Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1913)
- Date
- 1913-10-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. ״Jüdische Bolksstimme". Nr. 41. Protestkundgebungen gegen die Ritualmordbeschuldigungen. Aus den nach vielen Hunderten zählenden telegraphischen Zustimmungskundgebungen, die an die Protestvcrsammlung der israelitischen Kuitusgcmcinden Oesterreichs gegen die Ritualmordbcschuldigung cinlangten, sind folgende besonders erwähnenswert: Von der Äultusgcmeinde Prag: Angesichts des allmächtigen Gottes erheben wir Vertreter der altehrwürdigen tausendjährigen jüdischen Gemeinde Prag vor der Mitwelt und der Nachwelt feierlich Einspruch gegen die zur Schmach des Jahrhunderts neuerlich gegen unsere Glaubensgenosicn freventlich erhobene Anklage des Ritualmordcs. Diese Verleumdung wurde von dem entarteten Hcidcntume in gleicher Weise gegen das Judentum und gegen das Christentum vorgebracht, zu allen Zeitcn von den erleuchtetsten Häuptern beider Bekcnntnisse als boshafte, jedes Grundes cntbchrcndc Anschuldigung erklärt und als solche von den hervorragendsten Regenten, -Staatsmännern und Vertretern der Wissenschaft verdammt. Wir rufen alle Mitmenschen, in denen der Sinn für Wahrheit, Recht und Menschlichkeit lebendig wirkt, auf, sich dem Proteste der gesamten gcbildcten Welt gegen die Erneuerung eines grauenvollen Aberglaubens öffentlich anzuschlieszen und hierdurch einem Justizmorde cntgcgcnzutrctcn, der auf das Schicksal von Millionen Unschuldigcr die verhängnisvollsten Folgen haben mus;. Die Israelitische Kultusgemeindcrepräsentanz Prag. Das Präsidium:: Dr. Arn. Rosenbacher. Vom Landcsrabbinervcrcin Ungarns: Der Landcsrabbincrverein Ungarns protestiert mit Ihnen vereint in tiefster Entrüstung gegen die Blutbcschuldigung und beschwört feierlichst, daß das ganze jüdische Schrifttum jedweden Mord verdammt und jeden Blutgenus; strengstens verbietet, so wahr uns Gott helfe. Das Präsidium: Tr. Schnitzer, Obcrrabbiner, Momorn; Dr. Neumann, Oberrabbiner, Groß-Kanisza. Von der Kultusgcmcindc Czernowitz: ״Wir billigen vollkommen Ihre energische öffentliche Stellungnahme gegen die Nitualmordlüge und die furchtbare, scheußliche, dem Rassenhaß gegen uns entsprungene Ritualmordlüge gegen den unglücklichen Beilis. Wir stimmen Ihrer Resolution vollinhaltlich zu und halten auch hier am Vorabend des Vcrsöhnungsfestcs eine Protcstversammlung ab. Namens der Judcngcmciude Ezernowitz: Tr. Straucher." Vom Reichsratsabgeordneten Breiter: ״Als aufrichtiger Kämpfer für die Rechte des jüdischen Volkes schließe ich mich aus ganzem Herzen Jhrein Protest gegen die barbarische und wahnwitzige Blutlügc, die gegenwärtig im Beilis-Prozeß ihre Orgien feiert, an und verurteile schärfsiens diese ungeheuerliche Beschuldigung, bic_ nur jene stigmatisiert, welck)e sic erheben." Aus il e m berg wird gemeldet: Eine heute mehr als sechstausend Personen teilnahmcn, abend liier abgehaltenc Versammlung, an der hat im Sinne der Ausführungen der Rcfcrenie» gegen die Ritualmordverdächtignng der Inde» sowie gegen die offensichtlich zur Verwirklichung der schmachvollen Pogromabsichten der russischen Nationalisten verfügte Durchführung des Prozesses gegen den Juden Beilis in Kiew eine entschiedene Protestkundgebung beschlossen. Korrespondenzen. Aussig. Sonntag den 28. September 1;»1 fand in der Salonveranda des Dampfschiffhotels in Aussig eine gutbcsuchtc Versammlung des Volksvcreincs ״Theodor Herzl" Aussig statt, in welcher Herr Louis Schiff ein ausführliches Referat über den ll. Zionistenkongreß erstattete. Die Ausführungen des Referenten. die in großcn Zügen den Verlauf und die Erfolge unseres Kongresses schilderten, fanden lebhaften Beifall