Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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-geräumt sein. Das jüdische Kulturgewissen soll hier den Besuchern, die aus aller Welt kommen werden, vorgesührt werden. Welchen gewaltigen Anteil die Juden aller Länder an der Presse haben, braucht nicht näher ausgeführt zu werden. Aber nicht darum handelt es sich hier. Vielmehr soll hier die spezifisch jüdische Presse gezeigt werden, die Presse, die jüdische Interessen, jüdische Ideale verficht. Es ist kein Zufall, daß so viele Juden sich der Journalistik widmen; nicht wirtschaftliche und soziologische Momente allein sind hier wirksam, es handelt sich vielmehr um eine tiefinnere Veranlagung. Denn was macht den wahrhaften Journalisten? Daß er in dem aktuellen Tagesvorgang das Dauernde, ja das Ewige sieht, daß er das Einzelne im Zusammenhang mit dem Ganzen, mit allem Vorausgehenden und Folgenden erblickt. Diese Art, die Dinge anzuschauen, ist nicht allein intellektuell, sie ist vor allem eine moralische Fähigkeit, sie ist der Wille zur Verantwortung. Und auf das Moralische kommt es vor allem beim Journalisten an, aus dem Moralischen quillt ihm erst seine literarische, seine künstlerische Kraft. Dies der eigentliche ideale Journalist. Und solche Journalisten hat der jüdische Genius vor mehr denn 2Vs Jahrtausenden hervorgebracht, er zuerst in der ganzen Welt. Die jüdische Prophetie ist Journalistik höchster und idealster Potenz. Herder, der für diese Dinge das feinste Gefühl besaß, hat einmal die Propheten „patriotische und göttliche Demagogen" genannt. Hätte er in unserer Zeit die Macht der Presse erlebt, er würde sie „göttliche Journalisten" genannt haben. Denn es ist Journalistik allerhöchster und unübertroffener Art, wenn sie die religiösen, die politischen, die sozialen, die wirtschaftlichen Zustände ihrer Tage zum Gegenstand ihrer ewigen Reden machen. Man darf sie nicht in eine Reihe stellen mit den Stadtpolitikern von Hellas, mit den Volkstribunen Roms, die doch nur ein Amt führen. Die Propheten aber haben eine Mission, die sie freiwillig übernommen haben, d. h. aus innerster Notwendigkeit, der Stimme Gottes, der aus ihrem Gewissen sprach, folgend, und das Gewissen tnacht den Journalisten! Und grandiose Journalistik ist es auch, was der Jude Saulus, der große Apostel Paulus in seinen Episteln bietet. Es handelt sich nicht darum, diese Linie hier weiter zu verfolgen. Es kommt nur auf die Feststellung an, daß die Journalistik zu den Merkmalen des jüdischen Genius gehört. Und es ist ganz folgerecht, daß die Juden, sobald sie am europäischen Kulturleben teilnehmen konnten, mit ganzer Hingabe sich der Journalistik zuwandten. Unter den Begründern der modernen deutschen Journalistik stehen in allererster Reihe die beiden Juden Börne und Heine. Und ist es nicht wie ein ironischer Witz preußischer Geschichte, daß der Begründer der hochkonservativen Preußischen Kreuzzeitung der getaufte Jude Friedrich Julius Stahl war? Und zu gleicher Zeit ließ Lassalle seine Gewitter grollen, in denen Rhetorik und Journalistik wundersam verschmolzen. Mit der allgemeinen Aufwärtsentwicklung der Presse setzt aber auch die Entstehung der spezifisch jüdischen Presse ein, die also vom jüdischen Standpunkte aus berichtet und urteilt, die nicht bloß jüdische Angelegenheiten in den Kreis ihrer Betrachtung zieht, deren Feld vielmehr die weite Welt ist. Man kann die Anfänge der jüdischen Presse bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen, ein stärkerer Antrieb aber macht sich erst geltend, als die Inden um die Wende des 18. Jahrhunderts sich der europäischen Kultur anzuschließen beginnen. Und hier, wie zu derselben Zeit auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums, fällt dm deutschen Juden eine führende Rolle zu. In dem Kreis der Jünger des großm Moses Mendelssohn entstand zuerst der Gedanke einer Zeitschrift in hebräischer Sprache, die den Namen „Hameassef" (Der Sammler) erhielt. 