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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-07-15 · 32 (15.7.1921) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
32 (15.7.1921)
Date
1921-07-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Bayer, Kastenverwaltung -er jü-ifch-liberalenZettung vom LS. ^uli ab werden die Beträge durch Nachnahme eingezogen. wenig bekannte Vorbilder -es wahren Patriotismus. Von Geheimrat Ed. König-Bonn. Die Aufnahme nachstehenden Artikels wurde von einer führenden christlichen Monatsschrift mit der Begrürwung abgelehnt, daß unbeschadet der Bewundemng, die dem Patriotismus der Propheten zu zollen sei, die Vor» bilder des wahren Patriotismus nicht in der jüdischen Geschichte gesucht werden dürsten, auch da nicht, wo dem Judentum gottbegnadete Männer gegeben seren, insbesondere in der heutigen Zeit, wo man dem Judentum die furchtbarsten Geschehnisse und vielleicht npch schlimmere Gefahren zu danken habe. Der geschätzte Verfasser stellte daraufhin uns den Aussatz zur Veröffentlichung sreundlichst zur Verfügung. Die Red. Es kann ja leicht geschehen, daß bei Persönlichkeiten, die in einer bestimmten Richtung bahnbrechend gewirkt haben, andere Seiten ihrer Verdienste übersehen werden. An Ambrosius von Mailand, der den Posten des Statthalters mit dem des Bischofs vertauschte, rühmt man es allgemein, daß er dem Kirchengesang neue Bahnen wies. Wie sehr tritt dagegen im allgemeinen Bewußtsein das Verdienst in den Hintergrund, das er sich um die Pflege der kirchlichen Poesie erworben hat! Daß Johann Sebastian Bach in Kompositionen für das Orgelspiel Glänzendes geschaffen und namentlich in seinen „Fugen" eine cußerordentliche Geisteskraft entfaltet hat, ist allgemein bekannt. Daß er aber auch für die Violine eigenartig Feines komponiert hat, war lange weithin ein Geheimnis. Diese weitreichende und auch leicht erklärliche Erscheinung, daß manche Züge im geschichtlichen Bilde einzelner Persönlichkeiten oder ganzer Gruppen von einer sehr starken Schattenwelle getroffen werden, macht sich mm in auffallendem Maße in bezug auf den Patriotismus der hebräischen Propheten geltend, und deshalb dürfte es kein unzeitgemäßes Unternehmen sein, wenn man diesen Schatten zu verjagen strebt. Dieser Versuch muß aber von einem direkt mit jener Frage zusammenhängenden, ebenso interessanten und gerade neuerdings viel verhandelten Gegenstände ausgehen: von der Beziehung der prophetischen Religion Israels zur allgemeinen Menschenkultur. Denn ein neuerdings vielseitig geäußerter Satz ist der, daß diese prophetische Religion die Verwirklichung des sogenannten „Beduinenideals" auf ihre Fahne geschrieben gehabt habe. Man kann dies ja sogar in dem großen literarischen Unternehmen „Die Kultur der Gegenwart" (I. Bd., III, 2, S. 15) lesen, das seit 1906 zu erscheinen begonnen und sich selbst dadurch geehrt hat, daß es die Religion als einen Hauptfaktor der Kultur gelten läßt. Aber die MW-libllaler ItigenMi ru Man. Sonntag, den 17. Juli 1921: WoiilW'Msllig vH llsrlWlh M LllwhSl'WSNWltz. Treffpunkt 3 Uhr: OSwitzer Friedhöfe. (Straßenbahnhaltestelle.) Montag, den 18. Juli 1921, abends 8 Uhr: im MM. erwähnte moderne Meinung über die prophetische Religion ist weit davon entfernt, den geschichtlichen Tatsachen zu entsprechen. -Oder wird an den anerkannten Vertretern jener Religion, etwa einem Abraham, bemerkt, daß er sich von den Stätten der damaligen Kultur fernhielt? Nein er suchte auch sogar Residenzen der Fürsten auf, in denen doch die Kultur ihre eifrigste Pflege fand. Ferner ist der Besitz materieller Güter den Bekennern jener Religion in den Quellen ausdrücklich in Aussicht gestellt (1. Mos. 12, 2 usw.), also auch deren Genuß erlaubt, und die Bewältigung der Naturkräfte und damit die Schaffung der Kultur neben der Natur wird ihnen anempfohlen: „Macht die Erde euch untertan!" (1, 28). Die Tugend des Fleißes auch im Gewerbe wird in diesen Quellenschriften