Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 17 (1.12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Schafft einen liberalen Lehrplan für unsere Jugend! Von Rabbiner Dr. B. G o 11 s c h a 1 k (Köln). Um der liberalen Idee auch vom Unterricht her Verbreitung zu sichern, ist nicht nur die Berücksichtigung der Themen wie: Entwicklung. Offenbarung, Formen und Bräuche zu' verlangen, nicht nur, wie selbstverständlich, die begeistert liberale Lehrerpersönlichkeit, sondern auch der Lehrplan muß in all seinen Einzelheiten dem liberalen Geist Rechnung tragen. Die alten Einwände von der nicht einheitlichen Schülergemeinde, da ja der liberale Lehrer oft genug auch orthodoxe Kinder yor sieh sieht, können der grundsätzlichen Forderung keinen Abbruch tun: sie sollten aber, wo irgend möglich, vor allem also in den (iroßgenieindett doch endlich durch entsprechende Gruppierung der Kinder ihr Ende finden. Das hat nichts mit parteimäßige,r Beeinflussung der Schüler zu tun. Aber zunächst halten die Vertreter der liberalen' Idee bei der verhältnismäßig geringen Zeit, die dem Religionsunterricht zur Verfügung steht, schon von unten aui dafür zu sorgen, daß die Kinder ganz in ihrem Geiste erzogen und gebildet werden. Das kann bei dem einheitlich-neutralen Unterricht schon aus äußeicu Gründen nicht geschehen, weil'der Lehrer hier, eben in Rücksicht aui die niehtliberalcn Kinder, auch auf deren Anschauungen und Leben mehr eingehen muß. als es sonst nötig und. für unsre Kinder, gut. wäre. Es kann aber auch deshalb nicht geschehen, weil der Lehrer in einem so gemischten Kreise sich ■immer etwas gehemmt fühlen wird, wenn er seine .Begeisterung für liberale Ideen und Menschen. und liberales Leben voll ausstrümen lassen möchte. Das hat nichts mit Schwäche oder gar Feigheit zu tun. aber mit pädagogischem Takt. Als Kinder sind dem Lehrer natürlich die einen so lieb wie die anderen — wie leicht aber kann es geschehen, da Kinder feinfühlig sind, daß sic glauben könnten, sie seien dem liberalen Lehrer weniger genehm! Und so wird alles bei ihm gedämpfter -klingen, so wird er manches, was orthodoxe Kinder überhaupt nicht hören „sollen“ oder „dürfen“, nur mit größter Vorsicht erwähnen, wenn nicht gar verschweigen. All diese .Hemmnissefallen beim liberalen Unterricht fort. Der liberale Lehrplan wird nun durch folgende Dinge sein Gepräge erhalten: durch die Beweglichkeit in der Stoffanordnung. die nicht unbedingt dem Gang der Bibel folgt, durch die Stoffauswahl, die alles Reinreligiöse von der ersten bis zur letzten Klasse in den Vordergrund stellt, vor allem aber — und dies gilt besonders für die oberen Klassen — durch die breite Ausmalung und Behandlung liberaler Persönlichkeiten, liberaler Ideen, liberaler Schriften. Männer wie Geiger, Lazarus, Steinthal. Cohen. Kellermann oder die Männer der Reform oder bedeutende Liberale der Gegenwart müssen dem liberalen Schüler geläufig werden und dürien nicht bloß durch ein paar Buchtitel oder ein paar Zitate zu ihm reden. Wichtig ist aber auch die Beschäftigung mit Werken, die gewöhnlich als Reservat der Orthodoxie gelten und deshalb dem Liberalen allenfallsaus der Abwehr bekannt sind (Talmud, Schulchän Aruch). Es gibt da auch für den Liberalen außerordentlich viel, was ihm gerade als religiöses Gut wertvoll sein muß. - Sehr wesentlich ist esv daß der These: Religion und Lehen schon früh im Unterricht Rechnung