Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 21 (27.5.1927)
- Date
- 1927-05-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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weisen, die auch nur Aehnliches erhärten könnte! Vielleicht würde er sich jedoch darauf berufen wollen, daß er im Osten abschätzige Ausdrücke gehört hat, mit denen hier und da Juden von Christen gesprochen haben: Nur, Las ist weder jüdisch-religiös, noch trifft eS das Christentum. Darin äußert sich vielmehr die ganz natürliche Reaktion gegen die taufendsachen Dvanasalierurrgen, die seit Jahrhunderten Juden von Christen, und oft genug im Namen des Christentums zugeftigt worden sind. -Nie aber ging solches von der jüdischen Lehre aus, noch wurde es je auf das Christentmn bezogen •_— Ein besonderer Abschnitt ist der «.FrömmigLeit der chassidifchen Juden" gewidmet. Auch sie gehört, noch Jeremias, zur Frömmigkeit des echten Judentums; er nennt sie sogar „echter jüdisch als die Josef KaroS". Die Ansicht, daß auch sie dargestellt werden muß, rührt von eben jener Einstellung her, daß echtes Judentum nur gefunden werden könne, wo Juden „ohne unmittelbaren abendländischen Einfluß dicht beieinander wohnen". Vielleicht dehnt Herr Pros. Jeremias seine Bemühungen, in die jüdische Seele einzudringen, doch «vH auf die liberalen Juden aus, die nicht nur im westlichen Europa, sondern auch im östlichen zu finden stud. Er würde sicherlich entdecken, daß feine Auffassung über Achtes Judentum" einer Revision bedarf. Die Dresdener Besprechung über den Reichsverband. Zu einer neuen Besprechung über die Gründung einer Reichsorganisation der deutschen Juden hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden gemeinsam mit dem D.J.G. B. die übrigen Landesverbände etngeladen. Die Besprechung fand am 22. ds. MtS. in Dresden unter dem AvtHtz deS Präsidenten des sächsischen LandeSverbandeS. Rechtsanwalt Salinger. statt. Vertreten waren die Landesverbände von Preußen, Bayern, Sachsen, Anhalt. Braunschweia, Hamburg und Bremen. Die Erörterungen betrafen zunächst die Gründe, auS denen die Tagung deS Preußtfchen Landesverbandes tm November 1026 den ihr vorgelegten Bersassungsentwurs abgelehnt hatte. ES stellt« sich heraus, daß über die bestechenden Meinungsverschieden- Hellen eine Erledigung sehr wohl möglich und durchanS wahrscheinlich ist. Die Beratung endete daher damit, daß beschlossen wurde, behnfv weiterer Vorbereitung der Gründung der ReichSorganisativn eine Kommission einzusetzen. Dieser wurden ensprechend einem Antrag von R.-A. Dtern-Berlin, die folgenden Richtlinien mit auf den Weg gegeben: 1. Der RetchSverband ist ein Verband der Landesverbände und der Gemeinden, die keinem LandeSperband angehören. 2. Organe deS RetchSverbandcs sind: der Rat und die Reichstagung, an deren Stelle für die Zeit zwischen dclt Tagungen der ständige Reichsausschutz der Reichstagung tritt. kl. Dt« Mitglieder der ReichStagung werden in den Landesverbänden, in denen allgemeines Wahlrecht zur Landestagung herrscht, von den Landestagungen nach dem Verhält» tSwahlvecht gewählt. In denjenigen Landesverbänden, in denen das nicht der Fall ist. bleibt die Art der Entsendung der betreffenden LanoeSversammlung überlassen. Die RatSmitglteder werden in noch zu vereinbarender Weise teils durch Delegation der Landesverbände, teils durch Wahl nach den Grundsätzen deS BerhältniSwahlrechtS in den Rat enfanbt. Im Rat ist die Motorisierung durch einen Landesr verband ausgeschlossen. 