Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 2 (1846)
- Issue
- 23 (9.6.1846)
- Date
- 1846-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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auS sogenannten Gebildeten bestehend, wünscht eine Veränderung Ln der Liturgie — einen abgekürzten Gottesdienst, die Ausscheidung mancher Chorgesänge, Predigten, gutorganisirte Schulanstalten, Erleichterungen im religiösen und sozialen Leben. Solche Modifikationen werden zwar nicht stürmisch verlangt, doch als eine unabweisbare Nothwendigkeit der politischen Erhöhung, der Annährung zum Bürgerstande betrachtet. — Die 2te Klasse besteht aus schwachsinnigen Emporkömlingen, die nur glänzen und mir kleinlicher Aornehmthuerei der Eitelkeit fröhnen wollen, indem sie glauben, mit dem Flitter der Neologie einen undurchsichtigen Schleier über alles Alte, nämlich über ihre niedrige Herkunft zu ziehen. Es ist in Ungarn oft der Fall, daß ein Günstling der Fortuna, der kaum seinen Namen unterschreiben kann, sobald er durch gelungene Spekulationen wohlhabend — reich wird; er als stürmischer Beförderer der Reform auftritt, von dem Wahne bethört — wie man dadurch einen feinen Modeton gewinnt, und den Vornehmen in Wien und Pest gleichsteht. — Die erste Klasse ist biegsam, sie wird von dem frommbegeisterten Rabbiner leicht zurecht gewiesen und erleuchtet — einzusehen, welche traurige Folgen der Neuheitsreitz habe, und daß Wohlthätigkeit, Eintracht, Frömmigkeit und Redlichkeit die schönsten und besten Hilfsmittel sind, für Erwerbung der Liebe Gottes, des Wohlwollens der Behörden, der Achtung seiner Mitmenschen und für die Erhöhung des Selbstwerthes. Auf jüdische Reform wird bei landtäglichen Verhandlungen keine Rücksicht genommen — vielmehr auf das friedfertige Betragen und darauf, daß der entehrende Wucher abgeschaft werde. Die 2te Klasse aber verursacht Wehen, diese läßt sich nicht mit Worten besänftigen. Ihr Getriebe wird von verschiedenartigen Maschienen in Bewegung gesetzt Bald ertönen die lärmenden Geschütze der Reformsüchtigen, die das göttliche Gebäude des Talmuds, worin unsere frommen Väter den größten Schatz ihrer Seligkeit und Hoffnung aufbewahrt hatten — in Brand stecken möchten. Bald wirkt die Ueberredungskraft der Heuchelei, die mit kunstreicher Geschmeidigkeit vorspiegelt, wie herrlich, wie groß und vornehm die Außenseite wäre, wenn man den Bedürfnissen der Zeit durch eine geschmackvolle Reformirung Genüge leistet, und solche. leere Argumente sind hinreichend den Sinn zu berücken und den Boden worauf unsere gottesfürchtigen Eltern ihre Ruhe und ihren Trost sestgegründet hatten — locker zu machen. — Da sind Geschäftsführer, die das verscherzte Vertrauen im Handel — durch eine neue Glaubenstreue ersetzen wollen, oder Hauslehrer, die das, was sie an Gewissenhaftigkeit beim Kindunterrichte verloren haben, durch Erweckung zur Neuheit, — zu ergänzen suchen. Dort ist ein Mäkler, der sein Handwerk des Täuschens und Zuredens nickt unterlassen kann, auch auf das Gebiet der Religion auszuüben; ein Arzt der in seiner Praxis nicht glücklich ist, und es versucht statt kranke Körper zu heilen, durch neumodisches Seelengift — gesunde, starke Geister krank zu machen.*- Der fromme Rabbiner wird als ein Gegenstand der abgeschmackten Orthodoxie verspottet, seine Handlungen immerfort verdächtig gemacht und seine Moralworte geschmäht; die wahre Frömmigkeit wird als verderbliche Hemmung des beseligenden Fortschrittes — mit den grellsten Farben der Verleumdung gebrandmarkt. So wird die Tochter, der Sohn und endlich die Frau deS Hauses überredet sich aus der Z. des Iudcnth. und dem Israelit, des 19. Jahrhundert zu belehren. Der vom Körper zum Geiste übergegangene Arzt mit dem Lehrer und Commis lachen ins Fäustchen, wenn sie ihren zusammengeflickten Aufsatz in einem dieser Blätter finden, wohin sie vereinigt; sondern solche, wie ein Chirurg S. in Papa, der sein Vermögen am Spieltisch und seine Praxis durch Mißtraum verlor. Die Ursache warum er K. verlassen mußte, ist bekannt und nun in Papa bei seinen Verwandten lebend, mischt er sich in die Wirren gewaltsam ein und strebt die Grundsätze der Religion za entwurzeln. Derselbe hat eine schreckliche ZwietrachtSfackel in Papa angeznndet und in andere friedliche Gemeinden geschleudert. Kein echter Israelit nmnt seinm Namen ohne Abscheu.