getragen wird, und das vqn Klasse zu Klasse mehr. Immer wieder, am besten in jeder Stunde,.muß das Leben der Gegenwart an die Klassentüren pochen. Aus Zeitungen, aus neuen Büchern muß gelesen, Bilder müssen gezeigt, Ereignisse besprochen. Institutionen besichtigt werden. In den obersten Klassen aber muß gerade in der Gegenwart Religion und Politik. Religion und soziale Frage in das rechte Verhältnis gesetzt werden. Der Reichtum der jüdischen Geschichte muß schon durch die immer wieder zu betonende Grundanschauung für die liberale Idee ausgenutzt werden, daß die ganze Geschichte nur als Religionsgeschichte von uns begriffen wird. Nur weil — so ist das gemeint — eine jüdische Religion da war. an der die Menschön festhiclten, deshalb hat es all das gegeben, was wir heute jüdische Geschichte nennen! Und grade ihre Vielseitigkeit, .die Tatsache, daß sie von Astronomen ebenso zu erzählen weiß wie von Rabbjnen, von Historikern wie von religiösen Dichtern, muß als Beweis dafür benutzt werden, daß uns die Religion nicht dem Leben entfremdet. Und so werden wir aus allen Gebieten Beispiele bieten, aber einen wirklich breiten Raum darf auch hier nur die Religionsgeschichte in engerem Sinne einnehmen. Und sie sollte ganz zusammenhängend gelehrt und an ihr gezeigt werden, daß es den Gegensatz der religiösen Richtungen immer gegeben hat, daß also der Liberalismus älterals hundert Jahre ist Ein dankbarer und unumgänglich notwendiger Stoff für die oberen Klassen der höheren Schulen ist deshalb die Beschäftigung mit den wesentlichsten Religionsphilosophen. Ein „Führer der Irrenden“, wje wir ihn von Maimonides besitzen, ist doch eine Wahre Fundgrube für uns und sollte doch endlich nicht mehr mit ein paar dürftigen Zitaten abgetan werden, so wenig wie die Lektüre von Gebetstexten und.jüdischer Poesie aller Zeiten. Von selbst wird sich dann von hier aus die ebenfalls nicht zu unterdrückende-Frage nach der Entstehung und Wandlung des Gottesbegriffs bis in die jüngste Gegenwart ergeben, wie nicht minder die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Kult. Noch ein Wort zur Arbeit mit den Kleinen und Kleinsten. Die immer wiederholte Klage der Schüler, daß sie die biblische Geschichte nun zum soundsovielten Male durchnchmen. kann dadurch endgültig beseitigt werden, daß man die ersten vier Jahre von diesem Stoff gänzlich frei läßt. Es gibt grade für diese Jahre eine Fülle geeigneter Stoße, etwa in der Agada. den jüdisch-religiösen Legenden und Märchen, den Sprüchen Salomos und Sirachs. nicht zuletzt in einzelnen Geboten. Moses, in -Stollen aus dem jüdischen Leben der Gegenwart umf in so. mancher Erzählung, wie sie die jüdischen Jugendschriften oder Zeitungen zahlreich enthalten. Das nenne ich liberale Beweglichkeit des Lehrplans. Und auch wenn die biblische -Geschichte beginnt, scheint es im liberalen Sinne planvoller, mit den Stammvätern zu-beginnen., statt-mit den Urgeschichten, die tu.ihrer tiefsten Bedeutung doch erst in der Prima und nicht in der Sexta begriffen werden können. Diesen kurzen grundsätzlichen Bemerkungen sei eine entsprechende Stoffverteilung angefügt: 1.—4. Schuljahr. Agada. Jüdische religiöse Legenden und Märchen. Lieder. Gebete. Feiertagsgeschichten. Aus Sprüchen Salomos mit Erzählungen. 5. Gebot 9. Gebot. . 10. Gebot. Mit Erzählungen. Aus der jüdischen Heiinatgeschichte." Sexta: Abraham—Josef. Agada. Heimatgeschichte. 