4. Der Kommission biene als Material für die neue Verfassung: 1. die Verfassung des D.J.G.B. von 1021, S. der erste Neumeyersche BersassungseMwurf S. der DerfassungSentwurs vom Oktober 1026, der der Preußen-Tagung Vorgelegen hat, 4. die heute vorgolegten Richtlinien deS D.J.G.B. 8. Dem DJ.G.B. ist in allen Organen des ReichSverbanbev eine angemessene Vertretung zu sichern. 6. Ob zu der Einigung der LandeS-verbände über die Verfassung noch die Einberufung des GemeindetageS des D.J.G.B. treten soll, ist eine Frage der Zweckmäßigkeit. über die sich die Kommission nach juristischen und praktischen Erwägungen zu äußern hat. Hierzu wurde noch ein Amendement angenommen, durch das Ziffer S abgeändert wurde. <M .wurde nämlich beschlossen, daß in denjenigen Landesverbänden, in ^/^n zur Landestagung kein allgemeiues und BerhältniSwohlrecht herrscht. Urwahlen nach dem Grundsatz de» allgemeinen und VcrhältntswcchlrechtS stattfinden müsse». Vorher Satt« der D.J.G.B. beantragt, den Preußischen Landesverband »u ersuche«, die an thm «on der Maatsreaterung gerichtete Anfrage, ob dieser dem Anträge deS D.J.G.v. auf Anerkennung seiner Berfafsun« zustimmen wolle, bejahend zu beantworten. Entgegen der bei den früheren Beratungen herrschenden Uebung wurde hierüber ein« Abstimmung nach Köpfen vorgenommeu. Bon den Vertretern der Landesverbände stimmten nur dt« drei Vertreter von Hamburg und Bremen, ferner einer der beiden sächsischen und einer von den fünf preußischen Vertretern für den Antrag. Da sich aber auch die fünf Vertreter deS D.J.G.B., obgleich es sich um dessen eigene Sache handelte, an der Abstimmung beteiligten, ergaben sich im ganzen zehn sür und acht gegen den Antrag. „ t t _ Die in dem erstgenannten Beschluss« bezeichnet« Kommission wird ihre Arbeiten sofort ausnehmen. Erhöhung der preußischen Skaalsbeihilfe für die jüdischen Gemeinden. Am 20. Mai erledigte der Preußische Landtag in dritter Lesung den Haushalt für 1927. Hierbei wurde auch die Staatsbeihilfe für die Synagogengemeinden verabschiedet. Es wurde die Position „Bedürfniszuschüsse an Synagogengemeindcn zur Besoldung ihrer Rabbiner und zur Versorgung ihrer Ruhestandsrabbiner und der Hinterbliebenen ihrer Rabbiner" (als Kapitel 123 a Titel 70) wie im Vorjahre mit 200 000 Mark bewilligt. Dagegen wurde die Position „Beihilfe an leistungsschwache Gynagogengemeinden behufs Erfüllung ihrer Verpflichtung zur Sorge für den Religionsunterricht" (bisher Kapitel 47a, jetzt 118ä Titel 90) von 350 000 Mark auf 400 000 Mark erhöht, so daß die G e s a m t b e w i l l i g u n g für die Synagogengemeinden im Etat 1927 sich aus 600 000 Mark beläuft. Die Erhöhung ist schon mit Rücksicht auf die großen finanziellen Schwierigkeiten und die hohe steuerliche Belastung der jüdischen Gemeinden von allergrößter Bedeutung. Wenn der Betrag auch nicht auSreichen wird, um allen berechtigten Wünschen zu entsprechen, so wird doch Hunderten von Gemeinden in erheblichem Maße geholfen werben können. Die Einrichtung der BezirkSlehrerstellen, die für die Erhaltung des religiösen Lebens in den kleinen Geinetnden von entscheidender Bedeutung sind, wird wesentlich gefördert und ausgebaut werden können. Bezirksrabbinate zur Versorgung der zahlreichen rabbtnerlosen Gemeinden werden geschaffen und die Erhöhung der