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Jüdische Volksstimme · 1914-01-22 · Heft 4 (22.1.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 4 (22.1.1914)
Date
1914-01-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Nr. 4. ״Jüdische Bolksstimme." Seite 4. cin nicht hoch genug zu schätzendes Verdienst um Vereine in Amerika zu gründen und Geld für die jüd Gemeinde dadurch erworben, daß er ihre einen Fond zur Gründung einer;udtschen Koruhmreiche Geschichte in seinem an Wissenschaftlonie neben Jerusalem für!unge ^eruialemer .. 4 *־ ^—״ Talmudjünger zu sammeln. Für diesen Fond sind auch bereits 30.000 Franks gesammelt worden. lichcm Material reichen und glänzend geschriedenen Äderte — Tie Geschichte der Juden in §0־ henems" verewigte. Ter jetzige Rabbiner der Gemeinde, der nach einer achtjährigen Wirksamkeit in Hohenems nun an die Spitze der Innsbrucker Gemeinde tritt, ist Herr Tr. Joses Link, ein Enkel des bcrühmten Nagy-Tapolcsanyer Rabbiners niid Sohn des vor einigen Jahren in Neutra verstorbenen Gelehrten Bernhard Link. — Dr. Link ist als Landesrabbiner weit über die Grenzen des Tirol und Vorarlberg umfassenden Rabbinates bekannt, und zwar cbeiiso seines umfassenden jüdischen Wissens, wie seiner hoch über den Tnrchschnitt stehenden Persönlichkeit wegen. Wie seinen Vater, so beseelte auch ihn. dessen Erziehuiig, von streng orthodoren Grundsätzen geleitet war, cin Heister Wissensdrang, der sich iiicht mit deni gewöhnlichen Standard begnügte. Er ist ein hervorragender Talmudkenncr und die scharfe Schulung seines Geistes belveist, das; er die vergilbten Folianten noch stark strapeziert. Turch und durch Optimist ist er ein guter Menschenkenner, der mit lächelnder Klugheit in vieles hineinsieht, was andere vielleicht erst nach schmerzlicher Erfahrung entdecken. Die geänderten Verhältnisse, rufen ihn von der Stätte, die Jahrhunderte lang grost war, und deren Glanz nun geschwunden ist, das; sie die so lange inncgehabte Vorherrschaft an ein neues glücklicheres Gemeinwesen abgcben mutzte. lüechteusteing. 1;Rosenbaum BRÜNN, Liechtensteing. 1. Die beste Quelle für den Einkauf von!einer «errenomle t und bleibt ss, hi Brünn, Ferdinandsgasse I. Stock Kleine Regie! Kleine Preise! Pre süsten gratis und franko. ilumllt{! Ull. Miihr.-schlrs. zion. Distriftstag. Sonntag, den 1. Februar 1!114 findet im Brauhaussale zu Jglau der mähr.-schles. zion. Distriktstag statt. Tie Tagung beginnt um!> Uhr früh mit folgender Tagesordnung: 1. Wahl des Büro. 2. Rechenfchaftsberichte. Organisation (Referent Tr. L. Leschner, Troppaut. l. Budget. 5. Reuwahlen. 0. Jugenderziehung im Goluth (Ref. Dr. Sig. Werner, Jglau u 7. Ter Schnlkampf in Ercz Israel tRef. Dr. •r. F-riedmauu, Troppaul. — Wegen Wohnungshesiellnngen wolle man sich an den Verein ״Theodor Herzl" in Jglau wenden. Am l. Feber, S Uhr abends ist im Brauhaussal eine graste jüdische Volksversammlung. Hebräisch und Jiddisch bei der Eiinvandcrung in Amerika. Deputierter Burneti brachte im Parlament einen (Gesetzentwurf zur Beschränkung der Ein- Wanderung ein, die auch iolgrnde Bestimmung enthält: Jeder unter dem Älter von 1(! Jahren stehende ^remde, der die nouvendige physische Fähigkeit zum Lesen besitzt und dennoch nicht lesen oder die Buchstaben einer anderen Sprache hebräisch und jiddisch mit eingerechnet, nicht kennt, darf zur Landung in Amerika tticht zugelassen werden. Ausgenommen von dieser Best immutig sind diejettigen, welche wegen politischer oder konfessioneller Verfolgung sich flüchten. Misrachi-Agitativn in Amerika. I» den lebten Tagen kam der Redakteur des mtfrachistischen Jentralorganes ״Haibri", Herr M. Berlin in Amerika an.'wo er eine graste Agitation für den Misrachi zu entfalten gedenkt. Ter Zweck feiner Agitationsreise ist m strackststi sitze Veilis in Wien. Von Josef Grob, In Lehtttanns Wohnungsanzeiger der Stadt Wien, ist der Name Bcilis noch nicht enthalten. Auch im Polizcintcldcamt wird Man über den Aufenthalt Beilis in Wien keinen Bescheid erhalten. Und doch können Sie Beilis auf der Wiener Ringstraße bei der Promenade begegnen. Das Jtttercssante an der Sache ist, das; mast Beilis zur selben Zeit, auf der Mariahilferstratze antrifft und wieder ein anderer ihn in Schönbruntt sehen zu müssen glaubt. Ein ander(( beobachtet Beilis in der Schifsschüt beim Tefillinlegen. Ich begegnete Beilis.zum erstenmale etwa vor 14 Tagen in der nächsten Nähe Meines Wohnhauses in der Lerchenfelderstraße. Allerdings, cs war mir nicht bewußt, daß cs Beilis ist; dieser Herr war mir näntlich, als Jsak Morgenrot geboren zu Sniatin in Gallziett, bekannt und ist seit 10 Jahren, Mein allernächster Nachbar. Ich begrüßte meinen Landsmann und Nachbar» nicht wie es in Wien üblich ist, per Servus, sondcrn auf dein altbekannten: ״Guten Morgen, Neb Jtzig", worauf ich vom Angesprochcnctt die Antwort erhielt, daß er nicht mehr Neb Jtzig, sondern Mendel Beilis heiße. Anfangs wollten meine Lachntuskcln sich lebhaft in Bewegung setzen, als mir aber Neb Jtzig seines Zeickens, Schuhinachermeistcr, erzählte, >vie er zu diesen ״historischen" Namen gekointnen, beruhigten sich meine Lachntuskcln, und ein anderes Gefühl ergriff mich. Neb Jtzig lieferte einem christlichen Kunden, cin paar reparierter Schuhe. Der Kunde begann erst an der Arbeit Kritik zu üben, um nach kurzem Ueberlegen die Annahtne der Schuhe mit der Motivierung zu verweigern, von Mendel Bcilis überhaupt nichts übernehmen zu können» Ein zweitcsmal begegnete mir in der Kärntnerstraßc Mendel Beilis. Diesmal war Beilis allerdings kein Schuhbekleidungsakademiker mehr, sondern im Stadtpclz und Zylinder, cin vornehut gekleideter Herr. Es wäre mir nicht im Traum ciugcfalleii, das; Mendel Beilis so elegant equipiert in der Kärntnerstraße seine Nachmittagsprontenade absolviert hatte, wenn ich nicht den Namen Mendel Beilts von rückwärts ausrufen gehört hätte. Nachträglich erfuhr ich, daß dieser vornehme Herr, unvorsichtiger Weise, einer Dame auf das Hühnerauge getreten, worauf dieselbe, diesen etwas unangenehmen Tritt mit dem chmerzensrufe Mendel Bcilis quittierte. Und so durchschreitet Mendel Bcilis die Wiener Gassen, Straßen und Plätze. Man begegnet ihm, in der Elektrischen, im Kaffechausc, im Theater, Micncr ßnclmcl'ücn. Wien. (Verband der isr. Religionslehrer an den östcrr. Mittelschulen.) Der Ausschuß des Verbandes der isr. Religionslchrer an den österr. Mittelschulen hielt am 14. Jänner die erste Sitzung nach seiner General-Versammlung unter dem Vorsitze des neugewähltcn Obmannes, des Rabbiners Dr. M. Rosenmann ab, wobei nach Erledigung laufender Vereins-Angelegenheiten zur Wahl der vom Obmanne angeregten Jugendschriften-Kommission geschritten wurde. In dieselbe wurden gewählt: Nabb. Dr. M. Rosenmann. Prof. Dr. H. Pollak, Nabb. Dr. Feuchtwang, Inspektor Prof. M. Kanitz, Prof. Dr. Goldhammer, Prof. Dr. Nedisch u. Dr. Kupfer. Wiener zion. Bereinigung. Die Wiener zion. Vereinigung hat ihre Geschchtsuttd Hebrätschkurse im November v. I., wieder eröffnet. Bis jetzt bestehen 8 Kurse. Die Frequenz, welche die des Vorjahres bereits übertrifft, beträgt 70 bis 90 pro Stunde.. Jungjtibische Makkabäerfeier, Die Wiener zion. Vereinigung hat ihre Geschichtsü. Hebrä- ״Blau-Weiß" vervnstälteten am Sonntag» den 