Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 28 (17.6.1921)
- Date
- 1921-06-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ms -er Presse.! Die Unruhen in Ostrowo. Das „Posener Tageblatt" enthalt einen ausführlichen Bericht über die schon teilweise, durch die deutsche Tagespresse bekamrt gewordenen schweren Ausschreischreitungen in,Ostrowo, der die unerhörten Vorgänge in einem noch viel schlimmeren Lichte erscheinen läßt. Das Blatt schildert die Ereignisse folgendermaßen: Am Donnerstag nachmittag wurde Cjtromo dar ,3d>(uiplatz höchst bedenklicher Vorgänge, durch die am besten bewiesen wird, wohin wir treiben, wenn den gewissenlosen Machenschaften einer bestimmten Art von polnischen Patrioten nicht bald ein Ende gemacht wird. Von Augenzeugen und Opfern der Vorgänge wird uns berichtet: In der fünften Nachmittagsstunde sammelten sich ungefähr 5 0 0 Arbeiter der W a g g o n f a b r i k zu einem Umzug, der sich gegen die Deutschen und Juden richtete. Die Demonstranten drangen in eine Anzahl von Geschäften ein, mißhandelten in tierischster Weise Geschäftsinhaber und Angestellte, plünderten und stahlen. Eines der ersten Ziele war die bekannte Hirsch'sche Brauerei. Die Arbeiter umstellten.sie von allen Seiten, drangen in das Kontor ein und schlugen sofort aus den Besitzer und seine Angestellten los. Schwer verwundet, blutüberströmt und unterwegs mißhandelt, konnte Herr Hirsch sich nur mit größter Mühe in seine Privatwohnung retten. Ein Gendarm, der den Versuch machte, einzuschreiten, wurde ebenfalls mißhandelt und entwaffnet. Das Kontor wurde demoliert. Ungefähr 50 000 Mark, die zur Auszahlung bereit lagen, wurden entwendet. Schwer mißhandelt wurde auch der Pächter der Gastwirtschaft der Brauerei, dem das Nasenbein zertrümmert und die Borderzähne eingcschlagen wurden. Der Uhrmacher Retzlasf wurde mit Schlügen aus seinem Geschäft hinausgetriebcn. Nachdem er blutüberströmt auf die Straße geworfen worden war, wurde sein Laden zerstört und ausgeplündert. Ein ähnliches Schicksal erlitt der Inhaber des ersten Speditionsgeschäftes in Ostrowo, Alfred Than, dessen Familie seit 1700 in Ostrowo ansässig ist. Während des Raubzuges der Arbeiter durch die Stadt hörte mau wiederholt die Ruse: „Hinaus mit den Nicmcv! Schlagt die Niemcy tot!.'" Gegen Abend zogen etwa 100 Arbeiter auf das Stadtgut Krepa, versuchten dort Türen und Fenster einzuschlagen und verlangten von dem Besitzer, er solle sofort mit seiner Familie das Gut verlassen und nach Deutschland ziehen. Aus die Frage eines der Familienangehörigen des Besitzers, ob das denn die Regierung augeordnet hätte, gaben die Arbeiter die bezeichnende Antwort: „Die Regierung hat gar nichts zu sagen. Das befehlen wir?" In der Stadt wurden die Pogrommacher ungefähr um 7 Uhr abends durch A M i l i t ä r auseinander getrieben. Daß dies nicht früher geschah und daß zur Verhinderung dieser unerhörten, skandalösen barbarischen Vorgänge nichts getan wurde, darf mit Verwunderung vermerkt werden, da, toic uns glaubwürdige Bürger von Ostrowo mitteilen, dort schon unt djx Mittagsstunde von den: bevorstehenden Umzug und seinem Zweck gesprochen wurde. Breslau. 