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Jüdische Volksstimme · 1914-03-19 · Heft 11 (19.3.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 11 (19.3.1914)
Date
1914-03-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11. ״Jüdische Bolksstimme" Emanuel Hoffmann teilte Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang mit, daß der Vorstand der Chewra in seiner jüngsten Sitzung den einstimmigen Beschluß gefaßt habe, ihn anläßlich der zehnten Wiederkehr dieser Feier während dessen Amtstätigkeit im Bezirke durch ein Geschenk zu ehren׳, dasselbe bestand in silbernen, geschmackvollen Utensilien zur Habdala: Tasse, Becher, Besamimbüchst׳. Tas reizende Geschenk wurde mit herzlichen Worten überreicht, die Rabbiner Tr. Feuchtwang mit gleicher Herzlichkeit erwiederte. Dr; Ruaolf Hatbolicky gev. teuer im I.cfclrg. JHteiMag 4er Ea84**krankettan$t«it teeiMts €cke Jerdtoandsgas« und Zsbannerastte <.״5 «,»״«.., ordiniert flgllcb von 2 »11 4 Ufer nackn. Jeratfrecber vr •03. : Jftumlfcfmu. Ter wandernde Leichnam. Unsere Leser erinnern sich, daß wir vor eiuiger Feit über die merkwürdigen Schicksale der Leiche einer jüdischen, in Amerika verstorbenen, von Breslau stammenden Frau berichteten, die in Breslau aus dem jüdischen Friedhofe beigesetzi werden sollte, infolge der Tisferenzen der Hinterbliebenen mit der Breslauer jüdischen Friedhofs- Verwaltung mehrmals die Reise über den Ozean hin und zurück nach Amerika antreten mußte, bis schließlich doch die Beisetzung in Breslau erfolgte. Auch dann bürten die Streitigkeiten noch nicht auf und die Hinterbliebenen wollten im Wege der LAage gegen den Widerspruch der Friedliofsverwaltung die Erhumieruug der Leiche erzwingen. Tie >klage der Frau,Reinshagen gegen den Vorstand der Synagogengemeinde aus Grhnmieruug der Leiche ihrer auf dem Friedhöfe au der Lohestraße bestatteten Mutter, zwecks Ueberfübrung nach Amerika, ist 1!1u1meI1r am 2U. Februar vom Breslauer -ckönigl. Landgericht abgewiesen worden. UO. Geburtstag des ersten Vorstehers der Bcrliuer Gemeinde. Am 1u. d. Bl. beging der greise erste Vorsteher der Berliner Gemeinde, Herr Julius Facoby seinen neunzigsten 'Geburtstag. Es erscheint erklärlich, daß die Rücksicht auf das Hobe Alter des Jubilars es geboten erscheinen ließ. Um vor den Anstrengungen und Erregungen, die mit einer Gratulationskour verknüpft sind, zu bewahren, zumal die Gesundheit des alten Herrn gerade zur Feit ein wenig zu wünschen läßt. Gemeinde- Vorstand und Repräsentanten haben daher von der Entsendung einer Glückwunschdeputation abgesehen und dem Jnbilar in einer gemeinsamen Adresse, die zugleich Lliftnngsurknnde einer auf den Rainen des Jubilars diesem gewidmeten Stiftung ist. unter hoher Auerkelinuug der nnvergänglichen Tienste, die er der größten Gemeinde des Gleiches geleistet hat, die herzlichsten Glückwünsche übersandt. Gratulationsadressen übersandten ferner die Herren Geineinderabbiner, die Lelirer und Schulen der Gemeinde, die vereinigten Shnagogenvorstände, das jüdische .Krankenhaus, die Waisenhäuser, die koschersleisch->i0mmissio1!. deren langjähriger Vorsitzender der Jnbilar ist und eine lange Reihe anderer Einzelpersonen. Von einer öffentlichen Feier innerhalb der Gemeinde ist gleichfalls wegen des schwankenden Gesnndheitszuslaudes des Jnbilars Abstand genommen. Aber die Wünsche aller vereinigten sich in der Richtung, daß es dem um die großartige Entwickelung der Berliner jüdischeu Gemeinde so hochverdienten Manne vergönnt sein möge, noch viele Jahre in körperlicher und geistiger Frische seines segensreichen Amtes zu wirken. Welcher Art und von welcher Bedentnng die Tienste des besonders auch um die Er- Haltung der Einheit der Gemeinde besorgten Führers der reichshanptstädtischen Gemeinde gewesen