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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-01-30 · 9 (30.1.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
9 (30.1.1934)
Date
1934-01-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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keiner vim uns geworden, aber wir halten stets unser Auskommen; und die Menschen liaken^ uns geachtet,-weil wir erheben Sogar jetzt, in den Tagen harter Prüfling, die Gott: id>er Israel geschickt hat, verspüre ich diese Achtung. Meine alte' Kundschaft ist mir zum grollten Teile treu geblieben, tiewiil nicht, weil sie gerade mich nötig braucht, es gibt genug Klempner in der Stadt. Ich habe viel darüber nachdaclil: es’liegt wohl noch an etwas anderem. Ich habe mich stets offen als JudeJiekannt, habe als Jude gelebt, und jedei* hat es gewollt. Nun denke ich mir, das ist es gerade, was die andern Menschen von uns Juden erwarten, weil es Gottes Wille ist: wir sollen dem Glauben unserer Väter treu sein. Andere können vielleicht einmal von Gottes Wegen abweichen 7wir Juden dürfen es nicht, lins wird es nicht verziehen,’ weil. Gott seihst uns die Mission auferlegt hat, was auch kommen mag, in guten wie in Imsen Tagen seinen Lehren treu zirbleibcn. So w i I I man uns sehen, und deshalb verzeiht man uns nicht, wenn wir andere Wege gehen, wenn wir ahfalleu und etwas scheinen wollen, was wir nicht sind.“ 1 „Das müssen wir begreifen-und auch, ilalt die Mensehen nicht schlecht sind. Auch die Menschen müssen wir verstehen lernen. Alles verstehen heilit aber, alles verzeihen“, sagt er nachdenklich. Da kommt er wieder auf seinen Beruf zurück, den er lieht. „Glauheu Sie mir, es wäre besser um uns alle bestellt, wenn das Handwerk mehr geachtet worden wäre, so wie in aller /eit, im alten Israel. Ich danke meinem Vater noch heute dafür, dal) er mich Klempner werden liell. Früher wollte ich auch höher . hinaus, aber dann habe ich es bald eingesehen, dall der Vater rech! halte. Man ist nie verloren, wenn man .Handfertigkeit besitzt. Sie ist die Grundlage vieler anderer Berufe. Da sehen Sie meinen Sohn, er ist Ingenieur geworden, und er hat eben jetzt, vor wenigen Tagen, seinen „Dr. ing." und sogar mit Auszeichnung bestanden .— hier sein Diplom! — Ist.handwerkliches Können denn mellt auch die Grundlage seiner Arbeit? Schlielllich ist auch er der Tradition unserer Handwerker-Familie treu geblieben“, meint er lächelnd. Und noch an ein Wort knüpfte der wackere Meister .kluge Folgerungen, au das Wort, dall die Welt das Strahlende „Nicht so vielTvon sich hermachen, jeder sollte zufrieden au dem Platz wirken, auf den Gott ihn gestellt hat, sollte zufrieden Kleinarbeit leisten, wie der Handwerker sie tut. Ober die Menge hinausragen, dazu sind nur wenige twfsjnuut, und gerade die Grollten waren immer die be- TS^densteii...“ " Dann wird des Meisters Stimme traurig. „Jetzt lernt auch meine Gretel, Kleinarbeit zu machen,', aber es ist Trotz, der sie da draufleu hält und lieber alle Demütigungen ertragen lallt, als zu uns zuruck/ukehreu. Sie hat noch nicht die echte Liehe zu den Menschen, die Liehe, die alles begreift. Aber dazu muH mau wohl erst. alt geworden -.sein, und vielleicht lernt eiii Handwerker das auch eher als ändere, weil er bei seiner Arbeit über Welt und Mensehen naehdenken kann." Etty Hirschfeld. Israelitische Landesversammluna Württemberg Ein Ermächtigungsgesetz für den Oberrat Anfang Januar tagte in Stuttgart die Israelitische Laudesversamniluiig für Württemberg bei Anwesenheit sämtlicher Abgeordneter und sämtlicher Mitglieder des Ob'errats. Nach Vornahme verschiedener Ersatzwahlen nahm der Präsident des Oberrats, Ministerialrat Dr. Hirsch, das Wort zum