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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-01-30 · 9 (30.1.1934) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
9 (30.1.1934)
Date
1934-01-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 9 3üöifd)-lil)etale 5etfung Beilage 30. Januar 1934 Jüdische Handwerker, wie sie der Praktiker und Liegenden hinzu, daun kommt mau zu einer Ziffer, die zwarkeinen (irund zur Mutlosigkeit gibt, aber doch die Forderung stellen killt, nur ganz geeignete Bewerber im Handwerk iurter/uhringeu, damit nicht, wie in früheren Jahren, fast nur „Sehlemihle“ im Handwerk Unterkommen. Dafür sorgt wie sie Oer Schriftsteller Sieht Der Praktiker: Der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau hat in einer am 13. Januar abgehaltenen Pressekonferenz über die ihm zugewiesenen Gesamtaufgaben eingehend berichtet und 'bei . der Gliederung dieser Aufgaben eines der brennendsten Probleme, die Neuorientierung in der Berufsiunsehiehtung,- in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Bevor zu den dort gemachten Ausführungen Stellung . genommen werden soll, muß vorausgeschickt werden, daß eine Änderung in der Berufsstruktur nicht von einem nennenswerten Erfolg gekrönt sein kann, wenn man die Kreise von der Mitarbeit ausschließt, die die Aufnahmestellungen für die neue handwerkliche Generation schaffen müssen. — Es galt bisher in allen jüdischen Gremien als selbstverständlich, daß man in bestimmten Berufs- und Standesfragen als Sacliberafer, und sei es auch nur zur Orientierung, Persönlichkeiten dieser Sparten mitheranzog. Wo es sich aber, um eine grundlegende Neuordnung unserer Berufsstruktur, nämlich die Eingliederung unserer Jugend in das Handwerk, handelt, sind bisher alle Bemühungen, Handwerksmeister zur Mitarbeit heranzuziehen, - aus irgendsvelchen unersichtlichen Gründen ergebnislos geblieben. Planwirtschaft treiben, setzt aber die Mitarbeit der Kreise voraus; die planen sollen und nach unserer Auffassung planen müssen. Es besteht seit annähernd 40 Jahren eine jüdische Handwerker-Organisation, die . nicht erst seit heute, sondern seit dem ersten Tage ihres Bestehens ihr erstes und letztes Ziel in einer neuen und gesünderen Berufsgliederung innerhalb unserer Gemeinschaft erblickt hat. Nicht' durch theoretische Erwägungen, sondern in der positiven Arbeit und durch Vorbild hat sie dazu beigetragen, innerhalb des deutschen Juden- 'tums die Standesunterschiede zu verwischen ünd damit den Boden aufzulockern, unsere Jugend nicht nur zwangsweise, sondern innerlich vorbereitet dem Handwerk zuzuführen.. Die jüdische Handwerker-Organisation umfaßt allein in Berlin weit über 1200 Betriebe ünd fühlt sich durch ihre innere ' Geschlossenheit, ihre zahlenmäßige Stärke, aber auch durch' ihre positive Arbeit, die sie sowohl int jüdischen als.auch im vaterländischen Interesse jederzeit geleistet hat, berufen, selbständig zu den brennenden wirtschaftlichen Fragen Stellung zu nehmen, insbesondere soweit sie das Handwerk betreffen. Der Aufbau des< neuen Staates war mit •tiefeinschneidenden Maßnahmen für die politischen und wirtschaftlichen Rechte der deutschen Juden verbunden. Besonders hart betroffen davon wurden die akademischen, Beamten- und freien Berufe. Darüber, hinaus sind aber die deutschen Juden durch die Gleichschaltung aller Wirtschaftsverhände in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung stark gehemmt. Relativ am besten. behaupteten sich die Handwerksbetriebe, soweit sie nicht, gegen den ausdrücklichen Willen der