Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 42 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 42 3&ftif(NUietaIe 3ci(ung Beilage 25. Mai 1934 (PfttCipp Sandmann cr$äftCit ip. , Die entscheidende Aussprache sollte um acht Uhr zwanzig abends stattfinden. Ralph verlieh sein Büro um sechs Uhr zwanzig-wenn es nach Joan gegangen wäre, hätte sie ihn bereits um sechs Uhr vor seinem Hause erwartet. Aber das war eben ein Symptom für ihrer beider innerste Verschiedenheit: bei Joan alles Impuls, Gefühlsentscheidung und Ablehnung jeder konventionellen Rücksicht — bei Ralph zu allererst Verantwortüngsb^wulltsein und Sinn für äullere Form. Er hätte sich zwei Stunden Zeit ausbedungen, um sich in Ruhe umkleiden zu können, um nicht hungrig und nervös bei einem so wichtigen Rendezvous zu erscheinen. Sein Weg, eine Tasse Tee und das. Umziehen waren genau berechnet worden. Also hieß es für Joan, den Tag aut möglichst angenehme Art hinziibringen. Ralph hatte ihr ein Programm . entworfen, das sämtliche Verbindungen fürsorglich angab und die Teestuben nannte, die in der Nähe der Museen zu wählen waren. Als Joan ihr Boardinghouse verließ, war es . bereits, zwölf Uhr; sie hatte ein etwas schlechtes Gewissen, denn Ralphs Programm sah es anders vor. Aber sie fühlte einen geheimen Widerstand gegen .die allzu genauen' Vorschriften, die er gern zu geben pflegte, als wenn Joan noch einganz kleines Mädchen wäre. " ... Sie seufzte leise: eine unklare Trauer legte sich plötzlich über sie. Sie versuchte daran zu denken, wie gut es war, nun endlich. am Ziel zu sein. Demi sie selber fühlte sich schon halb entschlossen — — ohne großen Überschwang hatte sie diese Entscheidung getroffen. Das untätige Dasein des letzten Jahres begann, sie zu bedrücken. Sie freute sich darauf, wieder für einen Menschen liebevoll zu sorgen, von jemandem gebraucht zu werden. Ralph war einsam, ein braver- Kerl — — Joans Vater, der selber Engländer gewesen, hatte . ihn noch ‘gekannt und seine Zuverlässigkeit gerühmt. Joan war nun des dauernden Hinundherpendelns zwi-, sehen England und Deutschland müde — jetzt würde sie* eben ständig in London bleiben! Ralph war der erste Mann, bei dem Joan an Ehe dachte: Daß er so gar nichts . Faszinierendes besaß, schien in ihren Augen ein -Vorzug. — — Ais sie seine guten Eigenschaften in bunter. Reihenfolge überdachte, war ihr dennoch nicht ganz so behaglich zumute, wie heute Morgen, da sie diese Heiratsfrage für sich bejaht hatte. „Mutters ererbte jüdische Grübelei —sagte sie vor sich hin. Unwillkürlich suchten ihre Erinnerungen das Bild des frühverstorbenen, schweigsamen Vaters, der nur seinen talmudischen Studien gelebt hatte. Eigentlich war sie mehr entwurzelt, als sie sich eingestehen wollte. Sie spürte eine plötzliche Sehnsucht,' wieder in den Tempel zu gehen und die schönen alten Gesänge zu hören, die sie als Kind so entzückt hatten. Ralphs, Frömmigkeit hatte etwas Mechanisches und Unpersönliches, das sie störte. „Leeres Dasein —“, dachte sie und runzelte die dichten, dunklen Brauen. „Muß nun aufhören-.“ Aber sie empfand im Augenblick keine Freudigkeit bei diesem Entschluß. Ein vorübereilender Herr stieß sie an. Er sagte „Verzeihung!“ Und hastig fügte er hinzu: „Sorry — I beg your . pardon1“ Joan wandte sich um. Das deutsche Wort hafte sie lächeln gemacht. Im nächsten Moment streckten sich vier Hände nach einander aus, um sich mit herzlichem Druck festzuhalten. „Hannele?“ - .„Eugen?