Tätigkeitsbericht des Oberrats für die Zeit vom 1. Februar bis zum 31. Dezember 1933. Eine ausgedehnte und heftige Debatte entspann sich über die vom Oberrat beantragte E r m ii ch t i gun gs ve rOrdnung, die darauf hinausgellt, den Oberrat auf die Zeit bis Ende 1934 zu ermächtigen, alle Malinah m e 11 zu t r e f - f e n , die er auf dem Gebiet der Wirtschaft, der Finanzen,- der Organisation und 'des Beamtenrechts für erforderlich hält. Soweit es sich um Mallnahmen handelt, die aullerhalb der Zuständigkeit des Oberrats nach der Verfassung vom 18. März 1924 liegen, soll der Oberrat durch die Hinzuziehung des Präsidenten der"Laiidesversammhmg, des Vorsitzenden des Finanz-Ausschusses und eines Mitglieds des Vorstcheramts Stuttgart (hiermit soll -der finanziellen Bedeutung Stuttgarts für die Aufrechterhaltung der Gesamt-- Organisation Rechnung getragen werden) .mit Stimmrecht vergrößert werden. ■ Dieser Antrag wurde mit der Maßgabe angenommen, daß die Ermächtigung für den Oherrat in seiner derzeitigen Zusammensetzung unter Herausnahme der (10 und so der Verfassung sowie der kn ebenst euer recht liehen Bvslmmnmgcn des Kirchengesetzes Nach Annahme dieses Antrags schloß der Präsident der Israel. Laudesversammlung, Rechtsanwalt'. Dr. Ilayum- Tiibingen, die Tagung mit dem Wunsche, daß Gott uns beistcheii möge, unsere Organisation auch weiterhin zum Segen des Judentums unu der Gesamtheit aufrechtzuerhalten, um so Segen spendenu wirken zu können. Der Abgeordnete Ad/rr-Mergcntheim dankte im Namen der Abgeordneten dein Präsidenten der Landesversammlung und dem Vorsitzenden - des Finanzausschusses für die geleistete Arbeit. ... und Erika hat geweint Von Hans Sarnter Jüdische Künstler spielen im Berliner Logenhatis in der Joachimstlialer. Straße Kabarett. Dazu wäre, für und wider, mancherlei zu sagen; aber das alles hat wohl noch Zeit; denn da aii jeiier Stelle eben jüdische Künstler ein Unterkommen linden, die sonst verhungern wurden, schweigen zunächst alle anderen Bedenken. ZunächstI Ich war mit Erika dort. Und Erika hat geweint! Nur wer Erika kennt, versteht, was das bedeutet: sic ist ein wirklich nettes Mädchen, aber sie hat den Fehler so vieler jüdischer junger Menschen, daß sie sich nicht getraut, ihre Gefühle zu zeigen. Sie lacht nicht laut, sie weint nicht, sie klatscht nicht viel, und hat es ihr irgendwo gefallen, so muß mau sieh später sehr bemühen, wenn man es ihr anmerken will. Aber au diesem Abend hat sie geweint. Dabei war das Programm sehr bunt gemischt. Man darf es ehrlich sagen, daß vieles, ja das meiste, aber doch nicht alles gut war, was geboten wurde; das Wäre ja auch hei ' einem so jungen Unternehmen nicht zu verlangen. Es gab maucheu Witz, der nur aus Höflichkeit belacht, manche Darbietung, die nur zur Aufmunterung*beklatscht wurde.' Und auch Dinge, die man lieber nicht gesehen hätte, heute und au dieser Stelle. Trotzdem: als Ganzes kann dies Programm sich schon sehen lassen, und das Publikum ging von Anfang bis Ende begeistert mit. Aber Erika, die verwöhnt und anspruchsvoll ist, war nicht sehr zufrieden. Willy Prager konferierte, nett und nicht sehr tief. Mail konnte sich manchmal vorstellen, daß sich auch von dieser Bühne herab zu Juden mitunter ernstere Worte finden lassen müßten. Und irgendwann sang er ein paar Lieder. Von diesen Liedern will ich sprechen. Demi die waren schön und tief. Obwohl oder vielleicht grade weil sie sehr banal begannen. Das erste hieß „Und so verbringt man seine kurzen Tage“; es ist schwer, den Inhalt wiederzugehen, weil fast keiner war. . „Stimmung am Fruhstuckstisch“ hatte es auch heißen können. Von zwei Eheleuten wurde'da erzählt, die morgens bei der Zeitung sitzen und auf Post von ihrem Jungen warten. Und die Post kommt und kommt nicht; als sie dann aber doch kommt, ist es noch trauriger als vorher; denn der Junge sitzt irgendwo in der Welt ohne Aussicht auf Beschäftigung in einem kalten Zimmer und friert. Das ganze Leid der Ehern, nicht für den S0I111 sorgen zu können, aber fließt aus in den Stoßseufzer: „Warum wurd’ er auch Rechtsanwalt!