3. und 4. Gebot Lektüre aus Zeitungen und jüdischen Jugend- I büchern. . Quin t a: Von Mose (ausgewählte Geschichten mit der Agada). Lektüre wie oben. 8. Gebot Aus Sprüchen Salomos. Quarta: Von Josua bis Salomo einschließlich (Auswahl. Die Agada). -Sonst wie oben. Tertia: a) Reich Israel — Reich. Juda (stark gekürzt). Aus der Jüdischen Geschichte Deutschlands. Lektüre wie oben. b) Vom 1. bis zum 2. Untergang. Aus der jüdischdeutschen Geschichte des. 19. Jahrhunderts. Lektüre wie oben. Sekunda : a) Die Urgeschichten der Bibel. Psalmenauswahl. Lektüre aus Zeitungen. Zeitschriften und neuen Büchern. _ b) Weitere Psalmen. Propheten (in Auswahl). Lektüre wie oben. Prima: a) Die wichtigsten biblischen Bücher. Lektüre wie oben. Liberale Gestalten des 19. Jahrhunderts. Lektüre der Ouellen. Außerdeutsche jüdische Geschichte. b) Religionsgeschichte von der Bibel bis zur Gegenwart. Quellenstücke. Literaturgeschichte mit Quellenstücken (bis zur Gegenwart). Die jüdische Frau in der Geschichte aller Zeiten. Andere Religionen. Gegenwartsfragen (Politik —- Soziales). Hebräisch: überall fakultativ. — In den Volksschulen entsprechend verringerter Stoff. Wie ich mir den Religionsunterricht wünsche. Von H e 1 m u t h Heine mann (Hamburg). Die Entwicklung des jüdischen Liberalismus, jener lebendigen, niemals zum Aussterben verdammten Weltanschauung, hat die Kotwendigkeit ihrer Existenz bewiesen. Wohl kaum in einer Bewegung kann und muß gerade die'Jugend eine so wichtige Stellung einnehmen wie bei uns. Eine Sondernummer ist uns. der jüdischen Jugend, gewidmet, und ich soll in dieser Sondernummer zu dem Problem des Religionsunterrichtes Stellung nehmen. Die Tragik vieler jüdischer Eltern ist. daß sie noch heute glauben, sagen zjt dürfen: „Schicken wir unser Kind erst einmal zuin orthodoxen Religionsunterricht. liberal wird es dann schon von selber.“ Was für eine bittere Verkennung des jüdischen Liberalismus! Jene glauben noclrimmer, daß liberal sein ein „etwas weniger sein“ bedeutet. Und wasgeschieht dann, was für Folgen hat diese irrige'Ansicht? Die Kinder in ihrem Wesen und auch zum Teil in ihrer Erziehung so liberal, fühlen sich in diesem Unterricht abgestoßen, sie fühlen und denken „ nicht mit, was dort gelehrt wird. Für sie wird dann das Judentum zu jenem Judentum der finsteren Fanatiker, und wir wissen, was das bedeutet. Diese Kindheitserinnerungen sind dann so tief und so unauslöschlich, daß eine Abkehr vom Judentum nicht allzu selten die Folge ist. Ein orthodoxer Religionsunterricht soll selbstverständlich bestehen.- Er muß sogar bestehen. Alle Eltern, die glauben, daß ihre Kinder nur aui dem Wege des Ritualismus zu einem Höchstmaß an Religion gelangen können — und letzteres ist doch wohl der Endzweck eines Religionsunterrichtes — mögen ihre Kinder dorthin schicken. Aber das liberale Kind gehört nicht in einen solchen Unterricht, in welchem logischerweise der orthodoxen Auffassung gemäß seine Eltern als Juden zweiter Klasse betrachtet werden. Wie wäre es nun mit einem sogenannten „neutralen“ Religionsunterricht? Ich wage zu behaupten, daß es so etwas gar nicht gibt und auch nicht geben darf. Wenn ein Lehrer oder Jugendbildner zu seinen Schülern spricht, dann muß er eine feste Ueberzeugung haben und muß gerade im Religionsunterricht von seinem Standpunkt, sei er liberal oder orthodox, lehren. Wir wollen keine.lauen neutralen Jugendbildnef, wir . können nur