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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-04-15 · 4 (15.4.1933) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
4 (15.4.1933)
Date
1933-04-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Das früheste Vorkommen der Juden i in Deutschland. In einer in'der Paulinus-Druckerei zu Paderborn erschienenen Abhandlung publizieri Dr. A. Altmann neue Forschungsergebnisse über das früheste Vorkommen der Juden in Deutschland. Bisher galt das Gesetz Constantins „Lieber die Kölner Decurionen“ vom Jahre 321 als früheste Quelleüber das Vorkommen von Juden in Germanien. Altmann wer-1 tet den I'und einer Tonlampe init dem siebenarmigen Leuchter, den man bei Trierer Ausgrabungen madite, archäologisch und historisch aus, unter Heranziehung reichen geschichtlichen Materials. Er kommt zu dem Resultat, daß, nach diesem Bunde zu beurteilen, bereits im. 3. Jahrhundert in Trier Juden gewohnt haben. Trier besaß demnach die älteste jüdische Gemeinde auf deutschem Boden. Auswandererfürsorge _,des Hilfsvereins der deutschen Juden. Infolge der verstärkten Aus- und Rückwanderung hat der „Hilfsverein der deutschen Juden“ seine Emigrantenberatungsstellenach Oranienburger Straße 31 verlegt; eine im Interesse der Ratsuchenden geboteneengere Zusammenarbeit mit der dort befindlichen Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe ist gewährleistet. Die Zentrale des Hilisvereins ist nach wie vor: Berlin W30, Martin-Lutfier-Straße 91. Das soeben erschienene Februarheft des vom Hilfsverein herausgegebenen „Korrespondenzblattes über Auswanderungs¬ und Siedlungswesen“ orientiert über Einwanderungsbestiminuugen in den verschiedenen kontinentalen und überseeischen Ländern sowie über Lebensbedingungen und Verhältnisse in denselben; Im Interesse der Emigranten stellt der Hilfsverein in dauernder Verbindung mit zahlreichen Emigrationsgesellschaften. Mitteilungen der Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe. ,» Die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe bearbeitet im Einvernehmen mit den führenden jüdischen Organisationen weiterhin sämtliche von ihr in Angriff genommenen Wirtschaftsfragen. Sie ist für das gesamte Reich zuständig in den Fragen der Wirtschaftshilfe, der Selbsthilfe einzelner Berufskreise, der Berufsberatung und der Berufsumschichtung, wobei sie selbstverständlich mit den in Frage kommenden Organisationen Hand in Hand arbeitet, und wobei die Tätigkeit etwaiger örtlicher Stellen unverändert bestehen bleibt Bei der Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe sind folgende Faohabteilunggn_geschaffen worden: Allgemeine Wirtschaftsfürsorge Tmd allgemeine Rechtsberatung, Sonderabteilungen für die Beratung selbständiger Kaufleute, Aerzte und medizinischer Berufe, Anwälte, Beamter und Behörderiangestellter, kaufmännischer Angestellter, freier Berufe imd Künstler. Sprechstunden für Wirtschaftshilfe finden täglich (außer . Sonnabend) von 10—2 Uhr statt Sprechstunden für Aerzte. Anwälte, freie Berufe - und Künstler .sind telefonisch unter Weidendamm (D21 6072-zu erfahren. Unter dieser Nummer werden auch in eiligen Fällen Spnderbesprechungen vereinbart ■ Stellennachweis für Aerzte. Die Beratungsstelle für Aerzte in Verbindung mit der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat einen Stellennachweis eingerichtet Wir bitten, freiwerdende Stellen für Aerzte, Assistenzärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker und andere verwandte Berufe ahzumelden. Anschrift: Zentralstelle für