Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 318)
- Language
- German
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298 Das Kind des Vorbeters hatte andere erhalten, nicht jene», an denen die Hand des Menschen wirkt und webt, sondern^ die die eigene Seele ans sich selbst herausschafft, an deren- Zurüstung der eigene Geist gesonnen und gedichtet hat. — Ein Brief war wieder eingetroffen; es war gerade am Tage vor dem Laubhüttenfeste, dem zweiten, seitdem Bella, das Vaterhaus verlassen. Der Brief lautete: „Lieber Vater! ..Zwischen heute und morgen tritt ein entscheidendes Moment in meinem Leben ein. Der Karsunkel beginnt zn glänzen, das Kind der „Gasse" verläßt Prag und geht nach Jtalien, dem Lande, wohin die Sehnsucht jeder Seele dringt wo im dunklen Laub die Goldorangen glüh'n! Ein Schreiben meines Herrn Grasen beruft mich dorthin, meine Lehrzeit hier ist vollendet. Dort, in jenen vom milden Kusse der Sonne durchleuchteten Gegenden wird auch mein Stern aufgehen, oder — untergehen für immer. Die Frau, deren Leitung ich in Prag übergeben ward, geht mit mir. Alles ist in Ausruhr in mir. . . . Hattest Du das gedacht, als ich vor zwei Jahren nichts Wichtigeres und Höheres kannte als woher ich Blumen für unsere Laubhütte nehmen sollte? Aber der Karsunkel beginnt zu glänzen. Lebe wohl für lange, und grüße mir Herrn Feiwelmann ° . . Ich bin Deine treue Tochter Bella. Nachschrift. „Wenn die „Jahrzeit" der guten Mutter eintritt, so gehe aus den Friedhof oder den guten Ort, und lege für mich und in meinem Namen ein Steinchen auf ihr Grab. „Feiwelmann! Lies mir noch einmal den Nachsatz!" rief der Vorbeter.