“ Man überstürzte sich in Fragen und stellte fest', daß man sich über zwei Jahre nicht gesehen hatte. Eugen war beruflich und vorübergehend in London. Er vertrat ein großes Berliner Haus und machte den Eindruck eines aktiven und zufriedenen Menschen. „Ein Jammer, daß man so auseinander kam, Hannele! Und dabei war ich damals ehrlich verliebt in Dich — weißt Du noch — an dem Seder-Abend bei Tante Zamory?- Die liebe kleine Alte! Ich' habe so oft nach Dir gefragt — aber Du warst ja immer unterwegs-“ Er zog ihren Arm in den seinen. Joan antwortete durch ein stummes Lächeln. „Aber Hannele — sagst ja gar nichts? Gehe ich Dir zu schnell?“ Sie schüttelte den Kopf. Wie lieb das war, wieder einmal „Hannele“ genannt zu werden! Seit Mutters Tod hatte das niemand zu ihr gesagt — man mußte Ralph den Namen beibringen —- Sie fühlte eine Flutwelle plötzlichen Erschreckens; unwillkürlichzog sie den Arm zurück. Eugen sah sie aufmerksam mit seinen dunklen, zärtlichen Augen an: „Dü bist blaß, Kleines! Siehst aus, als wenn Du LunchTHunger hättest? Ein viertel eins — was hälst Du vom jTrocadero'?“ ‘ Joan nahm den Zettel aus ihrer Handtasche: „Ich habe hier ein Programm für . den ganzen Tag.“ Und sie begann, vorzulesen: „10—12 Uhr Wallace-Collection, besonders auf die alten Porzellane achten! 12 Uhr 30 Lyons Tearoom. Dann British Museum. Ägyptische Abteilung, Mumien etc. 4 Uhr 30 Lyons Tearoom. Mit Underground von Holborn- Station nach Kensington, kleine Stadtbibliothek, alte Stiche mit Londoner Ansichten — —.“ Hier wurde sie unterbrochen, indem Eugen ihr sanft den Zettel aus der Hand nahm, um ihn sorgfältig zu zerreißen: „Das war vor der Begegnung mit dem Jugendfreund!“ betonte er mit entwaffnender Bestimmtheit. „Außerdem sind Programme dazu da, umgeworfen zu werden. Deshalb nehmen wir sofort ein Taxi, und es beginnt der schönste Tag seit dem Seder-Abend!“ Sonderbarerweise sagte Joan nicht: „Allright!“; sondern „Einverstanden!“ Der behagliche Lunch' im „Trocadero“ endete erst um 3 Uhr; man hatte einander wirklich sehr viel zu sagen. Joan entdeckte mit Entzücken, wie wohl es tat, deutsch zu sprechend Ein Spaziergang durch den Hyde-Park bewies, wieviel Verständnis Eugen für die Gruppen weißgekleideter Babies aufbrachte. Joan fühlte sich in eine Atmosphäre lang entbehrter Wärme eingehüllt. Sie fragte nach den Freunden und Verwandten in Berlin. „Und die alte Tante Zamory?. Backt sie immer noch die herrlichen kleinen Kuchen?‘.‘ Eugen drückte ihren Arm: „Ich.hoffe, das wird sie noch mit 90.Jahren tun! Und weißt Du, Hannele — es gibt so kleine Symptome, die lebensentscheidend werden können. Ich habe mir manchmal vorgestellt, wenn mir eine Frau sehr gefiel, ob ich die zu Tante Zamory hinbringen möchte? Ob ich es könnte? Ob sie Verständnis und Gefühl haben würde für all das, was sich für mich in dem Hause dieser alten, frommen Frau an bester jüdischer Kultur ausdrückt? Ich glaube, ich bin schon zweimal vor großen Dummheiten bewahrt worden durch diese Überlegungen -“ Sein Blick senkte sich dringend in den ihren. Sie starrte ihn erschrocken an; er konnte nicht wissen, was für eine Fülle von Zweifel seine Worte in ihr weckten. Ralph bei Tante Zamory? Unmögliche Vorstellung! Sie meinte sein kühles Gesicht vor sich zu sehen, wie es sich mit einem Schleier, kritischer Ablehnung überzog. Er würde lächeln darüber, und das würde sie nicht ertragen! Nein, niemals könnte sie mit Ralph an dem Seder-Tisch der alten Frau sitzen! Joan sah plötzlich müde und zerquält aus. Geborgenheit überströmte sie, als Eugen stumm nach ihrer I land faßte. Sie war dankbar, daß er. nichts fragte. Aber schon im nächsten Augenblick wünschte sie mit der Unlogik der -Frau, er möchte Sie etwas fragen. Eugen war entweder ein Psychologe, oder er entwickelte im .Stadium seiner Verliebtheit psychologische Fälligkeiten. Jedenfalls fragte er ziemlich abrupt: „Warum jagst Du denn so allem in der Welt herum, Hannele?