Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1913)
- Date
- 1913-03-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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•JÄ&UJU Seite 6. ״Jüdische B>H»sti««e." Nr 11. Gerücht auf die in dem vor kurzem stattgcsnndencn Dentifienprozcß Verurteilten Bezug habe. London. Vorige Woche fand hier die Hochzeit des Barons Jaims Rothschild, einein Lohne des Pariser Baron Edmund iüothschiid, rnit Fräulein Dorothea Fimo im Zcntralrempel statt. Aue diesem Anlässe tvurde a. für 1000 jüdische Lchulkinder eine Jause vcrabreickt. Paris. Ein Streit der jüdischen Bäckergehilfen macht sich zurzeit demerkdar. Die Bäckergebilfeu verlangen seit längerer ׳seit, das; man ihnen an den Donnersragen. zur Herstellung der aus Labvath nötigen Bartwertc. AuShclser bcigebc, ivas ilmcn bis heute verder Hauptstadt sich!nil ihnen solidarisch erklären und weigert tvurde. Man desii'.chtet, daß alle Bäckergesellen die Arbeit »iederlegen werden. Newport. Das hiesige Hauptgericht hat die Versiigung getroffen, deit :!!es! des für die Pogroine geschädigte» russischen Juden gesammelten Geldes in der Höhe von 190.000 Dollars, dem amerikanischen jüdischeu Hilfsvcrcin jhit der Bestimmung zu übergeben, es an notdürftige Inden zu verteilen. Adrianopcl. Ter dekanntc jüdische Held ״Israel", der seine Heldentat zur Rcllung der türkischen Armee mit dem Leven bezabüe, tvurde unter großen militärisäten Ehrenvezengnngen zu Grave getragen. Der Fesiuiigstommandant hielt ilun einen besonders ehrenvollen Nachruf, den er mit den Worten schlos;: Israel, Dich verehrt das Vaterland. Eaistv», ׳Afrika. Nach wie vor besteht hier die Einrichluitg, das; sowohl der Labbatli, als auch der Sonntag schulsreie sage sind. Diese Einführung ist daraus zurüäzusühren, das; es den jüdischen Bindern möglich ist, am Labbath zu ruhen. Kommerzialrat Louis Feist gestorben. (Tralstbcricht.) Frankfurt, 12. Mörz. tPriv.» Hier stellt olles unter dem niederschmetternden Eindruck des schier unersetzlichen Verlustes, den die Jrantsurter Jiidenlieil und dos gesetzestreue Judenknm durch dos nnerwortete frühe Hinscheiden ihres aufopfernden Jülirers, des Präsidenteil der Ayudas Jisroel, Herrn stammer.stenrat!Louis Heist, erlitten. Wie ein Lmisfener durchdrang die Traiicrtiiiide die Straß,en der Stadt; üderoll schmerzlichste Trauer und liefe Bestür-;!inst erweckend. Erst voriste Woche hotte der edle Verblichene dem -Dronleuhonie der ״Jüdischen!lielistionsstesellschoft" eine spende von 50.00(» Vlort;nstewendet. Eine einstehende Würdistnnst der Persönlichkeit und der Verdienste des edlen Juden behalten wir uns vor. - üriinncr llucfmefcten. Ehcwra-Tuda. Jur die am Montost den!7. d. im Jesisoole des Eirand Hotels stattfindende Ebewro-Sndo stibt sich allseits ein lebl,oftes Interesse kund. Es sind bereits Anineldunsten von einer strosten Aiizayl Ebewro Kadischas Vläbrens, sowie mebrereD Vobbinern, Vorslondsniitstliedern von .Kiiltnsgemeiiideii, Kontoren, weiters Delegierten einister Wiener Vereine einstelanfe». In der Brunner Bevölternnst