jüd. Wirtschaftshilfe, Abteilung Beratungsstelle für Aerzte, Oranienburger Straße 31. Telefon: Weidendamm D 2, 6072. Benifsntmchidifung in landwirtschaftliche und gärtnerische Berufe. Die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe hat im Zusammenhang mit den in Frage kommenden größeren jüdischen Anstalten (Ahlem, Neuendorf u. a.) Abmachungen getroffen, um in aller-Kürze einer größeren Anzahl hierfür geeigneter Personen Ausbildung und Berufsumschulung in Landwirtschaft und Gärtnerei zu ermöglichen. Es stehen demgemäß sofort ca. 150 bis 180 Plätze zur Verfügung. Die Kurse, die etwa ein Jahr dauern sollen, werden am 15. Mai beginnen. Die Ausbildüngskosten betragen monatlich 60 RM, doch besteht in geeigneten Fällen die Möglichkeit, eine Herabsetzung dieser Kosten herbeizuführen. Da bereits eine große Anzahl von Anmeldungen vorliegt, ist damit zu rechnen, daß die Plätze in aller Kürze vergeben sind. Es ist daher umgehende-Meldung an die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe, Berlin N 24, Oranienburger Straße 31, unter genauer Angabe des bisherigen Bildungsganges, der Personalien etc. geboten.. Städtische Gebäude für jüdische Organisationen - gesperrt. Wie die „Nachtausgabe“ mitteilt,-dürfen auf Grund einer Verfügung des Berliner Oberbürgermeisters in Zukunft städtische Gebäude, Einzelrüume- und Grundstücke an mosaische Organisationen nicht vermietet oder Verpachtet werden. Die bestehenden Miet- und- Pachtverträge werden sogleich einer Nachprüfung unterzogen und. soweit erforderlich, zum nächstmöglichen Termin gekiindigt.- Aus den Gemeinden Berlin, fZcntralaiisscliu'ß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau.) Es-wird darauf hingewiesen, daß der Zentrajaussclmü der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau keine Hilfegesuche unmittelbar bearbeitet, Unterstützungsgesuche' jeglicher Art sind nach wie vor an die zuständigen örtlichen Stellen .zu richten. &npfefiieaswede ^BezugsqueUeu | Düsseldorf! |- Maler § | f Wäschereien | EMIL SCHÜMANN MALERMEISTER bekannt f0r sauberst* Ausführungen Paul Harm Düsseldorf, Kreuzstrafje 14 Kaisersweriher Straf],: 35 Fernruf 30779 Fernsprecher 12330 Die Wäscherei für Sie, preiswert und gut I W. SEITZ 1 1 Rahmenfabrik 1 I Birkenstraße 112, Ruf 60914 1 1 Einrahmungen Sperialtil: 1 | Barockrahmen, GemSldelelates | Erste Spezial- Qardinen-wascherei Hillenbrands Jahnstrafle 71 Rat: 26633 Gardinen werden nach Master gefärbt'; kunstvolle- Ausbesserung Berlin. (Gedenkfeier im Berliner Israeli tischen Heimathaus.) In dem von Hermann und Johanna Abraham gegründeten Israelitischen Heimathäus zu Berlin fand anläßlich der ersten Wiederkehr des Todestage von Hermann Abraham eine Gedenkfeier statt, an der die Witwe des Verstorbenen, seine Verwandten und Freunde sowie eine große Anzahl der Insassen des Heimathauses teilnähmen. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr." Winter (Friedenau), der der Hoffnung Ausdruck gab, daß das im Sinne des Verstorbenen von Herrn Max SeckeL weitergeführte Werk auch in- Zukunft sich segensreich äuswirken werde. i Kassel. (Festsetzung der Kul tus s te u e r.) Mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde werden zur" Ausgaben-, deckung der Gemeinde- und Provinzialverwaltung im Jahre .1933 23 Prozent von der Reichseinkommensteuer erhoben; 20 Prozent 'als Gemeinde-, 3 Prozent als Provinzialabgabe. Gemäß Verfügung des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 6. Dezember 1932 sind 40 Prozent der Reichsvermögenssteuer unter Anrechnung des Betrages