oft gelobt, und das sonst im Orient vielfach herrsche,rde Phlegma wird mit überlegener Ironie gegeißelt: „Der Faule spricht: ,Es ist ein Löwe draußen, ich möchte erwürgt werden auf der Gasse^ (Spr.22,13) und bleibt deshalb lieber am Ofen hocken." Ja, die Treue gegen die Prinzipien der prophetischen Religion fordert nicht einmal den Verzicht auf die Ausschmückung der Lebensumgebung und auf Schmuck überhaupt. Oder werden nicht die Brautgeschenke mit sichtlichem Wohlgefallen aufgezählt, die jener Brautwerber hm erwählten Mädchen mitbringen sollte (1. Mos. 24)? Ja sogar Elsenbeinpaläste, d. h. reichlich mit Elfenbein verzierte Wohnungen, sind als ein erfreulicher Besitz erwähnt (B. 46, 9). Den Künsten der Musik und Poesie aber war das Lebensideal der alttestamentlichen Religion so wenig entgegengesetzt, daß diese Künste von vornherein in den Dienst des Kultus gestellt wurden und der auch in der poetischen Produktion sich auszeichnende David den Beinamen „Der Liederliebliche Israels" (2. Sam. 23, 1) erhielt. Diese Grundstellung der sicheren ReliMn Israels zur allgemeinen Menschenkultur spiegelt sich nun auch in dem Verhalten wider, das die Hauptvertreter jener Religion, d. h. die Propheten, zu den allgemein menschlichen Lebensinteressen beobachtet haben. Ein besonders interessantes Kapitel aus der Geschichte dieses Verhaltens der Redner Israels zur allgemeinen Kultur betrifft aber ihre Beziehung zum Patriotismus, und die Ausrollung dieser Seite an ihrem Verhalten ist nicht blos deshalb wichtig, weil sie zu wenig bekannt, sondern auch deshalb, weil sie gerade in unseren Tagen vielfach verkannt oder mißdeutet worden ist. Wie könnte denn aber erstens die Tatsächlichkeit der nationalen Gesinnung von Israels Prophetengestalten zweifelhaft sein? — Wird doch schon von dem ersten, der in den Geschichtsbüchern ausdrücklich mit ihrem Titel geschmückt ist (1. Mos. 20, 7), ein glänzender Beweis patriotischen Heldenmutes berichtet! Denn als das Land, worin der erste Bürger des speziellen Gottesreiches samt diesem seine irdische Heimat gefunden hatte, von ostländischen Herrschern mit Krieg überzogen und dabei auch Abrahams Nesse Lot als Gefangener weggöführt worden war, da bot der erste Patriarch seine mehr als dreihundert waffengeübten Knechte sowie seine Bundesgenossen auf, eilte den Feinden nordwärts bis an die Quellflüsse des Jordan nach, teilte sich, wie es im Originalbericht so anschaulich heißt (1. Mos. 14,12) in der Nacht über sie, stürzte sich also mit militärischer Klugheit in geteilten Heerhaufen im Dunkel der Nacht auf die Feinde, brachte ihnen eine Niederlage bei und führte seinen aus der Gefangenschaft befreiten Neffen samt anderer Beute wieder zu den Seimgen zurück. Wie energisch ferner, um von Moses bekannten Taten nationoler Gesinnung und Aufopferung zu schweigen, hat die Prophetin Debora, die Ehefrau des Lappidoth, in die nationalen Geschicke ihres Volkes eingegriffen! Das noch nicht ganz niedergebrannte Feuer des Widerstandes der unterworfenen Kanaaniter lohte nämlich an seinem Hauptherde, den Nordgrenzen Palästinas, noch einmal zu heller Flamme empor, als die Nordkanaaniter ihre Kriegerscharen unter den Oberbefehl des Feldherrn Sisera stellten und bis in die nördlicheren Gaue Palästinas vordrangen. Aber die von religiöser Treue und von Liebe zu ihrem Volke gleich heiß glühende Debora hat vom Mittelpunkt des Landes aus den Helden Barak aus einem der zunächst betroffenen Nordstämme Israels zu begeistern gewußt, daß er sich an die Spitze des Verteidigungsheeres stellte und das Vaterland vor dem Joche der Kanaaniter bewahrte. Doch schon genug der Belege für die tatkräftige Beteiligung der althebräischen Prophetengestalten an den äußerlichen Kämpfen, die ihr Volk für seine nationale Unabhängigkeit auszufechten hatte! Wir brauchen nicht noch darauf hinzudeuten, daß wieder ein prophetischer Held es war, der, als die PhilisterbedrängniS vom mittelländischen