siebt man dieser ersten Veranstaltung ans diesem Gebiete mit größten! Interesse entstesten. Tie Jesirede wird Se. Ebrw. Herr Rabbiner Jlesch, Wien, holten. Wie bereits mitsteteilt, bar der von der stanzen Wiener mnsitolischen Dessentlichteii als Künstler vereiirte Tberkantor!Leopold Müller seine Mitwirkung fest;nsteiostt.;'in olle Personen, die die Absicht baben, dieser Jeier beizuwobnen, erstellt die;'lussordernnst, ibre Beteilistunst den! Vorstondmitstliede Herrn Rudolf Meisl, Krapsengasse 1, bis löng'iens Jreilost milzuteilen. Vcrciiiistlinst der iiskl. jüd. Hvchschiiler in Brünn l Deutsche Technik>. Tos Erstebnis der Ebarstenwablen iür das Tommersemener 1!»1:5 ii'1 folgendes: cond. mech. T. Lichrensieiii, Präses; cond. mech. M. Telner. Vi;epräses; inst. I. Stückstold, Schrisrsübrer; mech. I. 'N'issenbannt, -kassier; mech. S.!llvienberg. Bibliolbekor: orch. S. M'annssenrlsch,;jetinngsivarr: mech. B. Herstster. cond. chem. I. Eifer, 'Beisitzer. Palnslina-Bvrtrast. Tie jüdische Topnbeelialle veraniloliet am Sonntost den 1 <!. d. im tnelverbevereinsioale des Deutschen Hanfes einen Valästina-Lichtbildervortrast, bei den! Herr Tr.;'ilb. Schönboi das!lieserat erstatten wird. Bestinn bald «> Ubr abends. Masreii-Redouke. Ter Jüdische Turnverein veranstaltet Somstost den 17>. d. im s'.ädl.!sie doniensoale eine Masken-Redviite. An unsere Leser. Wir haben uns entschlossen, unserer Zeitschrist eine hebräische Wochenschrift sacht Seiten stark) beizulcgen und erscheint die Beilage bcrcits in der nächsten Nummer. — Diejenigen Abonnenten, die aus Lie hebräische Beilage reflektieren, haben einen jährlichen Beitrag von zwei -Sl r o n c n zu leisten. Tic Nedaktion. Aus einem ungarischen Brief. Ter fruchtbare nnstarische Boden bringt nicht nur Weizen, Morn und andere Feldsrüchte hervor, sondern er erweist sich auch sonst als produktiv an mancherlei Früchtelii und Pilzen. Schon die Treiteilnng der Judenhcit in orthodore, status quo und Kongreß-Juden ist eine spezifisch magyarische Prodnktino. Diese Gruppen stehen einander bis an die Zähne bewaffnet gegenüber. Ter in der letzten Zeit nnternominene Versuch zur Vereinigung der auseinandergehenben Gruppen scheiterte an allseitigern Widerspruche. Tie offiziellen ״Kongreß-Leiter" erklärten, die im Schulchan Arnch enthaltenen Grundsätze der jüdischen Religion wieder anzuerkenneii, aber bei dem größeren oder wenigstens energischeren Teile der Orthodoren stoßen sie ans das entschiedenste Mißtrauen. Auch einzelne Neolage können sich nicht dazu entschließen, die Acht vom Schulchan Arnch zu lösen, so daß die ganze Vereinigungsarbeit sch als zwecklos erwies. Auf literarischem Gebiete herrscht furchtbare Massenproduktion. Großen Absatz finden aber zumeist itur minderwertige ״Mastes- Bücher". Tie zahlreichen jüdischen Literaturerzeugnisse, die in ungarischer Sprache geschrieden sind, können bei ihrer Massenhaftigkeit und bei dem .minimalen Leserkreise auf Leser kaum rechnen. Einzelne Schriftsteller wissen durch hcstige und unbegründete Angriffe aus gute Menscheu einige