“ Das ist echt und das ist gut und das muß man Willi Prager mit ganz leiser Stimme singen hören; denn hier verbirgt sich die Selbstverständlichkeit des grollen Leids und der kleinen Klage und unserer ganzen Haltung, die oft mühsam genug, aber immer heroisch ist. Es war ganz still im Zuschauerraum — und dann merkte man, daß Erika leise vor sich hin weinte. Denn hier war sie wie jeder von uns im Innersten getroffen. Dann kam noch ein zweites kleines Lied, gleich still und zart, „Wiegenlied“ hieß es, und es braucht eigentlich kein Wort darüber gesagt zu werden, was darin stand. Es war ein Wiegenlied, wie wir es alle singen würden, Wenn wir Kinder hätten, vom Glück des Klein-Seins und des Nicht-Wissens, vom Großwerden und der Hoffnung. Und als es zu Ende war, hatten sich zu Erikas Tränen manche hinzugesellt. Es ist noch kein ganz reines Glück, wie gesagt, dieses jüdische Kabarett, aber dieser eine Mensch darin zeigt, was daraus werden kann. Nicht Kopie bewährter Vorbilder und nicht Einstellung auf einen mehr oder weniger östlichen Geschmack wird helfen, sondern nur die klare Linie: auch hier nicht Glück und Leid dessen vergessen zu lassen, daß wir deutsche Juden sind. Erikas Tränen bezeugten, daß das richtig ist. Und die vielen Erikas, die es unter den Berliner Juden gibt, werden hier weinen. Das ist gut und das allein würde schon ausreichen, die Existenz dieses Kabaretts zu rechtfertigen. Berlin. (Wieder liberaler Gottcsdienst .in Wed ding-Reinickendorf.) Der Bezirksgruppe Wedding-Reinickendorf ist es gelungen, im Restaurant „Steinacker“, Seestraße 44 I (Ecke Müllerstraße), wieder regelmäßige Freitagahendgottesdienste für die nördlichen Bezirke eiiizuriehten. Der erste Gottesdienst findet am 2. Februar, abends 7.30 Uhr, statt. Die Wiedereinführung dieser Gottesdienste hat allgemein große Freude hervorgerufeii, und die Beteiligung verspricht dementsprechend rege zu werden. Aus der Bewegung des religiös-liberalen Judentums i; Liegnitz. Hier hat der Religiös-liberale Verein der Synagogcn-Gemeinde Liegnitz seine Vereinsarbeit wieder aufgenommen. Zum ersten Vortragsabend waren Einladungen an sämtliche Gemeindemitglieder ergangen. Der überfüllte Saal bewies das außerordentliche Interesse allerJ<reise! Herr Dr. Scherer, der 1. Vorsitzende, leitete den Abend mit einer Ansprache ein und erteilte sodann Herrn Philip/) Lachs (Breslau), dem Leiter der Wirtschafts-Beratungsstelle für Schlesien, das Wort über das Thema „Aktuelles z u r' B e r u f s 11111 sc h i c h t u 11 g“. Nach einem Rückblick ging der Redner auf die Situation des heutigen deutschen Judentums über und warf besonders die ungeheuer wichtige Frage auf, welche Berufsmöglichkeiten für unsere Jugend bestünden! Er betonte, daß bei Umschichtung zu Handwerk und Landarbeit auch die Eignung vorhanden sein müsse und daß mau auch die kaufmännischen Berufe keineswegs ganz ausschließen dürfe. Herr Lachs warnte eindringlich vor zieluud planloser Auswanderung, ohne genügende berufliche Vorbereitung, — und gleichfalls aber. auch, vor i'lhersiediimg in die Großstädte. Auf dem flachen Lande mul in den kleineren Städten bestünden immer noch eher Arbeitsmöglichkeiteii. Der Redner wies ferner auf die ins Leben gerufenen Darlelmskasseu hin, die mit kleinen Beträgen die Hilfsbedürftigen über schlimmste Zei.eu hiuwegztihclfeii bemüht sind. - Au den Vortrag schloß sich eine anregende