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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-09-28 · 39 (28.9.1928) · page 3

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Seine weltbürgerliche Gesinnung hat Schiller besonders in der Gestalt des Marquis Posa in seinem „Don Carlos" verkörpert. „Ich liebe die Menschheit" läßt er idn sprechen, und mit hinreißender Begeisterung verlangt der teld des Stückes von dem glaubenseifrigen, unduldsamen önig Gedankenfreiheit, ohne die das Glück der Bürger unmöglich sei. Auch aus Goethes „Iphigenie" weht uns der Geist versöhnender Menschenliebe entgegen: „Alle menschlichen Gebrechen sühnet reine Menschlichkeit". Das ist der Leitgedanke dieses Kunstwerkes. Das ist der „Geist von Weimar"", der Geist Herders, Goethes und Schillers, die dort zusammen lebten und zusammen sannen, der Geist der „Humanität". In dieser Gedankenwelt hat der Stifter unserer Schule, Israel Jacobson, seine geistige Nahrung und seine sittliche Kraft gefunden. Es war ihm nicht vergönnt, in seiner Jugend eine öffentliche höhere Schule zu besuchen, denn diese war den jüdischen Knaben in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts verschlossen. Durch Selbststudium hat er sich weitergebildet; er hat sich in die Schriften seiner großen Zeitgenossen vertieft und soviel Wissen und Können angeeignet, daß er im Kreise gelehrter Männer wie der Professoren der damaligen Universität der Stadt Helmstedt, wo er wiederholt zur Linderung eines Leidens weilte, ein gern gesehener Gast war. Die Universität Helmstedt hat ihn sogar durch Verleihung des Doktortitels h. c. geehrt. Ein bekannter französischer Dichter, Stendal, der ihn in Braunschweig kennen lernte, bezeichnet ihn in einem Buche als einen der geistvollsten deutschen Männer, mit denen er je verkehrt hätte. Wir verstehen, daß ein solcher Mann nur im Sinne der Geister seiner Zeit handeln konnte. Auch ihn beseelte bei all seinem Denken und Tun die Idee der Menschlichkeit, der Humanität. Er, der für seine Person und für seine Söhne alle Rechte eines christlichen Bürgers laut Naturalisationsurkunde des braunschweigischen Herzogs Karl Wilh. Ferdinand genoß, der mit Fügten und hohen Herren auf vertrautem Fuße verkehrte, fühlte schmerzlich die Ungerechtigkeit, die seine Glaubensgenossen durch die politische und gesellschaftliche Zurücksetzung erfuhren. Unterstützt von vorurteilsfreien bedeutenden Männern christlichen Glaubens, trat er mutig und erfolgreich für die bürgerliche Gleichstellung der Juden ein. Aber die Juden sollten nicht nur gleiche Rechte mit den übrigen Volksgenossen genießen, sie sollten auch gleiche Pflichten übernehmen. Sie sollten aus der Abgeschlossenheit, in die sie teils durch ihre eigene Schuld, noch mehr durch die Schuld der vorurteilsvollen Menge in den früheren Jahrhunderten geraten waren, heraustreten. Sie sollten sich der Umgebung in Art und Sitte, in Handel und Wandel, sie sollten sich der deutschen Kultur anpassen, sich von ihr heben und tragen lassen. Daher gründete Jacobson diese unsere Schule, in der Juden und Christen in Gemeinsamkeit zu guten, zu deutschen Staatsbürgern erzogen werden sollten, daher wurde sie eine Pflanzstätte deutscher Bildung und deutschen Geistes. Sie hat als solche bis aus den heutigen Tag gewirkt; sie soll in gleicher Weise in alle Zukunft weiter wirken. Ich habe in meiner Rede anläßlich der 125-Jahrfeier geschildert, wie ein zeitgenössischer Augenzeuge, der berühmte Geograph Karl Ritter, dem seine Vaterstadt Quedlinburg in ihren Mauern ein Standbild errichtet hat, gerade den deutschen Unterricht an der damaligen Jacobsonschule voll Begeisterung rühmte. Aus dieser weltanschaulichen, deutschen Gesinnung heraus hat Jacobson die Reform des israelitischen