Gehälter der ReligionSlehrer bis zu den Sätzen der Gruppe 7 wird voraussichtlich durchgeftthrt werden können. Es bedarf nur dieser Andeutungen, um die materielle Tragweite des Erreichten zu kennzeichnen. Der Erfolg ist aber um so größer, als auf ihn kaum gerechnet werden konnte. Das Kultusministerium hat es seinerzeit abgelehnt, den vom Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden gestellten Antrag auf Erhöhung der Staatsbeihtlfe sür oie Gynagogengemeinden an das Finanzministerium weiterzuleiten. Demzufolge ist in dem von der Staatsregterung dem Landtag vorgelegten Etatsentwurf ein erhöhter Betrag auch nicht eingestellt worden. Noch der Hauptauöschutz hatte die Erhöhung abgelehnt. Den von Herrn Dr. Freund geführte» persönlichen Verhandlungen mit den Parteien deS Landtags und der Staatsregierung ist es schließlich gelungen, daß trotz der Stellungnahme des Hauptausschusses bst der zweiten Lesung des Etats im Plenum ein von dem Zentrum, ve» Demokraten, den Sozialdemokraten, der Deutsch«« BolkSvartei und der Wirtschaftspartei Unterzeichneter Antrag auf Erhöhung der Position gestellt und angenommen wurde. Auch gelang «S, durch Verhandlungen, insbesondere mit dem Finanzminister persönlich, zu erreichen, daß die GtaatSreaierung der Bewilligung keinen Widerstand entgegenfetzte. Go ist bet ber -ritten Lesung -eS Etats der Beschluß der zweiten Lesung bestätigt und die Erhöh»ng endgültig beschlossen worden. Vom amerikanischen Reformjudemuui. Adolph G. Ochs, der bekannte Herausgeber der „N«w florf Times", ist zum Präsidenten der vor knvzem begrün, eten Bereinigung der Kongregation der Reform-Synagoge gewählt morde». 3» BtzevrMonten wurden gewählt: LouiS Mars-all, Dr. Lee K. Frankel. Henry Morgenthau und Albert L. Levi. » Kongregationen waren vertreten. ES wurde beschossen« eine Amon zur Aufklärung der JudenHeit über Sin» und Bedeutung der Reform-Idee des Liberalen Judentums «ingulette». Die Benachieiligimg der Juden in Palästina. L o n d o n. 28. Mai. lJTA.) Colonel Wedgwood richtete im Unterhaus an den Staatssekretär für die Kolonien die Frage, ob Inden «rm Militärdienst in Palästina und Transjordanien zugelaffen und bei der Gendarmerie, dem Grenzkorps. der Luftmacht und der Panzerwagen-Truppe zugelassen werden. Kolontalmtnister Amery erwiderte: Fm Jahre 1936 dienten 87 Juden bet der tranSjordanischen Wehrmacht. Bet der Lufttruppe und der Panzerwagen-Truppe werden Juden nicht rekrutiert, aber als Zivilisten verwendet. „ Colonel Wedgwood fragte weiter, wie lange dreser beschämende Ausschluß von Juden noch andauern werbe. Amery erwiderte, ein solcher Ausschluß bestehe nickt: die Juden bienen in ber lokalen Gchutzmacht und leisten Zivil» N ♦ a +* fta TPin* Sa* lifirifrjfttt ftWtfwftDtt 9fJrtTtfrtrl1trtfht. vom verband jüdischer Handwerker. Der Zentralvevband jüdischer Handwerker Deutschlands hielt am 23. Mai 1927 feine diesjährige Hauptvorstandssihung in Berlin ab, zu der Delegierte aus Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Krefeld, Hannover, Leipzig, BreSlau und Beuthen erschienen waren. Einführend gab der BerbandSvorsttzende Herr Wilhelm Marcus einen kurzen Bericht über die Tätigkeit der Verbandes in den letzten Monaten, um sich dann mit (beit Fragen zu beschäftigen, die den Zentralverdand auS sozialen Motiven besonders berühren, wie Verufsumfchichtung und -Beratung. Bei der Bernfsumschichtung zur Landwirtschaft