80. Geburtstag. Frau Jeanette Schwersenz. jetzt hier wohnhaft, Höfchenstraße 84, vollendet am Sonntag, den 19. d. Mts., in körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihr 80. Lebensjahr. Die Jubilarin war früher in Posen wahnhaft, das sie infolge der veränderten politischen Verhältnisse verlassen mußte; sie hat sich dort durch soziale Betätigung int jüdischen Gemeindeleben besonders verdient gemacht. Ter irr der heutigen Rümmer zum Abdruck gebrachte Artikel „Judentum und Bolschewismus" aus der Feder des Staatssekretärs Tr. Müller ist zuerst irr dem Berliner „8 Uhr-Abenddlatt", der früheren „Nationalzcitring", erschienen. Zuschrift. Die Rechtsvertreter der Firma (i. ewi n bitten »ns um Aufnahme nachfolgender Mitteilung: Das gegen einige Inhaber der Firma E. Lewin anhängige Verfahren hat keinerlei Steuerdelikte, insbesondere nichi etwa Kapital- Verschiebung, zur Grundlage. Es handelt sich vielmehr lediglich nnr die bereits vor vielen Monaten von dem Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund erhobenen Borwürfe, wegen derer bekanntlich von der Firma C. Lewin gegen den Schutz- und Trutzbund ein Zivilprozeß anhängig ist, nämlich um Kettenhandel, Preistreiberei, Betrug durch falsche Frachtdcklarationen und Bestechung von Bahnbeamten. Die Inhaber der Finna C. Lewin fühlen sich, wie sie ja durch Erhebung der Zivilklage schon bewiesen haben, vollkommen rein. Der Erlaß des Haftbefehls ist nur dadurch möglich gewesen, daß die Untersuchung sich darauf beschränkt hat. ausschließlich das vom Schutz- und Trutzbund dargebotcne Belastungsmaterial zu sammeln, nnd daß die Beschuldigten, obwohl das Verfahren seit Dezember 1920 schwebt, in ihm noch nicht vernommen waren. Dagegen wurden Zeugen gehört, deren Unglaubhaftigkeit ans der Hand liegt. Die Belastungszeuge,! sind nämlich in der Hauptsache wegen Unredlichkeiten entlassene frühere Angestellte der Firma, der Kronzeuge, namens Granpner, ein entlassener Angestellter, der Erpressungsversuche gegenüber der Firma C. Lewin vorgenommen hat und in dem gegen ihn deshalb anhängig gewordenen Verfahren Unzurechnungsfähigkeit vorgeschützt hat. Der Untersuchungsrichter hat diesen Zeugen, dessen Persönlichkeit ihm wohl unbekannt war, vereidigt und in den Anssagen dieses Mannes die Unterlagen zum Erlaß des Haftbefehls gefunden. Tie Haftentlassung der Herren Leo und Max Lewin ist bereits wenige Stunde» nach ihrer Vernehmung gegen Kaution erfolgt. Der geradezu growske Verdacht einer beabsichtigten Flucht ist dadurch entstanden, daß der kranke Seniorches der Firma sich zur Zeit natürlich mit Genehmigung des Finanzanns in Marienbad zur Kur aufhält und sein Schwiegersohn Anfang voriger Woche seine erkrankte Frau aus Wien holte, von wo er programmäßig am Sonntag zurückgekehrt ist. Gegen den letztere» war ein Haftbefehl nicht ergangen. Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung des Verfassers zum Ausdruck bringen» übernimmt die Schriftleitung nur die preßgesetzliche Verantwortung. 1921 Kalender 5681 Monat! Wochentag Juni 36 T. | Sabbath- Wochen- Propheten- Siwan j AuSgang oU Aj. j abschnitt abschnitt Freitag 17. 11. j Sabbath J8. 12. Breslaus, kc: 4. Bach „lose Kap. 421—7" nnx -rn Richter 13. jj 10-6 Ohr vom 2.-30. Juni Eintritt 2 Mk. 8 8 8 « Gottesdienst ln den Gemeinde-Synagogen zu Breslau»iteHdiz. limlM. •Freitag] 17./6. 8bä. j 18./G. Beginn Frthgottesdienst Hptpttesdienst NeutBondweihe Fredigt An den Woch.