Kultus gefördert. Hier in dem von ihm gestifteten Tempel hat er die deutsche Predigt und das deutsche Gebet eingeführt. Er fand damit nicht nur den Beifall aller gebildeten Juden, seine Neuerungen wurden auch von evangelischen Geistlichen lebhaft begrüßt, und es ist bezeichnend für den duldsamen Sinn jener Zeit, daß der Domprediger von Magdeburg, Augustin, der bei der Einweihung des Gotteshauses zugegen war, unter der Ueberschrift „Der Christ im Jacobstempel" eine schwungvolle Hymne zur Verherrlichung der Jacobson'schen Bestrebungen dichtete. Wie weit der Zeitgeist die Annäherung der Glaubensbekenntnisse förderte, geht aus einer Abhandlung, die ein evangelischer Gelehrter, Professor Drees, kürzlich in einer Zeitschrift für Kirchengeschichte veröffentlichte. Er stellt darin fest, daß sowohl die Katholiken wie die Judeu zahl- :: * ' versammlungstalender i*ii 31 findet unsere givnrle M Gewerl bericht. spreche Breslau. i „Abraham Geiger". Mittwoch, den 3. Oktoder, 20.30 Uhr, in der Gemeiudefukkoh der Neuen Synagoge, Am Anger 8, Sukkausfeier statt. Die Sukkausbetrachtuug hält Herr Nelihrer Davidfvhn. Anschließend gemütliches Beisammensein. Dortmund. ittwoch, den 3. Oktober, 20.30 Uhr, im Kleinen Saal der »evereins (Kuhstraße) Generalversammlung. Jahres» und Kassen» Borstandswahl. Frau Borreuter und Herr Em. Goldschmidi it über: „Die Weltkvnferen; des religiös-liberalen Judentums."; * Gottesdienste f»: Liberale Synagoge Norden. Festgottesdienst am Sukkaus: Freitag, den 28. September, abends 7.15 Uhr. Sonnabend, den 29. September, vormittags 10 Uhr. Sonnabend, den 29. September, abends 7.15 Uhr. Sonntag, de« 30. September, vormittags 10 Uhr Einsegnung der Konfirmandinnen). Predigten an allen Gottesdiensten Rabbiner Dr. Salvmonfli. Sukkausfeier für die Jugend: Sonntag, den 30. September, nachmittags 4 Uhr, in der Sukkoh der Neuen Synagoge, Oranienburger Straße 29, Ansprache Rabbiner Dr. Salomonfli. Schemini azeres: Freitag, den 5. Oktober, abends 7.15 Uhr. Sonnabend, den 6. Oktober, vormittags 10 Uhr (Seelenfrier). Simchas tauro: Sonnabend, den 6. ONober, abends 6 Uhr. Sonntag, den 7. ONober, vormittags 10 Uhr. Predigten Rabbiner Dr. Salomonfki. Berlin-Wilmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienfchul«, Rikolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünttlich. Freitag, den 28. September, Sukkaus-Gottesdienst, Prediger: Dr. Hohenstein. Freitag, den 5. Oktober, Schemini azeres-Gottesdienst mit Seelenfeier, Predigt: Rabbinatskandidat Swarfenski. reiche evangelische, im Sinne des Humanilätsgedankens verfaßte Kirchenlieder in ihre Gesangbücher ausgenommen hätten. Wie weitherzig und vorurteilsfrei und gleichzeitig wie deutsch Israel Jacobson dachte, geht aus folgender Begebenheit hervor, die vor wenigen Wochen ein amerikanischer Gelehrter Dr. E n e l o w auf Grund der Urkunden, die im Archiv der Jacobson-Sttftung sich befanden, feststellte: Der Pastor einer deutschen evangelischen Gemeinde in Philadelphia, deren Kirche in Gefahr stand, gepfändet zu werden, weil das Haus infolge des Austritts der englisch gesinnten Mitglieder überschuldet war, wandte sich i. I. 1822 an Jacobson mit der Bitte um Beihilfe. Der evangelische Geistliche tat es nicht vergebens. Jacobson sandte nach Philadelphia eine namhafte Summe, nachdem ihm in einem huldvollen Schreiben der König von Preußen Friedrich Wilhelm III. — Jacobson wohnte damals in Berlin — hierzu die Erlaubnis erteilt hatte. Ich muß es mir heute versagen, andere Züge in dem Charakterbild dieses humanen und deutschen Mannes zu zeichnen. Es sei mir nur zum Schluß gestattet, eine Stelle aus einer Rede anzuführen, die der derzeitige Direktor der Jacobsonschule, Dr. Arnheim, vor 60 Jahren, nämlich am 17. Oktober 1868, gelegentlich