1785 erschien das erste Heft dieser Zeitschrift, deren Ziel die Verbreitung der Aufklärung unter dm Juden und die Förderung des literarischen Geschmackes und Stiles der hebräischen Sprache war. Mehr als ein halbes Jahrhundert später beginnt dann die Zeitung zu erscheinen, mit der die moderne jüdische Presse einsetzt: die „Allgemeine Zeitung des Judentums", die 1837 von Ludwig Philippson begründet wurde. Diese Wochenschrift war, für die damaligen Verhältnisse, schon eine Zeitung großen Stils. Bon einem hohen jüdischen Standpunkte aus wurden hier die großen politischen Vorgänge, die Fragen der jüdischen Gemeinschaft betrachtet, ein literarischer und wissenschaftlicher Teil sorgte für Unterhaltung und Belehrung, Korrespondenzen aus aller Welt gaben einen Ueberblick über das ganze Judentum. Sein bester Mitarbeiter aber war Philippson selbst; er war ein echter Journalist, wie er oben als idealer Typus geschildert ist, und wußte seine Leser wirklich zu führen. Fast zwei Menschenalter hindurch, solange Philippson selbst die Zeitung leitete, behauptete sie eine führende Stellung, war das Muster und Vorbild aller später entstehenden jüdischen Zeitungen und fand ihre Leser in der ganzen Welt, wo nur Juden wohnten, ganz besonders in der gebildeten Oberschicht der Ostjuden, bevor diese ihre eigene Presse entwickelt hatten. Zwanzig Jahre nach der Allgemeinen Zeitung des Judentums hat man auf dem Gebiete der jüdischen Presse ein weiteres folgenreiches Ereignis zu verzeichnen: 1857 beginnt in der kleinen ostpreußischen Grenzstadt Lyck eine Wochenschrift in hebräischer Sprache zu erscheinen, „Hamaggid" (Der Bote), dessen Herausgeber der russische Jude L. Silbermann war. Das Blatt, das formal nach dem Muster der Allg. Ztg. des Judentums aufgebaut war, gewann bald große Verbreitung. Vor allem wurden dadurch die breitesten Schichten des gesamten Judentums, insbesondere der Ostjuden, die ja zum großen Teil des Hebräischen mächtig sind, erfaßt. Auf diesen Grundlagen entwickelte sich nun in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in immer steigendem Maße die Mische Presse. Es entstehen zahlreiche Organe in deutscher, in hebräischer, in französischer, in englischer, in russischer, vor allem aber in jiddischer (oder richtiger: in jüdischdeutscher) Sprache. Es gibt Wochenschriften und Monatsschriften, und bald auch große Tageszeitungen. Es ist natürlich sehr schwierig, auf diesem Gebiete absolut sichere Statistiken aufzustellen, aber eine annähernde Berechnung ergibt, daß in der Zeit von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zur Gegenwart etwa 6000 jüdische Zeitungen schienen sind, und es ist selbstverständlich, daß der größte Teil dieser Zahl der unmittelbaren Gegenwart angehört. Die jüdische Presse präsentiert sich in etwa 35 Sprachen, darunter alle großen Kultursprachen, dann weiter hebräisch, jüdisch-deutsch, spa niolisch, d. h. das Idiom, das die vor vier Jahrhunderten aus Spanien vertriebenen und im Orient angesiedelten Juden sprechen, ein Dialekt von ausgesprochen spanischem Gepräge, das sich aber zu dem eigentlichen Spanisch verhält, wie das Jüdisch-deutsche zum Hochdeutschen. Weiter aber gibt es jüdische Presse in arabischer, bucharischer, grusinischer Sprache, ja sogar in einigen indischen Dialekten. Bon besonderer Wichtigkeit ist offenbar die jiddische (jüdisch-deutsche) Presse, die mit rund 1200 Organen an der Spitze aller jüdischen Zeitungen steht. Das ist weiter nicht mervvürdig, wenn man bedenkt, daß dieser Dialekt die Mutter- und Umgangssprache von vielen Millionen Oftjuden ist, die, als sie ihre Heimat verließen, ihre Sprache Mitnahmen, und so kann man denn jetzt das Jüdisch-Deutsche in der alten Welt vernehmen von Stockholm bis Kapstadt, von London bis Jerusalem. Es ist ein wahrhaft internationales Idiom, und dem entspricht auch die Entwicklung der Presse: überall, wo sich die