Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 31 (3.8.1928)
- Date
- 1928-08-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Georg Bernhard Georg Bernhard, das neue Reichstags Mitglied für Potsdam I, dem bisher traditionellsten und konservativsten Wahlkreis, ist, wie kaum ein anderer, zum Vertreter des Volkes geschaffen. Er ist ein Meister des Wortes, gleichviel, ob des geschriebenen ober gesprochenen, und der Rhythmus aller echten Volkstribunen pulst in seinen Adern. Darum dient ihm die „Masse Mensch" auch immer als gefügiges Instrument, dem er Töne und Melodien eines Rattenfängers und Zauberlehrlings schier auf allen Straßen mit Virtuosität zu entlocken vermag. Ihm gehört immer das Ohr der Menge und er weiß den Herzschlag seiner Zeit stets hellhörig zu belauschen. Es ist selbstverständlich, daß die Laufbahn eines Mannes vom Schlage eines Georg Bernhard nicht eben glatt und wohlgeölt dahingehen wird wie die eines kavaliermäßig erzogenen Ritters oder auch nur eines saturierten Bürgers, der vom „gesicherten Leben" her seine Promenaden in die Welt unternimmt. Es ist auch nicht einmal zu verlangen, daß ein solcher ewiger Wanderer aus den vielverschlungenen Irrgänger: des Schicksals, ein Selfmademan, der nur zufällig „Fortunali Wunschhütlein" in seiner Tasche fand, ein behaglicher und behäbiger Konsequenzenmacher sein soll, der heute denkt, was er gestern wähnte, und der morgen noch die Meinung von heute für richtig fcefiiibert wird. Man vergesse nicht; erb- und eigentümliche Gesinnung ist der Luxus alt-eingesessener Patrizier, bodenständiger Patriarchen. Georg Bernhard aber ist weder ein Bürger, noch ein Patrizier — obzwar Titel und Würden, Auszeichnungen und Ehren seltener Art ihn heute zieren —: er ist vielmehr, wie er sich selbst zu nennen pflegt, ein Zigeuner, ein ewiger Vagant, einer von denen, „die die Wege lieben", ohne sich des Zieles im voraus gewiß zu sein. Es kann darum wohl auch nicht eben wundernehmen, daß sein Lebensweg kreuz und quer über den Teppich des Daseins führt, hie und da krause, dem Laien bisweilen irreführende Spuren zurücklassend. Am 20. Oktober 1875 geboren, einer kleinbürgerlichen Kausmannsfamilie entstammend, deren Vorfahren sich nur, ebenso wie der gegenwärtige Vertreter der Familie, durch eine außergewöhnliche, gleichsam nicht umzubringende körperliche und geistige Vitalität ausgezeichnet hatten, bezeigte der junge Georg Bernhard, dem ein ziemlich draufgängerisches, noch von wenig Hemmungen reguliertes Temperament eignete, eine ausgesprochene Neigung für wirtschaftliche Probleme. Er war Schüler des Sophien-Realgymnasiums und hörte später Kollegien auf der Friedrich-Wil- Helms-Universität zu Berlin. Am 18. September 1899 verehelichte er sich mit der aus der Ostmark stammenden damaligen Zahnärztin Fritze Mühsam, die ihm noch heut als treue und ehrgeizige Gefährtin seines Schaffens und seiner Erfolge zur Seite steht. Drei Kinder entsprossen dieser wahrhaft vorbildlichen Ehe. Die älteste Tochter Stephanie Ruth, genannt Stessa, die als Schauspielerin am Staatlichen Schau spiel Hause tätig ist und heute in ihrem 28. Lebensjahre steht, die nachgeborene Edith Eva Marie, die erst ihre sechzehn Lenze zählt. Einen Sohn, der zwischen den beiden Töchtern stand, hat der vielseitig begabte Vater leider in frühen Kindesjahren durch den Tod verloren. Bernhard trat in jugendlichem Alter als Lehrling bei der damaligen „Berliner Bank" ein, blieb dort 2i/2 Jahre in dieser Stellung, ehe er zum Buchhalter, Korrespondenten und Börsenvertreter der gleichen Firma ausrückte und ähnliche Funktionen auch für die Firma Siegmund Sternheim ausübte. Der kümmerliche, äußerlich unscheinbare Junge mit dem ungepflegten Wuschelkopf von Haaren, dessen heutige Vormachtstellung wohl damals noch niemand ahnen mochte, hatte gute, allenthalben umherflackernde Augen, hellhörige Ohren, ein treffliches Gedächtnis und eine noch trefflichere Kombinationsgabe, außerdem Fleiß und die