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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-04-06 · 27-28 (6.4.1934) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
27-28 (6.4.1934)
Date
1934-04-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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uuuümmwiüumuüMumwiuwaHWiwwmmwwwummummimtmmiummHmmmmimm»mitmuiuMmm»i»m»mimttmtWiBi)Miiuiuimmm»ttm)i)nüiummHüiwiiwwM Nr. 9 Das Wort der lugend Monatlich erscheinende Beilage der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ Verantwortlich für den Inhalt:. Heinz Kellermann, Berlin-Charlottenburg 1, Königin Luise Str. 3 iiiitiimiiitiiiiiMtiiijtfitiTiititiitiiiijfiiitTiiiiiJifiiniiJiiiniiHiiiiiiiiHuiiiiiiniiittiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiuiiiijiiitiiiiiiiiiiiiitiniittiiiiiimmitiiniiimttMitumiiwulfiiiiiiiiiiiifiiiiiinmiiiiitiiiiiitiiniiiiiiiiiiiiJiiiiiiiiiiiJiiiiiiiiiiiitniu Und Du sollst erzählen ... so gebietet das Pessachfest. Nicht Lichter' entzünde«, nicht Hütten hauen, nicht Gericht halten, erzählen sollst Du; das alt-vertraute naive Epos ist das Gesetz dieser Nacht, die so‘anders als alle anderen Nächte. Aber das Pcssaclifest wäre kein Fest der Freiheit, kannte es nur diese zeremonielle Pflicht und nicht auch das Recht, das diese Pflicht erst schuf. Und mit dein Recht der ^freien Frage, jenem ersten Anspruch des Kindes, der dieser Nacht so ganz, besonders eigentümlich ist, treten wir \or das Geheimnis ihrer strengen Ordnung: Ist denn das Wort-allein schon Losung eines Festes, ist die Geschichte schöpferische Tat? „Es war einmal . . heißt das tiicht: „es ist nicht mehr4*? Ist die Geschichte anderes als Vergangenheit, Gedächtnis, ewiges Dahin? Was also sucht sie heute in unserer Mitte? „Und Du sollst erzählen ... Also spricht der Ewige, der Gott Israels: Jenseits des. Stromes wohnten eure Väter von altersher . . Ewer hänohor — jenseits des‘Stromes, jenseits jener fließenden Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, Welt und Unendlichkeit ist Israel geboren, Volk ohne Raum und Volk ohne Zeit. Aus diesem Übel letzter Einsamkeit brachte es seine Sehnsucht „nach dem anderen Ufer“ mit und warf sie als Erbe zwischen die Völker. Seine jagende Unrast, die •von Stufe zu Stufe drängt, sich selbst me genug, und seine festlich-stille Einkehr zu sich in Zeiten höchster Spannung. Jeher Ahasveros, die ewige Unruhe iin Räderwerk der Menschheit und die Rastlosigkeit, die morgen den Ort vergißt, an dem sie heute gestanden,, und jene Weisen in Bne Berak, die die Zeit vergaßen, im* Grunde tragen sie die Züge des gleichen Wesens. , ■ ' Einmal aus der Ewigkeit entlassen und in die Welt gestellt, ist es Israel, Bestimmung und Verlangen, Welt und Ewigkeit wieder zu versöhnen, Vergangenheit und Zukunft in einer neuen Einheit aufzulösen. Das ist der Sinn des Überschreitungsfestes, an dein Israel Raum und Zeit überschreitet. Und Du sollst erzählen . . ., nicht von der Gegenwart. An ihr hatte Israel nur selten Anteil. Sie war ihm stets reif,, überschritten zu werden. Wenn sie sich ihm verweigerte, so zog sich Israel in die Vergangenheit zurück. Denn sie war sein. Aber nicht \ deshalb nur. War nicht in ihr den Vätern und Vätersvätern die Zukunft verheißen worden. Um Zukunft willen liebte Israel die Vergangenheit, lebte es stets zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Erinnerung und Hoffnung. Und Du sollst erzählen ... Weißt Du nun wovon? Nicht vom Schicksal der Vater, von Siegen und Kämpfen, sondern von dem Sinn der hinter all dem liegt, von üer Bestimmung, die jüdisches Schicksal von seiner Geburt her empfing. ‘ * Denn jüdische Geschichte ist Geschichte der Vergangenheit und der Zukunft, ist die Geschichte einer Sendung, die die Gegenwart überschreiten kann, weil sie der Zukunft gewiß ist. Darum sei dieses Textblatt der Geschichte gewidmet. H. K. Geschichte erlebt und gespielt Von Max Vogelstein Die Pessach-Hägadah spricht die Forderung aus: „Zu jeder Zeit ist mau verpflichtet, sich so zu betrachten, als wenn man selber aus Ägypten gezogen wäre!