Ostjuden neu angesiedelt haben, ist auch! die jüdisch? deutsche Presse zur Stelle, und es ist ein eigentümliches Gefühl, wenn man z. B. Paris durchstreift und im Zeitungskiosk aus der Place de la Bastille ein Pariser jüdisch-deutschjes Tageblatt ausliegen sieht. Hic et ubique (hier und überall^ möchte man mü Prinz Hamlet ausrufen. Ihre Hauptpfleaestätte neben dem Osten, wo sich besonders stark die jüdisch-deutsche und hebräische Presse entwickelt hat, hat die jüdische Presse in Amerika gefunden. Tie Bereinigten Staaten mü ihren 31/2 Millionen Juden sind jetzt eines der großen Judenländer der Welt, und die jüdisch« Presse in englischer, jüdisch-deutscher und hebräischer Sprache hat sich in staunenswerter Weise entwickelt. Eine annähernde Statistik der jüdischen Presse nach den wichtigsten Sprachen ergibt folgende Resultate: Jüdisch-deutsch 1200, englisch 549, deutsch 513, hebräisch 474, russisch 205, italienisch 129, französisch 107, spanisch 105, polnisch 54, holländisch 48, arabisch 30. Dieser zahlenmäßig so großen jüdischen Presse hat es auch nicht an großen journalistischen Talenten gefehlt, namentlich innerhalb der hebräischen Publizistik. Wir denken dabei an den unvergeßlichen Perez Smolenski, der vor einem halben Jahrhundert in der von chm heraus gegebenen epochemachenden Monatsschrift „Haschachar" (Ter Morgenstern) kulturpolitische Abhandlungen veröffentlicht hat, die, in einem anderen Milieu geschrieben, ihm journalistischen Weltruf verschafft hätten. Wir denken an Achad-Haam (Ascher Ginzberg), den im vorigen Jahre verstorbenen, den jüdischen Publizisten par excellence, der sich durch etwa 40 Aufsätze als Frucht eines langen arbeitsreichen Lebens die Unsterblichkeit gesichert hat, an Bialik, der nicht nur ein großer Dichter, sondern auch ein Journalist größten Formats, an F r i ch s m a n n, der ein Essayist ersten Ranges ist. Tie jüdische Presse ist nicht, wie Außenstehende es vielleicht annehmen möchten, ausschließlich religiöser Natur. Sie ist innerhalb des Makrokosmos der Weltpresse ein Mikrokosmos, ein Aulom Koton, eine in sich vollständige kleine Welt. Nichts Menschliches ist ihr fremd: sie hat alle Richtungen, alle Strömlingen, alle Farben, alle Nuancen der großen Weltpresse. Sie ist religiös, national, politisch, soziologischkulturell, literarisch, ästhetisch — wie die Forderung des Tages es verlangt. Sie zeigt alle Uebergänge von uicerbütlicher Orthodoxie bis zum skeptischen Atheismus, vom bürgerlichen Kapitalismus über Sozialismus, Kommunismus bis zum ausgesprochenen Bolschewismus, vom abgeschlossensten Nationalismus bis zum umfassendsten Weltbürgertum. Alles, was das Judentum unserer Zeü bewegt, hat in der jüdischen Presse Stimme und Sprache gefunden, und es bleibt nicht Druckerschwärze auf Holzpapier, es drängt zur Wirklichkeit, zur Tat, zum Leben. Und so wird denn die jüdische Abteüung der Pressa ein Spiegelblld werden des jüdischen Lebens unserer Zeü, das der Mitwelt gezeigt werden soll. Und daraus ergibt sich für das All-Judentum ohne Unterschied der Richtungen, der Länder, eine bestimmte Aufgabe, ja eine kategorische Pflicht: Dazu beantragen, daß diese Schau würdig ist der jüdischen Bergangcnheü, Gegenwart und Zukunft. Es geht um die jüdische Ehre. Vom 9. Verbandstag der jüdischen Lehrervereine in München. Bon Lehrer M. Abraham, Berlin. (Schluß.) Die beiden Referate von Neuhaus und Rülf hatten einen so tiefen Eindruck auf die Versammlung gemacht, daß aus Antrag Auerbach-Berlin mit großer Mehrheit beschlossen wurde, von einer Diskussion abzusehen. Nur den Vertretern anderer Organisationen wurde das Wort erstattet. S ch w a r z s ch i 1 d - Frankfurt a. M., vom Verband der Jüdischen Jugendvereine, zeigt sich ergriffen von dem starken Optimismus der beiden Referenten, hält es aber für seine Pflicht, daraus hinzuweisen, daß dem lichtvollen Bilde, wie es besonders Neuhaus gezeichnet habe, auch etwas Schatten nicht