Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 18 (8.9.1854)
- Date
- 1854-09-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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70 . ... . Aufmerksamkeit auf sich lenken, ünd durchGäukekbr dieselbe zu erhalten suchen, arbeiten diese im Geheimen, sicher durch ihre Unbewachtheit, uns im Rücken meuchlerisch zu überfallen. Habet Acht! sei Euch, gläubiges Israel deshalb noch einmal zugerufen, tretet offen auf mit der himmlischen Waffe des Glaubens, Laien und Gelehrten, die Ihr nur ein Herz für Religion und Glauben im Busen traget, tretet offen und unverhohlen hervor mit Eurer beseligenden Ueberzeugung. Nur dadurch werden die Heuchler in Eurer Mitte bald erkannt und gebrandmarkt unter Euch dastehen. Sie werden nicht mit Euch einstimmen, nicht mit Euch offen den Kampf, wozu Religion und Glaube die Begeisterung verleiht, mitkämpfen können, wenn sie auch ferner blos zum Schein Eure Freunde sein möchten, denn als diese, bloßgestelll dem erkennenden Auge der Mitmenschen, müßten sie bald dem Spotte und Hohne ihrer frü« Heren Consorten anheimfallen und es ist ja eine Lebenserfahrung: der Bösewicht fürchtet nicht den Arm der weltlichen Gerechtigkeit, frägt nichts nach der Sprache des Gewissens, aber das Gespött seiner Eonsorten verletzt und verwundet ihn, und oftmals fällt der reuige Sünder zurück in den Pfuhl der Schande und Sünde, weil er jenes Gespött nicht ertragen kann. Darum herunter mit den kleinlichen Rücksichten, die das sociale Leben uns oftmals entgegenstellt. nieder die Berwandtschafrs- und Verbrüderungsgrade, die uns an unfern Feinden ketten sollten. Durch ihr Thun und Treiben haben sie solche selbst zerbrochen. Der Kampf uiN Glaube ist kein subjektiver um Mein und Dein, er darf keinem Körper Verbrüderung anerkennen. Dieser Kampf für Gott und Glaube fordert Seelen-, Herzensverwandtschaft. Darum nochmals, herunter mit dem Schleier, herunter mit der Zaghaftigkeit, wir wollen uns von unfern Feinden ab, und auözeich. neu. Darin liegt das wahre Heil, darin die einzige Bedingung zum endlichen Gelingen, wenn der Kampf ein allgemeiner, mit heiligem Ernst und ohne Scheu geführt werde, bis er durchgekämpft, bis er vollendet, bis das Iudenthum in verjüngten Glanze über uns cinherstrahle, neu, wie einst, als sie gegeben, die göttliche Offenbarung, heilig, beseligend, als einst an dem Tage, an welchem alles Volk ohne Ausnahme rief: wir wollen thun, wir wollen hören! -»-SSSo- Moralische Sprüche aus^dcm Talmud. (Ansetzung.) 109) AlS R. Seva einst vom Studiren des Gesetzes bereits müde und erschöpft war, setzte er sich zur Erholung am Eingänge der Schule des R. Nathan nieder, indem er sagte, „wenn die Rabbinen hier ein- und auSgehen werden, will ich vor Pe üach^religiofer Vorschrift, aüfstehen um ihnen hiemit meine ihnen gebührende Achtung zu bezeigen, damit mir wenigstens diese Pflichterfüllung zum Verdienste angerechnet werden solle. (Er wollte nämlich wo möglich auch keinen einzigen Augenblick ohne Verrichtung einer gottgefälligen Handlung, verstreichen lassen.) 110) R. Nechunja S. Hakana verrichtete immer sowohl bei seinem Eintritte in das Lehrhaus, als bei seinem Austritte aus demselben, ein kurzes Gebet. Als man ihn fragte, was eigentlich der Inhalt dieser zwei Gebete sei? gab er zur Antwort: „Beim Eintritte bete ich, daß durch mich keine Versündigung stattfinden solle, daß nämlich weder ich, noch meine Collegen in der Halacha (talmudischen Lehre) irgend etwas Irrthümliches vortragen sollen, wodurch sie oder ich leicht zur sündhaften Schadenfreude verleitet werden könnten. Und bei meinem Austritte danke ich der göttlichen Vorsehung, die mich zum Gelehrten ausbilden ließ, der durch sein frommes gottgefälliges Streben, der jenseitigen Glückseligkeit gewärtig sein kann, mich hingegen vor Müssiggang, Nichtsthun, und eitles Streben, wodurch man nur des ewigen Heils verlustig wird, verwahrt hat. 111) Als R. Elaser sterbenskrank war, besuchten ihn seine Schüler und sagten zu ihm: «Rabbi, lehre uns doch jetzt bei Deinem, wie es scheint, von unS für immer zunehmenden Abschiede, wie wir hier auf Erden leben müssen, um der jenseitigen Glückseligkeit theilhaftig werden zu können?" worauf er ihnen Folgendes .zur Antwort gab: „1) Müßt Ihr Euch stets gegenseitig achten, und jedem Nebenmenschen die ihm gebührende Ehre zukommen lassen; 2) müßt Ihr, wenn Ihr betet, stets auch eingedenk sein,, vor wen Ihr betet, daß es nämlick der erhabendfte Schöpfer und Beherrscher aller Welten sei, von dem allein Euer zeitlich und ewiges Glück abhängt, damit t^juch Euer Gebet um so andächtiger und weihevoller sein soll; 3) Mußt Ihr Eure Kinder stets vom leeren und nichtigen Geschwätz abhalten, sie vielmehr im Schooße frommer Gelehrten aufnehmen, und deren religiösen Unterricht genießen lassen. Durch all' dieses werdet Ihr gewiß der ewigen Glückseligkeit theilhaftig werden. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Mähren.