- tagon 19-/6. bis 24./6. öchioll Beginn abends 7.30 ü. morgs. Wochentags- Synagoge 6.HÜ ü. — 8.15 U. — — — — nachm. — abends 9.06 U. morgs. 6,30 U. abends 7.30 U. 7.80 ü. 9.00 U. 9.45 ü. 5.00 U. 9.06 U. 6.45 U. 7.30 U. Konfirmationen, Alt* Synagoge, Sonnabend, den 18. Juni: Harry Locbinger (Vater Ernst, Ohlauerstraße 28), Alfred Abraham (Vater Theodor, Klosterstraße 20), Hans Sternberg (Vater Isaak, Frankfurterstraüe 100). Konfirmationen (Neue Synagoge): Rudolf Moses (Vater Albert, Kaiser-Wilhelm-Straßc 21). Eduard Riesenfeld (Vater Solly, Augustastraße 73). Alfred Capauner (Vater Hermann, Augustastraße 11b. Trauungen, Alte Synagoge, Sonntag, den 19. Juni 19.1: 3 Uhr; Fräulein Ella Nebel mit Herrn Victor Kuncrt, 4 Ult r: Fräulein Jenny Jaschkowitz mit Herrn Curt Wolff. Rüuus ieoior 5ilberujarenfabrik Begründet 1818 Breslau-LUest - Fisrhergasse 11 fr Elly Freund Walter Riesenfeld Verlobte. Empfang: Sonntag, den 19. Juni 1921, Bahnhofslr. 17. >yrMW krmkM-veipllWW'jWs» und WkStzllW.WlWsl General-Versammlung »mLoniitag, den 26.Juni 1921, vormittags 11 Uhr m Saale der „Gesellschaft der Freunde", hier, Reue Graupenstraße 3/4. Tagesordnung: l. Satzungsänderungen der Jsralitischen Krankeu- Berpslegungs--Anstalt u. Beerdigungs-Gesellschaft, der Israelitischen Altersversorgungsanftalt und des Jsralitischen Siechenhanses -• Arnold nnd Herrmann Schottländer'sche Stiftung —. >. Wahl von sieben Vorstandsmitgliedern auf 6 Jahre nnd von zwei Vorstandsmitgliedern auf 3 Jahre, j. Verwaltungs nnd Geschäftsbericht für die drei Jahre 1918, 1919 nnd 1920. 4. Bericht derRechnnngSprüser über die slattgehabte Revision. 5. Erteilung der Entlastung. 8. Wahl von 3 Rechnungsprüfern und 2 Stellvertretern. Breslau, den 10. Juni 1921. Ter Borstand. Vertriebsgesellschaft Koscherer Holsteinisch. Lebensmittel 6. m, b. 11., Elmshorn in Holstein, liefert la Pflanzenbutter . Maadanim Hergestellt unter Aufsicht 8. Ebnr. IW mm Oberrabbiner Hl. LERNER, Altoua. Stets frisch und tadellos im Geschmack. Es werden noch an allen Plätzeu Deutschlands Vertreter gesucht! 5 Kauft nur bei Inserenten! Großes Lager fertiger Silberu/aren iiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Detail- Uerkauf nur in der Fabrik ■ Karlstr. 30 m bietet mein Saison-Ausverkauf Tuch ab 20. 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Auslosung der Schule. 2. LerschiedencS. Sonnet? Orävsc -T\8chbe» Es ist eine Ehrenpflicht aller jüdischen Mitbürger, der WMWn kmkeil - vecpslegvW. Ilnflalt unö reecöWW - «öestllsAst WM ksSlsthsj als Mitglied beizutreten und hierdurch unser Israelitisches Krankenhaus in seiner durch den Krieg und die wirtschaftlichen Folgen herbeigeführten schweren Notlage zu unterstützen. Nichtmitglieder der Chewra Kadischa haben bei Trauerfällen für sich und ihre nicht selbständigen Haushaltungs-Angehörigen die Beerdigungskosten in doppelter Höhe zu bezahlen. Beitrittsmeldungen an das Büro des Israelitischen Krankenhauses, Hohenzollernstr. 96 (Tel. Ring 6716-18.) Herausgeber: Liberaler Verein der Synagogen-Gemeinde Breslau. — Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Ludwig Davidsohn in Breslau. Druck und Kommissionsverlag: Th. Gchahky, Buchdruckerei und Berlagsanstalt, G. m. b.H., Breslau HI, Neue Graupenstraße 5. 1 88 5554