21. Dezember im Festsaale des Hotel Conttiietttal eine Makkabäerfeier.,Tie Feier (rfrSute sich eines ungetneiii stärken Besuches. Ungefähr 700 Personen füllten den großen Saal bis auf den letzten Platz. Die Festrede hielt tntzd; Otto Schick (Wr. Z. V>) »der eilte historische Darstellung der Mükkabäerzeit gab und durch seine begeisterndest Ausführungen starken Beifall erntete; Hieräüf folgten Nezitationest des Frl. Helldorf und des -Lchäüfhielers Egon Brecher, sowie ntusikalische Darbietungett der Herren Rudolf und Mar Lampel. Etwas Neues war jedoch der Chor des Wanderbundes, der mehrere hebräische Lieder zun! Vortrag brachte und auf das Publikum einen sehr guten Eindruck machte. Eine Musterricgc des 1. Wiener jüd. Turnvereines, die unter Führung ihres Vorturiters Herrn Prof. Reiß Barrenübungen zeigte, riß die Anwesenden zu stürmischen Beifallskundgebungen hin. Mit deni Absingen der Hatikwah fand die Feier einen stimmungsvollen Abschluß. Das namhafte Reinerträgiits wird zum größten Teile dent Presiefond der geplanten Jugendzeitschrift zngeführt werden. j08et Hanus, Brünn Rudolfsgasse Nr. 25. sämtliche Damen-Modewaren, Bänder, Spitzen, Seidenstotfe, Posamenterie, und Zugehör für Damenschneide rinnen. iß ritnn •t »fl achri di ton tu:c iifca .11 evrt,;vo cin Ntchtind? Juden .׳egegnet. Meiite jüngste Begegnung mit Beilis in Wien war im Abgcordnetenhause. Beilis ist wie Sie sehen auch Politiker und wollte, der letzten vor Neujahr abgehaltenen Sitzung beiwohneu. Die Wahrheit einzugcstchcn, war es mir diesmal tticht beschert, Beilis zn sehen, weil — — weil-110 ja, weil, diesmal Beilis — -ich in eigener Person gewesen. « * « Oordruckerei Plissieranstalt fanta, Postaasse r. « « « Gummistrümpfe für Krampfaderfüße in allen Qualitäten und zu konkurrenzlosen Preisen nur im GUMMIGESCHÄFT JOS. Fl&LA sen,. Brünn, Krgna Z 8, — Maßkarten postwendend. äischcr Rcdeklub in Brünn. — In aller Stille wurde hier von einer kleinen Anzahl wackerer Gesinnungsgenossen eine für die jüd. Sache nützliche Institution, der hebräische Disknssionskurs geschaffen. Es ist leider eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß bei der großen Masse der Inden und leider auch bei einer großen Anzahl Zionisten das Hebräische als etwas minderwärtiges angesehen wird. Unsere Inden glauden, ihrer Pflicht als Juden damit Genüge geleistet zu haben, wenn sie für sogenannte wohltätige Zwecke einige Kronen zum Besten geben. Ein Teil der Zionisten ist der Anschauung mit Bezahlung des Schekels, eventuell einiger Nationalsondspenden sich der Pflichten eines Zionisten entledigt zu haben. Insbesondere die Zionisten sollten cs wissen, daß die Erlernung und Verbreitung der Hebräisck)e11 Sprache, ein HauPfnioment zur Wiedererweckung des nationalen Kewußtseins ist. Wie viele Eltern bringen die großten Opfer um den Kindern Gelegenheit zu geben, fremde Sprachen zu lernen, ohne daß auch nur der kleinste Teil eine fremde Sprache in Wirklichkeit erlernt. Das Hebräische wird überall als Stiefkind behandelt. Ist es nicht beschämend, wenn Juden für die geistigen Schöpfungen des eigeneu Volkes der großen Propheten kein Nerständnis und Interesse haben. Wie kamt ein Zionist, ohne, vor sich selbst zu erröten, behaupten, ein guter Jude zu sein, wenn er die Werke des Weltberühmten jüd.-uat. Dichters Eh. Bialik, in denen die tausendjährigen Leiden und Hofsnniigen des jüd. Volkes einen einzigartigen Ausdruck , finden, nicht lesen kann. Oder kann jemand wirkrilich den Anspruch erheben, ein begeisterter Jude , \ zn igitt, wenn ihm die Ge.iftesprodukte eines Je-

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