lernen von starken gefestigten Lehrern, denn wir selbst wollen keine neutralen und lauen Menschen werden, sondern wir wollen und müssen erzogen werden zu'bekennermutigen bewußten und wissenden Juden. Was brauchen wir jungen jüdischen Menschen nun, die wir zum größten. Teil aus liberalen und zum Teil auch aus indifferenten Häusern kommen? Ich glaube, mit Stolz sagen zu können, daß jene Zeiten vergessen sind, da junge jüdische Menschen sich schämten, Juden zu sein. Selbst kleinere Kinder, denen in der Schule und sonst irgendwo der „Jude“ nachgerufen wird, empfinden, daß sie auch wissen müssen, was es eigentlich heißt, ein Jude zu sein, und ob das eine Schande oder eine Ehre ist. Wohl bei vielen jüdischen Kindern ist dieser seelische Kampf zu finden, wie ihn Egmond Fleg in seinem bekannten Buche „Der kleine Prophet“ in so wunderbarer Weise geschildert hat. Aus dieser. Erkenntnis heraus wollen und müssen wir einen positiv-jüdisch-liberalen Religionsunterricht erhalten. Jüdisch-liberaler Religionsunterricht ist unbedingte Notwendigkeit, wenn das Judentum erhalten bleiben soll. Religionsunterricht im echten Sinne ist keine Schulstunde und gehört auch nicht in die allgemeine Schule. (In Klammern sei bemerkt, daß ich Gegner jeder jüdischen Schule bin.) In den sogenannten Religionsstunden in der Schule müssen die jüdischen Schüler selbstverständlich für sich und von einem jüdischen Lehrer in den Unter- und Mittelklassen in biblischer Geschichte und später in jüdischer Geschichte unterrichtet werden: nichts ist bedenklicher als der gemeinsame Unterricht unserer Kleinsten mit ihren christlichen Kameraden, meist natürlich dann auch von christlichen Lehrern. In den Oberklassen gehören die jüdischen Schüler jedoch, außer in ihren eigenen jüdischen, m. E. auch in den christlichen oder besser gesagt allgemeinen Religionsunterricht, denn dort wird erstens meistens Kirchengeschichte betrieben und zweitens sind die jüdischen Mitschüler dann oft in der Lage, ihre christlichen Kameraden über falsche Vorstellungen vom Judentum, die nicht etwa immer durch Haß, sondern oft nur aus völliger Unkenntnis gezeugt sind, aufzuklären. Wie wichtig so etwas ist, wird wohl jeder einsehen. Für den wahren Religionsunterricht kommt nur ein Nachmittag in der Woche in Frage, dafür sind die Morgenstunden in der Schule nicht da. Halte man mir nicht vor, die Kinder hätten dazu keine Zeit Und wenn alles zurücktreten muß, Fußball, Tennis u. dgl., für den Religionsunterricht müssen unbedingt in der Woche ein oder zwei Stunden frei sein. Schickt aber bitte eure Kinder nicht schon zum Religionsunterricht, wenn sic noch kaum schreiben oder lesen können, oder gar noch früher! Uebcrlaßt diesen Wahn der Orthodoxie, die ja übrigens dazu gezwungen ist, da das Kind ja „schlecht“, d. h. liberal werden könnte, wenn es nicht frühzeitig in die Atmosphäre gelangt, von der es nach Absicht der orthodoxen Eltern bestimmt werden soll. Die ersten Eindrücke in der Schule sind so vielseitig, daß es für ein Kind erst einmal' genug ist, was es dort lernt, erlebt und in sich aufnehmen muß. Ist das Kind jedoch neun oder zehn Jahre alt, dann muß es unbedingt zum Religionsunterricht geschickt werden, und zwar ist es dann ein moralischer Zwang. Was soll nun mit diesen Kindern unternommen werden? Sie sollen erst einmal Hebräisch lernen. Sie werden vielleicht staunen, verehrter Leser, Sie halten das für