fehle. Es erwachse die Ausgabe der Wiedergewinnung der Jugend zur Geistigkeit, der Wiedergewinnung der jüdischen Massenmenschen. Das entscheidende Alter ist die Zeit, in der der junge Mensch der direkten erziehlichen Beeinflussung entzogen ist. Judentum und Religion ist nicht ohne weiteres gleichzusetzcn. Verständnislosigkeit und Unkenntnis des Judentums führt zur Antwortlosigkeit. Der Redner gab sich der Hoffnung hin, daß bald die Zeit kommen wird, wo auf die Frage des Wächters: was ist an der Zeit? von der Jugend her die Antwort kommen wird: .Higgia s'm an schel schacharis, das Frührot einer besseren Zeit ist angebrochen. Frau C l c rn e ntinc Krä m er- München findet, das; in den Referaten an die suchende Frau vergessen worden sei. Sie schildert die Arbeit des Jüdischen Frauenbundes zur Gewinnung und Beschützung der jungen Menschen. Frau Jda B l u m e n st e i n - München hat mancherlei am jüdischen Religionslehrer auszusctzen. Nach dem Schlußwort des Referenten R n l f wird die Erklärung beschlossen, daß die Versammlung den beiden Referaten nach Geist und Inhalt zustiinmt und daß cs ermöglicht werden soll, diese wie die beiden anderen Referate der Ocffentlichkeit durch Drucklegung zugängig zu machen. Nachgetragen sei, daß dem Referat Dr. Bambergers über „Die jüdische Schule in ihrer Bedeutung für das jüdische Leben in Deutschland" solgende Thesen zugrunde gelegt waren: 1. Die jüdische Schule erzieht jüdische Menschen auf Grund der jüdischen Seele (Bewahrung vor Vergiftung der jüdischen Seele im jugendlichen Alter .mit all den häßlichen Folgeerscheinungen für Charakter usw.). 2. Sie pflegt den sozialen Gedanken im Sinne des jüdischen Schrifttums. 3. Sie vermittelt positive lebendige Kenntnisse jüdischen Inhalts und Erlebens. 4. Die jüdische Schule pflegt eine harmonische Verbindung von Judentum und Deutschtum: Klarstellung des gegenseitigen Verhältnisses in ruhiger Atmosphäre. 5. Harmonische Entwicklung der Individualität und Persönlichkeit des jüdischen Kindes; Aufhebung der inneren Zwitterstellung; Judentum und Deutschtum im Leben des deutschen Juden. 6. Einflußnahme aus die Berusstvahl der Jugend (Berufsumschichtung). Die nichtöffentlichen Seschäftssitzunge«. Es fanden zwei statt. Die vorgelegten Satzungen lourden genehmigt. Der neue Vorstand setzt sich zusammen aus: Stern- Berlin, Vorsitzender; Dingselder -München und Steinhardt -Magdeburg, Stellvertreter; Abraham-Berlin, Geschäftsführer; ferner I. B. L e v y - Frankfurt a. M. und P e r i tz - Königsberg und dem Ehrenvorsitzenden des Verbandes, Feiner- Hamburg. Es wuvde beschlossen: eine Zentralhilfskasse in Anlehnung an die A ch a w u - Frankfurt a. M. zu gründen; eine Iugendschristcn- und pädagogisch-wissenschaftliche Kommission cinzusctzen; einen sozialen Ausschuß bei der Zentralwohlsahrtsstcltc der deutschen Juden zu errichten; weitere Angelegenheiten dem Ausschuß zur Behandlung zu übergeben. # Der Dienstag-Abend vereinigte die meisten Gäste mit vielen Mitgliedern der Münchener Gemeinde zu einem durch zahlreiche ganz vortreffliche Vorträge auch in oberbayerischcr Mundart verschönten Bierabend und nach beendeter Tagung fuhren viele Interessierte nach Wolsratshauscn hinaus, um unter Dingsclders Führung das dortige bekannte Ferien- und Erholungsheim zu besichtigen. Berbandstag des Jüdischen Lehrerverbandes in Preußen. Vor Beginn der Tagung des Reichsverbandes hielt der Jüdische Lehrerverband in Preußen seine erste Delegiertcnsitzung ab, voni frühen Morgen bis in die Abendstunden. Der Verbandsvorsitzende Stern-Berlin begrüßte die beiden neuen Mitgliedsvereine: die Israelitische Lehrerkonscrenz Hessens und den Israelitischen Lehrer verein in den Rabbinatsbezirken Emden-Oldenburg-Brcmen und er stattete den Geschäftsbericht, der alle wichtigen Fragen berührte; so die Stellung des Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden zu den Forderungen der Lehrer, die Lehrerbildung, die