Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- 26 (23.12.1845)
- Date
- 1845-12-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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212 durch den Zweck des theilweisen Erhaltens geheiligt wissen wollet. Allein ich muß Euch Gerechtigkeit widerfahren lassen. Ihr meinet es nicht also. Ein Blick auf das Volk, eine geringe Bekanntschaft mit dem menschlichen Gemüthe zeigt ja genugsam, daß die Erleichterungslust eine nie zu befriedigende ist; Laß sie vielmehr ihre Vielköpfigkeit erhebt, wenn auch ein Kopf ihr abgeschlagen ist; wie erst, wenn ikr noch ein Kopf gegeben wird. Eine Vorspiegelung ist es daher nur mit Euerm Erleichtern, um zu erhalten; Ihr wollet nur Euern Bestrebungen Eingang verschaffen , und dies könnt Ihr nicht; der Unbefangene stehet so viel Worte, so viel Trug. Das einzig Wahre darin ist, daß das Leben im Widerspruche mit dem Religionsgesetze steht. Aber welches Leben? Das von Euch sogenannte von Euch so gepriesene Leben, mit seiner Genuß- und Gewinnsucht, mit seiner Pracht- und Bequcmlichkeitsliebe? Welches Volk fordert dieses Leben? Das von Euch dazu gereizte, von Euch so verblendete, so irrgeleitete Volk. Welcher Zeitgeist fordert es? Der falsche, der entartete, der nur von Euch adoptirt wird, dem nur Ihr huldiget, der Euch allein und der allein Euch als Stimme Gottes gilt. Das wirkliche, gewöhnliche Leben hingegen kann zwar auch in einigen Fällen momentane Uebertretung des Gesetzes fordern, nie aber permanente. Und wo momentane Uebertretung gefordert wird, da solltet Ihr, Lehrer in Israel, auftreten, belehrend, ermunternd, ermuthigend und mit dem Beispiele vorangehend, daß gerade hierin die Aufgabe des Israeliten bestehe, diese momentanen Hindernisse zu beseitigen, zu überwinden, das Leben dem Geseire unterzuordnen, anstatt daß Ihr derartige Hindernisse mit offenen Armen begrüßt und denselben die Herrschaft über das Gesetz einräumet. Können aber solche momentane Hindernisse nicht beseitigt, nicht überwunden werden, muß deßwegen das Rcligionsgcsetz weichen, für immer weichen, permanent aufgehoben werden? Lasset sie als nothwendige Uebel gelten; beklaget und bedauert diese Nothwendigkeit: und das Volk, auf das Ihr Euch so oft berufet, wird sich dann bald auf Euch berufen, von den Uebeln das kleinste wählen, und wo und wann es thunlich ist, sich von denselben zu befreien tuchen. Ein Beispiel! Die Erlernung und Betreibung bürgerlicher Gewerbe ist jetzt dem Israeliten äußeres und inneres Bedürfnis Der wandernde Geselle kommt oft in Versuchung, das isr. Spcisegesetz, die Sabbathfeier zu übertreten. Saget Ihr ihm nnn, diese Gesetze hätten für ihn keine Verbindlichkeit, so wird er sich darüber hinaussetzen auch da, wo es die Nothwendigkeit nicht gebietet; bald werden sie ihm ganz in Vergessenheit kommen; auch als Meister wird er sich derselben nicht mehr erinnern so daß er selbst einem bei ihm in Arbeit tretenden isr. Gesellen die Sabbathruhe nicht gönnen wird. Schärfet Ihr ihm dagegen ein, daß diese Gesetze auch für ihn fortwährende Gültigkeit haben, daß er denselben die möglichsten Opfer bringen müsse und selbst im Nothfalle sich derselben nicht entschlagen dürfe, so wird nicht nur er vor permanenter, unnöklüger Uebertretung dieser Gesetze geschützt, sondern wir dürften uns der Hoffnung hingeben, daß sich die Noth der isr. Handwerksgesellen in dem Maße mindern werde, als sich die Zahl frommer Meister vermehren wird. So wird in vielen Fällen grade durch Euer Treiben das Iudenthum untergraben, anstatt daß Ihr vorgebct, es erhalten zu wollen. Und hätten wir doch nur irgend einen Beweis, daß es Euch um die Erhaltung des Indenthums zn thun sei! Es hätte mich beinahe lächerlich gedünkt, wenn Lachen hier am Platze wäre, daß sich einer Eurer Wortführer damit brüstet, in der diesjährigen Rabbiner- , Prediger- und Lchrerversammlung sei so Manches für die Erhaltung geschehen. Meinet Ihr nicht, die Indenheit werde Euch eine Deputation mit einer sehr schmeichelhaften ganz untcrthänigsten Dankadresse schicken dafür, daß Ihr bei Enern Abschaffungen so tolerant, so gnädig wäret, noch ein Merkmal der ursprünglichen Bestimmungen zu dulden? Heißt das: Erhalten? — Alles nur abgesehen auf Begriffsverwirrung, auf Täuschung! Freilich werden durch Euch, wie Ihr so oft prahlet, manche Individuen dem Iudenthum erhalten; aber nur Euerm Iudenthum; sie werden erhalten, daß sie ebenfalls noch ein Merkmal von Iudenthum an sich tragen, daß sie — nicht Ehristen werden; weil Ikr sie nämlich so zu dressiren trachtet, daß Judenfeinde die Religion nicht mehr als Grund zur Verweigerung der Emanzipation vorschntzen können, und somit dieses Motiv zur ';po-