sind, das ist in der gemeinsamen Adresse des Gemeindevorstandes und der Repcäsentanten-Versaniinlung gebührend hervorgehoben. Ein interessanter Uebertritt zum Judentum. In Wien ist dieser Tage der Schauspieler und Sänger einer hies. jüdischen Theatergruppe, der unter dem Rainen Janko bekannt war, und von denr niemand wußte, daß er Ehrist sei, unter strenger Beobachtung der rituellen Vorschriften zum Judentum übergerreten. Janko stammt aus Rumänien, hat aber sein ganzes Leben unter Inden verbracht, sprach den jüdischen Jargon, las und sang hebräisch mit solcher Vollkommenheil, daß nieinand auch nur ahnen konnte, daß Janko ein Christ und noch dazu ein Stammcsgenosse jener Rumänen sei, die heute zu den gesährlichsten Jndenbedrückern gehören. Als Janko herainvnchs, entschloß er sich, jüdischer Schanspie-!er zu werden, wozu ihn seine äußere Erscheinung und seine prachtvolle Stimme prädeslinierten. Er schloß sich einer jüdischen Schauspielertruppe an und erntete in rumänischen und galizischen Städten durch seine hebräischen und jüdischen Lieder stürmischen Beifall. Sein ״Haschkiwenu" und andere Volks- und liturgische Lieder ließen in ihm einen Inden vermuten, der in sein Lied feinen ganzen schwer erduldeten Indenschmerz hineinlegt. So kam Janko nach Wien, wo ihn die Besucher des jüdischen Theaters gleichfalls?,»jubelten. und hier entschloß er sich, diesei» Fwiltertum ein Ende zu bereiten und nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich den liebertritt ’,ui!׳. Judentum dnrchzuführen. Seine Freunde und Anhänger lverden nicht wenig erstaunt!ein, zu hören, daß Janko erst seit wenigen Tagen Jude ist. Raturalisativu ausländischer Juden in Palästina. Wie in gut unterrichteten Kreisen versichert wird, haben die Verhandlungen zwischen dem Großrabbiner der Türkei und der Pforte bezuglich der Raturalisation ausländischer Inden in Palästina zu günstigen Ergebnissen geführt. Es stein zu erwarten, daß in wenigen Tagen alle Schwierigkeiten, die bisher der Einbürgerung Fnsländischer Inden im Wege standen, beseitigt sein werten. Insbesondere soll die Bestimmung, wonach für die R'aturalisaiiou ein langjähriger Aufenthalt im Lande erforderlich ist, abgeändert und ein erheblich kürzerer Feitraum festgesetzt zverdeii. Tie Erzeugung des israelitische« rituellen EsterbrcsteS lMazesj. Rach der Gewerbeordnung ist alsein freies Gewerbe jede Erwerbsstitigkest anznseben. tvelche weder an eine .stonzessionserteilnng gebunden in. noch von dein Haiidelsniinister nach F,nlaß des d l der Gewerbeordnung als bandwertsmäßiges dst'.rerbe bezeichnet worden ist. Rnn wurde allerdinas mit der Bki ׳, iis ׳ erialverord 1!n! 1 g vom NU. Juni l>>l, ö'. G.-Bl. Rr. 1 ln, in Ergäv׳ging n. teilweifer Abänderung der Ministerialverordnrnrg vom 17. September R.-lst.-Bl. R':.׳ א!!. dir Bäckerei als handtverksmäßiges lstewerbe bezeichnet. Allein es gibt weder die Gewerbenrd^ nung noch irgend eine andere gesetzliche Borschrist eine autoritative, verbindliche Tefinition des Bäckergewerbes. Es mußte daher die Frage dahingestellt lverden, was nach dem Werdegänge und nach den gegebene» tatsächlichen Verhältnissen fbcr bestehenden Uebnna tuiD nach der gelten den Auflassung der betreffenden Gewerbekreife» als ״Bäckerei" anzusehen m. i'imi hat der (se richtshof ans den! in! vorliegenden Falle von der Lemberger Handels- und Gewerbekammer abgegebenen Gutachten mit den bezüglich der gleichen Frage seitens der Handels- und Gewerbekainmern in Bndweis, Ezernowitz, Pilsen lsiebe Snmmlnng Frep-Maresch, F. -^i. stckck«!, .'!ääd> abgegebenen (stntachren im wesentlichen übereinfiiinmt, eninoinuien, daß die Erzeugung des israelirischen E'terbrotes nicht für eine ansschließliehe Berechtigung des Bäckergewerbes zu halten sei. ׳.