Meere her ihren Gipfelpunkt erreicht hatte, die Doppelfahne der religiösen Treue und der nationalen Gesinnung entfaltete und die zeitgenössischen Männer und Jünglinge so zu enthusiasmieren verstand, daß sie zunächst jenen grundlegenden Sieg über die weftländischen Feinde erfochten, dessen Denkmal mit der Anschrift Ebenerer („Bis hierher hat der Herr geholfen") in alle kommenden Jahrhunderte hineinleuchtete. Nein, wir brauchen nicht noch weiter an diese Großtaten prophetischer Männer Israels zu erinnern, um zugleich zu veranschauliche:', daß diese Bürger des wahren Gottesreiches die politische Freiheit als die erste Grundlage des äußerlichen Volkswohles schätzten und verteidigen halfen. — Wichtiger ist es, von dem Verhalten der späteren prophetischen Persönlichkeiten zu den staatlichen Verhältnissen ihrer Nation zu sprechen, um zu zeigen, wie sie das Ideal des wahren Patriotismus ausgestaltet und es unter den schwierigsten Schicksalswendungen ihres Volkes festgehalten haben. Bon diesen späteren Propheten des Alten Testaments verdient aber zunächst der Demosthenes Israels, wie schon Hieronymus den Jerusalemer Jesaia mit Recht genmmt hct, auch in dieser Beziehung ein spezielles Wort. Denn in einer politisch und sozial hochbewegten Zeit hat er besonders deutlich auszusprechen gehabt, wie sehr ein wahrer Prophet sich mit seinem Volke verbunden fühlen darf. Er hat ja erstens das mit besonderer Kraft betont, was wir bei einer ganzen Reihe seiner Geistesgenossen lesen, daß sie d i e Tr ennung ihres Volkes, die in der sogenannten Reichsspaltung eintrat, als eine offene Wunde am Leibe der Gesamtnation empfanden. Sie konnten derr..Schmerz, darüber, nicht unterdrücken und haben in immer neuen Wendungen die spätere Wiedervereinigung ihres Volkes als ein Moment seiner idealen Zukunft ausgemalt. So hat auch Jesaia von dem Tage gesprochen, wo die Flamme der Eifersucht zwischen den beiden größten Teilen der Gesamtnation, Ephraim urtd Juda, ausgebrannt haben werde, und beide wie Stoßvögel sich mit vereinten Kräften auf den Erbfeind im Westen und im Osten stürzen würden (11, 13 f.). Oder ein anderer von diesen Rednern hat in jener berühmten symbolischen Handlung mit den beiden Hölzern es veranschaulicht, daß die beiden Hälften, in die' der einheitliche Stamm des Volkes auseinandergespalten worden sei, einstmals wieder eine einheitliche G.öße bilden sollen (Hes. 37, 15 ff. usw. in meiner Geschichte der alttestl. Rel. 1916, S. 382). Doch nicht nur an dieser häufig begegneten prophetischen Kundgebung nationalen Sinnes hat sich der große Jerusalemer Jesaja beteiligt. Er ist in vorbildlicher Weise über dieses gewöhnliche Maß von Patriotismus hinausgegaugen. ., En. hat sich mit seinem Volke ja auch sogar in solchen Zertmomenten zusammengeschlossen, in denen es unter den Gesichtspunkten des Herabsinkens von seiner kulturgeschichtlichen Höhe, der Verfehlung seines religionsgeschichtlichen Zieles fallen mußte. Denn als ihm die prophetische Gewißheit, zuteil wurde, daß er im Namen des Weltenrichters seinem Volke ein schweres Läuterungsgericht anzukündigen habe, da drängle sich ihm der Stoßseufzer auf die Lippen: „HErr, bis wie lange?!" (6, 11), und wiederum mit seiner irregehenden und infolge gerechten Gerichtes aus vielen Wunden blutenden Nation sich zusammensassend, sprach er: „Wenn uns der HErr nicht ein weniges übrig gelassen hätte, so wären wir (nämlich umgestürzt) wie Sodom und glichen wir Gomorrha" (1, 9). MW-liberalll lupMn zu Berlin. Sonntag, den 17. Juli 1921: Tagesausflug nach Bernau — Liepnitzsee — Briese — Borgsdorf. Treffpunkt 7« Stettiner Borortbahnhof» draußen unter der Uhr. (Abfahrt 8"») Wegen z« erwartende« starken Andrangs an den Schaltern ist pünktliches Erscheinen notwendig. Rückkehr zwischen 7 und 8 Uhr. DienStag, den 19. Juli 1921, abends 8 Uhr r Zusammensein in Sadowa (Restaurant am Bahnhof). 06882913 424694

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