Diskussion. In vorgerückter Stunde schloß der I. Vorsitzende den Abend mit der eindringlichen Mahnung, die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft nicht erlöschen, zu lassen. G.J: Aus den Gemeinden Kassel. (Ein Kulturbund gegründet.) Nach längeren" Verhandlungen hat sich auch hier ein Jüdischer Kulturbund konstituiert; dem gescliäftsführcnden Ausschuß gehören an: Landrabbiner' Dr. Walter, Frau Dr. Gertrud Halle; die Herren Hans Mosbacher und Dr. Weisbecker. Die Abhaltung von Vorträgen und Konzerten ist für die nächsten drei Monate in Aussicht genommen. Am 21.' Januar fand auf Anregung des üemeindevorstandes in der 'Hauptsynagoge ein Konzert statt, bei dem der Frankfurter Kaminerclio'r unter Leitung des Dirigenten Dr. Ehreureich mitwirkte. Marburg. (Persönliches.) Provinzialrabbiner Dr. Cohn, der seit t(> Jahren hier amtierte, ist am 1. Januar aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand getreten. Mit besonderem Eifer und Erfolg hat sich Dr. Cohn liier und iii den ihm unterstellten Landgemeinden für die Erhaltung der religiösen Institutionen eingesetzt. Aus finanziellen Rücksichten soll von einer Neubesetzung des Provinzialrabbinats im hiesigen Bezirk vorläufig abgesehen werden. Mannheim. (Zusammenlegung jüdischer Organisationeii.) Hier hat sich seit kurzem eine „Arbeitsgemeinschaft her jüdischen Vereinigungen Mannheimsgebildet. Sie will einerseits eine Ausgleichstelle für die sich bisher oft überschneidenden jüdischen Veranstaltungen sein, sowie andererseits als produktive Künstlerhilfe wirken. Der engere Ausschuß der Arbeitsgemeinschaft, dem Rabbiner Dr. Grünewald für das Jüdische Lehrhaus angehört, wurde wie folgt gewählt: Vorsitzender Fritz May; Schriftführer Dr. Lußheimer, Schatzmeister Bankdirektor Rudi Kuhn. Die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft liegt in den Händen von Redakteur Kurt Sonnemann. Der künstlerische Ausschuß der Arbeitsgemeinschaft besieht aus den Herren Kapellmeister Max Sinzheimer, Professor Dr. Billigheimer und Redakteur ■ K. Sonnemann. Gottesdienste Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162 Freitag, 2. 2., 7.15 Uhr: Graf: — Sonnabend, 3. 2., 10 Uhr: Graf. Liberale Synagoge Osten, Aula Kaiserstr. 30 Freitag, 2. 2., 7.30 Uhr: Dr. Hirschberg. . Liberale Synagoge Westend, Aula des Jüdischen Schulvereins Kaiserdamm 78 Freiing, 2. 2., 7.15 Uhr,: Zimet. . Liberaler Gottesdienst Schmargendorf Altersheim Berkaer Straße 32 Freilag, 2. 2., 7 Uhr. — Sonnabend, 3. 2., 10 Uhr. Jüdische. Religionsgemeinde .Charlottenburg, Schulslraße 7 Freilag, 2. 2., 4.45 Uhr. — Sonnabend, 3. 2., 0.30 Uhr. Jüdische Reformgemeinde Logenhaus, Joachimstlialer Sir. 13 Freitag, 2. 2., 6.30 Uhr: Rabbiner Dr. Jelski. Jüdische Reformgemeinde Johannisstraße 16 Sonntag, 4. 2., 10.30 Uhr: Rabbiner ilr. Goi/scbalh. EmpfeMenswede 3$e,zuqsque£lm BERLIN || WillyiBonk ■ I | Juwelen (Anu. Verkauf)| | Möbeltransporte | K'ÄKleider-Xlinik die führende Fachkthiik für die Wr- Tischlereien | H H Werkstätten für feinste Maßarbeit H H ■ H <• 1 Chbg, Kanlitr. 120-121 H H Ankauf Brjll3I)lEfl Verkauf Auto-Betrieb Umzüge, Ferntransporte, Lagerung Chemisch reinigen I ■ ANZÜGE . 1 1 KOSTÜME A.*? 1 1 MANTEL ^1 M. BERL1N-CHARL0TTENBURG Kniserdnmm 83 J 3 Westend 2n«2 Tischlerarbeiten Bau- und Hausarbeiten Jeder Art Fenster und Türen St. Mlchalak, SW 6t, MOckrrnstraOe 84, Bergmann 8301 | Baugeschäfte | | Elektr. Anlagen | SüßliO, Nürnberger Straße 25 Gote Verpackung. Versand per Bahn und Ubersee. Solide Freia e. Hermonn Pogolst ANDREAS RUHE Wilmersdorf, Hohenzollernd. 9 - Ecke Augsburger Sir. B 4 Bav. 6658 Scbbg-, Tempelhofer Weg 68. Platz 60 BERLIN NW 87 Friede Id» Stroudt. 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