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Jüdische Volksstimme · 1913-07-17 · Heft 29 (17.7.1913) · page 7

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 29 (17.7.1913)
Date
1913-07-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 ״Jüdische Dolksstimme". Seite 7 Aufmf zur Gründung einer jüdischen Verlagsgesellschaft auf genossenschaftsicher Basis. Und es, verwundet durch unsere Vergehen, gedrückt durch unsere Sünden, — dennoch unseres Friedens Einigungsband aus ihm und in seiner Gemeinschaft wird uns Heilung werden. Jesaja 50, 5. Juden! Es ist eine ernste, dringende und heilige Sache, in welcher wir uns heute an Euch wenden. Es gilt, unseren enormen Geistesschah, unsere einzig dastehende jüdische Literatur vor sicherem Untergänge zu bewahren. Während jedes Volk sein geistiges Eigentun. hütet und Pflegt, während jede menschliche Organisation die Erzeugnisse ihres psychischen Schaffens allen ihren Mitgliedern zugänzlich zu machen strebt, lassen wir unser hehres jüdisches Schrifttun׳., das viele Tausende von hervorragenden, erlesenen Werken umfaßt, vergilben und zugrunde gehen, lassen wir das Lebenswerk unserer Größten unbarmherzig der Vergessenheit und Verschollenheit anheiiiifallen. Gehet nur einmal in eine der größeren jüdischen Bibliotheken und haltet dort Umschau aus diesen Friedhöfen unserer jüdischen Literatur. Ihr werdet dann das schmerzliche Wunder erleben, zu sehen, wie die im Golus mühsam gesammelten Schätze versinken und in Staub zerfallen, während draußen der Abfall grassiert, während unsere Jugend täglich mehr und mehr dem Judentum entfremdet wird — weil sie es nicht kennt. Diesen Zuständen zu steuern, haben wir uns die Erhaltung und Verbreitung unseres jüdischen Schriftttums zur Aufgabe gesetzt. Unserer Heranwachsenden Jugend, welche von einer mächtigen religiösen Bewegung erfaßt ist, die sich mit allen Fibern nach dem verlorenen religiösen Glück zurücksehnt, die den Glauben besitzt, der jedoch die Kunde fehlt, wir wollen ihr den Rückweg zuni alten, ewigen Judentum ermöglichen und ebnen. Wir werden unser Augeninerk aus zwei Ziele konzentrieren; einmal wollen wir unser jüdisches Schrifttum durch systematische Verbreitung gediegener und billiger Volksausgaben dem jüdischen Publikum — soweit es noch für Judentum Interesse bekundet — näher bringenwollen wir unsere nationale Literatur aus der Diaspora der Bibliotheken und des privaten Besitzes sammeln, sichten und einem möglichst weiteiu Kreise vertraut machen; andererseits soll den jüdischen Autoren zu günstigstei, Bedingungen Gelegenheit geboten werden, diese nationale Literatur zu bereichern und zu befruchten. Beide Ziel sind von gleicher Bedeutsamkeit, von gleicher ethisch-jüdischer Höhe und von zu! zwingender A'olwendigkeit. als daß derselben das Work geredet wer! de.l iiiüfctu Es handelt sich hier keineswegs darum, die Litte der Verlags-! gesellschaften um eine zu vermehren oder die unübersehbaren Bücher-! kakaloge ",11 bereichern, sondern es bandelt sich um Sein oder Aicht- ' sein, um Besrand oder llnbesiand Eures Jndenuims. Solange das i Ghetto uns umfing, solange seine Mauern auch die Grenzen unserer! Gedankenwelt bedeuteten, waren wir vor Entfremdung und Assimi s lation geschützt. Heule, da lins ein ganz und gar unreligiöses, un jüdisches Leben umbransl. kann uns nur ein eiserner Wille ein starkes jüdisches Innenleben und Selbubewußtsein. die Sättigung mit jüdi; schein Wissen dem Judentum erhalten. Wenn Ihr nicht wollt, daß die ehrwürdige tlieihe der Ahnen, die vor Gott nild im Judentum lebten, gerade bei Euch und durch Euch unterbrochen werde lind sich iil einer niijüdischen, thorafremden Jugeiid in das errreme liegenteil ihrer Lebensbeslimmung nmkehre; wenn ihr nicht wollt, daß in fünfzig Jahren Eure Tempel als Pagoden der ausgestorbenen ״Frommen" gezeigt werden, daß Eure Gebetbücher. Eure Sefillin i und Mesusolh Euren Kindern nichts mehr als pietätvolle Andeiike» : bedeuten; wenn Ihr nicht wollt, daß Eure Kinder lind Enkel gedan-! kenlos das zerstören, Ivas unser Volk in zwei Jahrtausenden mit s seinem Leben ausgebaut, mit seinem Herzblut, mit seinen Iranen i und Seufzern besiegelt und geheiligt bat; dann dürft Ihr nicht s länger teilnahmslos mitausehen, wie unsere Jugend ihrem jüdischen! Sein entwurzelt und 1m\ ihr Judentum betrogen wird, wie sie heranwächst, ohne von demselben eine Ahnung zll haben, ohne hebräisch s lesen zu können. Tann zeigt dieser Jugend, was sie mit ihrer Ae i lioioit verliert, was sie mit ihreiil Judentum aufgibt und wenn! sie es dennoch verschinäht. werdet Ihr wenigstens Eure Pflicht i erfüllt haben.! Deshalb appellieren wir an dieses jüdische Pflichibcwußtsein,! uns in dem Bestreben, den jüdischen Bevölkerungsschichten, vor - allem der jüdischen Jugend, ein tiefes Erfassen und Eindringen ins Judentum zu ermöglichen, nach Eurem besten Können >11 sördern. Ilm Großes leisten zu können, brauchen wir Eure finanzielle und i geistige Mithilfe, Eure Ermutigung und euer stetes Interesse.! Wir fordern jedermann zur Zeichnung von Anteilscheinen der Jüdischen VerlagSgesellschaft aus, die im Betrage von 4M Kronen | ausgegclien werden und denen eine sehr günstige Verzinsung mit Bestimmtheit vorausgesagt werden darf. Es ist begreiflich, daß! unser Werk, wenn es vor Störungen bewahrt tverden soll, auf solider! finanzieller Grundlage fundiert sein muß.! Also nochmals: wir!vollen keine Mildtätigkeit, sondern Eure? freudige Mitarbeit, kraftvolle Betätigung Eures jüdischen Pflicht j gefühls.! A n m e l d u u g e n und V o r s ch l ä g e sind an Zeichner dieses! zu richten. j F ü rdasvorb e reit e n d e K o m i t e e:! M a x H i ck l, Redakteur, Brünn, Adlergasse Rr.!>. - ... כשר Hötel«. Restaurant Josef Guth,Wien II Stephani estrasse 14. Telephon 13/02. Bestrenommierte Küche u. vorzügliche Getränke. Hotel Stephanie. Hotel Stephanie. M. Operer כשף Restaurant WIEN, II., Toborstrosse Nr. 12 Neurenovierter Prachtsaal geeignet für Hochzeiten, Dieners usw., Fassungsraum 400 Personen ist von April bis September zu vergeben Hausspazialität: TSgllch warme Pfefferkarpfen und Hechte. Ausschank: Schwechater Lager u. Pilsner Biere Verlanget in allen Kurorten die ״Jüdische Voiksstimme"! in allen Systemen, mit Marmorplatten samt Zugehör sind stets am Lager. Auch überspielte Billards s. vorrätig. Anton Sedlak & Sohn, Billardhandlung, Brünn Zelle Nr. 7. 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