“ Das geschichtliche Ereignis soll in das* Erleben des Gegenwärtigen gehoben, in ihm nochmals Wirklichkeit werden. Geschichte, so gesehen, ist nicht mehr längst Vergangenes,* das wir wohl mit Interesse, doch ohne innere Beteiligung aus der Ferne befrachten, sie wird vielmehr zur unmittelbar gestaltenden!. * Kraft, die das Lebensgefühl des Einzelnen und der Gemeinschaft bestimmt; sie wird Formelement der Persönlichkeit. Der Auszug aus Ägypten hat das unendliche Gewebe jüdischen Schicksals angezettelt, und wir, Generation für Generation, sind gehalten, den Einschlag zu werfen. Keiner - der Kettenfäden, die durch die Jahrtausende zu jenem Quell- . punkt zurückführen und vorwärts in unabsehbare Zukunft verlaufen, ist starr und tot, jeder ist vom Lehen durchpulst’ Wir aber können das von unseren Vätern begonnene dareingeschlungene bewegte Bild nur dann fortweben, wenn wir dies Leben in ihnen spüren, spüren in seiner ganzen Körperlichkeit: Der ganze Sinn der Arbeit unseres Kreises ist darin beschlossen, diese lebendige Wirkerkunst zu erlernen, durch die wir uns selber in das wundersame Schicksalsgewebe einzuflechten begehren, das wir Judentum nennen. Nun aber bringt unsere erfreuliche'Begabung, Gedankliches klar herauszuarheiten und in seiner Bedeutung zu erkennen, die Gefahr mit sich, daß wir nichts weiter als dieses sehen und somit jlles unanschaulich und erlebnisfremd wird. Wir vergessen bei der Beschäftigung mit der Bibel nur zu leicht, daß wir es nicht nur mit Ideen, sonder« mit Menschen gleich uns /.» tun haben. Und wir. sollten doch gerade wissen: all diese schönen und großen Ideen wären blasse Schatten, wenn sie nicht von Menschen, lebendigen, leidenschaftlichen Menschen getragen wären, in deren Lebe» und Leidenschaft wir uns heute noch' hineiuversetzeu können. Denn so sehr auch die Verhältnisse sich mit de» Zelten wandeln mögen, das Menschliche als solches bleibt sich ewig gleich'. Vermögen wir doch nur darum längst vergangenes Sei» zu begreife», über die Jahrhunderte mit ihm .Zwiesprache zu halten. Und so darf es . für uns keiiie ahgeschlbssenen Epoche», kein „Es war einmal“ geben, sondern nur ewige’Gegenwart des Menschlichen in. wandelndem Kleid. Solcher Aufgabe stellt jedes Alter semc besonderen Bedingungen. Kinder bringen für ihre Lösung die Galfe des anschaulichen Denkens mit. Die Erzählung ist Urnen nicht so sehr geistiger Gehalt als vielmehr Handlung. Und diese wird nicht aus der Ferne verfolgt. Das Kind springt in sie hinein, weil es den Abstand aufhebt, lebt sie unmittelbar mit und spinnt sic für sich selber im Spiel aus, wenn sie schon längst geendet hat. Es sucht selber die Gestalten seiner Sagen, seiner Indianer- und Ahenteurergeschicliten zii verkörpern, und •weiß sie auch da sprechen zu lassen, wo die Erzählung schweigt. Dabei mischt es in eigenartiger Weise Sprache der Gegenwart mit der jener Menschen, von denen die Geschichte handelt. Dies Überspringen des Abstandes fordert ja nun gerade die Hagadah. Und so gilt es, diese auf das Anschauliche gerichteten spielerischen Neigungen der Jüngsten auszunutzen. Wenn Kinder sich in eine biblische Erzählung so hineinversetzt haben, daß sie sie auf führen können, so beherrschen sie sie ganz anders, als