Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 325)
- Language
- German
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— 305 — rhnen an Sabbaten und Feiertagen die heiligen Gebete vortrug; daß der „Karfunkel" einen solchen Glanz, ein solches Leuchten um sich her ausstreute, um den Glanz und das Leuchten anderer Edelsteine neben sich erblassen zu machen. Wohin das bleiche Mädchen mit den großen Augen und der lerchenhaften Stimme kam, war es, als ob den Menschen eine neue Offenbarung über das Walten des Göttlichen in einem irdischen Geschöpfe entgegengetreten wäre. All das wußten die Leute in der Gaffe nicht, und doch behaupteten sie, aus dem Kinde ihres Vorbeters sei eine große Sängerin geworden! Woher war ihnen diese Kunde gekommen? Eines Tages kam Saul Weißfisch, der säbelbeinige Schneider, zu David Brod. „David!" sagteer, „Euer Kind ist jetzt etwas Großes geworden; da muß sie sehr schöne Briefe schreiben, und ich bin all mein Leben ein Freund von schönen Briefen gewesen, schon wie ich auf der Wanderschaft noch war, und mein jetziges Weib noch meine Braut war. Darum möcht' ich Euch bitten, zeigt mir, was Euch Euer Kind schreibt; ich kann mir denken, was so eine große Künstlerin schreiben kann?" „Ich Hab' keine Briefe", schrie der Vorbeter, und ein ergrimmtes Antlitz drohte dem erschrockenen Schneider zu. „Ihr habt keine Briese von Euerem Kinde! rief Saul Weißfisch erschrocken. Dann.lächelte er sein und boshaft. „David Brod", sagte er mit aufgehobenem Finger, „wollt Ihr auf Eueren alte Tage .mir, Saul Weißfisch gegenüber, den Min (Heuchler) spielen? So gut ich Saul Weißfisch heiße, so gut habt Ihr Briefe von Euerer Tochter. Mir werdet Ihr einreden wollen, daß Zhr keine Briefe h^t? Ihr wollt sie nur nicht vorweisen, weil Ihr fürchtet.