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Jüdische Volksstimme · 1914-01-08 · Heft 2 (8.1.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 2 (8.1.1914)
Date
1914-01-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr . 2. ״Jüdische Volksstimme." Seite 4. Bisenz. (Mähren.) Sonntag, den 4. Jänner wurde eine würdige, hochbetagte 94jährige Frau Cäzilic Müller unter außerordentlicher Bcteiligung sowol der ijrael. als auch der christl. Bevölkcrung zur ewigen Ruhe bestattet, wobei Herr 3tabbincr Tr. Josef Hoff der Verblichenen einen warmen, tief ergreifenden Nachruf widmete, und Herr Oberkantor Jsak Lewitin die üblichen kantoralen Trauerfunkticmcn durch seine herrliche wohlklingende Tcnorstimme mit seinen Chor in gewohnter ausgezeichneter Weise ausführte. Kremsier. Mittwoch, den 24. Dezember v. I.. wurde ander Wiener Universität der Sohn unseres Oberkantors, Herr Edmund Neichard, zum Tr. der gesamten Heilkunde promovirt. Wir gratulieren hcrzlichst. Die Red. Schaff«. Laut Verordnungsblatt Nr. 1, für das k. u. k. Heer wurde Sr. Ehrw. Herr Nabb. Tr. Michael Halberstam von Sr. Majestät dem Kaiser zum Fcldrabbiner i. d. Ncs. des k. u. k. Heeres, in der Ers.-Nes. des Jnft.-Rcg. Nr. 80, ernannt. Wie». (Verlobung). Fr. Selma Krenbergcr, Tochter des Herrn Tr. S. Krenbcrger, hat sich mit Herrn Tr. Franz Fischer, k. k. Oberarzt, Sohn des k. k. Oberstabsarztes 1. Kl. Hern: Dr. Anton Fischer verlobt. Unsere besten Glückwünsche. Die Redaktion. Wien. Dienstag, den 6. Jänner fand im Josefstädter Tempel die Trauung des Frl. Grete Porges mit Herrn Heinrich Reif, statt. Unsere besten Glückwünsche. Die Redaktion. Aussig, 5. Jänner Etwas anderes, als es allenthalben üblich, ward hier Chanukah begangen׳, mit cinein Bibclabend. Der Berichterstatter darf sein Urteil in die Worte zusammcnfaffen: ״eine Stunde aufrichtcndcr Andacht". Am Vortragstisch erschien über Einladung des Jüd. Volksvereincs ״Theodor Herzl", Dr. Hugo Bergmann, Assistent an der k. k. Universitätsbibliothek in Prag. Kein weitbekannter, glänzender Name bisher; aber iin engeren gesinnungsgnössischcn s'׳׳cise ist Bergmann als umfassender Kenner hebräischen Literatur mit Recht geschätzt. Er :d) über die "Ideen der Propheten", jene ׳ ׳, welche noch heute die Säulen des sittlichen ..ns bilden; deren Wirkung es auch zu danken ist, das; das jüdische Volk der griechischen Well zu widerstehen vermochte. Der Vortrag fand berdichsten Beifall. Hieraus las Herr Eduard Gebhardt vorn Stadtthcater ans der Bibel. Die Stellen waren geschinackvoll gewählt. Tie kühle Sachlichkeit jedoch, mit der gelesen wurde, schien zu verraten, das; der Vortragende noch nicht jenes Verhältnis zum Stoff gewonnen habe, welches :יי ־ל• wol gewünscht hätten. — Der Besuch war mäßig. Grz. Dobrisch. Eine dankenswerte Einrichtung schuf das hies. Rabbinat, eine Einrichtung, die einer Würdigung und Anerkennung weiterer Kreise begegnet und allgemeines Verständnis findet. Am Beginn des laufenden Winters ergriff das hies. Rabbinat die Initiative, eine freie Vereinigung ins Leben zu rufen, mt der Tendenz, durch periodische Vorträge aus jüdischer Geschichte und Literatur, sowie durch hebräische Sprachkurse, die Kenntnis unserer Geistcsschätze zu Pflegen und zu verbreiten. Ter erste Vortrag, welcher Zuhörer uud Zuhörerinnen aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung vereinigte, betraf ״Tie Geschichte der hebt. Sprache und deren Tchriftzeichcn". In fesselnder Darstellung wies Herr Rabbiner Tr. Elsenberg nach, das; die bebr. Sprache als Spiegel des jüd. Volkes erscheint und das; in den Wandlungen u. Geschicken, welche die Sprache durchgemacht hatte, auch die