Anfmerksamkeit ans sich zu lenken. Peritas. Tßs Ende eines R'itualinvrdprozest'cS. Micw. Tie ״Od. Now." berichtet, daß das Schwurgericht aus Mangel an Beweismaterial den Beschluß gefaßt habe, das Strafverfahren gegen den wegen .Nitnalinordes angeklagten Beilis einzustellen. Tie Behauptung, daß Jnstschinskp einem Nitualmorde znm Lpser gefallen sei. ivird aber trotzdem aufrechterhalten. Wahrschein-!ich, um die führenden Persönlichkeiten nicht zu desavouieren. Antisemitismus in Galizien. In Tnkla wurde die Jüdin Frl. B. Sch. zur Lehrerin ernannt. Als dieselbe die blasse betrat, wurde sie von den christlichen Schülerinneu mit Lchinährnfen empfangen und hierauf verließen dieselben die Klasse. Eine Untersuchung!st eingeleitct. Ter Schriftsteller Uri Nison Gncsim gestorben. In Warschau ist im jugendlichen Alter von :’I Jahren der geniale hebräische Schriftsteller Uro Nison Giiesim gestorben. Sämtliche jüdischen Schriftsteller beteiligten sich an dem Begräbnisse. Zur Tchänkcrfragc in Galizien. Lemberg. Tiefer Tage wurde der Statthaft tereisekretär Laposchanski, der die Schänkerkonzessionen erteilte, verhaftet. Es wurde sestgestellt, das; er gegen Bezahlung .Konzessionen, die er den älteren Schönten! wegnahm, an neue unbefugte Schanker vergeben. Literatur. Onoto Wataiina: Javanifckic Nachtigall. Berlin, Are! Juncker, M. L.ö». In diesem Noma» erzählt die japanische Tinperin die ergreifende Lebensgcschichte einer jungen Japanerin von altem Adel, welche die Miniftc der Geishas erlernt, um durch ihr Tanzen in deit Tcehäusern Tokios Geld zu verdienen, das sic ihrem studierenden Bruder nach Amerika nachsendet, Ja, sie läßt sich zuletzt!».׳!> einem geiverbsmäßigen Verminter einem reimen inngen Amerikaner anlranc»; diese Geishache isl freilich nur eine Scheinehe, ein unverbindliches, kurzhcsrislc-!es Liebesspiel. Der Bruder der von dem finanziellen Ruin seiner Tvomilic nnd von der Duelle seines- 'i:-!-ensniuerhalles nichis iveiß. kommt zurück und finde' in dem ahnungslosen Amerikaner seinen besten Freund und Studiengenoffen — den Verführer seiner Schwester. Aus dem tiefen Konflikt, in den so drei Menschen ver- 'wickelt werden, entspinnt sich jetzt eine reiche, Wechselvolle Handlung, die den europäischen Leser truch deshalb gefangen nimmt, weil sich vor seinen Augen das bunte Leben Japans abspielt: pomphafte höfische, Feste wecksein mit Bildern aus dem Familienleben, es entrollt sich das Treiben aus den Straßen Tokios und in den Tcehäusern des Jnselrcichcs. Die ganze Darstellung ist dabei von einem hohen Ernst und japanischer Sittenstrenge durchdrungen. — Das Buch trägt ein hübsches Gewand. Briefkasten. Mehrere Artikel, Berichte und Äorespondenzen mußten infolge Raummangels zurückgestellt werden. Tie P. T. Mitarbeiter werden um ein wenig Geduld ersucht. Berichtigung. Nichtigstellung. Herr Ing. Stricker ersucht uns richtigzustelleu, daß er nicht vom Euchariskeu-Springer, dem Schwiegersöhne Rothschilds, sondern von! Baron Gustav Springer, welcher ein sehr stolzer nnd braver Jude ist, die 1000 K für den Jemenitensond