׳!ach Anffannng des Gerichtshofes entsprechen diese Gutachten der Handels- und Gewerberammern der Sach- und Rechtslage schon in Erwägung der historischen, rituellen und zugleich symbolischen Bedeutung des Esterbrores der Inden׳, dieses ׳R'ahrnngssnrrogat ist ein rituelles Symbol zur Erinnerung an den Auszug der Inden aus 'Aegypten und ist decken Genus׳, in der Lsterzeir den Inden durch religiöse Satzungen direkt geboten. Es ist rum schon mit Rückstchr darauf, daß die Bereitung der Mazes nach streugen rituellen Vorschriften sich vollzieht, ausge¬ Seite 5. schlossen, daß das Bäckergewerbe, wie es sich historisch entwickelt hat, die Erzeugung des jüdischen Lstervrotes als einen integrierenden Bestandlei! seiner gelverblichen Betätigung betrachtete oder gar diese Erzeugung ausschließlich für sich in Anspruch genommen hätte. War dies aber nicht der Fall, dann gehört die Erzeugung desselben auch nicht zu dem ausschließlichen Berechtignngsumfange des Bäckergewerbes, woraus als »olwendige .üonsegnenz sich ergibt, daß diese Erzengung als freies Gewerbe zu betrachten und zu behandeln ist. Tas neue Einwanverungsgeset; in Amerika. Tas vom Revräsentanteillianse angenom mene Einwandernngsgesetz liegt nunmehr dem Senar zur Beratung vor, und mau nimmt an, daß dieser die Vortage in ihrer gegenwärtigen Fassung bestätigen wird. Tie Gegner des Enk- Wurfes Hallen bisher gehofft, daß der Senat die Bestimmung des Bildnngsnachweifes aufheben würde, oder daß man die ganze Angelegenheit bis zur nächsten Aongreßperiode verschieben würde. Allem Anschein nach werden sich jedoch diese Hoffnungen nicht erfüllen. Ter einzige veriehuliche Fug des Entwurfes ist die Ausnahme-- beulinmnng zngunsten solcher Auswanderer ans ireiudeil Ländern, die ״nur deshalb ausgewandert sind, weil sie religiösen Verfolgungen entfliehen wollten." Turch die Einfügling des Worres ״nur" bleibt die Entscheidung dem Ermessen der Eiiiwandernngsbeamten überlassen, und es Ivied damit der persönlichen Willkür ein weiter Spielraum gewährt. ׳Präsident Wilson ist dein Geier; gegenüber ablehnend gesinnt. Man glaubt jedoch, daß auch er, falls der Entwurf in seiner jetzigen Gestalt im Senat durchgeht, ihm.die Beistärignng nicht versagen wird. In den einwandernngsfreundlichen Greifen versucht man m>!1-!!!ehr, ans die Streichung des Wortes ״nur" in der obe »angeführten Bestimmung zu dringen. Ein jüdisches Vvlkshcim in Jerusalem. Herr Julius Rosenwald ans Chicago, der dieser Tage in Jerusalem )»eilte, hat für den Ban eines eigenen Gebäudes für das dortige Beth- Am iVolksheiiiii e!ck.«i«»> Francs geflislet. Tein Vernehmen nach h!u auch die Edessaer Palästinageiellschaft ihre latkräfiige llnterslntznng für den Van des Jerusalemer Beth-Ain zngefagl. Herr .Rofemvald bat auch den für die Herausgabe des nächsten Bandes von Ben-Jehndas großein liebräischem Wörterbuch erforderlichen Betrag von 1±ו1וח> Francs gezeichnet. Petroleuinvvrkommen bei Haifa. Englische Ingenieure haben in der Röhe Haifas rech! ergiebige Eedöignellen gefnnden. - Tie Bc-nriuigen lverden emsig foeigefetzi. Au-.׳schlienuug der Jude» vom Militärdienst in Rußland. Ter .Kongreß des allrussischen 'Adels in um ik>. M!,rz eröffn ei worden. Er wird!ich hanpl fachlich mit der Frage der Rechlsbeichrnnliing der Inden c-eschäfligen.!!. a. wurde an! den! ckon bekannlgegeben, daß dem Miniilerral den! ׳.!ach!! eine Vorlage des Ministers des Innern über völlige Ausschließung der Inden vom Mi!!lärdienil ׳,w.!ehe>1 Wied. Ter Kongreß wünzcht diese Vorlage durch einen Vorichlng zu ecgcin zen nach dem iiail der Wehrpflichi eine dreistst!!!! . Staalssron oder eine Personaiskener für die Juden einzuführen iväre. Wir bitten um sofortige Bezahlung /ibonncmcnt$־Bctragc$

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