des anwesenden Publikums. Anschließend an dieses Referat entwickelte sich eine lebhafte Debatte, an welcher außer dem Referenten die Herren Walter Kohn, Mar Läufer, Dr. Hugo Pick und andere beteiligten, Namentlich die Haltung der weslösierreichifchcn Landmannschaft in der Bankfrage war Gegenstand eingehender Besprechung. Aus Antrag des Herrn Dr. Pick wurde, nachstehende Resolution einstimmig angenommen: ״Die am 28. September 1613 im Dampfschiffbotel in Aussig tagende Versammlung der Anssiger Zionisten nimmt den Bericht ihres Delegierten beim elften Zionistenkongreß mit Befriedigung zur Kenntnis. Sie erklärt sich mit der Stellungnahme und den Anträgen der westösterrcichischen Landsmannschaft in der Bankfrage völlig einverstanden und spricht den Mitgliedern derselben und insbesondere deren Führer Herrn Dr. Emil Margulics, für ihr cngerischcs Eintreten ihre Anerkennung und Dank aus." Nachdem noch über eine Frage lokalen Interesses debattiert wurde, wurde diese interessante Versammlung von deren Leiter Herrn Holub geschlossen. Pohrlitz. Dienstag den 7. d. ist Herr Karl Seidl im. 76. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbcnc war ein guter Jude, äußerst wohltätig und erfreute sich allseits einer großen Beliebtheit. Ehre seinem Andenken! Wien. (Fünfhaus.) Am 1. NeujahrStag warat zehn Jahre vollendet, seitdem Herr Rabbiner Tr. Mar Grunwald die Seelsorge in den westlichen Bezirken 14 und 15 übernahm. Die jüdifchcn Organisationen und Vertretungen haben diese Gelegenheit ergriffen, um dent Ehepaar Grunwald den Ausdruck ihrer Sympathien zu bekunden. Sowohl der Bethausvorstand als auch die Bczirkskommission, sowie die großen jüdischcn Vereine des Bezirkes entsendeten Deputationcn. Im Nanten des Bethausvorstandes sprach Herr Kultusvorsteher S. Steiner und er beglückwünschte der! Herrn Rabbiner zu der Liebe und Verehrung, die er sich eworben; für die Bezirkskommission sprach der 'Obmann Herr S. Mohr, welcher betonte, daß in einer Zeit der Kritik und der Negation für den Rabbiner es eine schwicrige Aufgabe ist, die Geister zu bezwingen. Her Rabbiner Dr. Grunwald habe durch sein bclehrcndes Wort das Werk zustande gebracht, wie auch seine Gattin die Herzen eroberte. Für die Chewra Kadischa sprach Herr Herntann Weinbergcr, welcher für die intensive Förderung dankte, die der Herr Rabbiner und feine Gattin allen Wohltätigkcitsinstituten des Bezirkes angedcihcn lassen. Vom Vereine zur Ausspeisung armer jüdischer Schulkinder kam ein prachtvolles Blumcnarrangement. Herr Dr. Grunwald dankte erfreut über diese Zeichen des Vertrauens, welche ihm dargebracht worden, und versicherte, daß di Liebe seiner Gctneindc dr beste Lohn sei, den er sich für sein Wirken erwarte. Akad. Verbindung ״Kadimah". Die im G. C. vom 4. d. vorgcnonnncncn Chargenwahlen ergaben folgendes Resultat: MllC. Felir Mandl, Präses. JUE. Paul Stern, Vizepräses, INC, Mar Schlamm, Schriftführer. Gummi 5t rümpfe röder, der im letzten Winter an der Heidelberger Universität sein Doktorexamen abgelegt hatte, entgegensetzten, dürfte folgende Notiz von Interessc sein, die wir einer Biographie des Philosophen Moses Mendelssohn entnahmen, wie sie im ersten Bande (S. 9) der von Prof. G. B. Mendelssohn veranstalteten Ausgabe der gesammclten Schriften Mendelssohns (Brockhausen 1843) geschildert wird. Herr S. Bleichröder, der Begründer der weltbekannten Berliner Bankfirma Bleichröder u. Sohn, also der Großvater oder Urgroßvater des hier genannten jungen Doktors und Verehrers der Prinzessin׳ Sophie von Sachsen-Weimar, erzählte dem genannten Herausgeber folgendes: Sein Vater habe ihm nämlich aus seinem Leben -folgendes erzählt: ״Ich kam im Jahre 1746 als armer 