“*- \ Sie zögerte. Dann sagte sie zornig: „Mich braucht doch keiner!“ Er sah sie ernst -an: „Man muß sieb unentbehrlich machen-.“ „Ich weiß das Rezept nicht — —murmelte sie. Und im gleichen Moment fühlte sie mit dringlichster Klarheit, welches Glück es war, daß sie den Freund getroffen hatte — grade heute! Sie war etwas schweigsam, als er sie um sechs ‘ Uhr in ihre Pension zurückbrachte. - . ' „Also Hannele — — jetzt ruhst Du, Dich eine Stundeaus, und dann ziehst Du Dich zum Dinner lim. Ich werfe mich indessen in den Smoking — —“ Zehn Minuten später wurden ein paar Rosen von erlesener Schönheit abgegeben, von denen Joan zwei am Ausschnitt ihres Abendkleides tragen würde. Das Ganze war wie ein kleines Wunder, und Joan empfand eine glückliche Benommenheit. „Ich lebe auch viel lieber in Deutschland — —“.sagte sie vor sich hin. Dabei fiel ihr ein, daß Ralph sie erwartete! - — — — — Das Stadttelegramm in seine Wohnung hatte folgenden Wortlaut: ■ „Verzeihe die späte Absage. Unerwartete Ereignisse erfordern plötzliche Programm-Änderung. Manchmal ist es besser, in letzter Stunde umzudisponieren, als Fehler zu machen, die für alle Teile ungünstige Folgen haben könnten. Das von Dir aufgestcllte Tagesprogramm lieft" sich -nicht durchführen, auch das für die Zukunft geplante scheint ein ' Mißgriff. Deshalb rate ich Dir, mache Söhluß mit Hannele.“ Von allen Rätseln, die das Telegramm dem armen Ralph aufgab, war die Unterschrift beinahe das größte. Übrigens . . . Vor der Reise» Daß Reisen kein Luxus ist, sondern für den, dessen Kräfte und Nerven durchschnittlich voll und ganz in Anspruch genommen' sind, nur eine notwendige Erholung, braucht man heute weniger zu sagen denn je, da fast täglich Tausende deutscher Arbeiter in Urlaubszügen der „Kraft durch Freude“-Organisation hinausfahren, um neue Kraft zur Arbeit für die Gesamtheit zu sammeln. Und daß wir deutschen Juden in dieser aufreibenden Zeit nicht minder solche Entspannung notwendig haben, ist selbstverständlich. Es ist also, wenn heute in . vielen jüdischen Häusern das Thema der Somraerreise diskutiert wird, kaum die Frage, ob man fahren soll (natürlich wenn man es irgendwie wirtschaftlich ermöglichen kann), sondern vor allem, wohin.. Viele von uns deutschen Juden haben alte Gewohnheiten auch in diesem Punkt aufgeben müssen: die einen z. B., die jahraus, jahrein mit den Kindern an beliebte Badeorte am . Meer fuhren und und heute mitgetei)t bekommen, daß diese Bäder nun „judenrein“ seien. Und die anderen, die viel große. Auslandsreisen machten, die»heute ■ schon aus devisentechnischen Gründen unmöglich geworden sind. Wohin sollen sie fahren? „Wissen Sie,“ erzählt eine Dame neulich, die früher häufig in der Schweiz öder in Italien gewesen war und in den Uffizien sicher besser zuhause war als in der Nationalgalerie, „wir waren Ostern drei Tage in einer Pension bei Potsdam, das war schöner - als ich es Ihnen sagen kann. Und nächstens wollen wir mal nach Rheinsberg fahren.