in Deutschland liegen die Dinge besonders schwierig und würden in absehbarer Zeit voraussichtlich kaum Erfolge zeitigen, da zur Ansiedlung Generationen gehören und die Voraussetzungen ganz andere sind, wie in den Siedlungöländern. Weitaus stärker interessieren die Handwerksberufe. Hier fei, auf Tatsachen und statistischem Material bauend — um der Proletartsicrung deS Handwerks vorzubeugen — festzustellen, welche Berufe noch aufnahmefähig und welche dagegen eine Untevbringungsmöglichkett nicht mehr gewährleisten. Nicht nur durch Kreditbeschaffung und weiteren Ausbau der DarlehnSkassen seien schwächere Betriebe zu stützen, andere zu fördern. vielmehr müßte die jüdische Oes s eutlichkeit immer wieder angehalten werden, sich ihrer Pflicht bewußt zu sein, bei Arbeitszuteilung Glaubensgenossen zu be rücksich tage n, wie eS zum größten Teil bet Gemeindebehörden bereits geschieht. Jedoch nicht nur für handwerkliche Berufe sei zu sorgen: der Referent glaubt vielmehr, auch die große Zahl der Kleingewerbetreibenden in sozialer Hinsicht mit einbeziohen zu müssen, da diese sich planlos tm jüdischen Leben bewegende Berufsschicht bisher ohne jede Interessenvertretung sei. AuS den Berichten der Ortsgruppenvertreter war zu entnehmen, daß der größte Teil der Ortsgruppen im letzten Jahre bemerkenswerte Erfolge erzielt hat. Do sind in vielen Orten Handwerksmeister in die Gemeindevertretung, Repräsentanz und andere besonders interessierende Kommissionen gewählt worden. Der Mitgliederbestand hat sich, besonders in Berlin, nicht unwesentlich vergrößert. Neugründunqen von Ortsgruppen sind in die Wege «geleitet. Zur LehrstcHenvermrttlung gibt Herr Marcus an Hand von Unterlagen eine Uebersicht der Frequenz und erfolgter Unterbringung und teilt mit. daß eine Zentralstelle bereits besteht, die auch im Reiche demnächst Vermittlungsstellen einrichtet. Betreffs der Tätigkeit der „ORT"-Ges«llfchaft wird auf die in Berlin bestehenden Einrichtungen, wie Schneiderlehrwerkstatt und Chauffeur-Schule, sowie auf die EinkausSgesel! schalt hingewiesen, die Interessenten durch Anschaffung von Maschinen zu günstigen Preis- und Kreditbedingungen Existenzerrichtung oder -Ausbau ermöglicht. Zu begrüßen seien die Bestrebungen, die pro-. Ausstellung religiöser Kunst. In der vor kurzem in Berlin eröffneten Juryfrei-en Kunstschau ist im Rahmen der SonderauSstellung religiöser Kunst auch eine Abteilung für jüdisch-kirchliche Kunst zu sehen. Besonders beachtlich ist ein von Architekt Harry Rosenthal erbauter Synagogenraum. Als Prinzipien der Gestaltung sind angegeben: Die Synagoge will Menschen zu einer Familie der Andacht zusammenführen. Daher ist Bedingung, daß der Raum zusammenhätt. in seinen Proportionen intimen und kultischen Charakter vereinigt. Im Mittelpunkt des jüdischen Gottesdienstes steht neben dem Gebot daS Wort der Bibel, das verlesen wird. Der Akt deS Borlesens, an dein Mitglieder der Gemeind« Mitwirken, ist also das Bestimmende. Die Gemeinde folgt dem Gottesdienst mehr mit dem Ohr als mit den: Auge. Da kein Unterschied zwischen Laien und Priestern ist. so gibt es keine Exklusivität des Pricsterraumes. kein abgegvcnzteS Altargobiet: der. welcher predigt, wie der, welcher vorliost oder vorbetet, steht mitten unter den Gläubigen, als einer der ihren. An besonderem Platz (im Osten) wird die Dhorarolle aufbewahrt, vor dem die ewige Lampe brennt. Die