der Schulfeier am 100. Geburtstag des Sttfters vor einer großen Versammlung hielt. Diese Stelle lautet: „Obgleich es ihn (Jacobson) betrübte, wenn er sich verkannt sah, wenn er Undank erntete, wo er mit vollen Händen Liebe gesäet hatte, so wurde er dennoch durch solche Erfahrungen in seinem Glauben an die Menschheit nicht erschüttert. Mit aller Macht bekämpfte er jene armseligen Verstandesmenschen, welche, des Glaubens an die Menschheit bar, die Tugend für einen hohlen Begriff, für ein tönendes Wort ohne Gehalt erachten, und mit dieser trostlosen Scheinweisheil die Leere ihres Herzens, das Uebermaß ihrer Selbstsucht decken. Jacobsons Wirkungskreis war die ganze Menschheit; in jedem Menschen sah er einen Bruder, und mit weisem Rat und hilfreicher Tat kam er jedem entgegen, ohne nach seinem Geburtsort, seinem Stand oder seinem Bekenntnisse zu fragen." f*8! f STOlbWERO^ /? billig, iDohlfchmeduind.% nahrhaft, jl Dies« Worte des Direktors Dr. Arnheim scheinen mir die Wesensart des Stifters unserer Schule nach allem, was mir aus der Lebensgeschichte dieser hervorragenden, kraftvollen Persönlichkeit bekannt geworden ist, treffend zu zeichnen. Sie kennzeichnen auch den Geist, in welchem vor 60 Jahren Leiter und Lehrer hier wirkten. Es ist — wie ich eingangs schilderte — der Geist, der von den großen Deutschen in Weimar ausstrahlte, der Geist der Versöhnung, der Menschlichkeit, der Geist der „Humanität".-- Möge dieser Geist an unserer Schule stets walten, möge er von unserer Jugend hinausgetragen werden in unser deutsches Volk, auf daß es sich zusammenschließe in gegenseitiger Achtung und Duldung, in Nntracht und Frieden, auf daß unser deutsches Vaterland wieder groß und führend werde auf allen Gebieten menschlicher Gesittung. «Vom Kampf gegen die jüdische Schule" In Nr. 28 der Jüdisch-liberalen Zeitung vom 13. Juli 1928 veröffentlichte ich einen „Offenen Brief an Herrn Dr. Oskar Cohn", der das frühere Verhalten des sozialdemokratischen Parlamentariers in der Schulfrage bei den Beratungen der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung seinem jetzigen Eintreten für die jüdische Schule in der Berliner Repräscntantenversammlung gegenüb erstellte. In dem Brief schrieb ich Herrn Dr. Cohn: „Sie müssen mitteilen, welche Bestimmung der deutschen Reichsverfassung die Grundlage Ihrer Forderung bildet; warum Sie diese Forderung in der Jüdischen Gemeinde und nicht bei den dafür zuständigen staatliche:: Stellen erheben; wie die von Ihnen geforderte jüdische Schule geführt werden soll; wie sie sich mit der sozialistischen Forderung der weltlichen Erziehung verträgt; wie sie mit Ihrem Verhalten im Verfassungsausschuß der Deutschen Nationalversammlung in Einklang zu bringen ist. Und Sie werden zumindest die Feststellung, daß die. von Ihnen geforderte jüdische Schule von der des Herrn Loeb völlig wesensverschieden ist, nicht Dritten überlassen dürfen, sondern selbst zu treffen haben." Trotzdem inzwischen 10 Wochen vergangen sind, hat sich Herr Dr. Cohn bisher zu den an ihn gerichteten Fragen noch nicht geäußert. In einer persönlicher: Rücksprache hat Herr Dr. Cohn das mit Arbeitsüberlastung motiviert; er hat mir ferner zugesagt, mich in Kürze wissen zu lassen, ob bezw. an welcher Stelle und in welcher Form er meine Fragen beantworten wird. Herr Steinhardt in Magdeburg geht nun in den Blättern für Erziehung und Unterricht (da diese Beilage des Hamburger Israelitischen Familienblattes in der Berliner Ausgabe nicht enthalten ist, gelangten sie erst verspätet in meine« Besitz) vom 6. September auf einen Satz meines „Offene« Briefes" in einem Arttkel unter obiger Ueberschrift ein. Er bringt die ja nicht gerade neuen Argumente für die jüdische Schule. Da er mich zu einer Entgegnung auffordert, könnt« ich