Reichsregierung, von untergeordneten Organen in der Ausübungihres Gewerbes beeinträchtigt wurden. Auch im berufsständischen Aufbau wird der jüdische Handwerker nach den letzten Informationen aus dem Reicliswirtschaftsministerium Raunt finden, wobei er sich klar'darüber ist, daß er innerhalb seiner Berufs-Organisation um seinen gleichberechtigten Platz wird kämpfen müssen; daß er 'dies mit Würde tun wird, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Der jüdische Handwerker .wird aufs neue unter Beweis stellen,' daß er dem Ansehen seiner Organisation und damit der deutschen Wirtschaft und unserer Gemeinschaft zu dienen hat. 'Das ist keine neue Erfindung, sondern gerade im Handwerk haben Juden . in ihren .Berufsorganisationen, oftmals an leitenden Stellen, Hervorragendes für ihre Standesinteressen geleistet. Heute, wo sie zn Ämtern nicht mehr zugelassen sind, werden sie als einfache Soldaten ohne Aussicht oder Anrecht auf Beförderung für die Ehre des Handwerks nach wie vor eintreten. Dazu gehört nicht nur die Allgcmeinverbindlichkeit gegenüber allen Berufskollegen in den Pflichten, sondern auch die Verfechtung seiner Rechte, sei es hei der Antastung seiner jüdischen Ehre, sei es bei der Einschränkung seines ihm durch Gesetz verbürgten wirtschaftlichen oder berufsständischen Aufbaus. In diesem Zusammenhang braucht nicht erd auf die wicderholten Erklärungen der Reichsregierung un.l auch des Reichswirtschaftsinmisters hingewicsen zu werden, die gegen jede Störung der Wirtschaft Stellung nehmen. Erwähnenswert ist das Schreiben des Treuhänders der Arbeit im Wirtschaftsgebiet Sachsen unter dem 14. 12. 1933 auf Grund einer in Chemnitz gegen nichtarische Firmen vorgenoinmencn Inseratensperre an die Verleger der Chemnitzer Zeitungen, in dem es u. a. heißt; „Der Herr Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hat folgende Stellung eingenommen: „Sowohl der Herr. Reichskanzler wie andere Mitglieder der Reichs- und preußischen Regierung haben wiederholt erklärt, daß jeder bei der Mitarbeit am Wiederaufbau Deutschlands willkommen sei, der guten Willens ist. Solange ein Geschäftsmann nicht gegen die bestehenden Gesetze verstößt, liegt.kein Grund vor, irgendwelche Sondermaßnahmen gegen, ihn zu treffen. Es bestehen ja bekanntlich auch für die Juden keinerlei Ausnahmegesetze auf wirtschaftlichem Gebiet.“ Wenn 'untergeordnete Organe gegen solche klaren Be-' Stimmungen der Reichsregierung verstoßen, so sind wir nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, uns beschwerdeführend an die maßgebenden Stellen zu wenden. Es geht nicht nur um unsere Existenz, sondern auch uiminsere Ehre. Es ist dringendes Erfordernis, daß überall klare und einheitliche Verhältnisse geschaffen werden,-die es unserer Jugend, soweit sie zum Handwerk strebt, ermöglichen, einen Beruf zu ergreifen, in dem sie Positives leisten und in späteren Jahren an der Mehrung des wirtschaftlichen Erfolges in unserem Vaterlande teilnehmen kann. Dabei soll ausdrücklich betont werden, daß trotz des verengten Lebensraumes, der uns in unserem Vaterlande geblieben ist, unser Glaube an Deutschland unerschütterlich ist, und daß sich auch auf deutschem Boden, dem wir zugehörig sind, Zukunft und Schicksal unserer Jugend erfüllen wird. Voraussetzung dafür wird aber immer nur eine sinngemäße und planvolle Einordnung unserer Jugend in die Wirtschaftsmaschinerie sein. Eine Massenbehandlung wird dieses Problem nicht vertragen können, sondern nur eine pflegliche Behandlung eines jeden Individuums nach Anlage und Leistung wird die Gewähr