wenn sie nur davon hören. Ja, sie dringen sogar zu ihrem gedanklichen Gehalt vor. Sie entdecken selber,. daß Elia den Gedanken der Gerechtigkeit verkörpert, und daß dieser Gedanke überhaupt beherrschend für das biblische Denken ist, wenn sie selber einmal den Prozeß um Naboths Weinberg zum Schauspiel gestaltet haben. Sie verstehen Saul und seine Schuld viel besser, wenn sie sich eihmal in ihn und seine Zeit handelnd hineinversetzt haben. Der biblische Bericht ist oft sehr knapp, die Gedanken der handelnden Personen sind vielfach nur angedeutet, über ihre Vorgeschichte ist häufig nichts ausgesagt. So setzt die Geschichte Abrahams aiif einem Höhepunkt ein. Über die Vorgeschichte, wie er diese Höhe erklommen im Ringen mit sich selber und im Kampf mit seiner Umgebung, erfahren wir nichts. Da muß nun die Phantasie nachhelfen, und wo sie nicht hinreicht, da wendet man sich an den Midrasch und findet dort, wie die Alten mit ihrer Phantasie diesem Bedürfnis nach weiterem Wissen und zugleich nach Anschaulichkeit genügt haben. Mau* hat immer zu fragen, was hättest du getan, wenn du dieser Mann gewesen wärest? Fragt man z. B., welchen Grund Jona wohl gehabt haben könne, den Gang nach Ninive zu verweigern, so kommen Kinder erfahrungsgemäß auf den Gedanken: es wird ihm schon einmal widerfahren sein, daß sich seine Unheilsprophezeiungen nicht erfüllt haben. Das hat er als Blamage empfunden und will sich darum einer solchen nicht nochmals aussetzen. Und wenn wir uns dann umsehen, so entdecken wir, daß der Midrasch genau denselben Gedanken gehabt hat. Auch er will ja nichts Anderes, als in der Sprache des Volkes die biblischen Erzählungen ausschmücken. Darum erfindet er' die fehlenden Nebenpersonen dazu und gibt Namenlosen Namen. Wir bleiben also in seiner Tradition, wenn wir unseren Kindern die Aufgabe stellen, ihre Phantasie spielen zu lassen. Geeignete Stoffe gibt es in großer Zahl. Die Erzväter, Mose. Abimelech, Samuel, Saul, David, Elia, Esther und viele andere bieten mit dem Erzählungskreis, der sich lim sie gesponnen hat, große Möglichkeiten. Zu Hilfe zieht man den „Born Judas“ und ähnliche Midraschsammlungen. Zweierlei muß gelernt werden. Einmal gilt cs, sich sprachlich korrekt auszudrücken und dann über die Stoffulle Herr zu werden. Das Ganze muß klar und überschaubar sein. Nicht jedes Ereignis kann auf die Bühne gebracht werden. Darum muß man einen Plan entwerfen und sich klar werden, wie man durch Berichte und Unterhaltungen die Zusammenhänge hcrstellen kann. Diese Kunst: zu streichen und doch das Ganze zu bringen, muß gelernt werden. Damit wird aber eine äußerst bedeutsame Schulung des Denkens, der Sprache und der Gestaltungskraft erreicht und noch ein Weiteres: Am jüdischen Stoff bewähren die Schaffenden ihre . deutsche Kultur und vereinen beide miteinander. Noch einmal: Geschichte und Religion Wir -etien hier die in Xr. 3 und Xr. 7 begonnene Diskussion über das Thema „Geschichte und Religion" jori. Ohne uns mit dem heutigen Beitrag im geringsten identifizieren zu wollen, hielten wir ihn doch für bedeutsam genug, um einen fruchtbaren Einblick in die neue innerfüdische Auseinandersetzung zu gewähren. Ganz davon zu schweigen, daß er unbedingt in den geschichtlichen Rahmen unserer Pessachnammer gehört. Die Schriftteituug des „U*. d. /-*■ Erika Loewenstamm greift in Nr. 7 des „Wort der Jugend1* unter dem Titel ,',17er neue Mensch“ Ausführungen von mir an, die in Nr. 3 unter dem Titel „Der neue Geist“ veröffentlicht waren. Sie wirft mir nichts Geringeres als eine völlige Verkennung des Wesens von Geschichte und Religion vor. Das nötigt mich, ihr. einiges zu erwidern. Erika