auf die Reichseinkommensteuer zu zahlen. Lohnsteuerpflichtige haben der Zahlung die 1932 entrichtete Lohnsteuer zügrundezulegen. Marburg. (Selbstmord Professor Hermann Jacobsolins.) Der vor kurzem beurlaubte 53jährige Professor Hermann Jacobsohn, Ordinarius für indogermanische Sprachwissenschaft an der Universität Marburg, hat sich vor einen fahrenden Zug geworfen und wurde auf der Stelle getötet. Dieser tragische Heimgang des verdienstvollen und edlen Gelehrten findet allgemein wärmste Teilnahme. Sprechsaal ) Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich die; preOgesetztiche Verantwortung. Nochmals: die Thorah-Vorlesung | in Gefahr? | Es ist recht erfreulich, aus dem Bericht in Nr. 1 vom L April dieses Jahrganges unserer „Jüdisch-liberalen Zeitung“ zu entnehmen, da^ im Hamburger Tempel die Einführung einer übersetzten Schrittverlesung außer derjenigen im Urtext das Interesse der Synagogenbesucher, für die Thorah wieder erhöht hat Auch mir scheint es manchmal so, als ob für jenen integrierenden Bestandteil unseres Gottesdienstes wenig oder fast gar kein Verständnis mehr vorhanden ist Natürlich ist es einer großen Menge unmöglich, bei' der Verlesung durch den Kantor Inhalt und Sinn des Thorah-Wortes zu erfassen. Das geht, glaube ich, hicht nur den Besuchern liberaler Synagogen so, sondern Sicherlich auch einem beträchtlichen Teil orthodoxer Synagogenbesucher. Daß auf die hebräische Verlesung nicht verzichtet werden darf, halte ich für selbstverständlich^ denn gerade die damit verknüpften Zeremonien des Aus- und Einhebens und die herrlichen Kompositionen, die in unseren. Orgelsynagogen diese Handlung umrahmen, gehören zu den weihevollsten Momenten auch im liberalen Gottesdienst. | Eine deutsche Uebertragung aber ist erstens kein Bruch mit der Tradition, und zweitens, glaubeich, sind wir als Liberale nicht nur ängstliche Traditionshüter, sondern wollen unser Judentum aus einer Sache bloßer Pietät zu einer uns lebensnahen gestalten.- 'Die Wandlung im Kultus könnte, wenn wir überhaupt noch besonderer Rechtfertigung bedürfen, angeführt werden. Ich persönlich hälfe die Forderung der Stunde immer für einen hinreichenden Rechtfertigungsgrund jeder Reform! Und die Forderung.,ist doch: die Thorah denjenigen, die anscheinend* kein Verständnis mehr für sie haben, wieder auf jsdmellstem Wege nahezubringen. | Es ist sehr wahrscheinlich, daß überhaupt die Verlesung der Schrift den Anlaß zu gottesdienstlichen' Versammlungen dereinst gegeben hat Wir wissen, daß die Thorah für den Juden gleichsam immer „Buch des Lebens“ war, und daß die Fülle ethischer und sozialer Gedanken, die einen großen Teil ihres Inhalts ausmachen, auch heute noch der Kenntnis und des Verständnisses wert sind! Da man aber stets liberaler war, als heute vielfach angenommen wird, gab es, als die hebräische Sprache nicht mehr allen verständlich war. kein Zögern israelitischer Autoritäten, eine Möglichkeit zu schaffen, um die „Heilige Schrift“ im Volke lebendig zu erhalten. Man begann mit der Uebertragung, die man schlechthin als „Targum“ bezeichnete. Da den aramäisch sprechenden Juden das Aramäische Muttersprache war, schuf man die aramäische Uebersefzung. Bekanntlich hatten wir auch verhältnismäßig früh die berühmte griechische, die Septuaginta, und der Talmud kennt auch die ägyptische usw. Der Mann, der in der Synagoge die Uebertragung vomahm, führte die Bezeichnung „Meturgeman“. Er übersetzte nicht nur wörtlich, sondern er war „Interpret“, d.h. hier, er übersetzte etwas freier, um gleichzeitig der Gemeinde