bieten, aus vielen Einzelsteinen ein sturm- und wetterfestes Mosaik herzustellen," das sich nur durch seine Härte wird bewähren können. Dafür wird auch schon die Zwangsläufigkeit der wirtschaftlichen Einordnung unserer Jugend Sorge tragen. Der Vorstand der Handwerkskammer zu Berlin und des Landesarbeitsamtes Brandenburg geben bekannt, daß, allpin in Groß-Berlin im Frühjahr 1934 40 000 Vplksschiiler die Schule verlassen und damit als Lehrstellen-Aliwärter auf dea Arbeitsmarkt treten. Hinzu kommen noch mehrere tausend Schüler von höheren Lehranstalten, die zum Studium wegen Überfüllung der.akademischen Berufe nicht zugclasscn werden können. Der erdrückende Teil wird zuin Handwerk übergehen. ._ Bedenkt man, daß im Handwerk Lehrlings-Höcbstzahl- Vorschriften bestellen, die nur in äußerst dringenden Fällen . uhei-schrittcii werden dürfen, und rechnet inan die jüdischen Schulentlassenen und die bereits auf dem’ Lehrstcllenmarkt lirift ist nicht einhc reifenden Beruf. Iku irauf gtflegl werden, Eignungsprüfung hei ■wirft. Damit wird s eine falsche Berufs indigcu-Beriifs Artikel auf Kraft mul Tapczierermeisti >uls Wulff. Der Schriftsteller: anderer freundlicher, der nächste vielleicht sTT» g dem strahlt ein helles Güte, Wahrhaftigkeit, Einem solchen Menschen bin ich in Görlitz begegnet. An einem Feiertag führte mich der Zufall, dem ich tlanjP 3t. bin, in das Haus" des Herrn... seinen wirklichen N.wteTi darf, ich nicht angcbcu, so will ich ihn kurz Simon nennen Das Leid, das die deutschen Juden getroffen, hat aiicli seine Familie nicht verschont. Wohl sitzen um den zu Ehren der Gäste festlich gedeckten Tisch seine Frau, der Sohn, die würdige alte Mutter, die mit 90 Jahren nach frisch lind rüstig ist, aber eine Lücke-ist da, die jeder schmerzvoll empfindet; die zärtlich geliebte Tochter, die ihr Amt verloren hat, weilt in der Fremde. Weinend berichtet Frau Simon von dem harten Leben, das.dieses Kind in Holland tiihreu muß: Auch der Vater streicht sich verstohlen über die Augen: wie sehr fehlt ihm seine Oretel. , „Sie ist immer so stolz auf ihre Selbständigkeit gewesen, die Orgtel“, sagt i!r, „nun will sie uns nicht belasten. Aber es wäre besser, wenn sie zitriickkäiiie; denn auch hier, in ihrer deutschen Heimat, ist sie nicht überflüssig ' Sie erkennt es nur noch nicht, weil sie zur jungen Generation gehört. Und die jungen Menschen sind alle ungeduldig und können’1 nicht ’äbwarten." Sfe wollen aitch iuliner mehr, werden, als die Väter sind — viele Eltern denken ja cf s nicht ganz gleich , wendet ei e oft; jemand mich fragte: Was soll ich meinen Solm werden hissen, wozu raten Sie mir? habe—ich ilun gesagt: Lassen Sie ihn ein Handwerk erlerneu. Dann kann es* ilun niemals schlecht ■ gehen, weil er sich immer zu helfen wissen wird. — Wo denken Sie hin? hat er dann meist geantwortet, mein Sohn Besseres werden, als ich bin, er soll studieren. n Vater eht, corden. lulius Darbet* Steuerberater- Bücherrevisor - Treuhänder R,ri;n-Charl.Mommsenstr. 14 J lBtoK&W tf&tiüonxuycri. Sie bei Jhrai SiaRaufiuz das/vAreade. . 'KAUFHAUS * Ä Be nun* sc/förteBeaa . " ' S7ür S/r-isör— Otto Bromberger Berlin W 15, Knesebeckstr. 3C £mp$eftie»Mverte ^rhiersaCons Die moderne Zeit verlangt von einem jeden sorgsamste Pflege des Äußeren, zu der an erster Stelle eine kleidsame und individuelle Haartracht gehört. 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Sammel-Nr.D 2 Wiidindamm 0852 Die Bank des jüdischen Mifttelstancres Ausführung sflmtl. bankmüsslger Geschäfte .

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