“ Und wo soll man wohnen? Im jüdischen Haus oder nicht? Auch hier gibt es keine eindeutige Antwort, je nach Einstellung muß das entschieden werden. Allerdings waren wir doch erstaunt, als wir die Anzeige einer nichtjüdischen Pension eines deutschen Ostseebades in einem jüdischen Blatt lasen. Ob man dahin heute noch fahren könne, fragten) wir uns im stillen. Aber dann kam ein Brief von ihr: „Vielleicht haben Sie meine Anzeige gelesen und waren erstaunt darüber! Bis jetzt hat?ie mir auch im wesentlichen Unerquickliches eingetragen. Aber ich habe es für meine Pflicht gehalten, den vielen jüdischen Gästen, die ich hatte, zu sagen, daß ich sie gern wieder aufnehme. Mit Politik hat das nichts zu tun. Also wenn Sie kommen wollen . Das ist ein Beispiel für viele: als im Reisebriefkasten einer Zeitung jemand Unterkunft für ein jüdisches Ehepaar erfragte, meldete sich ein jüdisches, aber fünf nicht jüdische Häuser.' Wer um jeden Preis sicher sein will, in seinen Ferien Rühe vor der Politik zu haben, soll in jüdische Hotels oder Pensionen gehen. Aber er muß dann auch ausmachen, daß über Politik nicht gesprochen werden darf. Wem, aber scheinen will, daß die persönliche Beeinflussung noch immer das beste Mittel war, die richtige Meinung über deutsches Judentum zu'schaffen, hat keinen Grund, sich abzuschließen. i Jakob. Anekdoten um Giacomo Meyerbeer * " Heines Papagei, Rothschilds Rat und ein Brief der fliutter ln diesen Mai-Tagen sind es siebzig Jahre her, daß die musikalische Welt von der Nachricht des Todes Giacomo Meyerbeers überrascht wurde. In der „Vossisclien Zeitung“ las man am- 3. Mai ISO-I folgende Noiiz: „Nach einer' gestern Morgen bei der hiesigen französischen Gesandtschaft eingetroffeneii telegraphischen Depesche isrUiacoino Meyerlieer in Paris gestorben. - Der siebzigjährige Meister war noch in vollstem Schaffen begriffen, und sein Tod scheint völlig unerwartet ehigctrcten zu sein. In ihm verlieren wir den größten dramatischen Tondichter dieses Jahrhunderts“. Mitten in der eifrigsten Arbeit am Abschluß der „Afrikanern!“, deren Aufführung man eben in Paris vorbereitete, * war Meverbeer aufs Krankenlager geworfen worden. Wenige Tage später wurde er dahingerafft. Mit großer Pracht wurden seine sterblichen Reste in Paris zum Bahnhof gebracht. Überall auf der letzten Fährt nach Berlin ehrte man — den Tondichter durch Fackelziige und l-'eicfn, mir in Berlin, wo der Extrazug mit Meyerbeers Leiche am Abend des 7. Mai aut dein Potsdamer Baludiof eintraf, war cs still. Man hatte die Zeit des Eintreffens geheimgehalten. Um so großartiger -war das Leichenbegängnis am 17. Mai mittags -zwölf lllir. Der vierspännige Galawageu des - Königspaares eröffnet« 'den unabsehbaren Zug des Lekdiengcfolgesj die Wache gegenüber dem Opernhaus trat ins Gewehr und unter Trauermusifc, die die MuSikchöre der Kavallerie und Artillerie Berlins ausführ'lcn, wurde der Köuigl. preußische Generalmusikdirektor zu Grabe getragen. Vorher hatten in der Wuhnung des Meisters am Pariser Platz-b sämtliche Solisten des Königlichen Theaters bei einer Trauerfeier das 'Requiem *- gesungen. Im Opernhaus fiel an diesem Abend die Vorstellung aus. Statt dessen wehte eine große Trauerfahne vom Dach des Theaters und kündete den Verlust, den die gebildete Welt erlitten. __ iMeyerbeer stammte aus einer reichen jiidisclmn Berliner Familie. Im Alter von neun Jahren ließ Jacob Beer sich schon öffentlich als Pianisthören. Jakob Licbmann Beer — das war sein eigentlicher Nayne. Doch wurde er durch das - reiche Vermächtnis eines Verwandten zu der bekannten Namensänderung verpflichtet. * DaßMeyerbeer den Vornamen G i*acomo angenommen hatte, war für den damaligen Direktor des- Stadttheaters Tn Leipzig, den späteren Burgtheaterintendanten Heinrich Laube, der in Paris viel mit Meyerbeer verkehrt hatte, eine Duelle ries Mißbehagens. Daß Heine seinen Spott an dem „kleinen Musikmännchen, das vom frühen Morgen bis in die_spüle Nacht emsig an der Herstellung seiner Weltberühmtheit arbeitet“ ausließ, ist bekannt. Der Dichter hatte die Absicht, einen Papagei abrichten zu lassen, der laut und kreischend „Giacomo! Giacomo!