14jähriger Knabe nach Berlin und fand Moses Mendelssohn in der Lehranstalt für den Talmud. Dieser gewann mich lieb, unterrichtete mich im Lesen und Schreiben und teilte oft mit mir sein kümmerliches Brot. Aus Dankbarkeit war ich dem Mendelssohn durch kleine Dienstleistungen behilflich, und so schickte er mich unter anderem irgendwohin, um ein deutsches Buch zu holen. Mit diesem Buche in der Hand begegnete mir ein Armenverweser, der mich mit den Worten anfuhr: Was hast du da? Wohl gar ein deutsches Buch! Sogleich riß er mir das deutsche Buch aus der Hand und schleppte mich zum Vogt, dem er den Befehl gab, mich aus der Stadt zu weisen. Moses Mendelssohn, der Kenntnis von meinem Schicksal erhielt, gab sich alle Mühe, nteine Rückkehr zu bewirken, allein vergcblich. Er schaffte mir später eine Stelle auf der damaligen Talmudschule in Halbcrstadt, und ich verdanke ihm mein zeitiges Wohl." Also aus einem armen jüdischen Jungen, der mit dent Moses Mendelssohn das Brot teilte und von ihm als Laufbursche verwendet wurde, ging der Gründer des Berliner Welthauses hervor, dessen Deszendent nunmehr in dent vielbemerken Selbstmorde eine so hervorragende Nolle spielt. Diese Notiz dürfte wohl auch den verhängnisvoll gewordenen Widerstand der Eltcru gegen das Heiratsprojekt ihrer Tochter erklärlich machen. E—n. Csrogim und Lulovim, komplett von 4 K aufwärts liefert Jüd. Buch- und Kunstverlag, Brünn, Adlcrgasse 9. kür Rrampfaderiüüe in allen (ZualitLten unck zu konkurrenzlosen Preisen nur im GUMMIGESCHÄFT JOS. F1ALA sen., Brünn, Krffna 3—5. — MeBkarten postwendend jtrnidfcfuuj. Jüdischer Turnverein Brünn. Wir bringen zur Kenntnis, daß der Turnbetrieb in sämtlichen Avteilungcn ab 1. Oktober voll aufgenommen wurde. Der Winterturnplan wurde nachstehend festacieut: H c r reut u r n e n: 1. Abteilung, Montag und Donnerstag von 8—'/״IO Uhrab.; 2. Abteilung (Mindcftaltcr der Teilnehmer 26 Jahre), Dienstag van 8—'/10 ״ Uhr abends. — Dament u r neu: 1. Abteilung, Montag und Donnerstag von 1 jJ—'/8״ Uhr abends; 2. Abteilnng, Mittwoch und Samstag von 8—410/ג Uhr abends. Z ö g l i 11 g S t u r n e n: 1. Abt.!Alter bis 12 Jahre), Mittwoch und Samstag von ,!J)—1/7״ Uhr abends; 2. Abteilung (Alter über 12 Jahre), Mittwoch und Samstag von >/,7-'/,8 Uhr abends. Mädchenturnc n: (Alter bis 14 Jahre). Montag und Donnerstag von '/7״/י—<>״ Uhr abends. Vorturnerstunde: Dienstag von 8—'/״IO Uhr abends. Neuanmeldungcn werden mündlich oder schriftlich in der Turnhalle Kaiscr-Jubiläums-Volksschule, Krön« 25 a, in den Turnstunden entgegengenoiniiien. Zum Selbstmorde der Prinzessin Sophie von Sachsen-Weimar. Zu den letzten Meldungen bezüglich des Selbstmordes der Prinzessin Sophie v. Sachsen- Weimar in Heidelberg, hervorgcrufcn durch den Widerstand, den die Eltern dem Licbesverhältnis ihrer Tochter mit dem dreißigjährigen Sohn des- Berliner Bankiers Baron HanS v. Bleich- 1913 Wocherckaleuder 6673. תשרי Dt. Festtage הפטרה M 8 D n 9 ואשר שלו & ט 10 ערב יום כפור 6 י 11 יום כפור — Versöhnungstag S יא 12 M יב 13 D r 14 סזק׳ל M יד 15 ערב שבות מה יום D מו 16 1 א' דשנות. Hottenfesttag וירהלי F מז 17 2 =-־ ב' דשנות. Huttenfesttag והיה ביום I ■ irliifin Iflinnilr Optiker und Mechaniker, Brünn LUUWiy MIUIIIIv Krapfengasse 23 empfiehlt sein reichhaltiges Lager von Operngläser, Brillen u. Zwicker. Installierung v. Haustelegaphen und Telephonen, sowie Reparaturen prompt und billig. Spezial-Geschäft für Uhren, Juwelen, Gold- und Silberwaren Eigene Werkstätte kür sämtliche Reparaturen. Ed. Richter, Brünn, Herrengasse Nr. 5• Zum Jahreswechsel entbieten die herzlichsten Glückwünsche Eduard Glaser. Zum Jahreswechsel entbietet die herzlichsten Glückwünsche Prof. Dr. Reach, Gaya.