Lust, sich überall, insbesondere hinter den Kulissen der Wirtschaft, umzutun, um wirkliche Einblicke in die Welt des Geschäftes und der Geschäfte zu erlangen. Er war ebensowohl heimisch in dem mächtigen Bezirk der Börse mit ihrem viel verzweigten Geäst ober- und unterirdischer Kanäle, als er es auch war auf dem ihm weniger wesensverwandten Terrain des Hausvoigteiplatzes, wo mancher kundige Großkausmann es nicht unter seiner Würde erachtet hätte, den betulichen, umsichtigen, in Personal- und Sachkenntnis kaum zu übertresfenden „Jungen Mann" für seine eigene angesehene Handelsfirma einzufangen. Aber nein: alle noch so lockenden kaufmännischen Angebote prallten an dem Famulus der Wirtschaft hartnäckig ab. Die Kenntnisse, die er scheinbar müßig flanierend aus den eifervollen Maklergesprächen, hie unb da auch als Brosamen aus den leiser geführten, seinem Ohre aber dennoch zugänglichen Konversationen der großen Finanzmagnaten, der Beherrscher der „Haute Banque", davontrug, ebenso wie das Idiom, das die „dii minorum gentium" des Hausvoigteiplatzes ungeniert vor den vermeintlich verständnislosen Ohren dieses scheinbaren Eckenstehers und Müßiggängers, dieses putzigen kleinen Kerlchens mit seinen altklugen Bemerkungen, führten, dünkten dem Jüngling, der ein Mann werden wollte, eine üppigere Nahrung und wichtigere Materie, als wenn er schon „gesettled" eine beneidenswerte Position innerhalb eines noch so angesehenen Firmenbereiches hätte einnehmen dürfen. Der unbeobachtete Georg Bernhard war selbst ein umso schärferer und unbestechlicherer Beobachter. Einen Teil der von ihm gesammelten Erfahrungen und ihre Folgerungen legte er, noch während seiner kaufmännischen Tätigkeit, in wirtschaftlichen Zeitungsartikeln nieder, die er unter dem Pseudonym „Gracchus" in der „Welt am Montag" veröffentlichte. Der „schäumende Most gebärdete sich noch sehr absurd", und seine Finanzkritik brachte einen bis dahin wenig gekannten, frischfröhlichen Angriffston in die Auseinandersetzungen mit Börse, Handel und Gewerbe, hinter dessen rechts und links nur so fliegenden Hieben sicher kaum jemand den schüchternen Börsensensal Georg Bernhard als Urheber vermutet hätte. Immerhin: Herr von Gerlach, der Chefredakteur der „Welt am Montag" fühlte sich weder durch den scharfen Ton seines neuen Mitarbeiters, noch durch dessen sozialdemokratische Gesinnung abgestoßen. Im Gegenteil: nachdem Bernhard sich als externer Mitarbeiter unter dem Pseudonym Gracchus mit sporadischen Beiträgen finanzieller Kritik die publizistischen Sporen erworben hatte, ging er ganz zu dieser:hm scheinbar homogenen Tätigkeit über. Er war nunmehr in seinem endgültigen Element, der Publizistik, gelandet. Vorüber-! 8ö,!e gehend trat er sogar in die politische Redaktion des stets extremistisch gesinnten Blattes über. „Wär ich besonnen, hieß' ich nicht der Tell!" Auch Georg Bernhard, immer gern vorstürmend und den vermeintlichen Gegner an der schwächsten Stelle packend, noch dazu nicht immer alle ihm zugetragenen Jnsormatiouen auf Treu und Glauben prüfend, verstrickte sich nicht selten in Konflikte und Prozesse, die sich zu Berliner „Causes celebres" auswuchsen, und in deren namhaftester Sache ihm ein dazumal politisch vielgenannter Verteidiger zur Seite stand, dessen stets bewiesener Loyalität willen trotz seiner politischen Gesinnung Gerichtshof und Staatsanwaltschaft hohe Ehre bezeigten. Unbeschadet aller öffentlichen Asfairen aber war die Berliner Journalistik auf das junge volkswirtschaftliche Talent doch allgemach sehr aufmerksam geworden. Leopold Ullstein, der den echten „flair" des Verlegers in seinen Fingerspitzen trug, veranlaßte den mittlerweile im Hauptberuf zum Handelsredakteur seines Blattes avancierten „Gracchus" oder „Plutus", alias Georg Bernhard, seine bisherige Stellung mit der eines Handelsredakteurs an der „Berliner Zeitung" zu vertauschen. Nach Studium der Volkswirtschaft und des öffentlichen Rechtes an der Berliner Universität wurde Bernhard Redakteur des volkswirtschaftlichen Teiles der „M o r g enp o st". Hauptsächlich berühmt aber machten ihn seine nationalökonomischen Wochenschauen in Hardens „Zukunst". 