Frauensynagoge liegt in orientalisch betonter Trennung auf einer Empore. Wenn die Synagoge vielleicht dem Empfinden des modernen Juden auch nicht voll entspricht — mit Recht bemerkt der bekannte Kunstkritiker Fvitz Stahl, in ihr „könnte jeden Augenblick eine streng rechtgläubige Gemeinde ihren Gottesdienst beginnen" — so muß doch als erfreulich anerkannt werben, daß dieser Raum zu den gmrz wenigen der Ausstellung gehört, die nicht gewaltsam «ine Verknüpfung modernster Kunstrichtungen mit religiöser Kunst herbeizuführen trachten. Diese gewaltsame Verknüpfung führt dann oft zu Lösungen, die beim Beschauer wahre Andacht nicht aufkommen lassen sondern eher zerstören. Zwei andere Räume versuchen das alle Religionen Derknüpfen'de darzustellen. So ein Kultraum von Walter Kampmann, Berlin, für den folgendes Geleitwort richtunggebend ist: Der Kultraum für den neuen Menschen schließt sämtliche Religionen in sich ein und eint den Menschen zu ferner Einheit. — Moses als Symbol soll den Mensche» zu feinem, zu dem einigen Gott führen, und immer nur einen Menschen soll der Raum unrfaffen, ein Mensch soll den Raum umfassen-dachet wirst du. o Mensch, nicht vor dom Bild werden, nein— du bist im Bild, im Mittelpunkt deS Bildes ist dein Werben du stehst nicht mehr außerhalb, nein, im Mittelpunkt öes/Bildes ist dein Werden, lvivd dein Wevden wenden und dir gestärkt den neuen Menschen geben durch deinen Gott. Und ähnlich ein Andachtsraum von Jssai Kulvjansky. für deffen Gestaltung folgendes gilt: Um Gott zu suchen ist kein Raum notwendig. Der Raum diertt nur zur Konzentrierung. Bor Gott -tritt der Mensch einfach; der Raum, der für Gott bestimmt, sei ebenfalls einfach. Die Vertiefung im Raum bedeutet Demut vor Gott. Der Name GotteS beherrscht den Raum. Diese beiden „überlonsessionellen" Versuche, beide gewiß interessant, scheitern im Letzten doch daran, daß die Ueberbrückung der konfMonellen Gegensätze nur «reicht werden kann durch eine Vertiefung der einzelnen religiösen Bekenntnisse und durch Erzichung zu gegenseitigem Berftthen und Dulden Außerordentlich bedauerlich ist, daß jüdische Kultgegenftände so wenig berücksichtigt worden sind. Bei -er Eröffnung war nur ein Schrank mit ihnen zu entdecken und dieser stand vor der Synagoge so im Dunkeln, daß sein Javhalt kaum zu evkennen war. Hier sollte die Leitung -er Ausstellung alSbalü Vandel schafffn. „ Die ausgezeichnete Idee einer Ausstellung religiöser Kunst ist der Juryfreten nicht restlos geglückt. Der -er Ausstellung zu Grunde liegende Gedanke verdient eS aber, von berufener Stelle aufgegriffen und in die Wirklichkeit übertragen zu werden. Die Akademie für die Mfsenschafi des Judentums. Berlin. 10. Mai. (I. T. A.) Am Mittwoch, den 18. Mai fand im Logenhaus zu Berlin die stark besuchte Jahres Versammlung der Akademie für di« Wiffenschaft des Juden tumS statt. Die Versammlung leitete der Borfitzende -es Berwal tungSvorstandeS der Akademie. Herr Dr. Aron Hirfü den Bericht des Forschungsinstituts erstattet« -effen Leiter Herr Profesior Julius Guttmann, -en GefchSfts bericht -er erste Schriftführer. SauttätLrat Dr. G u st a i Bradt, und der Generalsekretär, Dr. Israel Auer bach. Dem Borstande wurde einstimmig Entlastung erteil und der abtretende Ehrenausschuß wieöergewählt. Die Referate gaben einen Uoberblick Wer die gimstvg Entwicklung der Akademie im Jahre 1926. DaS For fchuugStnstitut