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Jüdische Volksstimme · 1914-01-01 · Heft 1 (1.1.1914) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 1 (1.1.1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Sk. 1. XV./II 2ahrg. Beilage zur ,Wiener Jüv. Voltsftimme'. 1. Jänner 1914 Seite 9 Infolge des anhaltenden Setzerstreiks verspätet. Makkabi. Kling klang! Hammer auf! Hammer ab, Hammer auf! Wir Jungen, wir wecken vom Schlummer dich auf! -׳ Schon sprengst du die Gruft, dein Grabfels barst — Hoch ragend stehst du, und horchst und harrst — Schwer hängt dir am Arme, gewaltig gespannt. Dein furchtbarer Hammer in wuchtiger Hand. Wenn der Arm sich reckt, wenn der Hanimer sich hebt. Erdröhnen die Gründe, der Erdball bebt. Sturnr über Eichen und Berge braust. Schwingt er und blinkt er in deiner Faust. Deine schlafenden Brüder donnerst du wach. Die stürzen mit blitzenden Waffen dir nach. Auf fährt dein Volk und reckt sich frei. Und klirrend birst seine Kette entzwei. — Kling klang! Kling klang! Hammer auf Hammer auf! Wir Jungen, wir hämmern den Retter herauf! Israel Auerbach. Chanuka. Mehr als 2 Jahrtausende sind verstrichen, da das jüdische Volk die erste Chanukamenorah angezündet hat, über 20 Jahrhunderte sind derflössen, da in den hellbeleuchteten Straßen Jerufalems das erste Chanukafest gefeiert wurde. Nun sind 2 Jahrtausende in das ewige Zeitenmeer geflössen. Völker sind gekommen und vergangen, Kulturen sind vernichtet und neue entstanden. Unzählig sind die Drohungen, die das Wellrad der Geschichte in diesem Zeitenraume hinter sich hat. Die mächtigen Reiche der Seleneiden und Phlom sind geschwunden, die Weltenmacht der Römer ist dahin, die heldenhaften Kriege -des welterobernden Islams gehören der Geschichte an, das dem Hohne aller Zeiten geweihte Mittelalter ist seit Jahrhunderten vorüber. — Nur stumme Namen und tote Sprachen legen von ihnen Zeugnis ab. Kein lebender Organismus kann ihre Existenz dokumentieren. Alles ist von der ewigen Vergangenheit absorbiert, nur ein kleines Häuflein hat der Vergänglichkeit getrotzt, es hat sich durch alle Fluten der Jahrhunderte u. Jahrtausende tapfer durchgerungen.Es hat seinen mächtigen, weltbeherrschcnden Feinden das Grabgeleite gegeben, es hat die Selenciden, Ptolomäer und Römer auf ihrem Wege zur ewigen Ruhe begleitet. Es hat ein Grauen und Schauder erregendes Mittelalter durchlebt und zündet heute seine 2076jährige Menorah an. Welch seltsame Erscheinung! An dem Maßstabe historischer Gesetze gemessen, vom psychologischem Standpunkte aus betrachtet, wäre ein Leben der Aegypter und Babylonier leichter verständlich. Daß ein Volk durch mehr als 3 Jahrtausende leidet, daß durch seine ganze Geschichte seine Tränen Perlen, sein Blut in Strömen fließt, daß es von allen Völkern gejagt und gehetzt wird, mehr als 18 Jahrhunderte vaterlandslos umherstrcift, von Kreuzzügen, Inquisition und modern europäischen Belustigungen — Pogrome genannt — heimgesucht wird: und dennoch lebt und seine Feinde überlebt hat, ist eine ans Wunderbare streifende Tatsache. Die Geschichte dieses Volkes hat viele gleiche Erscheinungen. Der heutige Chanukatag hat eine frappante Ähnlichkeit mit dem vor 2 Jahrtausenden. Die Geschichte ist eben die Sozialphysik der Völker. In der Physik herrschen eherne, unwandelbare Gesetze — ebenso in der Geschichte. In der Physik durcheilt der Planet dem ehernen Gesetze der Natur gehorchend seine unendliche Bahn und kehrt nach Jahrtausenden zum Ausgangspunkte. Eben so in der Geschichte. Das historische Ereignis, das sich vor