geschichtlichen Ereignisse der jüd. Gesamtheit sich widerspicgcln. Auch Ursprung und Form der bebräischen Schristzeichcn, die der Vortragende geistreich deutete, bestätigen diese Feststellungen. Ter zweite Vortrag ״Tie Altbabylonische Kultur und das Alte Testament", beleuchtete den Anteil der jüd. Gelehrten an der Keilschriftforschung, sowie auch de» hohen ethischen Wert und den Humanitären Fortschritt, den das Gesetz Mosis, gegen das des Hamurabi bekundet. - Ter dritte Vortrag ״Glück und Ende der Hasmonäcrfürsten", aus Anlaß des Chauukahfestes gewählt, bot eine packende Schilderung von der ereignisreichen Geschichte des jüdischen Volkes in den letzten 150 Jahren seines inneren und äußeren Staatslebens. Diese 'Ausführungen, denen dts Auditorium mit regem Interesse folgte, und die eine höchst populäre Darstellung erfuhren, weckten das Verständnis aller Teilnehmer und lieferten den Beweis, daß gute, volkstümliche Vorträge noch die Kraft hätten, das jüdische Gefühl zu beleben und unseren geistigen Errungenschaften eine sichere Pflege und Förderung angedeihen zu Ledech 5. Jänner. Sonntag, den 4.; nachm, um 3 Uhr fand im hies. Gemeindetempcl, für das vor kurzein im 70. Lebensjahre verstorbene, angesehene Gemcindc-Mitglicd , Herrn Ignatz Trcud, eine solene Trauerandacht statt. Genau 3 Uhr erschienen fast alle Gcmcindemitglieder mit dem Kultusvorstcher Herrn I Reich, Vorsteher-Stellvertretcr Herr L. Bondy und dem Obmann der Chewra-Kadischah Herrn E. Pick im hellbeleuchtctcn Tempel, in den: die Kanzel draperiert waren. Nach dem Mincha- und Mariw- Gebete wlirde zuerst das El-Molc-Rachamiin rezitirt, worauf Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Leo Bertisch die schwarz draperierte Kanzel bestieg. Nach einem böhmisch vorgctragenen Gebete, hielt unser Herr Rabbiner in deutscher Sprache eine kurze aber tief ergreifende Trauerrede. Chrzanow, 29. Dezember 1913. (Ansichtskartentag.) Mittwoch am 24. Dezember 1913 veranstaltete der Verein ״Bnej Zion" in Chrzanow einen ״Ansichtskartentag" zugunsten des J-N.- Fonds. — (Chanukahabend.) Samstag, den 27. Dezember veranstaltete der Verein ״Bncj-Zion" einen Chanukahabend, welcher über alle Erwartungen gut ausfiel. Die Eröffnungsrede hielt der Präsident Tr. Samuel Cyfer, dann deklamierte Gg. Hirsch Bochenek ״Die heilige Menorah" von Sch. Frug und ״Chanukahlicht" von M. Rosenseid. Ferner haben zum Gelingen des Festes beigetragen: unser talentierte Konservatorist Gg. Salanion Klein, welcher unter Begleitung des Oberprimaners Gg. M. Weisler aus Katto- Witz, herrliche Konzertstücke zum besten gaben. — Auch die hebräischen Deklamationen von einem 10jährigen Mädchen und des Frl. Gisa Klein, ernteten Beifall. Die Festrede hielt Dr. Dawid Bulwa aus Krakau. Zum Schlüsse hielt Gg. Mos. Wiener eine hebräische Ansprache. K. P. Kowuo. Ter hies. Nabbiuerposten, der jahre- «ng unbesetzt blieb weil man nach Rabbi Jizchgk Elchonan keinen passenden Nachfolger fand, wurde dein bekannten Geistcsherocn Rabbi Abraham Bär Schapira aus Smolowitz bei Miusk einstimmig verliehen. Belgrad. Die Regierung beschloß für die Juden in Neuserbien Synagogen auf Staatskosten zu errichten. Jassy, 30. Dezember. Am Sonntag kam cs hier zu schweren antisemitischen Ausschreitungen, an denen sich namentlich die Studenten der dortigen Universität beteiligten. Sie drangen in das Versammlungslokal des sozialistischen Klubs, in dem eine Debatte über die rumänische Judenfrage stattfand, der eine große Anzahl Juden beiwohnte. Zwischen den Sozialisten und Juden einerseits uud den Studenten entspann sich eine blutige Schlägerei, die bald einen solchen Umfang annahm, das; Militär einschrciten