1903 fand der weithin schallende Kongreß der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im Trianon-Saal zu Dresden statt, wo der Diktator Bebel allen sporadischen Mitarbeitern die künftige Fortsetzung dieser Tätigkeit untersagte. Trotz allem Sträuben und Zähneknirschen: „Qui mange du pape, en meurt." Manche der sozialdemokratischen Publizisten, die nicht „nur" — wie Bernhard dauernd — an der „Zukunft", sondern auch an anderen bürgerlichen Zeitungen und Zeitschriften mitgearbeitet hatten, beugten ihren Nacken zornglühend unter das kaudinische Joch. Georg Bernhard war jung, zwar revolutionären Geistes, aber doch verwirrt und verworren und der suggestiven Gewalt, die von dem impetuosen Bebel aus- und auf ihn einströmte, hilflos preisgegeben. Er gab eine „Erklärung" ab, die beiden Parteien gerecht werden sollte und wollte und es naturgemäß keiner wurde. Die Sozialdemokraten von der strengen Observanz sahen den scheinbar Abtrünnige:: über die Achsel an und wollten selbst sein unverkennbares Talent nicht mehr in ihrem Dienste sehen; der blitzeschleudernde Jupiter im Grunewald aber, den schon der Schatten eines Verrates in seine Donnerwolken gescheucht hatte, wußte nichts als eitel Haß und Verachtung dem eigentlich unfreiwillig Gedemütigten ins Antlitz zu speien. (Obwohl Harden gewiß der letzte war, der immer nur Treue um Treue, Liebe um Liebe gewechselt hätte.) Und dabei hatten die unter dem Pseudonym „Plutus" gezeichneten volkswirtschaftlichen Beiträge sicherlich viel zur Verbreitung der „Zukunft" und ihrer interna tionalen Bedeutung beigetragen. Gleichviel: Im Jahre 19 03 hieß es für Georg Bernhard kurzerhand: Was nun? Was tun? Er, der, um freie Hand für seine sozialdemokratische Tätigkeit zu gewinnen, aus der wohlbestallten Stellung im Ulssteinhaus ausgeschieden war, hatte nunmehr einen genialen Einfall, — ähnlich wie Harden — eine eigene kritische Zeitschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen ins Leben zu rufen, deren Charakter von seinen eigenen, vordem eben in der „Zukunft" veröffentlichten finanzkritischenAufsätzen gekennzeichnet ward. Die Zeitschrift hatte enormen Erfolg, aber sie hatte auch eine Folge, nämlich ihn dank Meinungsverschiedenheiten, besonders in ökonomischen Fragen, von seinen ehemaligen Freunden und Genossen, den unversöhnlichen Sozis, endgültig zu trennen. Im Jahre 1908, wo sein volkswirtschaftlicher Ruf und Drang, dank den mittlerweile verbreiteten Jahrgängen des „Plutus", ebenso unbestreitbar wie unbestritten war, wurde er zurückgerusen zum Verlage Ullstein, der ebenfalls unterdessen gewaltige Dimensionen angenommen hatte Er wurde sogen. Verla^sdirektor der „M o r - gen post", der „B. Z. am Mittag" sowie der mannigfachen, dem Unternehmen sonst noch eingegliederten Schöpfungen mehr. Dank der ihm eigenen Ubiquität, fand er, trotz einer schon dazumal atemraubenden journalistischen Und verlegerischen Inanspruchnahme, immer noch die Zeit, an der Berliner Universität mehrere Semester Kollegien der Staatswissenschaft zu belegen, ferner in dem Seminar von Adolf Wagner und späterhin in dem kriminalistischen Seminar des Professors Franz von Liszt sein einschlägiges Wissen zu erweitern und auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Anläßlich der Uebernahme der „V o s s i s ch e n Z e i t u n g" — des herkömmlichen politischen Blattes des gebildeten Berliners — gab er seine Tätigkeit als Verlagsdirektor ans und wurde Chefredakteur der ältesten Berliner Zeitung. Jahrhunderte der Entwicklung, langsamen und stetigen Wachstumes, eines reichen Wissens und einer unantastbaren Vornehmheit der Gesinnung lagen hinter dem neuen Mann. Er war der Mann des kommenden Jahrhunderts, der uns nach Niederlage und Niedergang mehr und mehr überwuchernden A m e r i k a n i s i e r