schritt in der Realisierung degroßen, ihr von Profesior E u a e u T ä u v l e r gegeben«» Gvundplanei erfolgreich fort. In einer Reihe von wifsenschastlrchei Einzevsektiowen seine talunrdische, historische, ltterar sechste Abteilung wurde mit der unter Borsitz von Professo Heinrich Silber gl eit stehenden Sektion für StMti und WirtschastSdmrde -er Juden im März d. I. gegründet Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten «vfchemev in de Reihe -er „BeröffenttiHungen der Akademie". Der Gedanke Hermann CohenS, in der Akademie eine Zentralstätte sür jüdische Forschung, ein Arbeitszentrum und eine Existenzgarantie für jüdische Gelehrte zu schaffen, ein« ^Sicherung unseres geistigen Fortbestände-", findet mehr und mehr das Verständnis weitester Kreise im Jn- und Auslände. DaS wird in noch stärkerem Maße der. Fall sein. wenn, wie von Dr. Bradt angekündigt, jetzt auch die Grundidee Franz Rosenzwetgs, eines der Hauptbegründer deS Werkes, energischer verwirklicht wird, nicht nur wissenschaftliche Werke, sondern auch erzieherische Persönlichkeiten aus der Mademie hervorgehen zu lassen, die deren tiefste Absichten wirkend in sich verkörpern. Im Anschluß an die Berichte hielt Herr Rabb. Dr. Max Wiener-Berlin einen Bortrag über „Judentum und Mystik". Er gab zunächst eine Darstellung der GrundLag«n, des SinneS und der Hauptthesen des Judentums: Sinn und Ziel des Juderttmns ist der Mensch als das die göttlichen Gebote bewußt erfüllende Wesen. „Alles liegt in Gottes Hand mit Ausnahme -er Gottesfurcht". Gott ist der absolute Schöpfer alles Seins und Geschehens. Aber des Menschen Wille ist frei. . . . Gott und Mensch sind nicht identisch, sondern bedingen sich in wechselseitiger Schöpferkraft. Der Mensch ist bem Judentum stets das geistige unsittliche Ebenbild GotteS. Daher ist der Jude Feind aller Nivellierung, energisch, eigensinnig, kritisch, Kämpfer, daher aber auch Freund der Menschheit, nie geringschätzig gegenüber irgendeinem Wesen. daS Menschenautlih trägt. Dem Judentum ist die Schöpfung als Symbol ber Schaffung von Wechselbeziehungen Gott — Mensch di« Urzelle sittlichsozialen Lebens und BerantwortungsbowubtteinS, das geschult wird durch das Gesetz und den Sejog lathorah, den „Zaun um die Lehre", das heilige Mittel zum heiligen Awxck. Die Mystik dagegen führt #ur Einschmelzung des Individuums ins Absolute, in den Schöpfer, dem der Mensch nicht gegenübersteht, der vielmehr einen Teil seiner Allseele ins Irdische gesandt hat, von wo sie sich so vakd wie mögllch wioder. lösen muß. um gvttgleich zu werden. Darum ist hier Gefühl. Ekstase alles, Gestaltung unü verstanbeSmätzige Erforschung irdischen Lebens nichts. — Go konnte die zeitweffe sehr starke, jüdische Mystik der Kabbala, dre sich nur ttn Weg. nicht im letzten Ziel, von der allge. meinen Mystik unterschied, nur darabbinische Judentum bekämpfen oder sich selbst aufgeben. Die letzte Konsequenz der Mystrk konnte innerhalb LeS Judentums nicht gezogen man zog sie auch nicht. Dem Kind der Mystik, dem ChafstLiSmuS, blteb das ^lmizwoth" und damit die Konsemrenzeu der thora-rabbtnische» Weltanschauung v«r. binblich. DaS Judentum mit feiner LebenSbejahuna und sozialen Verantwortung deS irdischen Mensche»-lSergenlebenben Gottesebenbtlbes überwand die Mystik, die auch «isttztifterenSe und übertreibende NeuckasstdtömuS mit dem Judenttrm nicht in eine Synthese bringen kann. (Jta.)