mußte. Sechs Kompagnien rückten an, waren aber nicht imstande, dem Kampf, an dem sich nad) und nach au dreitausend Personen beteiligten, ein Ende zu machen. Erst als sie mit dem Bajonett gegen die Kämpfende» vorgiugeu, gelang cs allmählich, die Ruhe herzustellen. Sie konnten indes nicht verhindern, das; die Studenten, die sich in den Nebenstraßcn wieder zu kleinen Gruppen zusamlncnfanden, alle Inden, derensic habhaft werden konnten, mißhandelten. Host gesehn die SW...? Von Salamon Dembitzer. Host gesehn die Stüb? Host gesehn dos Haus? — S woihnt mein Mamme dort — Sog. wie seht sie nus? Oi, hob ich sie lieb — Hot sie dich gefragt, Zu du weißt vun mir? Un geschmeichelt trüb Wenn ick) kmnm zu ihr? — Sog, wie seht sie atis, Hot sie bleiche Hoor, Un a trüben blück, — Zu is leer dos Haus, Wo schoin lange Johr Träuntt sie vun mein Glück? — Geht sie noch araus In die Summernächt, Un derzählt vun mir! As ich well dann gewiß, Ruhm getrennt un stolz! Kumincn z'rück zu ihr?... Weißt sie nit, as 'ch bin Elend, unbekannt, Obgebrcnnt vun Sun In a fremden Land ... Ohn a Kleid, a Hemd Schlepp ich mich arum, Un asoi verschämt Bäng ich, leid ich, stumm — Host die Stüb gesehn, Wo mein Mamme woihnt; 'Chweiß, bist klug gewe'en, Host sic dock) geschoint!... Inserate haben größten Erfolg wenn sie erscheinen in der Wochenschrift ״Wiener Jüdische Volksstimme" mit der Beilage Das Mische Leben in Galizien Jedes Wort im ״Kleinen Anzeiger" kostet nur 0 Heller. — Rubriken: Geldverkehr. Heiraten, Wohnungs-Einrichtungen, Verschiedene Anträge. Unterricht, Offene Stellen, Stellengesuche, und Größere Inserate werden nach billigstem Tarife berechnet. BciWicdcrhvlnng hoher Rabatt. Wir stehen in direkter Verbindung mit allen Orten Galiziens. — Ein Versuch wird Sic in hohem Maße befriedigen. ״Das jüdische Leben in Galizien" als Beiläge zur ״Wiener Jüdischen Volksstiinm-e" ist das verbreitetste jüdische Organ in deutscher Sprache, Galiziens. Literatur. tc Agava der Tanuaitcn". 2 Bd. 1884—90) bildet eine wahre Fundgrube für die Erforschung dieses wichtigen Teiles des altjiidischen Schrifttuins. Bacher zählte auch zu den besten Kennern der arabisch-jüdischen und der persisch-jüdischen Literatur. Auf diesen uud den verwandten Gebieten schrieb er u. a.: ״Leben uud Werke des Abu'l-Walid Merwan Jbn Ganah" (1883), ״Die Bibeleregesc Mose Maimuni's" (1896), ״Die hcbr. Sprachwissenschaft des 10. bis 16. Jahr- Hunderts" (1893), ״Tie älteste Terminologie der jüdischen Schriftauslcgung" (1899), ״Die Bibelcxegesc der jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters vor Maimuni" (1892), Hebräischpersisches Wörterbuch aus dem 14. Jahrhundert, (1900), Zwei jüdisch-persische Dichter: Schahin j und Jmraui (1907), Les Juiss de Perse au 17. et IS. siccles (1907) uud ״Die hebräische und arabische Poesie der Juden Jemens" (1910). Jnsrraten-Austräge für Galizien übernimmtJsracl H a m m e r, Krakau, Stanislawa. Apreck^aak. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ersuche höfl. um Aufnahme folgender Par Auf zahlreiche Anfragen, warum ich seit längerer Zeit den: ״Lcmbrrger Tagblatt" keine Beiträge sende, erlaube ich mir, da ich so viele Briefe nicht beantworten kann, auf diesem Wege zu erklären, daß ich, so lauge das Lcmberger Tagblatt unter dieser redaktionellen Leitung steht, für dasselbe nicht schreiben lverde. Indem ich, meinen verehrten Gönnen: und Freunden für Ihr reges Interesse an meiner schriftstellerischen Tätigkeit, wie auch der geehrten Redaktion für die Aufnahme dieser Zeilen bestens danke, zeichne ich hochachtungsvoll LW ׳ Josef Grob. Wien, 15. Dezember 1913.

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