u n g. Er hat während des Krieges seine politischen Meinungen oft und elastisch gewechselt. Aber wir sagten ja schon, ein Mann wie Georg Bernhard, der am wahrhaft „sausenden Webstuhl der Zeit" sitzt, die vieltausendpferdige Dynamik eben dieser Zeit in sich erspürt oder — sofern Atavismen sich noch hindernd vor ihm aufrichten — wenigsten zu verkörpern ersehnt; ein solcher Mann kann und soll kein Konsequenzenmacher sein. Die Patina der Geschichte war ihm Hekuba. Konnte es sein. Ihn haben der jüngste Rekordbrecher oder die Laune eines schönen amerikanischen Girls, wenn es gut geht, auch die Primadonnenlaunen einer Josephine Baker zu interessieren. „Tempo — Tausend", wie eine Revue sich macht. Während des Krieges vertrat er ursprünglich die Annexionspolitik der O.H.L., mit der er stets auf bestem Fuß stand. Dann, als das Blättlein anftng, sich zu wenden, galt er als der intellektuelle Urheber der K o n - tinentalpolitik. Undnachher? Undwiederum nachher?Und gestern? Und heute? Und morgen? Unerforschlich heißen die Wege eines Gottes. Unersorschlich müssen von rechts wegen auch die Wege jedes Schöpfers sein. Georg Bernhard hat viel Staub'und Moder weggekehrt, und zwar mit eisernem Besen. Eiserne Besen aber pflegen nicht immer rücksichtsvoll zu sein und. zuweilen auch Wertvolles zu vernichten. Aber, die Franzosen haben das richtige Sprichwort: „On eft toujours l e r e a c t i o n n a i r e d e q u e l'q u'u n". Warum sollte das Gesetz um eines Georg Bernhard willen von der ewig vorwärtsrollenden, niemals rückläufigen Entwicklung eine Ausnahme machen? Der Erfolg jedenfalls — des In- und Auslandes — gibt Georg Bernhard recht. Und niemals wird ein Erfolg ohne Leistung, ohne ein Ja des großen, des größten Schöpfers errungen. Möglich, daß auch hier das Wort zutrifft: „Wie sich Verdienst und Glück verketten, Das fällt dem Toren niemals ein." Nun, man müßte schon sehr töricht sein, wenn man die Erfolge eines Georg Bernhard einzig auf das Konto Glück verbuchen wollte. Es freut uns, gerade uns, anzuerkennen, daß an diesen Erfolgen sehr viel Verdienst hängt und daß auch das Wort,, der Antike aus Bernhard Anwendung findet: „Vor die Tugend haben die Götter den Schweiß gesetzt." Georg Bernhard hat außer den zahlreichen, noch heute lesenswerten Zeitschriften des „Plutus", die er im Jahre 1925, gemeinsam mit Schwarzschild in das „Magazin der Wirtschaft" aufgehen ließ, sinanzkritische Werke von verschiedenartigem Wert geschaffen. „Die Warenhaussteuer, ein wirtschaftlicher Unfug" (1900), „Krach, Krisis und Arbeiterklasse" (1901), „Armes, reiches Rußland" (1905), „Strafgesetzlicher Einfluß auf die Entwicklung der deutschen Industrie" (1906), „Uebcrgangswirtschaft" (1918), „Probleme der Finanzreform" (1919), „Demokratisches Wirtschastsparlament" (1920), „Steuergemeinschaft" (1921). Georg Bernhard ist nicht nur Chefredakteur der „Vossisch en Zeitung" zu Berlin, sondern auch Professor an der Handelshochschule von Berlin, Mitglied des Reichswirtschastsrates, Mitglied des Reichstages, er ist Vorsitzender des Vereins Berliner Presse, Vorsitzender des Reichsverbandes der deutschen Presse und steht auch in Genf innerhalb der im Völkerbund vereinigten Journalisten an führender Stelle. Außerdem ist er Vorsitzender der Deutschen Demokratischen Partei und findet neben dieser Fülle von Aemtern und Ehrenämtern, denen er mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit nachkommt, Muße und Sinn für die Erhaltung der g l aubensgenössischen Interessen. Er ist Mitglied im Vor stände des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, gehört dem „P r o - P a l ä st i n a - K o m i t e e" an und betätigt sich noch für den Verband der Gesellschaften zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden, „O r t" genannt, deren Zweck die sozialwissenschaftliche Umschichtung der Juden vornehmlich in Osteuropa durch Handwerk und Landwirtschaft ist. Er redet viel und often über, die Erhaltung des Judentums und