoranz dreier eingebildeter Menschen verlacht werde. E. K. soll es künftig zur Belehrung dienen, einen solch wichtigen Gegenstand mit erfahrenen und ihm an Wissen weit überlegenen Männern, wie die Obengenannten, zu besprechen- Ich kenne seine Schwachen, antworte nicht, wenn man fragt, wer wird S. K- Hoheit ansprechen, e§o! daß er doch weder ein Eicero noch ein Pericles ist, hat er bewiesen. A. M. bleibe künftig fein zu Hause und befleißige sich der Erlernung richtigen Lesens und Schreibens, und endlich der gebildete, aufgeklärte, liberale Aesculap, Herr G., lerne deutsche Sprachlehre und wisse in Zukunft daß Sr. K. Hoheit nicht „Eure Wohlgeboren" titnlirt werden, und merke sich das S prüchwort: 81 tacui8868, I>Il!lo8vpIlU8 MNN8I8868. _X. A. 3.