Loewenstamm beruft sich auf ein neuerwachtes Geschichtsbewußtsein. Dieses , ist aber eben auch in-anderer als. der von* ihr aufgezeigten Hinsicht bedeutsam. Es sagt dem einzelnen Menschen zunächst, daß er nicht ein beliebiger Irgendwer ist, der seinen Standort einnehmen könne, wo er gerade wolle, sondern daß er von vornherein in bestimmte Bindungen hineingehöre. Indem es den Sinn für geschichtliche Zusammenhänge schärft, läßt es weiter erkennen, daß Völker und Staaten immer auch von Verhältnissen abhängig sind, die sie nicht nach freiem Willen abändern können und daß viele geschichtliche Mächte und Spannungen unbewacht entstehen und wachsen,- bis dann der Tag kommt, wo sie bedrohlich werden und man sich mit ihnen sehr ernsthaft befassen muH. Wenn solche Dinge aber erst einmal akut werden, dann ist eine historische Situation entstanden, die man nicht bewußt herbeigeführt hat und die, wenn sie zu kompliziert ist, uin einen gütlichen Ausgleich zu ermöglichen, nur dadurch überwunden werden kann, daß das Dasein eines der beiden Rivalen stark reduziert wird — das ist aber oft nur durch einen* Kampf auf Leben und Tod zn erreichen. Der zweite Punkt der wider mich erhobenen Anklage besagt, daß ich die jüdische Auffassung von der Religion „in ihrem Grundwesen völlig verkannt" habe. Es sei zunächst festgestellt, daß es sich bei mir nicht einfach darum handelt, „in schweren Zeiten aus trüber Resignation neue Weltanschauung zu machen“. Es gibt doch schon seit Jahren im jüdischen Lager die Erwägung, daß der jüdische Messianismus durchden aufklärerischen Gedanken des Fortschritts in verhängnisvoller Weise verfälscht worden und seine Befreiung ans dieser. Verstrickung dringend nötig sei. Um dieses Problem ringt eine ganze Reihe von Trägern guter Namen, von denen ich hier vor allem Ignatz Maybaum nennen möchte. Jedem, der'die messianischeir Stellen bei den Propheten unbefangen liest und nicht bestrebt ist, ihnen Gewalt anzutun, wird klar, daß es sich dabei gerade nich-t um eine einzige große Forderung handelt, sondern um eine Unzahl von Verheißungen, und zwar ebensosehr um Unheilswie um Heilsverheißungen, .die nur sehr schwer oder gar nicht einheitlich gedeutet werden können. Was nun unsere Philosophen angeht, die diese angebliche einzige große Forderung „in wunderbarer Weise fortentwickelt' haben": Maimonides glaubte noch einfach an den persönlichen Messias. Bei Hermann Cohen aber war der Messianismus zuletzt zu einer reinen Erkenntnisangelegenheit abgeblaßt. Ihm war das messianische Zeitalter ganz einfach die Zeit, in der sich alle Menschen zu einem reinen Monotheismus bekennen. Mit 70 Jahren erschien ihm daher die liberale prostestantische Theologie als Bote des Messias, und er glaubte damals, er werde die Tage des Messias selbst noch erleben. (Belegt in der Anmerkung Franz Rosenzweigs zu dem bedicht „Die frohe Botschaft“ von Jehuda Halevy.) Was fangen w i r nun aber mit dem Messianismus an? Es ist doch wirklich keine Kleinigkeit, dieses verwirrende und dunkle Gemisch'von Kyffhäuserstimmungen und Menschheitshoffnungen, von Verheißungen, die die Überwindung 'des Todes zum Inhalt,haben, von Gerichtsdrohungen und Unheilsprophezeiungen zu verstehen. Und die Beziehung des ethischen Handelns in der vormessianischen Zeit zu dem Reich des Messias selbst ist doch in diesen Stellen nur die, daß ein furchtbares Strafgericht verhindern soll, daß die schlimmsten Sünder dieses Reiches teilhaftig werden. Ich glauBe, daß der Messianismus für das Judentum nicht von so zentraler Bedeutung ist, wie es ein fortschrittsgläubiges Zeitalter wollte. Im geschichtlichen Judentum haben nicht die Propheten im Mittelpunkt