sucht sich solchergestalt auch um die Interessen seiner engeren Glaubensgemeinschaft rühmlichst verdient zu machen. Wer bloß diesen slücht:gen Schattenriß einer Persönlichkeit durchmessen hat, der w:ro mit Fug bekennen, daß hier „Verdienst und Glück" sich zum mindesten d:e Wage halten und daß schon v:el saurer Schweiß geflossen sein muß, um so viel „Tugend" (l:eß: Fleiß) zu belohnen. Wenn wir dann noch w:ssen und hinzufügen, daß Georg Bernhards. einer der l:ebenswürdMten, .unermüdlichsten Ge sellschafter ist, der ledern Salon zur Zierde gereicht, ebenso wie sein eigenes Haus einen Mittelpunkt rnternationalen und geistig anregenden Verkehrs darstellt, so werden w:r, Wohl keinen Zug dieser in so jungen Jahren schon aus so steüer Höhe angelangten, gewinnenden Persönlichkeit vergessen. Doris Witt ner. | * | Briefkasten | *ij 444444444444444444444444444444444»♦♦♦4444444444444444444»444 P. R. i« Hamburg. Wir haben den außerordentlich flachen Aussatz „C.-V.-Wissenschaft" von Dr. Ernst Simon in der „Jüdischen Rundschau" vom 27. Juli gelesen. Die darin erwähnten zwei Aussprüche Gabriel Ricßers stehen miteinander durchaus nicht, wie von Simon behauptet, in innerem Widerspruch. „Bietet mir mit der «inen Hand die Emanzipation, auf die alle meine innigsten Wünsche gerichtet sind, mit der anderen die Verwirklichung des schönen Traumes von der politischen Einheit Deutschlands mit seiner politischen Freiheit verknüpft, ich würde ohne Bedenken die letztere wählen; denn ich habe die feste, tiefste Ueberzeugung, daß in ihr auch die erste enthalten ist." Diese Aeußerung geht auf die deutsche Jndenheit, deren Emanzipation Rießer durch eine allgemeine politische Freiheit sichergestcllt sicht, so daß er hier die allgemeinen deutschen Interessen voranstellt, und zwar ohne deshalb die jüdischen Interessen zurückzustellen, die er in den deutschen eingeschlossen weiß. „Wertvoller als das volle Bürgerrecht ist den Juden ihr höchster Besitz: das Judentum" — hier ist vom Juden tum die Rede, von der jüdischen Religion, an der die Juden nach Rießers Meinung festhalten würden, auch wenn ihnen das volle Bürgerrecht alsdann wegen ihres Judentums versagt bliebe. — Gabriel Rießer wußte Judentum und Jndenheit zu unterscheiden; die Zionisten wissen das nicht, wofür Simons Aufsatz ein typisches Beispiel ist. Zur Strafe für seine größere Klugheit muß sich der tote Rießer heute von einem nichts weniger als lebendigen Zionisten mittelmäßig schelten lassen. Vereinsnachrichten Der Verein der Graetzer in Berlin veranstaltet am 18. August eine gemeinsame Fahrt nach Graetz. Graetzer, die sich dieser Reise anschließen möchten, um die Gräber ihrer Angehörigen zu besuchen, wollen sich bis spätestens den 8. August an die Geschäftsstelle des Vereins der Graetzer, W 62, Lutherstraße 10 melden. Abfahrt von Berlin abends 9 Uhr. GeschästUches. Der diesjährige Saison-Ausverkauf des Schuhwarenhauses Carl Stiller, der schon von vielen Kreisen seit langem erwartet war, hat gestern begonnen. Riesige Käuferscharen fanden sich schon in den frühen Morgenstunden in den bekannten Stiller-Geschäften ein, so daß teilweise wegen Ueberfüllung geschlossen werden mußte. Wieder ist der Saison- Ausverkauf von Stiller eine große Sensation, denn die fabelhaft billigen Preise, die die vielen Schaufenster für erstklassige Qualitätswaren ausweisen, übertrefsen tatsächlich .alles bisher Dagewesene. Rücksichtslos sind die Preise in allen Abteilungen herabgesetzt. Nicht nur Rest- und Einzelpaare sind im Preise wesentlich ermäßigt, sondern auch hochwertige Saisonware. Die enormen Preisermäßigungen ermöglichen es auch bei bescheidenster Geldbörse, in diesem Saison-Ausverkauf hochwertige Schuhe zu billigen Preisen einzukaufen. Jeder, der jetzt oder in absehbarer Zeit Schuhe einzukaufen beabsichtigt, wird daher gut daran tun, diese einzigartige Gelegenheit wahrzunehmen. Im übrigen verweisen wir auf das heutige Inserat der Firma an anderer Stelle in dieser Zeitung.