den Sinn durch knappe Auslegung klarzumachen. Daraus hat .sich übrigens schon in grauer Vorzeit die jüdische Predigt entwickelt Zidkia ben Abraham sagt im Namen seines Verwandten, Giuda Romano,! daß uns die Landessprache das ist, was den Alten das Aramäische war, und macht die Uebertragung quasi zur Pflicht. Daß man später wieder anders dachte, ist höchst bedauerlich. Wenn nun noch nach Autoritäten gesucht wird, dann glaube ich: sind es die Rabbiner, die auf der Rabbinerversammlung , im Jahre 1845 für die Uebertragung eingetreten sind. .Wer j einmal ein Pentateuch-Exemplar in hebräischer Sprache mit sogenannten jüdischen Bibelkommentaren in der Hand hatte, der wird dort auch die bekannte aramäische Uebersetzung des Textes äbgedruckt gefunden haben. Wer sich für weitere Einzelheiten interessiert, der sei auf das Standardwerk des jüdischen Gottesdienstes von Prof. Ismar Elbogen verwiesen. Wenn das deutsche Bibelwort heute zu deutschen Juden spricht, dann kann es kein Zögern geben und auch keine Bedenken, diese Möglichkeit wahrzunehmen, die Thorah unserer Gemeinschaft wieder nahezubringen. Gerhard Graf, cand. phil. et theol. Der Kredifverein für Handel und Gewerbe e. G. m. b. H., Berlin N 24, Oranienburger Sfr. 3 erlaubt sieb, auf folgende empfehlenswerte Firmen aus dem Kreise seiner Gerjossen und Kunden hinzuweisen: Vereinsnachriditen. 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Wer das Glück hatte, mit ihm gewandert zu sein, der-weiß: nie duldete er, daß irgend einem- Tier ein Leid geschah. Jedes Tierchen, welches über den Weg kroch, nahm er auf und trug, es auf die Seite ins Gras. Seine große Liebe war die Musik. Am fröhlichsten.war er auf unseren Singeabenden. Und er träumte immer von einem Jli-Fahrtenliederbuch — jetzt grade war es fast fertig. Seine ganz besondere Liebe aber galt den Kindern. Wenn man ihn besuchte, konnte man ihn auf der* Straße treffen, umringt von Kindern, mit denen er spielte. Der Berliner Jli verdankt ihm seine gesamten Kükengruppen, die er mit vieler Liebe ins Leben gerufen hatte. Es war seine ständige Sorge, daß in dieser Zeit die .Kükenarbeit vernachlässigt werden könnte. In unserm letzten Gespräch sagte er mir: „Man sollte nicht vergessen, daß ein Bund nur leben kann, wenn er ständig für seinen Nachwuchs sorgt“ Ich glaube, wir würden Hans einen schlechten Dank für seine Mühen wissen, wollten wir nur um ihn trauern. Nein, unsere Aufgabe ist es, weiter zu arbeiten in seinem Sinne an unserm Jli und insbesondere an seinem Vermächtnis, den Kükengruppen. In seinem letzten Brief, den er mir, von der Sorge um des Jli Zukunft getrieben, noch kwei Tage vor seinem Tode schrieb, hieß es: „Wenn man beschließen sollte, daß wir uns auflösen wollen, so ermächtige ich Dich, den Antrag zu stellen, so zu arbeiten, daß wir uns baldigst verdoppeln.“ Wir müssen und wollen also grade jetzt Weiterarbeiten. Sein-Andenken aber soll unvergessen bleiben. Julius Stern. Das Jli-Programm Berlin. Gruppenbesuche bitten wir vorher bei den Führern anzumelden. Gruppe Westen. Führer: Heinz Keilermann. Montag, 22. Mai, 8 Uhr, Thema: „Baeck, Glaube an Gott“. — Montag, 29. Mai, 8 Uhr, Thema: „Baeck, Glaube an Gott“. Gruppe Tiergarten. Führer: Manfred Schwarz. Montag, 15. Mai, 8 Uhr, Thema: „Gewalt und Gewaltlosigkeit^_- __ Frankfurt a. M. Dienstag, 16. Mal: „Die Juden Im Mittelalter." — Dienstag, 23. Mal: „Technik und Geist.“'(Buchbesprechung.) Alle Veranstaltungen im Heim, Eschersbeimer Landstraße Nr. 651, 20 Uhr.-

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