die nicht minder bekannten Argumente gegen die Schaffung jüdischer Schüler: hier repetieren. Ich will mir das aber zunächst versagen. Denn vorerst scheint mir wichtig die Frage nach dem positiven Geallem den einzigartigen Aufstieg eines Verlagsunternehmens, dessengleichen die Geschichte des Buchhandels nicht kennt. Das billige gute Buch, wonach seit jeher der Leser verlangte und der Bücherfreund Ausschau hielt, das wohlfelle, im Preise erschwingliche Buch — der „Reclam"" hat es der deutschen Leserwelt gegeben. Im Jahre 1828 begründete Anton Philipp Reclam seinen Verlag in Leipzig, aber erst 1867 schuf rr die vielgerühmte Reclamsche Universal-Bibliothek, die seither ein Segen für die Deutschen in aller Welt geworden ist. Ws die erste Nummer der „Universal-Bibliothek" — Goethes „Faust" — zum Preise von 2 Silbergroschen in den Handel gebracht wurde, da rief dies bei allen Verlegern Deutschlands eitel Schrecken und Wirrnis hervor. Die Buchhändler erklärten samt und sonders, mtt seinen wohlfeilen Reclam- Bändchen richte Reclam sich selber und obendrein den gesamten deutschen Buchhandel zugrunde. Das Ergebnis aber war: Reclam blühte, und der deutsche Buchhandel mit ihm. Ansonsten hat jedes große Verlagsunternehmen sein Sondergebiet, auf dem es tätig ist und Gutes wirkt. Reclam hingegen hat fast alle geistigen Gebiete in seinen Wirkungskreis einbezogen; er brachte vieles und für jedermann etwas... Die Reclamsche Universal-Bibliothek war im vollsten Sinne eine Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, und ist es bis auf den heutigen Tag geblieben. Es versteht sich nachgerade von selbst, daß in Reclams Universal-Bibliothek, dieser umfangreichsten Verlagsbücherei der Welt, auch Schriftsteller und Gelehrte jüdischen Stammes zahlreich mit ihren Geistesprodukten vertreten sind. Der jüdische Geist hat ja im letzten Jahrhundert in allen Geistesbezirken, auf allen Gebieten von Literatur und Wissenschaft, auf dem Gefilde der Kunst ebenso wie im Höhenbereich der Philosophie, mit viel Fleiß und öfter mit schönem Erfolg mitgearbeitet und mitgewirkt. Diese Tatsache finden wir auch in Reclam beftättgt. In jeder Abteilung der Universal-Bibliothek, mithin auf jedem Literaturgebiet, begegnen wir Erzeugnissen von Juden. Viele bekannte Namen klingen an unser Ohr, Namen von gestern und von heute, dazu auch ftemde, fremdgewordene, halb und ganz vergessene Namen; aber in Reclams Universal-Bibliothek stehen sie alle beisammen in §uter Ordnung, als wären sie Glieder einer Familie. Der Literaturfreund freut sich ihrer in chrer Gesamtheit, wiewohl er sich nicht verhehlen kann, daß darunter viele der Vergangenheit angehören, mehrere in Bergessenhett geraten sind. und manche unverdientermaßen nicht mehr gelesen werden. Sie haben eben den Modernen und den Jungen, die Äenfalls in Reclam ausgenommen sind, Platz machen müssen. Interessant und in mancher Hinsicht auch lehrreich dürfte die Aufzählung derjenigen geistig schaffenden Juden sein, von denen das eine oder das andere Buch im Reclam erschienen ist. Berthold Auerbach, einst der meistgelesene Schriftsteller Deutschlands, ist in Reclams Universal-Bibliothek nur mit vier Schwarzwälder Dorfgeschichten vertreten. Bon dem einst nicht minder vielgelesenen Karl Emil Franzos ist bloß eine Erzählung „Die Hexe" erschienen. Von Ferdinand Lassalle wurde neben dem berühmten „Arbeiter-Programm" auch das fünfaktige Schauspiel „Franz von Sickingen" ausgenommen. Salomon Hermann Mosenthal, der Verfasser des Schauspiels „Deborah", hat mit seiner besten dramatischen Arbeit „Der „Sonnwendhof"" und drei Operntexten (darunter „Die Königin von Saba") seinen Platz im Reclam besetzt. David Kalifch, der Begründer des „Kladderadatsch", ist mit zwei köstlichen Possen