Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 321)
- Language
- German
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301 werde am Abende, wenn man dieKerzen angezündet hatte und die trauliche Laubhütte mit einem Segensspruche des Vaters eingeweiht wurde! Achtmal war dies geschehen, seitdem ein Kind der „Gasse" diese vergoldeten Aepsel und Nüsse verächtlich angeblickt und die Blumen aus dem Garten des Grasen für weit schöner erklärt hatte! Was war indessen ans der Tochter David Brod's geworden? Die es wissen sollten, wußten es längst nicht mehr. Wenn man den Vorbeter darum fragte, so schüttelte er den Kopf und höchstens sagte er mit einem Tone von Verbissenheit, den man früher an ihm nicht kannte: Was soll mit ihr sein? Sie wird singen! und wenn Feiwelmann der Baß Rede stehen sollte, so war seine gewöhnliche Antwort: „Ein Karfunkel braucht schon einige Zeit, bis er geschliffen ist." Das Eine ward klarweder David Brod noch sein Baß schienen mit Sicherheit zu wissen, was aus Bella geworden. Längst hatte der alte Vorbeter es ausgegeben, in ihren hie und da einlangenden Briefen nach jenen Worten und Ausdrücken zu suchen, die nur ihm wie geheimnißvolle Offenbarungen klangen . . denn die Briese trafen nicht mehr ein. Was war ans dem Kinde geworden? Droben im gräflichen Schlosse wußten sie es auch nicht, oder sie gaben höchstens ausweichende Antworten. Der Graf weilte noch immer in der Ferne aus Reisen; Niemand konnte Auskunft geben, wenn seine Rückkehr zu erwarten war. Einmal kurz vor Beginn des Laubhüttenfestes war Ferwelmann der Baß wieder auf dem Schlosse gewesen. Da hatte man ihm im Namen des Grafen für David Brod eine nicht unbedeutende Geldsumme eingehändigt und ihm dabei gesagt, ein gleicher Betrag würde jährlich an ihn ausbezahlt werden; er möge „einstweilen" sich