Vorbereitungsanstaltcn, die Stellung der Lehrer in den Kleingcmcinden, die Rabbi nats- und Schulbezirke, die Hilfskasscn. Es folgte eine eingehende Diskussion und dann wurden folgende Entschließungen angenommen: Zur Frage der Schul- und Rabdinatsbezirke (Lcvy - Frankfurt a. M.): Ter Verband erklärt sich für die Anstellung von Lehrern in Kleingemcinden nur unter der Voraussetzung, daß ihre völlige materielle Sicherstellung seststeht, hingegen fordert der Verband im Interesse der Erhaltung des Judentums aus dem stachen Lande dringlichst die Anstellung von nur ordentlich vorgebildcten Bezirkslehrern. Zur Frage der Lehrerbildung (Dr. G u t m a n n - Berlin): Ter Lehrerverband spricht sich gegen alle Bestrebungen aus, die zum Ziele haben, den Religionslehrern eine der Bildung der Bolksschullehrcr und -lehrerinnen gegenüber minderwertige Bildung zu geben. Zur Frage der Hilsskassen: Nachdem der Landesverband in dankenswerter Weise die Besoldungsfrage der Lehrer in Angriff genommen hat, erhebt sich die wichtige Frage der Sicherung der A n st e l l u n g s - it n d V e r s 0 r g u n g s ve r h ä l t n i s s e. Angesichts der in letzter Zeit häufiger austretenden K ü n d i - gungen unter nichtigen Vorwänden stellt der Verband die Forde rung, daß alle Lehrer, die auf Grund eines Privatvertrages angestellt sind, in Bezug auf Besoldung, Anstellung, Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung den Lehrern im üsfentlichen Schuldienst g l e i ch g e st e l l t werden. Die Versorgungsfragc der jüdischen Lehrerschaft kann endgültig nur durch Schaffung einer selbständigen R e ch t s p e n s i 0 n s k a s s r beim Landesverband nach Art der öffentlichen Provinzialruhegehalls-, Witwen- und Waisenkassen gelöst tverden. Der Lehrerverband sieht in der Sicherung der Zukunft der Beamten die Grundlage seiner beruflichen und sozialen Stellung und erwartet vom Landesverband dre höchste Aufmerksamkeit für diese Lebensfrage des Gesamtjudentums. » Berichtigung zu den in der vorigen Nummer erschienenen Ausführungen. Dingfelder hat natürlich nicht das Stiftszelt der „Mustre", sondern der Wüste gemeint. Feiner, der Ehrenvorsitzende des Verbandes, ist noch immer nicht „Rabbiner", sondern nur Rektor. Selbst die Fachgelehrten werden vergeblich nach der Bedeutung des neuen medizinischen Terminus „Koschus" forschen, während es doch bloß „Leidens" heißen soll. Nicht der Gegensatz zwischen den einzelnen „Schulen", sondern zwischen den einzelnen Schülern, so meint Dr. Bamberger, wird sich auch in der jüdischen Schule zeigen. Die Forderung des Judentums für die Gestaltung des öffentlichen Lebens Ein erfreulicher Beschluß des Rabbiner-Verbandes. Ter Rabbiner-Verband in Teutschland wird am 29. urü) 30. Mai in Berlin seine satzungsgemäße Hauptversammlung abhalten. Die Sitzung soll in ihrem nichtgeschästlichen Teil unter dem einheitliche Gesichtspunkt „Die Forderung des Judentums für die Gestaltung des öffentlichen Lebens" stehen. Ein Referat über den Sabüathgedanken wird diesen Teil der Tagung einleiten; es sind dann ferner vorgesehen Referate über „Wirtschafts-Ethik", „Bodenreform" uttb „Bevölkerungspolitik". Für die Wahl des die Tagung beherrschenden Themas war der Gedanke maßgebend, daß, das religiöse Judentum nicht darauf verzichten darf, eine Ordnung des gesamten Lebens anzustreben, und nicht darauf verzichten darf, seine Stimme zu erheben mü) in dem Chaos unserer Tage vcn seiner Idee aus, Gestaltung zu versuchen. Werbt neue Mitglieder! Kalendarium f. die Zeit v. 14. b. 21. Zan. 28 Januar 192(, | Tewrs 5688 Sonnabend 11. j 21. Wochenabschnitt: Sch'mauß Haftarah: Jesaja Kap. 27,6 bis; 28,1-13; 29,22—29,23 Sabbat-Ausgang: 5.06 Uhr Sonntag 15.! 22. Montag 16. 23. Dienstag 17. I 24. Mittwoch 18. I 25. Donnerstag 19. 26. Freitag 20. 27. Sonnabend 21. j 28. Ncumondweih« j Wochenabschnitt: W'oro i Hastarah: Ezechiel Kap. 28,25 -28,26; I 29,1 -29,21 i Sabbat-Ausgang: 5.18 Uhr