vertreten. Von S. Kohn, dem Verfasser des „Gabriel", hat Reclam die „Prager Ghettobilder" herausgebracht. Von älteren Schriftstellern sind vertreten: Ludwig Geiger mit einer Chamisso-Biographie, Georg Brarwes mit einem Büchlein über Homer, Cefare Lombroso mit seinen berühmten Werken „Gmie und Irrsinn" und „Genie und Entartung" unb I. Stern mit einer vortrefflichen Spruchsammlung „Lichtstrahlen aus dem Talmud". Derselbe I. Stern hat auch die Hauptwerke Spinozas und dessen Briefwechsel in einer überaus gelungenen deutschen Uebersetzung in Reclams Universal-Bibliothek erscheinen lassen. Ferner finden wir im Reclam: das einaktige Lustspiel „Der Flüchtling" von Theodor Herzl, die Skizzensammlung „Seifenblasen" von Max Nordau, Humoresken, Lustspiele, Schwänke und Scherzgedichte von Oskar Blumenthal, urw die Schauspiele „Ahasver", „Ghetto" und „Die Hoffnung auf Segen" von Hermann Heijermans. Selbstverständlich wird in einer Universalbibliothek ein repräsentativer Schriftsteller wie Arthur Schnitzler nicht fehlen; Reclam bringt von ihm eine Novellensammlung unter dem Titel „Die dreifache Warnung"'. Ertragreicher ist die Auslese bei Ludwig Fulda; er ist in der Universal-Bibliothek mit sechs Lustspielen pertreteri. Heinrich Teweles, der ehemalige Direttor des Deutschen Lastdestheaters in Prag, letzthin bekannt geworden durch sei« Buch „Goethe und d:e Juden", ist mtt drei dtamarischen ArbeiM vertreten. Manuel Schnitzer, Herausgeber des „Buches der jüdischen Witze" und Bearbeiter talmudischer Legenden, hat zwei Bändchen Erzählungen „Wunderliche Lebensläufe" und „Die Korallen der Frau Dina Schöngart" im Reclam veröffentlicht. Bon dem Franzosen Henry Bernstein sind die Schauspiele „Bakkarat" und „Der Dieb", von dein Deutschen Max Bernstein die Lustspiele „Blau" und „Coeur-Dame" erschienen. Maximilian Bern hat eine umfangreiche An--- thologie „Deklamatorium" und eine Erzählung „Auf schwankem Grunde"' beigesteuert. Philipp Berges' „Amerikana", Humoresken und Skizzen, ist in sechs Reclam-Bändchen evschienen. Von der jüngeren Schriftstellergeneration sind in Reclams Universal-BMiothek vertreten: Arnold Zweig mit einem Novellenband „Gerufene Schatten", Stefan Zweig mit der Novelle „Angst" und dem Schauspiel „Der verwandelte Komödiant", Raoul Auernheimer mit dem dreiaktigen Lustspiel „Die große Leidenschaft", Hugo Salus mit „Nachdenklichen Geschichten"", Felix Salten mit einem Lustspiel „Schöne Seelen"", Georg Hirschfeld mit einem Novellenband und drei Theaterstücken, und Jakob Scherek, der Verfasser des Ritualmord-Dramas „Wahn"", mit einer humoristischen Erzählung „Die Doppelverlobung"". Von Felix Hollaender ist ein Büchlein „Der Pflegesohn und andere Novellen"", von Rudolph Lothar mehrere Lustspiele und Kriegsnovellen, von Georg Engel ein Schauspiel „Sturmglocken"", von Rudolf Hirschberg-Jura ein Roman „Hans im Glück"" und von Alexander Brody zwei Novellen „Schneewittchen" und „Jisbi Benob" im Reclam erschienen. Auch das von I. Mieses heraus gegebene „Buch der Schachmeisterpartien"" (5 Bände) soll nicht unerwähnt bleiben. Damit ist selbstverständlich die Liste noch lange nicht erschöpft. Es sind noch deren viele, die in diesem Zusammenhänge genannt zu werden verdienten, allein es würde den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen, wollten wir sie alle hier aufzählen. Wir möchten nur noch erwähnen, daß mehrere allere Nummern vergriffen, nicht wieder aufgelegt und nunmehr aus den Beständen der Universal-Bibliothek völlig ausgeschieden worden sind. So z. B. Moses Mendelssohns „Phädon", r— was sehr bedauerlich ist, da es das einzige Werk des atoßen Popularphilosophen war, das in Reclams Universal- Bchlivthek Aufnahme gefunden hatte.

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