Jahrtausenden zugetragen hat, kehrt nach Jahrtausenden wieder zurück. — Unter den Syrern, da leiden die Juden durch griechischen Antisemitismus und innerlich droht die hellemistische Assimilation den Volkskörper zu zersetzen. Uni» heute da leiden die Juden vom'' arischen Antisemitismus und innerlich droht dip europäische Asiimilation den Volkskörper zu zerzersetzen. Antiochus Ephiphanus feiert ein griechisches und Nikolaus Rowenacz ein russisches, Judenpogrom. Griechlinge laufen dem Hellenis-' mus und Freisinnige dem Goismus nach. Jü- ׳ dische Sprache und Namen wurden abgelegt, griechische angenommen. Aus Josua wurde Josou, > aus Mordechai Menelaüs. Heute werden jüdische' Sprache und Namen abgelegt und goische angenommen. Aus Josua wird Johann aus Mordechai Maximilian. Die berufenen Führer des Volkes waren seine Verführer. Sie lehrten das Volk als feige Kletten freinden Fahnen nach-! laufen und heute nach 2 Jahrtausenden — dieselbe Erscheinung. Damals trat ein Mann ans dem Volke auf, der die hellemistischen Fesseln in Stücken schlug und das zu sich selbst zurückgekehrte Volk zur Freiheit rief und heute nach 20 Jahr- Hunderten rief der 2. Mosche sein Volk zum Indentum zurück und zeigte ihm den Weg zur Freiheit vor. Darum ist das Chanukahfest unserer Tage ein Feiertag voll froher Hoffnung und fester Zuversicht. Es ist ganz der Seele der jüdischen Jugend gestimmt. Es ist der historische Beweis, für die Richtigkeit unserer zionistischen Hoffnungen. Dieselben Feinde: Antisemitismus und Asiimilation haben unsere Väter vor Jahrtausenden überwunden, weil sie es gewollt hatten. Auch wir können sie überwinden: ״wenn ihr wollt." Darum wollen wir uns in diesen Tagen freuen, im festlichen Glanze. Die Heldentaten der alten Zionisten feiern, bei Musik und Gesang, uns in die alte Herrlichkeit hineinträumen: aber gleichzeitig emsig Vorarbeiten und Bausteine nach Zion tragen. Chanukah ist da. Zündet die Menorah an, singet ״Moaus zur" und sammelt das Chanukahgeld für das große Zionswerk! Aron Schwertfinger. Chanukoh. A Schnee jogt in draußen Aus Haiser un Dächer Un kalt is in Stüb. Dos Chanukelechtel׳, : Dos erste, dos erste. Es brennt asoi trüb.... Der Tate sitzt traurig Beim Fenster vertracht Un kuckt zu die Schneen, Wos fallen kessaider, Beleichten die Nacht. Es schlafen die Kinder, Die Mamme wiegt zü Dos kleinste, a müde Bon Sitzen un Singen, Un schläferig klingen Die Lieder vun Träumen Un Rüh. Sie blickt asoi Hilfslos Zun! Chanukelechtel, Wos brennt asoi lang, Un's werd noch dos Stübel Mehr traurig un bang.... Der Schnee jogt in draußen Auf Leben un Toid, Auf Städt' un auf Dörfer, Aus Haiser ün Dächer, Un Felder wo's liegen Die Mesiim zerspreit. Der Tate sitzt weiter Beim Fenster vertracht Vertieft in Gedanken Seht er, wie' 's silbert Die Chanukanacht! — — S. Tembitzer. bleicher Held? Ein Schwert in deiner Rechten? Das gab dir wohl deine Mutter mit in den Kampf? Und du strittest für deine Brüder, du, tausend?Namenloser einer! Blick auf. Juda! sieh nacy Osten! Dort kämpfen Helden um ihre Freiheit, um ihre Ehre: das sind deine Brüder. * * * Sie kämpfen und sie sterben: der Feinde sind zu viele. Ihr letzter Seufzer gilt ihrem Volke — gilt uns. Wir haben ihn verstanden. Brüder, lebt wohl, unser Eisen ist warm. Die Sonne steigt höher und höher und blutiges Morgenrot muß goldenem Scheine weichen. * * * Schlaf ruhig, Juda Makkabi. Dein Volk erwacht! Oskar Freudmann-Graz. Diskonta-Jeseilschaft bei der ׳-> Nordösterreichischen Bank f&r Industrie, Hssdel and LsudwtnschaJt. regtsi• gierte Genossenschaft mit beschränk!« Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Baakgesebifte. hauptsächlich auch für den j Eskompt offener Buchforderungen unter den allergüastfgsten Bedingungen. mttam. Und wieder feiern wir unsere Makkabäer und gedenken jubelnd der swlzen Zeit, die Judas Heldensöhne gebar und uns Erinnerung gibt, von der wir zehren. Erinnerung, du Traum des Bettlers, der einst König war! Der einst König war und von seiner neuen Krone träumt und einem neuen Reiche und einem freien, glücklichen Volke darin: fest und stark. * * * Im Osten will es tagen: ein Volk zerbricht seine Ketten. Und die Freiheit schreitet einher — über Leichen: das sind unsere Brüder, das sind unsere Schwestern. Oh Morgenrot des neuen Tages, dein Schein ist blutig! * * * Ein Judenjüngling liegt in seinem Blute. Was starrst du mich mit gläsernen Augen an, du Kreisturntag der jüdischen Turnerschaft 2. Kreis (West-Oesterreich.) Am 7. und 8. Dezember d. I., tagte in Wien der zweite ordentliche Kreisturntag der jüd. Turnerschaft 2. Kreis (Westösterreich), zu welchem 20 Kreisvereine ihre Delegierten entsandt hatten. Aus dem Bericht des Kreisvorstandes ging hervor, daß die jüdische Turnidee im letzten Jahr überall, insbesonderS aber in Wcstösterreich einen ganz besonderen Aufschwung genommen habe. Tie Zahl der dem westösterreichischen Kreise angehörigen jüdischen Turnvereine betrage gegenivärtig 23 gegenüber 16 im Vorjahre. Äußer diesen bestehen bereits 6 Vereine, in denen der regelmäßige Turnbetrieb begonnen hat und die ihren Eintritt in den Verband und Kreis angekündigt haben. Tie Propagandaarbeit der Kreisleitung war eine ganz enorme. In ausführlicher Weise wurde sodann auf das Kongreßschauturnen hingewiesen, an welchem gegen 1200 jüdische Turner und Turnerinnen teilnahmen. Ans aller Herren Länder waren sic gekommen, um zu dokumentieren, daß die jüdische Turnerschaft zielbewußt an ihrem Ideale arbeite. Das exakte Turnen hat bewiesen, daß jüdische Turner den Turnern keiner anderen Nation irgendwie nachstehen. Dieses Kongreßschauturnen, das allen Teilnehmern und Zuschauern einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hat, war ein Hauptwerk deS westösterreichischen Kreises, der auch daS Verdienst des guten Gelingens für sich in Anspruch nehmen darf. Tie wichtigsten der an den beiden Verhandlungstagen gefaßten, allgemeinen Beschlüsse, die den! kommenden Nerbandsturntage vorgelegt werden sollen, sind: 1. Einführung der hebräischen Kommandosprache. 2. Die einheitliche Benennung sämtlicher Äreisvereine resp. sämtlicher Jüd. Turnvereine mit dem vollständigen, l>ebräischen Titel und dem?kamen ״Makkabi". 3. Schaffung einer einheitlichen Turnkleidung für sämtj liche Kreisvereine resp. sämtliche Jüd. Turnvereine.! Montag nachmittags fand im Jüd. Turnverein, Fünfhaus, eine Vorturnerstunde statt, deren Leitung dem Turnwart des 1. Wiener Jüv. Turnvereines, Horowitz, oblag. Sicherlich haben die Vorturner, die bei dieser Veranstaltung Frei- und Geräteübungen zeigten, turnten und hierauf gegenseitig Kritik übten, gute Anregungen für! ihre Vereine mitgenommen und auch auS dem vorzüglichen Referate deS Ing. Philipp Pollakr ״Was können wir vom deutschen Turnfest in Leipzig lernen" nutzbringende Schlüsse gezogen. Zu den Veranstaltungen des Kreisturntages gehörte auch das in Weigls Katharinen- . sälen abgehaltene Schauturnen des Kreisvereins; Fünfhaus, ferner das Match des Sportklubs ״Hakoah" gegen ״Südmark", das mit einem Goalverhältnisie von 3:0 für ״Hakoah" endigte.

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