einen liberalen .Religionsunterricht nicht so wichtig, wie anscheinend ich, eine vielleicht „tote“ Sprache zu erlernen. Aber die hebräische Sprache ist nicht tot. Der Schlüssel zu jeglichem jüdischen Wissen ist die heilige Sprache. Wenn ein Kind im Gotteshaus' im brausenden Chor mit den anderen singt oder spricht: Sch'ma jisroel adonay elauhenu adonay echod, dann besagt das viel mehr und macht einen weit höheren Eindruck, als wenn das Kind sagen würde: Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig. Die Sprache des jüdischen Gebetes ist nun einmal Hebräisch und soll auch Hebräisch bleiben. Selbstverständlich muß den Kindern erst einmal klar gemacht werden, warum sie Hebräisch lernen. Ferner muß unbedingt jedes Fest — und die jüdische Religion ist ja nicht arm an solchen — stets mit den Kindern irgendwie begangen werden. Herausgeber: Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag. Berlin SW 11. Verantwortlich für' den Textteil: George Goetz ' Druck: Berliner Spezial-Druckerei G. m. b. H„ Berlin NW 21,' Alt-Moabit sei es in ernster oder in heiterer Art, eben wie der Charakter des Festes es erfordert. Jüdisches Erlebnis ist nun einmal so notwendig, und dafür mögen diese Veranstaltungen dienen. Nicht zu vergessen sind die Freitagabende. Wie viele Kinder kennen eine echte Sabbatstunde nur vom Hörensagen! Werden nun die Schüler älter, beginnt in ihnen der Kampf Um das Wesen des Judentums, dann beginnt für den liberalen Religionsunterricht, wenn er im rechten Sinne geführt sein will, eine weitere wichtige Aufgabe. Jetzt heißt es. den jungen Menschen zu zeigen, was es denn bedeutet, ein Jude, ein „Israel“,- und das heißt , noch immer: ein Gotteskämpfer zu sein. Jetzt heißt es, den jungen Menschen die Augen zu öffnen und ihnen zu sagen, daß Jude sein nicht Volk sein heißt, und daß wir den universellen Sittlichkeitsgedanken des Judentums lierabsetzen, wenn wir ihn in etwas Raumhaites zwängen, welches blüht und verwelkt, wie es, gleich allem Irdischen, auch die Völker tun. Das ist wohl neben der Uebermittiung jüdischen Wissens und jüdischen Erlebnisses die wichtigste Aufgabe des jüdisch-liberalen Religionsunterrichtes, vielleicht sogar jedes jüdischen Religionsunterrichtes überhaupt. Und dies fehlt noch überall. Es wird mir immer wieder gesagt: Unsere Aufgabe ist eine rein religiöse, wir dürfen uns nicht um politische Kämpfe innerhalb des Judentums kümmern. Aber ist das nicht die erste und größte Aufgabe des echten Religionsunterrichtes, .erst einmal das wahre Antlitz des Judentums zu zeigen, nämlich daß es Religion ist. und . ihm die es zum Ruin führende Maske des jüdischen Nationalismus abziinehmen?! Nun noch ein Wort zur reiferen Jugend, zu der Jugend, die die Schulbank verlassen hat und jetzt entweder in der akademischen, kaufmännischen oder handwerklichen Ausbildung sich befindet und zu der auch ich bereits gehöre. Vergeßt diese jungen Menschen nicht! Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft, Deutsch-jüdische Jugend und ähnliche Vereinigungen können niemals einen Religionsunterricht ersetzen. Die jüdische Einstellung dieser jungen Menschen ist meist feststehend, und sie wissen auch, warum sie zum liberalen Unterricht kommen. Aber in diesen Menschen kommt manchmal der- Glaube ins Wanken. Oft werden sie von plötzlichem Zweifel übermannt, der dann wohl meist durch bittere Enttäuschungen, die doch heute auch uns junge Menschen so hart und oft treffen, her-, vorgeruien wird, und der Glaube droht ins Wanken zu geraten. Diesen jungen Menschen muß dann die Lebensnähe der Religion gezeigt werden, wie sie der jüdische Liberalismus in höchstem Maße verwirklicht. Zum Schluß noch ein kurzes Wort zum Verhältnis zwischen Religionslehrer und' Schüler. Unbedingtes gegenseitiges Vertrauen ist Urnotwendigkeit, jeden jüdischen Religionsunterrichtes, denn Religionsunterricht ist, .wie schon oben gesagt, keine allgemeine Schulstunde, in der man lernt und dadurch weiß, sondern er ist eine Stunde der inneren Sammlung, in der man lernt und dadurch erlebt. Versammlungskalender Mannheim. Montag, 12. Dezember, abends 8.30 Uhr, Frau Margarete Goldstein (Berlin) in der August Lamey-Loge, C 4, 12, über: „Heimat und Glaube". Berlin-Oberspree. Donnerstag, 1. Dezember, 20.30 Uhr, in der „Brückenklause“, Nieder-Schöneweide, Brückenstraße 15. Rechtsanwalt Dr. Max Mayer: „Religiosität und Religiöse Tat ln der Großstadt“ und der russische Rechtsanwalt Dr. lila Goldmann (Staatssekretär a.D.): „Judentum und Bolschewismus“. Geselliges Beisammensein mit musikalischen Darbietungen und heiteren Vorträgen. Berlin-Norden. Dienstag, 6. Dezember, 20.30 Uhr, Schönhauser Festsäle, Schönhauser Allee 129. Wilhelm Marcus: „Gemeindepolitik“, Rechtsanwalt Heinrich Stern: „Der Stand der liberalen Bewegung in Deutschland und in anderen Ländern“.. Geselliges Beisammensein unter Mitwirkung des Herrn Kantors Kurt Jakubowski von der Liberalen Synagoge Norden. Berlin-Schöneberg. Nächste Veranstaltung der Bezirksgruppe am Mittwoch, dem 7. Dezember. Einladungen ergehen noch. Thema des' Abends: „Der junge Jude in der nichtjüdischen Umwelt“. Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, -Schönhauser AUee 162. Freitag, 2. Dezember, abends 7.15 Uhr: Predigt Dr. van der Zyl. — Sonnabend, 3. Dezember, vorm. 10 Uhr: Predigt Erwin Ziiiiet. — Freitag, 9. Dezember, abends 7.15 Uhr: Predigt Dr. Hirschberg. — Sonnabend, 10. Dezember, vorm. 10 Uhr: Predigt Dr. Hirschberg. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten, Käise'rstraße 30, Aula der Mädchenschule. Freitag, 2. Dezember, abends 7.30 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Plotke. — Freitag, 9. Dezember, abends 7.30 Uhr: Predigt Rabb.-Kand. Mehler. Westend. Liberale Synagoge Westerid, Leistikowstraße 7—8. Freitag, 2. Dezember, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabb.-Kand. Mehler. — Freitag, 9. Dezember, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky. Liberaler Gottesdienst Schmargendorf. (Altersheim Berkaer Straße 32.) Freitag, 2'. Dezember, abends 7 Uhr. — Sonnabend, 3. Dezember, vorm. 10 Uhr. Freitag, 9. Dezember, abends 7 Uhr: Predigt. — Sonnabend, 10. Dezember, vorm. 10 Uhr. Jüdische Reformgemeinde. Johannisstraße 16: Sonntag, 4. Dezember, vorm. 10.30 Uhr: Predigt Dr. Jelski. — Sonntag, 11. Dezember, vorm. 10.30 Uhr: Predigt Dr. Rosenthal. - Kleiststraße 10: Freitag, 2. Dezember, abends 7.15 Uhr: Bibelvorlesung Irene Triesch, Liturgie Dr. Lehmann. —; Freitag, 9. Dezember, abends 7.15 Uhr: Bibelvorlesung Irene Triesch, Liturgie Dr. Jelski. Tischlerei für MöbeMJmbauund Innenarchitektur verwandelt Ihre alte-unmoderne Einrichtung In eine zweckmäßige, den Räumen und Bedürfnissen entsprechend schöne moderne Wohnung. Sämtlldie Neuanfertigungen. 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