“ rufen sollte. Und bei Erscheinen Meyerbeers . sollte ihm in einer Ansprache dargetan werden, daß sogar die exotische Vogelwelt von seinem Ruhme wisse und die Papageien schon mit dem fertigen Rufe „Oiacomo“ aus fernen Welten nach Europa kommen. Da man m. Paris munkelte, daß Mcycrbcer' sich durch große Summen den vielumworbenen theaterfesten Scribe als Librettisten verschrieben habe, meinte.Heine zu Laube: „Über die d i plom a t isc h en . No t en , die der Allianz zwischen Meyerbeer und Scribe vorangingen, kann nur die Bank von Frankreich Auskunft geben“. Trotz seines Reichtums führte der Mann, der hifLebcn wie im Tode mit so hohen Ehren überhäuft worden war, ein schlichtes, bescheidenes Leben. Seine Berliner Wohnung bestand nur aus einer kleinen Empfangsstube und einem Musikzimmer, beide iii ziemlich altertümlicher Einrichtung. Auch in Paris lebte er so einfach, daß er deswegen manchen Spott über sich ergehen lassen mußte. Von Zeitgenossen, die ihm nahestanden, wird versichert, daßer bereit war zuliclfcn, wo"er nur irgend konnte. So waren alle Ehrungen, -all das Ansehen und Wohlwollen, dessen sich Meverbeer von seiten des Königshauses erfreute, das unter anderem darin - zum Ausdruck kam, daß König Friedrich Wilhelm IV. ihm den „pour le meritc“ verlieh und ihn zum Generalmusikdirektor des Königlichen Opernhauses in Berlin machte, wohlverdient durch die segensreiche Tätigkeit, die er nicht nur als Leiter des ihm unterstellten Kunstinstituts, sondern auch für die dort beschäftigten Kräfte entfaltete. Er hat sich für eine bessere Besoldung der Chor-.uiid Orchcstcrmitgliedcr eingesetzt und verzichtete, wenn er einen längeren Urlaub antrat, zugunsten der Mitglieder der königlichen Kapelle auf sein Gehalt, er sorgte dafür, daß den Komponisten und Textdichtern von jeder Vorstellung Tantiemen' gezahlt wurden, während neue Werke bis dahin nur gegen Zahlung einer einmaligen Pauschale erworben worden waren. Erwähnt sei auch, daß er 1844 eine Kabinettsorder veranlaßte, wonach alljährlich drei neue, möglichst deutsche Opern im Berliner Opernhaus aufgeführt werden sollten. * - ' Für Meyerbeers Hilfsbereitschaft spricht auch sein Eintreten für ein«n deutschen Sänger, der durch Krankheit in Schulden geraten war und sich in Paris an den berühmten Landsmann wandte.. Der Komponist der „Hugenotten“ setzte sich an den Schreibtisch und richtete an Baron Rothschild folgenden Brief: „Herr Baron! Erlauben Sie gütigst, Herrn M., einen talentvollen deutschen Sänger, Ihrer hohen und mächtigen Protektion zu empfehlen. Er beabsichtigt ein Konzert zu geben, und Ihre weltbekannte Güte wird-ihn in diesem Unternehmen gewiß unterstützen; es ist-ja auch das Vorrecht der Reichen“. Mit diesem Schreiben begab sich der Sänger zu dein Börsenfürsten, der ihm eine Fünfhundertfrancs-Note übergab, als Beitrag zu den Kosten, .wie er sagte. Dann schrieb er an Meyerbeer folgenden Brief: „Ich bin ein irdischer Baron.. Sie sind ein Fürst der Harmonie. Ich bin Besitzer von mehreren Millionen, aber Sie sind doch reicher als ich, wie ich Ihnen beweisen werde. Lassen Sic ankündigen, daß Sie im . Konzert Ihres Schützlings dirigieren unif selbst eine neue Komposition spielen werden. Das Unternehmen Ihres Schützlings wird alsdann mindestens 10 000 Francs einbringen — 9500 Franken mehr, als ich gegeben habe. Sie sind also achtzehnmal und noch etwas darüber reicher als ich“. Wenige Tage später fand das Konzert statt. Meyerbccr dirigierte das Orchester,, und der Tenor sang Arien aus Lesezirkel ausländischer Zeitungen Wien Prag Zürich Basel London Paris Mänchester SdMtW. Schöneberg, Beiziger Strafte 8, Q,1 Stephan 8663