erhielt. T^eater-Äunä?1Hau. Brunner Stadtthcatrr. ״Liliom". Vorstadtlegendc in sieben Bildern von Franz M o l n a r. Zum erstenmal aufgeführt am Brünncr Stadttbeatcr am 9. März 1913. Liliom ist der Nawc eines Hutschenschlcuderers eines Budapcstcr Vorstadtkarusscls. Bei dem Geschäft lernt er das Dienstmädchen Julie kennen. Frau Muskat, die Besitzerin des Karusscls, welche auch in seinem Banne steht, beginnt eifersüchtig zu iverdcn und nach einiger Zeit wird er herausgeworfen. Auch Julie passiert dasselbe. Jetzt beginnt für beide ein elendes Dasein. Lilioms Brutalität bricht schon nach zweiwöchigem Zusammensein mit Julie rücksichtslos hervor: Julie wird von ihm mißhandelt. Doch Julie vergießt keine Träne, denn sic suhlt sich Mutter. Nachdem sic Liliom davon Mitteilung gemacht hat. beschließt er. um für ihre Zukunft zu sorgen, einen heimkehrenden Kassier zu berauben. Ter Plan mißlingt und um der Verhaftung zu entgehen, ersticht sich Liliom. Als Sterbender wird er. zu Julie gebracht. Jetzt beginnt erst die cigentlichc Legende. Er wird ins Jenseits gebracht, genau verhört und aufgcsordcrt, seine irdischeu Angelegenheiten zu ordnen. Nach sechzehnjähriger Läuterung besucht er Weib und Kind. Das letzte Bild bringt diesen Besuch. Er kommt als Bettler und cmpfängt Essen von seiner Tochter. Beim ersten Wiedersehen schlägt er seine Tochter zornig auf die Hand. An diesem Schlag erkennt Julie, daß nur Liliom der Bettlcr getvesen sein kann. Unsere Darstellung war sehr gut. Ausgezeichnet die Regie Dir. Hcrzkas. Noch selten haben wir solch gut gelungene Bühnenbilder gesehen. Wnnderbar die Szene im Himmel. Die Titelrolle ivurde von Herrn Rubel mit überlegener Meisterschaft gespielt. Herr Rubel leistctete außerordentliches. Neben ihm Art. Gras als Julie. Diese Rolle kann von keiner Anfängerin gespielt werden. Als sechzehnjähriges Dieiljtmädchcn traf sie manchmal ganz gut den Ton, jedoch dort, wo sie die gute Mutter darstcllcn sollte, versagte sie. Auch muß sich Frl. Graf angewöhncii, erivas deutlicher zu sprechen. Ganz gut Herr Fleischmann als der Schurke Fiskur. Tic Damen RicS. Schwarz. Wiesncr, sowie die Herren Litzck, Rehbcrgcr nnd Strauß lvirktcn auch verdienstlich mit. Tie Vorstellnng wurde mit levbastcm Beifall ausgenommen. H. G. Thcaternachricht. Donnerstag findet die Wiederholung der Operette ״Der Frechling" statt. Samstag gelangt die Oper ״Walküre" mit Frl. Karcll und Herrn Werner als Debüt ^um erstenmal in dieser Saison zur Anfsührnng. Sonntag nnchmiltags gelangt bei ermäßigten Preisen die mit großem Beifall anfgenoinmene Vorstadtlegendc ״Liliom" von Franz Molnar zur Aufführung. In Vorbereitung befindet sich die Operette ״Der :tievisor" von Karl Weiß und ״Jedermann" von Hossmannsthal. Repertoire. Donnerstag den 13. März, 117. A.-V.. 3. S. gelb: ״Der Frechling";Operette). Freitag den 11. März,!10. A.-V., 2. S. rot: ״Prinzchen";Lustspiel). Samstag den 10. März, 118. A.-P., 1. S. braun: ״Tie Walküre";Debüt Frl Karcll und Hr. Werner: Oper). Sonntag den 10. März, nachm.: ״Liliom; abends ״Der Revisor".