gestanden, sondern die Thora. Außerdem verbietet es sich auch deshalb, die messiänischen Stellen als Lehre von einem sich in der ganzen .Menschheitsgeschichte auswirkenden Fortschritt aufzufassen, weil es im Judentum immer Erwägungen darüber gegeben hat, wie lange das Reich des Messias dauert, und was nachher kommt. Ohne mich endgültig zu entscheiden, will ich noch angeben, wie Ignatz Maybaüm 1928 in der „Festgabe für Festspruch Unser Gott und Gott unserer Väter! . - Es steige auf, es komme und gelange, es werde gesehen und wohlgefällig aüfgenomtnen, es werde gehört und in Erinnerung gebracht und gedacht unser Andenken und unsere Erinnerung und das Andenken unserer Väter und das Andenken des Messias, des Sohnes Davids, Deines Gesalbten, und das Andenken Jerusalems, Deiner heiligen Stadt, und das Andenken Deines ganzen Volkes, des Hauses Israel, vor Dir ' zur Rettung, zum Guten, * zur Huld, . zur Gnade, zum Erbarmen zumijLeben und zum Frieden an diesem Feste der ungesäuerten Brote. (Aus dem Tischgebet.) Claude G. Montefiore“ das Messiasproblem zu lösen versucht hat. Die ganze Kompliziertheit dieses Problems wird klar, wenn man sieht, daß Maybaum den Messianismus nicht als einheitliches Ganzes deutet, sondern zwischen geschichtlichem und eschatologischem Messianismus unterscheidet. Eschatoiogischer Messianismus ist ihm die Verheißung, daß Gott jeder echten Gebetsgemeinschaft nahe ist. Das Glück, das diese Verheißung spendet, kann den Willen erwecken, die Geschichte durch geschichtliches Handeln gänzlich aufzuheben. So ist nach Maybaum der Barkochbaaufstand zu verstehen und nicht national, wie die Zionisten wollen. Das Ende der Geschichte lierbeizufüliren, ist aber dem Menschen nicht gegeben. Vier geschichtliche Messianismus ist dagegen nach Mavbaum der Glaube, der die irdischen Verhältnisse „als nicht so-eng ansieht, daß nicht Höhepunkte möglich sind, die uns Gott gegenüberstellen, und der diese Verhältnisse niemals als so nebensächlich betrachtet, daß sie uns nicht zerschmettern, wenn wir unserer Aufgaben nicht gewahr werden". Hier ist für den heutigen Menschen dem Messianismus der Bibel eine sehr allgemeine Lehre abgerungen worden, die auf die Vorstellung vom messiänischen Friedensreich als krönenden Abschluß der Geschichte gänzlich verzichtet Dazu ist ja - jede Theologie berechtigt, die glaubt, daß die ewigen Wahrheiten der Bibel oft von Vorstellungen überdeckt sind, die einer zeitgebundenen Naivität angehören, oder dichterische Gestaltungen einer aus tiefer Trübsal gewachsenen Sehnsucht sind. Über die Maybaumsche Deutung hinaus daran zu glauben, daß der Mensch ein messianisches Endreich herbeiführen kann, ist ein Unding.. über die Maybaumsche Deutung hinaus zu glauben, daß einmal ein messianisches Endreich als Wunder liereinbrechen wird, ist etwas, was wir dürfen, aber vielleicht nur in seltenen Stunden unseres Daseins können. Das ist aber schon deshalb nicht so sehr wesentlich, weil dieser Glaube uns über das, was von uns gefordert ist, nicht mehr sagen würde, als die andern Lehrstücke des Judentums uns schon sagen. Zum Schluß .können wir, wenn auch von anderen Voraussetzungen herkommend, Erika Loewenstamm zustimmen, wenn sie sagt, daß „sowohl Geschichte wie Religion einfc verlangen, nämlich den ganzen Menschen“. Der neue Mensch, den wir herauszubilden haben, darf aber nicht nur ein religiöser Mensch sein, auch er muß Sinn für politische und feschichtliche Wirklichkeit haben,, um nicht wieder lebensremden Doktrinen anheimzufallen, wie das in der hinter uns liegenden Zeit leider so oft der Fall war. Artur Wo!ffers.

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